Gesundheitliche Probleme durch Klimawandel

Astrid Goldmayer

Allergiker und ältere Menschen leiden unter gesundheitlichen Problemen durch Klimawandel

08.05.2013

Die Auswirkungen des Klimawandels und der globalen Erderwärmung sind bereits spürbar. Zukünftig werden vor allem Allergiker und ältere Menschen in Deutschland unter den Folgen leiden, heißt es aus Expertenkreisen. Von Heuschnupfen Geplagte müssten sich demnach auf eine verlängerte Pollensaison einstellen. Zudem würden die steigenden Temperaturen mit einer deutlichen Erwärmung der Innenräume von Gebäuden einhergehen, die vor allem für Senioren gesundheitsgefährdend werden könne.

Vorboten des Klimawandels führen auch in Deutschland zu gesundheitlichen Problemen
Auch im klimatisch gemäßigten Deutschland zeigt sich Klimawandel anhand zunehmender gesundheitlicher Probleme vieler Menschen. Vor allem ältere Menschen und Allergiker haben unter den steigenden Temperaturen zu leiden. „Die wachsende Wärmebelastung wird insbesondere bei älteren Menschen zu gesundheitlichen Problemen führen“ berichtet der Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Paul Becker, auf der Klimakonferenz der Behörde am vergangen Dienstag. Erhöhte Temperaturen könnten zu einer Schädigung der Organe führen. Zudem störe nächtliche Hitze den Schlaf. Der DWD entwickele derzeit ein neues Frühwarnsystem für steigende Innentemperaturen, das noch in diesem Sommer an Start gehen solle. „Da die Temperaturzunahme nicht nur auf den Außenbereich beschränkt bleiben wird, ist die Erweiterung des Hitzewarnsystems auf die Innenräume zum Schutz der Bevölkerung wesentlich“, erklärte Becker. Länder, Kommunen, und Altenheime würden auf diese Weise gewarnt werden und könnten entsprechende Maßnahmen ergreifen wie gefährdete Personen in kühlere Räume zu bringen. So habe der DWD für den Oberrheingraben berechnet, dass heute etwa 15 Prozent der mittleren nächtlichen Innenraumtemperaturen im Zeitraum von Mai bis September über 25 Grad Celsius liegen würden. „Mitte des Jahrhunderts werden es in durchschnittlichen Wohngebäuden dort schon 35 Prozent sein“, berichtete der Vizepräsident des DWD.

Auch für die Pollenallergiker hatte Becker keine guten Nachrichten. Die Pollensaison verlängere sich zukünftig aufgrund der steigenden Temperaturen. Der Experte forderte eindringlich, den weltweiten CO2-Ausstoß zu reduzieren, da dieser den Treibhauseffekt maßgeblich anheizt. „Nach den mir bekannten Schätzungen sind im Jahr 2012 die globalen CO2-Emissionen auf 32 Gigatonnen und damit um 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Dabei gab es allerdings beträchtliche regionale Unterschiede. In der EU immerhin gingen die Emissionen um 2 Prozent zurück“, erläuterte Becker.

Klimawandel führt zu Naturkatastrophen
Der Klimawandel wird ein zentrales Thema unserer Zeit bleiben. Bereits jetzt sind die Auswirkungen spürbar. Naturkatastrophen wie verheerende Wirbelstürme, Überschwemmungen und Hochwasser gelten als erste Vorboten zunehmender Klimaextreme und -anomalien. Wie sich unser Klima zukünftig im Einzelnen verändert, kann nur grob vorhergesagt werden. Experten gehen aber davon aus, dass vor allem Entwicklungsländer die Auswirkungen massiv zu spüren bekommen. Die Gletscher und Polkappen werden schmerzen, was einen Anstieg des Meeresspiegels zur Folgen haben wird. Dadurch ändern sich die Meeresströmungen, die ebenfalls einen wesentlichen Einfluss auf das Klima haben. Im schlimmsten Fall würde das Versiegen des warmen Golfstroms die Temperaturen in Nordeuropa so stark absinken lassen, dass eine neue Eiszeit droht. Zudem wird erwartet, dass sich die Wüsten immer weiter ausdehnen und mehrere Millionen „Klimaflüchtlinge“ aus Ländern, die nur wenige Zentimeter über dem Meeresspiegel liegen, ihr Zuhause verlieren.

Derzeit steht rund 1,2 Milliarden Menschen kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung. Bei einem weltweiten Anstieg der Temperaturen von 2,5 Grad, würden weitere 2,4 bis 3,1 Milliarden Menschen an Wasserknappheit leiden und von Hunger bedroht sein. Tropenkrankheiten wie Malaria könnten sich drastisch ausbreiten. Auch andere Infektionskrankheiten würden sehr wahrscheinlich rasant zunehmen.

Während in den vergangenen 100 Jahren die durchschnittliche Erwärmung etwa ein Grad Celsius betragen habe, werde ein Temperaturanstieg von 1,5 bis 3 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 erwartet, erläuterte Becker. Das betreffe auch Deutschland. „In diesen auf den ersten Blick geringen Erhöhungen sind extreme Ausschläge eingebettet. Zigtausende Menschen können ihnen zum Opfer fallen“, mahnte der Experte.

„An der Existenz des durch den Menschen verursachten Klimawandels besteht kein Zweifel. Auswirkungen sind bereits erkennbar“, so der Vizepräsident des DWD. Zwar trügen auch natürliche Einflüsse zum Klimawandel bei wie die Sonneneinstrahlung und Vulkanausbrüche, sie überlagerten jedoch den vom Menschen verursachten Klimawandel. „Wir sind der festen Überzeugung, dass auf lange Sicht der menschliche Einfluss den stärksten Effekt haben wird und es somit zukünftig wieder zu einem weiteren Temperaturanstieg kommen wird.“ (ag)

Advertising