Fünf Kinder durch Keime in Kinderklinik infiziert

Fabian Peters

Darmkeim führt zur Augenentzündung bei fünf Frühchen

03.01.2013

In der Asklepios Kinderklinik Sankt Augustin sind laut Medienberichten Krankenhauskeime aufgetreten, die zu einer ernsthaften Bedrohung für die dort stationierten Kleinkindern werden könnten. Die Erreger sollen mit den Keimen vergleichbar sein, die vor rund drei Monaten bei einem toten Frühchen in der Berliner Charité nachgewiesen wurden.

Fünf Frühchen in der Asklepios Kinderklinik Sankt Augustin sind laut aktuellen Pressemeldungen an einer Infektion mit dem Serratia-Keim erkrankt. Bei den Kinder haben die Erreger dem Sprecher des Krankenhaus-Trägers Asklepios zufolge eine Augenentzündung hervorgerufen. Zwar befinden sich zwei der betroffenen Kinder noch unter Beobachtung, doch lebensbedrohlich sei die Erkrankung nicht gewesen. Die Augenentzündung habe gut auf die Behandlung mit Antibiotika angesprochen und zwei der Kinder konnten die Klinik mittlerweile bereits verlassen.

Suche nach der Infektionsquelle in der Kinderklinik
Ende Dezember hatte die Asklepios Kinderklinik Sankt Augustin das Kreisgesundheitsamt im Rhein-Sieg-Kreis (Nordrhein-Westfalen) über die Infektion der Frühchen mit dem Serratia-Keim informiert. Um eine Ausbreitung der Infektionen zu verhindern, wurden die infizierten Babys isoliert auf die Mutter-Kind-Station verlegt. Die Hygienemaßnahmen wurden verschärft und das Personal, Angehörige und Eltern angewiesen, verstärkt auf die Einhaltung der grundlegenden Hygieneregeln zu achten. Das Waschen und Desinfizieren der Hände ist hier von besonderer Bedeutung. Seit der Meldung der Infektionen mehrerer Frühchen beim Kreisgesundheitsamt am 28. Dezember läuft nun die Suche nach der Infektionsquelle. Der Sprecher des Krankenhaus-Trägers Asklepios, Rudi Schmidt, erklärte gegenüber „BILD.de“ , dass „Hunderte Proben an Mitarbeitern, medizinischen Geräten und anderen Einrichtungsgegenständen wie Kaffeemaschinen genommen“ wurden, um die Ursache der Infektionen zu ermitteln.

Keime auf Neugeborenen-Station eingeschleppt
Den bisherigen Ergebnissen zufolge sei „mit großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Keim nicht über das Klinikpersonal übertragen wurde“, berichtet der Sprecher des Krankenhaus-Trägers und ergänzte: „Theoretisch hätte es auch ein Elternteil gewesen sein können.“ Die Serratia-Keime seien einer von vielen krankmachenden Erregern, mit denen jeder Mensch nahezu täglich in Kontakt komme. Für Frühchen bestehe hier allerdings ein besonderes Infektionsrisiko, weil „ihre Augen und die Haut noch nicht so gut ausgebildet sind.“ Da die Infektionen bei den Frühchen jedoch lediglich eine äußere Entzündungen hervorgerufen hätten und zudem gut auf die Behandlung mit Antibiotika ansprechen, habe für die Kinder keine lebensbedrohliche Gesundheitsgefahr bestanden.

Klinikkeime auf Frühchen-Stationen eine besondere Bedrohung
Welches Risiko die Ausbreitung von Serratia-Keime auf einer Neugeborenen-Station darstellen können, wurde zuletzt bei den Vorfällen an der Berliner Charité im Oktober 2012 deutlich. Dort hatten ähnliche Serratia-Keime wie bei dem aktuellen Vorfall zahlreiche Frühchen infiziert. Eines der Kinder war verstorben. Der naheliegende Verdacht auf einen Zusammenhang des Todesfalls mit der Serratia-Keim-Infektion wurde in der anschließenden gerichtsmedizinischen Untersuchung jedoch nicht bestätigt. Insgesamt erkrankten mehr als zwanzig Babys an der Berliner Charité und dem Deutschen Herzzentrum an einer entsprechenden Infektion. Noch dramatischer war die Ausbreitung multiresistenter Keime der Gattung Klebsiella im Klinikum Bremen-Mitte vor rund einem Jahr. Die Infektionen mit den multiresistenten Erregern hatten hier mehrere Todesfälle zur Folge und das Klinikum bekam die Situation trotzt umfassender Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen sowie mehrfacher Station-Schließungen lange Zeit nicht in den Griff. (fp)

Advertising