Forscher: Subjektiv empfundene Trägheit kann die Lebenserwartung verringern

Alexander Stindt
Wir wirkt es sich aus, wenn wir uns faul und wenig fit fühlen?
In der heutigen Zeit sind viele Menschen geradezu verrückt nach Sport und Fitness. Durch diesen Fitnesswahn können einige Menschen das Gefühl entwickeln, dass sie einfach nicht aktiv genug sind. Forscher fanden jetzt heraus, dass bereits das Gefühl, weniger fit als andere Menschen zu sein, zu einer verkürzten Lebenserwartung führt.

Die Wissenschaftler der Stanford University stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass schon mit dem Gefühl, weniger fit und aktiv als andere Personen zu sein, eine Reduzierung der Lebenszeit einhergeht. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Health Psychology“.

Wenn Menschen das Gefühl haben, dass sie weniger aktiv als die Personen um sie herum sind, führt dies im Laufe des weiteren Lebens zu einer verminderten Lebenserwartung. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Ältere Studie untersuchte Mitarbeiter in Hotels
Frühere Studien kamen bereits zu dem Ergebnis, dass die Einschätzung der eigenen Gesundheit physiologische Konsequenzen hat. Für eine dieser Studien untersuchten die Mediziner damals Mitarbeiter im Hotelgewerbe. Diese Frauen bewegten sich sehr viel, hatten aber die Einstellung, dass ihre Arbeit kein gutes Training war.

Arbeit als Training zu betrachten, führte zur Verbesserung von Blutdruck und Körperfett
Einige Hotelmitarbeiter nahmen an einer Präsentation teil, welche ihnen zeigte, dass ihre Arbeit Heben und Gehen beinhaltet, welches beide gute Übungen für die Aktivität und die Gesundheit sind. Wenn die Frauen ihre Arbeit als ein gutes Training betrachteten, verbesserten sich dadurch ihr Blutdruck und ihr Körperfett, erläutern die Autoren.

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Daten aus zwei großen Umfragen wurden ausgewertet
Für ihre aktuelle Studie analysierten die Forscher die Daten aus zwei großen nationalen Gesundheits-Umfragen – National Health Interview Survey und National Health and Nutrition Examination Survey. Die Mediziner wollten außerdem herausfinden, wie sich die Teilnehmer bei ihrer Fitness selber beurteilten, verglichen mit anderen Menschen in ihrem Alter.

Wenn Menschen denken, sie sind nicht fit, versterben sie früher
Wenn Einzelpersonen dachten, dass sie weniger aktiv sind als andere Menschen in ihrem Alter, führte dies zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, früher zu versterben, sagen die Forscher. Dieser Effekt war unabhängig vom Gesundheitszustand, dem Body Mass Index (BMI) und anderen Faktoren, erläutern die Autoren weiter. Der festgestellte Effekt konnte auch beobachtet werden, obwohl sich einige der Probanden in jeder Hinsicht glichen.

Betroffene Personen versterben zu 71 Prozent früher
Die Experten analysierten drei Datensätze der Umfrage und alle drei zeigten, dass wenn Menschen sich als weniger fit als ihre Bekannten einschätzten, diese Personen während der 21 Jahre langen Nachfolgeuntersuchung eine um 71 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit hatten, früher zu versterben. Ich war sehr überrascht von der Größe dieses Effektes, sagt Autorin Octavia Zahrt von der Stanford University.

Ist ein Placebo-Effekt schuld an der reduzierten Lebenserwartung?
Die Forscher vermuten, dass es ein paar Gründe für den feststellbaren Effekt gibt. Es könnte beispielsweise der sogenannte Placebo-Effekt eine Rolle spielen. Was diese Vorstellung untermauert, ist die Wirkung unserer Denkweise, erläutern die Experten. Wenn wir beispielsweise glauben, dass wir ein Schmerzmittel verabreicht bekommen, aktivieren Placebos wirklich endogene Opiate im Gehirn.

Führt Demotivation zu weniger Aktivität?
Soziale Vergleiche können durchaus demotivieren. Wenn Menschen der Meinung sind, nicht genug aktiv zu sein, könnte diese Wahrnehmung ausreichen, um die Personen zu entmutigen, so dass sie deshalb aufhören zu trainieren. Sie würden im Laufe der Zeit immer weniger aktiv, erläutert Autorin Zahrt. Fehlende Übung und Aktivität könnte für einige der negativen gesundheitlichen Ergebnisse verantwortlich sein. (as)