Gesichtschirurgen setzen auf 3-D-Drucker

Heilpraxisnet

Ärzte verwenden immer mehr digitale 3-D-Technik und körpereigene Transplantate

13.06.2014

Menschen, die infolge eines Unfalls oder einer Tumorbehandlung schwere Schädigungen am Gesicht davon getragen haben, können dank innovativer Technik immer besser behandelt werden. Wie die „dpa“ berichtet, werde nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) innerhalb der Gesichtschirurgie immer stärker auf digitale 3-D-Technik und körpereigene Transplantate gesetzt. Dadurch könne in immer mehr Fällen Leben gerettet und zugleich ein hohes Maß an Lebensqualität und Ästhetik erreicht werden.

Experten diskutieren neueste Verfahren der Gesichts-Rekonstruktion
Vom 11. bis 14. Juni findet dieses Jahr der 64. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) in Mainz statt, auf welchem 500 Fachärzte unter anderem über neue Medikamente und Therapien diskutieren. Ein wichtiges Thema stellen dabei die neuesten Verfahren bei der Rekonstruktion von Knochendefekten nach Tumoroperationen, Unfällen oder Knochennekrosen dar. Neben den inzwischen etablierten mikrochirurgischen Verfahren würde dabei eine neue Technologie der 3D Planung und -Navigation im Fokus stehen, so der wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Ulrich Förstermann, in einem Grußwort zum Kongress. Diese würde derzeit bereits in verschiedenen Bereichen der Chirurgie zum Einsatz kommen.

3-D-Technik ermöglicht hohes Maß an Präzision und ist kostensparend
Mithilfe der neuen Technologie könnten beispielsweise Transplantate vom Wadenbein passgenau am verletzten Kopf eingesetzt werden, berichtet die dpa weiter. Durch diese Methode würden laut Prof. Dr. Dr. Gerd Gehrke, dem Sprecher der DGMKG, keinerlei Folgeschäden am Bein entstehen, stattdessen sei es bereits vorgekommen, dass ein Patient vier Wochen nach dem Eingriff schon wieder in der Lage war, eine Bergwanderung zu machen. Im Zuge dieses neuen Verfahrens werden Körperteile mit sogenannten „3D-Bohrschablonen“ so entnommen, dass die Implantate anschließend exakt in die gewünschte Position im Gesicht eingebracht werden können. Zudem sei es möglich, künstliches Gewebe mittels digitaler Technik herzustellen, um das körpereigene Gewebe zu ergänzen, erklärt Oberarzt Felix Koch von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. „3-D-Technik spart Zeit bei der Operation und ist präzise“, so der Mediziner weiter – die bislang noch sehr seltene Verpflanzung vollständiger Gesichter hingegen, gehe im Vergleich mit deutlich höheren Kosten sowie massiven Einschränkungen und einer Verkürzung der Lebenserwartung einher.

Neue Technologie offenbart einen großen klinischen Nutzen für den Patienten
„Das, was in der rekonstruktiven Gesichtschirurgie und auch ambulant im Bereich der dentalen Implantologie durch die 3D-Technologie im Jahr 2014 möglich ist, ist definitiv beachtlich, und es offenbart einen großen klinischen Nutzen für den Patienten“, so die Einschätzung Förstermanns. Wie beispielsweise im Fall einer 51-jährigen Patientin, die laut Bericht des leitenden Oberarztes der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Bilal Al-Nawas, unter einem fast kindskopfgroßen gutartigen Gesichts- und Schädeltumor litt. Nach der Entfernung der Geschwulst war der Frau zunächst ein Titangitter eingesetzt worden. Im Anschluss daran sei die unbeschädigte Gesichtshälfte gespiegelt worden, um nach dieser Vorlage schließlich Kunststoff-Implantate für Schädel, Augenhöhle und Jochbein mithilfe eines 3-D-Druckers herstellen zu können. Dem Mediziner zufolge mit großem Erfolg, denn die Patientin hätte bereits nach vierzehn Tagen die Klinik wieder verlassen können. (nr)

Bild: Tim Reckmann / pixelio.de