Ein mit Zika verwandtes Virus kann in Schweinen überwintern

Mit dem Zika-Virus verwandte Viren können in Schweinen überwintern. (Bild: Kadmy/fotolia.com)
Alfred Domke
Forschung: Mit Zika verwandtes Virus überwintert in Schweinen
Die Meldungen über das Zika-Virus, das für Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen verantwortlich gemacht wird, ängstigen Menschen weltweit. Schweizer Forscher haben nun herausgefunden, dass ein mit Zika verwandtes Virus offenbar in Schweineherden überwintern kann.

Mit Zika verwandtes Virus überwintert in Schweinen
Das Zika-Virus, dass sich seit Monaten in Lateinamerika verbreitet, sorgt seit Monaten für große Angst in der Bevölkerung. Der Erreger steht im Verdacht, bei einer Infizierung von Schwangeren Fehlbildungen beim ungeborenen Kind zu verursachen. Bei dieser sogenannten „Mikrozephalie“ kommen die Kinder mit einem zu kleinen Schädel auf die Welt. Wissenschaftler aus der Schweiz haben nun herausgefunden, dass ein mit Zika verwandtes Virus in der Moskito-freien Winterzeit offenbar in Schweineherden zirkuliert und so überdauern kann.

Mit dem Zika-Virus verwandte Viren können in Schweinen überwintern. (Bild: Kadmy/fotolia.com)
Mit dem Zika-Virus verwandte Viren können in Schweinen überwintern. (Bild: Kadmy/fotolia.com)

Schwere Gehirnentzündungen bei Menschen
Das Japanische Enzephalitis (JE) Virus ist die Hauptursache für schwere Gehirnentzündungen bei Menschen in Asien. Vor allem bei Kindern kann eine Infektion zu schwerer Gehirnentzündung mit lebenslanger Schädigung oder gar zum Tod führen. Das Virus kommt in weiten Teilen Südostasiens vor und ist mittlerweile auch in Indien verbreitet. Der Erreger zirkuliert zum einen zwischen Vögeln und Moskitos, zum anderen zwischen Schweinen und Moskitos. Bislang war nur eine Ansteckung über Moskitos bekannt. Forscher der Universität Bern haben jetzt herausgefunden, dass es sich aber auch im direkten Kontakt zwischen Schweinen überträgt, womit es auch in der Moskito-freien Winterzeit in Schweinepopulationen zirkulieren könnte.

Bislang nur Übertragungsweg durch Moskitos bekannt
Wie die Uni Bern in einer Pressemitteilung erklärte, ist das JE-Virus mit dem West-Nil-, Zika- und Dengue-Virus nah verwandt. Sie alle werden durch Mücken übertragen und gehören zu den sogenannten Flaviviren, welche schwere Erkrankungen bei Mensch und Tier verursachen können. Bislang war für JE-Viren nur der Übertragungsweg durch Moskitos bekannt. Die Forschergruppe unter Leitung von Dr. Meret Ricklin und Prof. Artur Summerfield stellte jedoch fest, dass sie sich auch zwischen Schweinen übertragen können. Die Wissenschaftler publizierten ihre Ergebnisse im Fachmagazin „Nature Communications“.

Erreger kann in kälteren Regionen überdauern
Es war bisher unbekannt, wie das JE-Virus in kälteren Regionen wie etwa im Norden Japans, überwintern und im nächsten Jahr zu neuen Ausbrüchen führen konnte. Diese Ausbrüche erfolgten zum Teil im gleichen Bauernhof wie im Vorjahr, obwohl keine infizierten Moskitos in der Umwelt zu finden waren. Die Wissenschaftler fanden nun heraus, dass die Tiere den Erreger über mehrere Tage hinweg über den Speichel absondern und selbst bei niedrigen Virusdosen empfänglich für Infektionen über Mund und Nase sind.

Virus vermehrt sich im Gehirn
Wie auch beim Menschen, vermehrte sich das Virus bei den Schweinen im Gehirn und verursachte dort Entzündungen. Am stärksten vermehrte es sich jedoch in den Mandeln der Schweine, wo es über Wochen bis zu Monaten nachweisbar bleibt. Die Studienautoren nehmen an, dass JE-Viren möglicherweise im Schwein zirkulieren und sogar monatelang überleben können. Scheidet das Tier das Virus wieder aus, könnte ein neuer Infektionszyklus beginnen. Allerdings seien weitere Studien nötig, um diese Zusammenhänge zu belegen.

Ausbreitung in gemäßigtem Klima möglich
Die Ergebnisse zeigten, dass auch bei Viren, die durch Insektenstiche übertragen werden, eine direkte Übertragung durch Kontakt nicht ausgeschlossen werden kann. „Es bedeutet, dass das JE-Virus auch ohne Moskitos in der Schweinepopulation zirkulieren und sich somit auch in Regionen mit gemäßigtem Klima ausbreiten könnte“, erklärte Artur Summerfield. Theoretisch könnte es damit auch den Menschen vermehrt bedrohen. Für Mensch und Tier existiert aber eine Impfung. In Europa trat das Virus bisher lediglich bei Asien-Rückkehrern auf, wobei es zu keinen weiteren Infektionen kam. Allerdings wurde in den vergangenen Jahren verstärkt vor einer Ausbreitung der asiatischen Buschmücke in Europa gewarnt. Diese gilt als Überträger der Japanischen Enzephalitis. (ad)

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