Eingefrorene Schulter: Erkrankung kann sich über viele Jahre hinwegziehen

Fabian Peters
Oft heilt eine „eingefrorene Schulter“ von selbst, die Beschwerden können jedoch auch Jahre anhalten
Die Schulter fängt an zu schmerzen und fühlt sich langsam taub an – dies können Hinweise auf eine „eingefrorene Schulter“ sein. Die Erkrankung tritt meist erst ab dem 50. Lebensjahr auf. Eine sogenannte „Schultersteife“ heilt zwar oft von alleine aus, allerdings dauert die Genesung lange und die Erkrankung ist aufgrund der mangelnden Mobilität und Schmerzen in der Schulter sehr unangenehm. Häufig braucht es mehrere Monate, bis die Schmerzen vergehen. Noch viel länger Zeit kann vergehen, bis sich die Schulter wieder vollständig bewegen lässt und ihre normale Mobilität wiedererlangt ist. Manchmal dauert dieser Vorgang sogar mehrere Jahre, berichtet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen auf seinem Patienteninformationsportal. Therapeutisch lasse sich zwar eine Linderung der Schmerzen erreichen, aber die Heilung der Schulter könne nicht beschleunigt werde so das IQWiG.

Verklebungen in den Gelenken können dazu führen, dass sich die Schulter nicht mehr bewegen lässt und starke Schmerzen verursacht, erklärten die Experten des IQWiG. Die Erkrankung beginnt sehr langsam und wird oft anfangs nicht bemerkt. Zu Beginn haben Betroffene nur leichte Schmerzen. Diese werden in den nächsten Monaten langsam stärker. Erkrankte Menschen haben dann immer mehr Probleme, ihren Arm nach oben oder hinten zu bewegen. Der Schlaf ist gestört und viele Aufgaben des Alltags fallen dem Betroffenen zunehmend schwerer. Die Versteifung des Armes kann sich mit der Zeit so stark verschlimmern, dass die Schulter wie „eingefroren“ erscheint. Sie lässt sich dann kaum noch bewegen, dieser Vorgang wird in englischsprachigen Ländern daher als „frozen shoulder“ bezeichnet.

Die Beschwerden bei einer eingefrorenen Schulter können sich über Jahre hinziehen. (Bild: Sebastian Kaulitzki/fotolia.com)
Die Beschwerden bei einer eingefrorenen Schulter können sich über Jahre hinziehen. (Bild: Sebastian Kaulitzki/fotolia.com)

Die drei Phasen der „Schultersteife“
Eine typische „frozen shoulder“ Erkrankung verläuft laut IQWiG in drei Phasen. Anfangs fängt die Schulter an, leicht zu schmerzen. Die Schmerzen werden mit der Zeit immer stärker und treten meist in der Nacht auf. Der Grund hierfür ist, dass bei Seitenlage im Laufe der Nacht verstärkt Schulter und Arm belastet werden. Für Betroffene ist es sehr unangenehm, den Arm nach oben oder hinten zu bewegen. Dieser Vorgang kann sich über zwei bis neun Monate ausdehnen. In der zweiten Phase beginnt die Schulter dann „einzufrieren“. Die Bewegungen werden immer schmerzhafter und die Beweglichkeit der Schulter nimmt immer weiter ab. Die Bewegungslosigkeit oder Schonung der Schulter führt oft dazu, dass die Schultermuskulatur etwas abbaut. Diese Phase kann dem IQWiG zufolge vier bis zwölf Monate andauern. Schließlich folgt die dritte und letzte Phase der Erkrankung. Die Steife der Schulter nimmt langsam ab und die Beweglichkeit kehrt langsam zurück. Allerdings kann es, bis die Schulter wieder voll beweglich ist, nochmal ein bis drei Jahre dauern, berichten die Experten. Auch könne eine sogenannte „Schultersteife“ unterschiedlich verlaufen. In manchen Fällen liegen nach ein bis eineinhalb Jahren nur noch wenige Einschränkungen in der Schulter vor. Bei anderen Betroffenen dauert eine Besserung und vollständige Heilung wesentlich länger.

Zwei bis fünf Prozent der Menschen erkranken an einer „eingefrorenen Schulter“
Laut dem Institutes für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen sind zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung irgendwann im Laufe ihres Lebens von dem Problem „frozen shoulder“ betroffen. Frauen entwickeln die Erkrankung etwas öfter als Männer. Menschen, die an Diabetes erkrankt sind, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, irgendwann im Laufe ihres Lebens eine „frozen shoulder“ zu entwickeln. Es gibt hierfür laut IQWiG noch keine genaue Erklärung, aber etwa zehn bis zwanzig Prozent der Diabetiker erkranken an „Adhäsiver Kapsulitis“ oder „Periarthritis“, so die Bezeichnung der Krankheit in Fachkreisen. Normalerweise versteift eine Schulter nur einmal im Leben. In manchen Fällen erkrankt aber auch die zweite Schulter innerhalb der nächsten fünf Jahre nach der ersten Erkrankung und versteift sich.

Behandlungmöglichkeiten bei „frozen shoulder“
Bei einer Versteifung der Schulter bildet sich dort eine narbenähnliche Verklebung in der Gelenkkapsel. Diese bewirkt, dass das Kapselgewebe sich verdickt. Entzündungen können hierbei eine wichtige Rolle spielen. Das Wichtigste, um eine solche Erkrankung vollständig auszuheilen, ist die Zeit. Allerdings gibt es mehre Möglichkeiten zumindest die entstehenden Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern. Sowohl Wärme- als auch Kältebehandlungen können llaut IQWiG helfen, die Krankheit erträglicher zu machen. Schmerzmittel, die eine entzündungshemmende Wirkung haben, wie beispielsweise Ibuprofen seien mitunter ebenfalls hilfreich. Auch Kortison oder eine Distensionsarthrografie (Spritzen, um das Gelenk zu dehnen) können eingesetzt werden, um die Symptome zu bekämpfen und dem Betroffenen das Leben zu erleichtern. Eine „frozen shoulder“ wird nur selten operiert, da sich die Beschwerden mit genügend Zeit selbst ausheilen. Zur Verbesserung der Beweglichkeit, werden oft Physiotherapie und spezielle Dehnübungen verschrieben.

Die Naturheilkunde setzt bei der Behandlung einer eingefrorenen Schulter vor allem auf manuelle Therapie, wie beispielsweise Massagen, Chirotherapie, Rolfing und die Osteopathie, um die Beschwerden zu lindern. Zudem ist die Wärmetherapie in der Naturheilkunde ein Klassiker bei der Behandlung von Gelenkschmerzen. Die Wärme kann helfen, das Schmerzempfinden zu senken. Außerdem hilft die Wärme, die Selbstheilungskräfte anzuregen. Eine sogenannte „Kryo-Therapie“ wirkt ähnlich, so kann auch der regelmäßige Besuch von „Kältekammern“ helfen, Schmerzen in der Schulter zu senken.(as)