Gesundheitsgefahr: Putenfleisch mit Keimen

Heilpraxisnet

Gesundheitsgefahr: Putenfleisch mit Keimen belastet

13.01.2015

Der BUND hat bei einer Untersuchung von Putenfleisch aus dem Discounter in fast 90 Prozent der Fälle stark antibiotikaresistente Keime nachgewiesen. Für Verbraucher bedeutet dies eine erhebliche Gesundheitsgefahr. Sie sollten auf eine strenge Küchenhygiene achten.

Antibiotikaresistente Keime auf 90 Prozent der Proben
Günstiges Putenfleisch vom Discounter ist einer Untersuchung zufolge oft mit gefährlichen Keimen belastet. Wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Berlin mitteilte, seien bei einer bundesweiten Stichprobe auf knapp 90 Prozent der Fleischstücke antibiotikaresistente Keime nachgewiesen worden. Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur AFP verlangte die Organisation, den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast deutlich zu reduzieren.

Abgepacktes Putenfleisch vom Discounter
Der BUND hatte für die Untersuchung in zwölf Städten frisches, abgepacktes Putenfleisch bei Aldi, Lidl, Real, Netto und Penny gekauft und im Labor untersuchen lassen. Die Proben wurden auf sogenannte MRSA-Keime (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) getestet. Diese Bakterien sind auf den Großteil der Antibiotika resistent und sollen hierzulande für den Tod von 10.000 bis 15.000 Menschen im Jahr verantwortlich sein. Experten zufolge besteht vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem eine erhöhte Gefahr. Symptome, die eine Infektion bei einem Patienten auslösen können, sind unter anderem Entzündungen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen sowie Blutvergiftung.

Keine Keime auf Fleisch aus Hofschlachtereien
Zudem wurde auch das Vorhandensein von ESBL-produzierenden Keimen untersucht. Solche Bakterien können Antibiotikaresistenzen an andere Bakterien weitergeben. Insgesamt wurde das Labor 42 Mal bei MRSA und 30 Mal bei ESBL fündig. Lediglich sieben der 57 Proben waren unbelastet. Der BUND testete zudem zum Vergleich vier Proben aus Hofschlachtereien, bei denen die Puten alternativ gehalten worden waren. Bei diesem Fleisch wurden keine Belastungen nachgewiesen.

Strenge Küchenhygiene einhalten
Dem BUND zufolge können die gefährlichen Keime auf Menschen übertragen werden, wenn beispielsweise das rohe Fleisch mit dem gleichen Messer geschnitten wird wie andere Lebensmittel, die dann roh verzehrt werden. Experten weisen immer wieder darauf hin, dass sich Keime grundsätzlich durch Hitze abtöten lassen. Wenn Lebensmittel deutlich über 60 bis 70 Grad erhitzt werden, wie dies beim Kochen, Grillen oder Braten normalerweise der Fall ist, überleben die Erreger das nicht. Zudem sollte eine strenge Küchenhygiene eingehalten werden. Rohes Fleisch sollte nie mit demselben Messer geschnitten werden wie gegartes Fleisch oder Gemüse und auch das Schneidebrett sollt dann ein anderes sein. Die wichtigste Hygiene-Regel ist regelmäßiges Händewaschen. Besteck und Geschirr sollten nach dem Kontakt mit Fleisch sorgfältig gewaschen werden.

BUND fordert Änderungen im Arzneimittelrecht
Reinhild Benning vom BUND nannte die Studienergebnisse „schockierend, aber nicht überraschend“. Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger sieht den Grund für die hohe Belastung in der industriellen Putenmast und dem Wunsch der Verbraucher nach billigem Fleisch. Der Nachrichtenagentur dpa zufolge sagte er: „Werden zu viele Tiere auf engem Raum gehalten, müssen zwangsläufig große Mengen von Antibiotika gegeben werden, die dann in den Küchen der Verbraucher landen“. Der BUND fordert daher Änderungen im Tierschutz- und im Arzneimittelrecht. Insbesondere der Gebrauch sogenannter Reserveantibiotika in der Massentierhaltung müsse verboten werden. In der Humanmedizin werden Reserveantibiotika dringend benötigt, um schwere Infektionskrankheiten zu behandeln, gegen die normale Antibiotika nicht mehr wirken. (ad)

Bild: Jörg Klemme, Hamburg / pixelio.de