Forschung: Ein Molekül löst Juckreiz aus

Astrid Goldmayer

Juckreiz wird durch Molekül im Rückenmark verursacht

25.05.2013

Juckende Hautstellen können sehr unangenehm sein. US-Forscher fanden jetzt heraus, wie der Reiz entsteht, sich kratzen zu müssen. Schuld ist demnach ein einziges Molekül, das sich in einer Nervenzelle im Rückenmark festsetzt. In Mausversuchen konnte das Nppb-Molekül als Auslöser für den Juckreiz identifiziert werden.

Molekül nimmt Schlüsselrolle bei Entstehung von Juckreiz ein
Es gibt zahlreiche Ursachen für Juckreiz wie Allergien, Erkrankungen der Haut oder der inneren Organe. Was genau aber den Reiz, sich kratzen zu müssen, auslöst, war bisher unbekannt. Jüngst identifizierten US-amerikanische Wissenschaftler der National Institutes of Health (NIH) ein einziges Molekül als Auslöser des unangenehmen Gefühls. Wie die Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten, konnte in Versuchen mit Mäusen nachgewiesen werden, dass das Nppb-Molekül, das sich in einer Nervenzelle im Rückenmark festsetzt, für den Juckreiz verantwortlich ist. Nachdem sich das Nppb-Molekül an die Nervenzelle angedockt hatte, sendete diese bei den Mäusen ein Signal, welches im Gehirn als Juckreiz interpretiert wurde. Nppb zählt zu den sogenannten Neurotransmittern, chemische Botenstoffe, die als Übermittler sensorischer Signale zwischen den Nervenzellen fungieren.

Für die Untersuchungen entfernten die Wissenschaftler einem Teil der Mäuse das Nppb-Molekül beziehungsweise die Nervenzelle. „Wir testeten Nppb auf seine mögliche Rolle bei der Auslösung verschiedenen Empfindungen ohne Erfolg“, erklärte Santosh Mishra, Hauptautor der Studie. „Als wir die Mäuse, denen Nppb fehlte, mehreren Juckreiz auslösenden Substanzen aussetzen, machten wir erstaunliche Beobachtungen: Nichts geschah. Die Mäuse kratzten sich einfach nicht.“

Die Studie zeigt auch, dass bestimmte wissenschaftlich Annahmen nicht stimmen. „Unsere Arbeit zeigt, dass Juckreiz, nicht wie zuvor angenommen eine Form von leichtem Schmerz ist, sondern eine deutliche Empfindung, die eindeutig mit dem Nervensystem mit dem biochemischen Äquivalent seiner eigenen fest zugeordneten Leitung zum Gehirn verbunden ist“, berichtete Studienleiter Mark Hoon.

Forschung zur Kontrolle des Juckreiz steht noch am Anfang
Die Forscher vermuten, dass die Ergebnisse ihrer Untersuchungen an Mäusen auch auf den Menschen übertragbar sind, da sich beide Nervensysteme ähnlich sind. Zukünftig könnten Medikamente entwickelt werden, die gezielt auf bestimmte Moleküle wirken und auf diese Weise den Juckreiz unterbinden können. Sollte das gelingen, könnten die Leiden von Millionen von Menschen weltweit gelindert werden, die an Erkrankungen wie Schuppenflechte mit chronischem Juckreiz leiden. Bis zur Entwicklung derartiger Medikamente wird jedoch noch einige Zeit vergehen. Nppb tritt auch in den Nieren, im Herz und in anderen Körperteilen auf, so dass die Kontrolle des Moleküls im Rückenmark möglicherweise Probleme an anderer Stele verursachen könnte.

„Jetzt ist die Herausforderung, ähnliche Biokreisläufe im Menschen zu finden, zu bewerten was es gibt und einzigartige Moleküle zu identifizieren, die zielgerichtet chronischen Juckreiz ausschalten können, ohne dabei ungewollte Nebenwirkungen zu erzeugen“, sagte Hoon. „Also ist dies ein Anfang, nicht ein Abschluss." (ag)

Advertising

Bild: S. Hofschlaeger / pixelio.de.