Elfjähriger Junge verliert infolge von Mangelernährung das Augenlicht

Nina Reese

Einseitige Ernährung führt bei Kind zu massiven Mangelerscheinungen

Eine falsche Ernährung kann dramatische Folgen für unsere Gesundheit haben. Dies zeigt sich eindringlich im Fall eines Elfjährigen aus Kanada. Der Junge litt unter zahlreichen Lebensmittelallergien und Hautausschlag, weshalb seine Eltern einen speziellen Diätplan erstellten. Nachdem sich das Kind mehrere Monate auf diese Weise ernährt hatte, konnte es nicht mehr sehen.

Eltern wollen Kind mit spezieller Diät helfen

Die Eltern wollten ihrem Kind vermutlich nur etwas Gutes tun: Da ihr Sohn an diversen Lebensmittelallergien und Hautausschlägen litt, stellten sie eine spezielle Diät für ihn zusammen. Doch die einseitige Ernährung führte zu dramatischen Mangelerscheinungen. Der Junge konnte immer schlechter sehen, bis er am Ende fast blind war, berichten Dustin Jacobson von der Universität Toronto und Kollegen im Fachmagazin „JAMA Pediatrics Clinical Challenge“.

Der Fall eines kanadischen Jungen zeigt, wie wichtig eine ausgewogene und vitalstoffreiche Ernährung für die Augen ist. (Bild: Dan Race/fotolia.com)

Kein grünes Gemüse auf dem Speiseplan

Der Speiseplan des Jungen bestand nur aus wenigen Nahrungsmitteln: Kartoffeln, Schweine- und Lammfleisch, Gurken, Äpfel und Haferfrühstücksflocken. Durch diese sollten die Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien in Schach gehalten und das Kind vor unangenehmen Hautausschlägen bewahrt werden. Andere Lebensmittel, wie zum Beispiel grünes Gemüse, Milchprodukte oder Eier, bekam der Junge nicht. Doch die einseitige und extrem eingeschränkte Ernährung blieb nicht ohne Folgen, denn innerhalb weniger Monate verschlechterte sich das Sehvermögen des Jungen zusehends.

Augentrockenheit und Verlust der Sehkraft

Zunächst litt der Elfjährige unter extrem trockenen Augen, dann kamen Nachtblindheit und Lichtempfindlichkeit hinzu. Später konnte er auch am Tag nicht mehr richtig gucken. Als seine Eltern ihn in ein Kinderkrankenhaus in Toronto brachten, reichte sein Sehvermögen nur noch, um Handbewegungen im Abstand von maximal 30 Zentimetern wahrzunehmen, berichten die Mediziner.

Trockene Stellen auf der Bindehaut

Die Ärzte untersuchten den junge Patienten und konnten keine äußeren Ursachen für den plötzlichen Verlust des Sehvermögens ausmachen. Es waren keine Spuren von Gewalteinwirkung oder eine Augenrötung erkennbar, zudem hatte der Elfjährige keine Schmerzen, berichten die Autoren. Doch dann entdeckten die Mediziner trockene Stellen auf der Bindehaut des Auges, was ein typischen Zeichen für einen für einen A-Vitaminmangel ist.

Eine Unterversorung mit Vitamin A ist vor allem in Entwicklungsländern eine der Hauptursachen dafür, dass Kinder ihr Augenlicht verlieren. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit schätzungsweise rund 190 Millionen Kinder unter fünf Jahren an Vitamin-A-Mangel. In entwickelten Ländern ist die Versorgung mit dem Vitamin durch die tägliche Ernährung normalerweise gut und ein Mangel eher die Ausnahme.

Vitamin A ist essentiell für den Sehprozess

Bei dem kanadischen Jungen hatte jedoch die strenge Diät einen massiven Vitamin-A-Mangel verursacht, welcher sich nach kurzer Zeit durch die Sehprobleme äußerte. Denn das auch als „Augenvitamin“ bekannte Vitamin A ist essentiell für den Sehprozess, da es als Bestandteil des Sehpigmentes in den Sinneszellen der Netzhaut (Stäbchen und Zapfen) unmittelbar an der Lichtverarbeitung beteiligt ist.

Fehlt das Vitamin, kommt es zu einer Beeinträchtigung des Sehvermögens, die sich zuerst in Form von Nachtblindheit zeigt. Das liegt daran, dass die Sehpigmente der Stäbchen und Zapfen das Vitamin unterschiedlich schnell aufnehmen. Das Sehpigment in den Stäbchen (Rhodopsin), welches das Sehen im Dunklen ermöglicht, nimmt das Vitamin nur langsam auf. Für das Sehen am Tag wird hingegen das Iodopsin in den Zapfen benötigt, welches Vitamin A schneller aufnimmt.

Kind gilt auch nach der Behandlung als blind

Um das Augenlicht des Kindes zu retten, bekam der Junge über zwei Wochen hinweg mehrere hohe Dosen Vitamin A verabreicht. Nach sechs Wochen hatten sich die Augen des Kindes wieder etwas erholt – doch richtig sehen wird es vermutlich nie wieder können, befürchten die Autoren.

„Der Sehverlust, der mit Vitamin-A-Mangel einhergeht, kann reversibel sein, jedoch in Fällen mit etablierter Optikusatrophie, wie es bei diesem Patienten der Fall ist, ist ein bestimmter Grad des Sehverlusts wahrscheinlich dauerhaft“, schreiben die Ärzte. Daher gelte der Elfjährige auch nach der Behandlung weiterhin als blind.

Auf Nahrungsmittel mit viel Vitamin-A achten

Die traurige Geschichte des Kindes verdeutlicht, wie wichtig es ist, auf eine abwechslungsreiche, vitamin- und mineralstoffreiche Ernährung zu achten. Viel Vitamin A ist in tierischen Lebensmitteln wie Leber, Niere oder Eiern enthalten. Butter und Käse sind ebenfalls gute Lieferanten.

In pflanzlicher Nahrung kommt das Vitamin oft in Form von Beta-Carotin (Provitamin A) vor. Die besten Quellen dafür sind unter anderem Karotten, grünes Blattgemüse (Spinat, Grünkohl etc.), rote Paprika, Brokkoli oder Aprikosen. Beta-Carotin wird vom Organismus leichter aufgenommen, wenn gleichzeitig etwas Fett verzehrt wird, zum Beisiel eine kleine kleine Menge Olivenöl. (nr)