Erlebte Einsamkeit verstärkt die Symptomatiken von Infekten

Alexander Stindt
Einsamen Menschen geht es bei Erkältungen schlechter
Erkältungen sind eine weitverbreitete Erkrankung in Deutschland. Gerade in der kalten Jahreszeit steigt die Zahl der Betroffenen an. Forscher fanden heraus, dass Einsamkeit dazu führt, dass Betroffene bei einer Erkältung sich noch schlechter fühlen.

Die Wissenschaftler der University of Houston stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass Einsamkeit die Symptome einer Erkältung verstärkt. Betroffene fühlen sich tatsächlich schlechter. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in einer Pressemitteilung der American Psychological Association.

Erkältungen sind leider weitverbreitet. Die Auswirkungen können dazu führen, dass Betroffene einige Tage dazu gezwungen sind, ihre Krankheit im Bett auszukurieren. Eine Studie ergab, dass wenn Menschen sich einsam fühlen, die Symptome einer Erkältung verstärkt werden. (Bild: Elnur/fotolia.com)

Einsamkeit kann schlimme Folgen für die menschliche Gesundheit haben
Wenn Menschen einsam sind und schwächere soziale Netzwerke haben, führt dies zu einer Verstärkung der Symptome von Erkältungen. „Unsere Forschung hat gezeigt, dass Einsamkeit auch zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für einen verfrühten Tod oder die Entwicklung von Krankheiten führt“, erklärt Angie LeRoy von der Rice University.

Gefühlte Einsamkeit betrifft Symptome stärker
„Bisher wurden keine Untersuchungen durchgeführt, welche die Auswirkungen von Einsamkeit auf eine weit verbreitete Krankheit betrachten – die Erkältung. Wir konnten bei unser Studie feststellen, dass gefühlte Einsamkeit eine größere Wirkung auf die Symptome einer Erkältung hat, als tatsächliche Einsamkeit“, fügt die Autorin hinzu.

Eigene Wahrnehmung der Einsamkeit ist am wichtigsten
„Wir analysierten die Qualität der Beziehungen der Menschen, nicht deren Quantität“, sagt die Forscherin. Menschen können durchaus in einem überfüllten Raum sein und sich trotzdem einsam fühlen. Die subjektive Wahrnehmung der Einsamkeit scheint einen stärkeren Einfluss auf die Beschwerden zu haben, als bislang angenommen.

Mediziner untersuchen für ihre Studie knapp 160 Teilnehmer
Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler 159 Probanden. Alle der Teilnehmer waren unverheiratet und im Alter von 18 Jahren bis 55 Jahren. Fast 60 Prozent der Probanden waren Männer. Die Probanden wurden auf ihre psychologische und körperliche Gesundheit untersucht, nachdem sie Nasentropfen bekamen, welche Erkältungen auslösten. Alle Teilnehmer wurden fünf Tage in einem Hotelzimmer einquartiert.

Einsame Menschen infizieren sich nicht öfter mit Erkältungen
Die Probanden wurden während und nach dem fünf tägigen Aufenthalt medizinisch überwacht. Nach einer Anpassung an Geschlecht, Alter, Jahreszeit, depressive Affekte und soziale Isolation stellten die Forscher fest, dass sich einsam fühlende Menschen sich nicht öfter mit einer Erkältung infizieren, im Vergleich zu nicht einsamen Menschen.

Bei einer tatsächlichen Erkältung bewirkt Einsamkeit verstärkte Symptome
Wenn Menschen aber tatsächlich an einer Erkältung erkrankten, wiesen einsame Personen stärkere Symptome einer Erkältung auf. „Die Größe der sozialen Netzwerke der Teilnehmer schien keinen Einfluss darauf zu haben“, erläuterten die Wissenschaftler.

Ärzte sollten Einsamkeit bei Erkältungen berücksichtigen
Was die aktuelle Studie neuartig macht, ist das enge experimentelle Design der Untersuchung. „Es geht um eine besondere Prädisposition (Einsamkeit), die mit einem bestimmten Stressor interagiert“, erklärt Autor Professor Dr. Chris Fagundes von der Rice University. Ärzte sollten in Zukunft bei der Untersuchung psychische Faktoren berücksichtigen. Es würde helfen zu verstehen, wie gefühlte Einsamkeit eine Erkältung beeinflussen kann, um eine effektivere Behandlung einzuleiten. (as)