Fehlstart für das neue Verbraucherschutz-Portal

Fabian Peters

Technische Probleme behindern Start des Verbraucherschutzportals

21.07.2011

Die Aufregung vor dem Start des neuen Online-Portals „lebensmittelklarheit.de“ am Mittwoch war sowohl bei den Befürwortern als auch bei den Kritikern groß. Entsprechend fiel der Andrang aus, nachdem die Seite Online ging. Doch das machten die Serverkapazitäten offenbar nicht mit. Immer wieder war die Seite seit Gestern vorübergehend nicht zu erreichen, so dass vor allem die Kritiker schnell einen Fehlstart für den Verbraucherschutz propagierten. Doch langfristig bietet das Portal durchaus eine gute Option, um Mogelpackungen und Tricksereien der Lebensmittelindustrie mit Hilfe von Konsumenten auf die Schliche zu kommen.

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Bei dem medialen Interesse, das dem neuen Online-Portal bereits im Vorfeld zuteil wurde, dürfte sich eigentlich kaum jemand darüber wundern, dass die Serverkapazitäten am ersten Tag dem Andrang nicht gewachsen waren. Denn die Seite war schon in aller Munde, bevor das von den Verbraucherzentralen initiierte Portal „lebensmittelklarheit.de“ überhaupt online ging. Mit finanzieller Unterstützung des Verbraucherschutzministeriums sollte eine Plattform geschaffen werden, auf der Konsumenten Beschwerden über Mogelpackungen oder ähnliches einreichen und sich gleichzeitig transparent über bestimmte Artikel informieren können.

Lebensmittelindustrie fürchtet Internet-Pranger
Die Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner nutzte das Projekt bereits vor dem eigentlichen Start, um die Kritik an Missständen bei der Überwachung des Lebensmittelsektors zu entkräften und sich als energische Vertreterin der Verbraucher zu präsentieren. Die Lebensmittelindustrie äußerte hingegen nach Bekanntwerde der Pläne massive Kritik an dem geplanten Portal und steht diesem auch heute noch zum Großteil äußerst ablehnend gegenüber. Dabei stellt sich jedoch die Frage, was die Unternehmen eigentlich zu befürchten haben, denn Schnellschüsse, bei denen öffentlich Unternehmen angeprangert werden, ohne das ihnen Möglichkeit zur Stellungnahmen geboten wird, sind bei „lebensmittelklarheit.de“ ausgeschlossen. Die Beschwerden der Verbraucher gehen auf dem Portal ein und werden anschließend von den Verbraucherschützern bewertet. Diese wenden sich gegebenenfalls an die entsprechenden Hersteller und geben den Unternehmen Möglichkeit zu einer ausführlichen Stellungnahme. Erst anschließend werden die Ergebnisse veröffentlicht.

Ursachen der Ausfälle bisher nicht abschließend geklärt
Vorerst müssen sich die Lebensmittelproduzenten jedoch keine Sorge machen, dass sie möglicherweise bei dem Online-Portal genannt werden, denn seit dem Start am Mittwoch dominieren die technischen Probleme und ein reibungsloser Betrieb war bisher kaum möglich. „Der Ansturm war einfach zu groß“, so der Erklärungsversuch einer Sprecherin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen gegenüber „sueddeutsche.de“.Die Serverkapazitäten seien für einen solchen Andrang schlichtweg nicht ausgelegt gewesen, „es tut uns sehr leid“, erklärte die Sprecherin der Verbraucherzentralen. Derzeit sei sämtliches verfügbare Personal mit der Behebung des Problems beschäftigt, wobei zuerst einmal für ausreichend Serverkapazitäten gesorgt werden müsse, so die Sprecherin der Verbraucherzentralen weiter. Das Interesse der Öffentlichkeit war offenbar größer als die Politiker und Verbraucherschützer ursprünglich angenommen hatten. Genauere Angaben zu den Ursachen der Seitenausfälle konnten die Verbraucherschützer bisher jedoch nicht machen. Auch möglichen Spekulationen über einen gezielten Hacker-Angriff durch die Lebensmittelindustrie könne erst später nachgegangen werden, da derzeit sämtliche Kapazitäten bei der Behebung der aktuellen Probleme eingebunden seien. Ein solcher Angriff ist nach Ansicht der Verbraucherschützer jedoch äußerst unwahrscheinlich. Wann das Online-Portal mit allen Funktionen wieder zuverlässig zur Verfügung stehen wird, ist laut Aussage der Sprecherin bisher nicht abzusehen, es besteht jedoch Hoffnung, dass im Verlauf des Tages die Probleme unter Kontrolle gebracht werden können. (fp)

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Bildnachweis: Barbara Eckholdt / pixelio.de