Forschung: Bereits eine Stunde Sport in der Woche beugt Depressionen vor

Volker Blasek

Die positiven Auswirkungen von Sport auf Depressionen

Körperliche Aktivität kann vor der Entstehung einer Depression schützen. Erstmals konnte nun in einer Großstudie nachgewiesen werden, dass die positiven Auswirkungen von sportlichen Betätigungen zur Prävention von Depressionen – unabhängig von Alter und Herkunft – feststellbar sind. Man muss dazu nicht mal zum Sportfanatiker werden. Bereits eine Stunde Sport treiben pro Woche reduziert das Depressionsrisiko.


Forschende aus Brasilien, Belgien, Australien, den USA, dem Vereinigten Königreich und Schweden bildeten das internationale Studienteam. Daten aus 49 einzelnen Kohortenstudien wurden dabei ausgewertet. Alle Studien befassten sich mit der Thematik, ob körperliche Aktivität bei Menschen ohne psychische Vorerkrankungen zu einem reduzierten Risiko für die Entwicklung einer Depression führt. Insgesamt wurden die Daten von über 250.000 Personen analysiert. Die Ergenisse wurden kürzlich in dem Fachjournal „The American Journal of Psychiatry“ publiziert.

Sport ist gesund, dass ist allgemein bekannt. Eine Großstudie belegte nun, dass bereits eine Stunde Sport pro Woche eine Depression verhindern kann. (Bild: contrastwerkstatt/fotolia.com)

Der Effekt ist unabhängig von Alter und Herkunft

Die Auswertung der Daten zeigte, dass Teilnehmer mit wenig Bewegung ein größeres Depressionsrisiko hatten, als Teilnehmer mit höherer körperlicher Aktivität. Darüber hinaus konnte das Forscherteam belegen, dass dieser schützende Effekt im gleichen Maße bei Jugendlichen, Erwachsenen und älteren Personen auftritt. Auch die Herkunft der Befragten nahm keinen Einfluss auf die Schutzfunktion. Die Probanden kamen aus Europa, Nordamerika und Ozeanien.

Vergleich zu anderen Studien

In einer aktuellen Studie des Black Dog Institutes in Australien und der University of New South Wales in Sydney konnten Wissenschaftler belegen, dass 12 Prozent aller Depressionen durch lediglich eine Stunde Sport pro Woche verhindert werden könnten. Das Institut motiviert nun mit der „Exercise Your Mood“ Kampagne Australier dazu, mehr für ihre geistige Gesundheit durch körperliche Bewegung zu tun.

Die deutlichen Ergebnisse sollten in Richtlinien aufgenommen werden

„Am wichtigsten ist es, nun sicherzustellen, dass diese überwältigenden Ergebnisse zu angemessenen Richtlinien führen“, erläutert der Co-Autor der Studie Dr. Simon Rosenbaum in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen. Der Experte meint, mithilfe der Ergebnisse könnten Einrichtungen verbessert werden, die Menschen mit drohender Depression unterstützen. Dort sollte man die Menschen motivieren, an Programmem zur Steigerung der körperlichen Aktivität teilzunehmen.

Mit Sport die Bevölkerung vor Depressionen schützen

„Es handelt sich hierbei um die erste weltweite Metaanalyse, die beweist, dass die bloße körperliche Aktivität förderlich dafür ist, die gesamte Bevölkerung vor Depressionen zu schützen“, berichtet der leitende Autor der Studie Dr. Felipe Barreto Schach von der Universidad La Salle aus Brasilien. Die Analysen von über einer viertel Millionen Personen haben ganz deutlich gezeigt, dass Menschen, die einen aktiven Lebensstil pflegen, weniger wahrscheinlich eine Depression entwickeln werden, fügt der Co-Autor Dr. Brendon Stubbs hinzu.

Die Schutzfunktion ist auch unabhängig von weiteren Lastern

Zusätzlich zeigte sich in der Studie, dass ein hohes Maß von körperlicher Aktivität zu einer Schutzfunktion vor Depressionen führt, unabhängig von weiteren Faktoren wie Rauchen, Übergewicht und dem allgemeinen körperlichen Gesundheitszustand.

Höhere Priorität für körperliche Aktivität

„Neben der Vielzahl an weiteren Vorteilen, die die körperliche Aktivität mit sich bringt, können unsere Erkenntnisse dazu führen, die körperliche Betätigung im Laufe des Lebens auf der Prioritätenliste neu zu positionieren“, so Stubbs.

Mehr Bewegung in der Schule, am Arbeitsplatz und in der Freizeit

„Die überzeugenden Beweise, die wir hier vorbringen konnten, liefern die ausschlaggebenden Argumente, um Menschen in der Schule, am Arbeitsplatz und in ihrer Freizeit dazu zu bringen, sich mehr zu bewegen“, resümiert Dr. Joseph Firth der Western Sydney University. Weitere Studien seien schon geplant, um das Mindestmaß an körperlicher Aktivität und den Effekt der verschiedenen Arten der körperlichen Betätigung zu ermitteln. Damit solle das Risiko, eine Depression zu erleiden, dauerhaft reduziert werden, so der Experte. (vb)