Einführung eines neuen Billigtarifs in der PKV

Fabian Peters

Nichtzahler-Tarif für die PKV geplant

30.01.2012

Die Privaten Krankenversicherungen (PKV) haben zunehmend Schwierigkeiten mit Versicherten, die ihre Beiträge nicht zahlen können. Daher planen die Privatversicherer laut einer Meldung der Nachrichtenagentur „dpa“ offenbar die Einführung eines Billigtarifs für Nichtzahler.

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Der Billigtarif soll für Privatversicherte in Kraft treten, wenn diese über einen längeren Zeitraum ihre Beiträge nicht zahlen. Denn laut Angaben der privaten Krankenkassen belasten die knapp 150.000 Nichtzahler die Versicherungen mit mehr als einer halbe Milliarde Euro. Die Möglichkeit den Betroffenen zu kündigen besteht – seit Einführung der Versicherungspflicht im Jahr 2009 unter der damaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) 2009 – nicht mehr, so dass als einzige Option für die Nichtzahler bisher der sogenannte Basistarif in Frage kam.

Doch auch für den Basistarif wird in der PKV unter Umständen der durchschnittliche Höchstsatz der gesetzlichen Krankenkassen fällig. Eine Summe, die viele Versicherte offenbar nicht aufbringen können und so ist ein beachtlicher Zuwachs der Nichtzahler zu beobachten. Ende September 2011 gab es laut Angaben eines Sprechers vom Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“ insgesamt 144.000 Nichtzahler in der Privaten Krankenversicherung. Auch der Debeka-Chef Uwe Laue hatte gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“ von rund 150.000 Privatversicherten gesprochen, die ihre Beiträge nicht zahlen. Dem Vorstandsvorsitzenden der Debeka zufolge liegt die „Beitragsschuld mittlerweile bei 550 Millionen Euro.“

Einführung eines Nichtzahler-Tarif mit minimalem Leistungsumfang
Um das Finanzloch zu stopfen, planen die privaten Krankenversicherungen nun offenbar einen Tarif, der nur noch akute Leistungen und Schwangerschaften umfassen sollen. Kosten würde dieser immer noch 100 Euro pro Monat, doch hoffen die Privatversicherer, dass weit mehr Nichtzahler als bisher diese Summe aufbringen können. Für die Einführung des Billigtarifs brauchen die privaten Krankenversicherungen jedoch noch die Unterstützung der Bundesregierung, da bisher der minimale Leistungsumfang vom Gesetzgeber noch festgeschrieben ist. Aus gutem Grund, könnte man meinen, denn das Mindestmaß medizinischer Versorgung sollte für alle gelten. Doch auch die Politik scheint laut Berichten der „Welt“ zu den Änderungen bereit. So seien die entsprechenden Planung im Bundesfinanz- und Justizministerium zur Einführung eines PKV-Tarifs mit geringem Leistungsumfang und Kosten von 100 Euro monatlich schon weit gediehen, berichtet das Blatt. Die Angaben wurden aus Regierungskreisen soweit bestätigt.

Nichtzahler in der PKV hausgemachtes Problem?
Der Nichtzahler-Tarif mit deutlich reduziertem Leistungsspektrum würde säumigen Beitragszahler nach einer zweimaligen Mahnung drohen. Nach der zweiten Mahnstufe würde ihr bisheriger Tarif automatisch ausgesetzt und stattdessen der Nichtzahler-Tarif greifen, bei dem die Versicherungen nur noch im Notfall für die medizinischen Leistungen aufkommen. Die Daten zu den Privatversicherten aus dem vergangenen Jahr zeigen, wieso die privaten Krankenkassen jetzt auf die Einführung eines derartigen Billigtarifs drängen. Denn die Anzahl der säumigen Beitragszahler lag bereits im November 2010 höher als die der Nettoneuzugänge an Mitgliedern. So hatten 88.500 Versicherte im Jahr 2010 mindestens sechs Monate lang keine Beiträge gezahlt. Doch das Problem ist zu weiten Teilen hausgemacht. Denn viele Privatversicherte sind durch die Beitragserhöhungen im Bereich der PKV schlichtweg überfordert. Auch locken die Versicherungen die Mitglieder mit besonders günstigen Einstiegskonditionen, worauf jedoch in der Regel nach ein paar Jahren drastische Beitragserhöhungen folgen. Dies trifft häufig auch Personen, die sich unter normalen Umständen einen PKV-Tarif gar nicht hätten leisten können.

Leistungen werden nur im Notfall übernommen
Während Wiltrud Pekarek, Vorstandsmitglied der Halleschen Krankenversicherung, gegenüber der „Welt“ die Vorteile einer gesetzlichen Neuregelung für die Versichertengemeinschaft betonte und diese als Möglichkeit beschrieb, den Anstieg der Beitragsrückstände abzumildern, bleiben für die Betroffenen unterm Strich erhebliche Einbußen beim Leistungsumfang ihres Versicherungsschutzes. Da nur noch in akuten Situationen die Leistungen übernommen werden, würden zum Beispiel sämtliche Vorsorgeuntersuchungen und Routinekontrollen wegfallen. So stünden die Versicherten am Ende deutlich schlechter da, als im Basistarif der PKV oder bei der gesetzlichen Krankenversicherung. Ein Modell das zumindest Zweifel weckt. (fp)