Fakten und Mythen zu glutenfreien Lebensmitteln – Wie hilfreich ist ein Glutenfrei wirklich?

Fabian Peters

Ist eine glutenfreie Ernährung bei gesunden Menschen ratsam?

Der alltägliche Gang durch den Supermarkt bestätigt schnell den Trend der glutenfreien Ernährung. Vom Waffeleis, über Pizza, Müsli, Backwaren, Backmischungen und Panaden bis hin zu diversen Pasta-Sorten und Mehl reicht das Angebot. Glutenfreie Produkte vermitteln den Verbrauchern das Gefühl, etwas Gutes für die Gesundheit zu tun. Doch was steckt wirklich dahinter?

Die Mythen über Gluten sind zahlreich. Längst sehen die Lebensmittelhersteller einen florierenden Markt in den glutenfreien Produkten, denn viele Verbraucher entscheiden sich völlig freiwillig für den Verzicht. Über Gluten befinden sich viele Gerüchte im Umlauf, beispielsweise würden sie dick machen, Müdigkeit hervorrufen, Herzerkrankungen fördern und zu einem generell schlechteren Allgemeinzustand führen. Doch fundierte wissenschaftliche Beweise gibt es für diese Aussagen bisher nicht.

Der freiwillige Verzicht von Gluten kann gesundheitliche Risiken bergen. (Bild: Marco2811/fotolia.com)

Für wen sind Gluten schlecht?

Tatsächlich gibt es Leute, die keine Gluten vertragen. Diese Menschen leiden unter Zöliakie, einer Glutenunverträglichkeit. Diese kann bei den Betroffenen zu vielen unangenehmen Folgeerscheinungen führen, darunter Verdauungsprobleme, Gliederschmerzen, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Depressionen. Die AOK schreibt hierzu auf ihrer Webseite: „Von einer Zöliakie, auch Einheimische Sprue oder Glutensensitive Enteropathie genannt, sind nur etwa 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung betroffen. Sie müssen sich strikt glutenfrei ernähren. Wer keine Zöliakie hat, würde sich durch das Weglassen von heimischen Getreideprodukten jedoch viel zu sehr einschränken.“ Gluten sollten also nicht allgemein als schädlich abgestempelt werden. Ernährungswissenschaftler und Studien zeigen, dass ein Verzicht auf Gluten bei gesunden Menschen nicht unbedingt sinnvoll, in manchen Fällen sogar schädlich sein kann.

Gluten – Was ist das überhaupt?

Gluten, auch Klebereiweiß genannt, sind natürliche Bestandteile vieler Getreidesorten wie Gerste, Weizen, Dinkel, Hafer und Roggen. Es dient als wichtigstes Speicherprotein für viele Pflanzen- und Getreidesorten. In der Lebensmittelproduktion eignen sich Gluten als guter Emulgator oder als Träger von Aromastoffen und finden deshalb beispielsweise Verwendung beim Brotbacken und bei der Produktion von Fertiggerichten und Saucen.

Langzeitstudie warnt gesunde Menschen vor Glutenverzicht

Das Fachjournal BMJ veröffentlichte vor einigen Monaten bereits eine Langzeitstudie mit über 100.000 Teilnehmern, die über 26 Jahre lang medizinisch überwacht wurden. Die Wissenschaftler konnten keinen Zusammenhang zwischen Ernährung mit Gluten und erhöhtem Risiko von Herzkrankheiten feststellen. Bei einigen Probanden führte die glutenfreie Ernährung jedoch zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie der koronaren Herzkrankheit, aufgrund von Mangelernährung durch das Fehlen von Vollkornprodukten. Die Studie rommt zu dem Schluss, dass eine glutenfreie Ernährung bei Menschen ohne Zöliakie nicht förderlich für die Gesundheit ist.

Was gilt für weizensensitive Menschen?

Laut der AOK gibt es auch Menschen mit einer „Weizensensitivät“. Diese werde nach neuesten Forschungen allerdings nicht durch Gluten ausgelöst. Etwas weniger Pasta, Weißbrot und Pizza könne hier schon helfen. Grundsätzlich gilt laut der AOK: „Wer nicht unter Zöliakie leidet, sollte sich keinesfalls streng glutenfrei ernähren.“ (fp)