Einsamkeit oft erster Hinweis für eine Alzheimer-Erkrankung?

Einsamkeit scheint eine wichtiger Faktor bei einer Alzheimer-Erkrankung zu sein. Forscher fanden heraus, dass Menschen mit präklinischer Alzheimer 7,5 Mal häufiger einsam sind. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)
Alexander Stindt
Mediziner stellen fest: Menschen mit Alzheimer leiden 7,5 Mal häufiger an Einsamkeit
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Einsamkeit und der Entstehung von Alzheimer? Forscher fanden jetzt heraus, dass Einsamkeit ein relevanter Faktor für die Entstehung der Alzheimer-Krankheit sein kann. Dank dieser Erkenntnis könnte Einsamkeit in Zukunft als ein Frühindikator für Alzheimer genutzt werden.

Die Wissenschaftler der international anerkannten Harvard Medical School stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass es einen Zusammenhang zwischen Einsamkeit und der Entstehung von Alzheimer gibt. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „JAMA Psychiatry“.

Einsamkeit scheint eine wichtiger Faktor bei Alzheimer zu sein. Forscher fanden heraus, dass Menschen mit präklinischer Alzheimer-Erkrankung 7,5 Mal häufiger einsam sind. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)
Einsamkeit scheint eine wichtiger Faktor bei Alzheimer zu sein. Forscher fanden heraus, dass Menschen mit präklinischer Alzheimer-Erkrankung 7,5 Mal häufiger einsam sind. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Studie untersucht Zusammenhang zwischen Amyloid-Wert und Einsamkeit
Die amerikanischen Forscher untersuchten in ihrer Studie mit der Hilfe von sogenannten Gehirnscans die Ablagerung von Amyloid im Gehirn scheinbar gesunder Menschen. Dieses Protein steht im Zusammenhang mit der Alzheimerkrankheit. Die Probanden bestanden aus einer Gruppe von 79 Menschen mit einem Durchschnittsalter von 76 Jahren. 28 Prozent der Teilnehmer waren Träger des sogenannten Risiko-Gens Apolipoprotein E4 (ApoE4), erläutern die Mediziner. Zusätzlich fiel knapp ein Drittel der Probanden durch hohe Werte von Amyloid in die sogenannte Amyloid-positive Gruppe.

Menschen mit präklinischer Alzheimer-Erkrankung häufiger einsam
Nach der Kontrolle von verschiedenen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Genetik, Depression, Angst, sozioökonomischem Status und sozialen Netzwerken der Teilnehmer schlussfolgerten die Wissenschaftler, dass Menschen mit präklinischer Alzheimer-Erkrankung 7,5 Mal häufiger einsam sind, verglichen mit Menschen ohne Frühzeichen der Krankheit. Es gibt also einen Zusammenhang zwischen größeren Amyloid-Mengen im Gehirn und einem stärkeren Gefühl der Einsamkeit, sagen die Forscher.

Ist Einsamkeit der Entstehungsgrund oder nur ein Symptom für Alzheimer?
Die Verbindung zwischen einer höheren Menge von Amyloid im Gehirn und Einsamkeit war bei Trägern des Risiko-Gens für Alzheimer, dem Apolipoprotein E4 (ApoE4), stärker ausgeprägt als bei Nicht-Trägern, erklären die Mediziner. Während die Studie Beweise für eine Korrelation zwischen Einsamkeit und frühen Anzeichen der Krankheit aufzeigt, bleibt es unklar, ob die soziale Isolation tatsächlich einer der Gründe für die Entstehung von Alzheimer sein könnte. Vielleicht ist die Korrelation auch nur einfach eines der Symptome.

Assoziation von Einsamkeit und kortikaler Amyloidbelastung festgestellt
Wir stellten eine neuartige Assoziation von Einsamkeit und kortikaler Amyloidbelastung bei kognitiv normalen Erwachsenen fest, sagen die Experten. Zusätzlich wurden Beweise dafür gefunden, dass Einsamkeit ein neuropsychiatrisches Symptom ist. Dieses könnte in Zukunft für die präklinische Alzheimer-Krankheit sehr relevant sein, erläutern die Autoren.

Weitere Forschung ist nötig zur Verbesserung der Früherkennung von Alzheimer
Die Ergebnisse sollten zu neuer Forschung im Bereich der Neurobiologie der Einsamkeit und anderer sozial-emotionalen Veränderungen im späten Leben führen, erläutern die Wissenschaftler. So könne die Früherkennung und Intervention bei der Alzheimerkrankheit verbessert werden. (as)

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