Gesundheitsstudie: Pflanzliche Ernährung verhindert schwere Entzündungen

Alfred Domke
Pflanzenbetonte Ernährungsweise unterstützt die Gesundheit
Umfragen zufolge essen immer weniger Menschen Fleisch. Sie tun damit auch ihrer Gesundheit Gutes. Denn Forscher haben nun herausgefunden, dass der Verzicht auf tierische Lebensmittel das Risiko für Entzündungen senken kann.

Pflanzenkost ist gut für die Gesundheit
Allein in Deutschland leben rund eine Million Menschen vegan. Statt tierischer Nahrungsmittel wie Fleisch, Fisch, Milch, Eiern und Honig, setzen sie auf pflanzliche Kost. Neben ethischen und ökologischen Gründen sprechen auch gesundheitliche für die Pflanzenkost. Denn diese Ernährungsweise reduziert das Risiko für Entzündungen, wie Forscher nun herausgefunden haben.

Übergewicht geht oft mit einer chronischen Entzündung einher, die das Risiko für bestimmte Krankheiten erhöht. Eine pflanzenbetonte Ernährungsweise kann dieses Risiko senken. (Bild: Yasonya/fotolia.com)
Übergewicht geht oft mit einer chronischen Entzündung einher, die das Risiko für bestimmte Krankheiten erhöht. Eine pflanzenbetonte Ernährungsweise kann dieses Risiko senken. (Bild: Yasonya/fotolia.com)

Übergewicht geht oft mit einer chronischen Entzündung einher
Ein Wissenschaftlerteam um Krasimira Aleksandrova und Fabian Eichelmann vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) hat dafür 29 wissenschaftliche Arbeiten ausgewertet, welche die Effekte einer pflanzenbetonten Kost auf die Entzündungsmarker-Spiegel übergewichtiger Menschen untersuchten. Wichtig zu wissen: „Übergewicht geht oft mit einer chronischen Entzündung einher, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Krebs erhöht“, schreibt das Institut in einer Mitteilung.

Übergewichtige können durch pflanzliche Kost Krankheitsrisiken reduzieren
Wie die in der Fachzeitschrift „Obesity Reviews“ veröffentlichte Meta-Analyse zeigt, sanken unter einer pflanzenreichen Ernährung im Vergleich zu einer Kontrolldiät die Werte des Entzündungsmarkers C-reaktives Protein (CRP) um durchschnittlich 0,55 mg/l und die Werte für Interleukin-6 um 0,25 ng/l.

„Unsere Ergebnisse weisen somit darauf hin, dass übergewichtige Menschen durch eine pflanzenbetonte Ernährung ihr Entzündungsmarker-Profil deutlich verbessern und hierdurch möglicherweise selbst viel dazu beitragen können, sogenannten Volksleiden wie Herzinfarkt und Diabetes vorzubeugen“, erklärte Studienleiterin Aleksandrova.

„Eine pflanzenbetonte Kost ist so definiert, dass sie hauptsächlich auf Lebensmitteln wie Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchten und Obst basiert. Zudem enthält sie gar kein oder nur sehr wenig Fleisch, kann aber moderate Mengen an Eiern, Milchprodukten und Fisch mit einschließen“, so Erstautor Eichelmann.

Zahl der adipösen Menschen steigt
Wie es in der Mitteilung heißt, speichern die körpereigenen Fettdepots nicht nur Energie, sondern setzen auch Botenstoffe frei. Weil einige dieser Substanzen entzündliche Prozesse im Körper fördern, sind die Entzündungsmarker-Werte im Blut übergewichtiger Menschen häufig erhöht. Ein Zustand, der wiederum mit einem deutlich erhöhten Risiko für Stoffwechselkrankheiten einhergeht.

Da nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit die Zahl der Menschen mit Adipositas beständig steigt, suchen Forscher und Mediziner auch nach wissenschaftlich basierten Ernährungsstrategien, die dabei helfen, trotz eines übermäßigen Körpergewichts gesund zu bleiben.

Empfehlungen aus Untersuchung ableiten
Zwar haben Beobachtungs- und Interventionsstudien bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass eine pflanzenbetonte Ernährung übergewichtsbedingten Entzündungsreaktionen entgegenwirkt. Die beobachteten Effekte waren jedoch manchmal nur schwach ausgeprägt.

„Daher haben wir eine umfangreiche, systematische Literaturanalyse durchgeführt und die Einzelergebnisse entsprechender Interventionsstudien erstmals zu einem Gesamtergebnis zusammengefasst. Hierdurch lässt sich die Effektstärke einer solchen Ernährungsweise auf das Entstehen chronischer Entzündungen besser beurteilen. Eine wichtige Voraussetzung, um Empfehlungen abzuleiten“, erläuterte Eichelmann.

In der aktuellen Analyse wurden alle in Frage kommenden Ernährungsstudien untersucht, die von Januar 1946 bis Januar 2016 in Medline, EMBASE sowie im Cochrane central register of Controlled Trials erschienen waren. Von ursprünglich 2.583 identifizierten Studien erfüllten nur 29 Publikationen, mit Daten von insgesamt 2.689 Studienteilnehmern im Alter zwischen 28 und 68 Jahren, die für die Meta-Analyse gestellten Auswahlkriterien.

Krank durch Übergewicht
Weltweit leiden immer mehr Menschen an Übergewicht und Fettleibigkeit. Allein in Deutschland waren im vorletzten Jahr sieben Millionen Patienten wegen Fettleibigkeit in Therapie. Durch zu viel Gewicht erhöht sich das Risiko unter anderem für eine koronare Herzkrankheit, Diabetes, Schlaganfall, Atemwegserkrankungen und Krebs. Gesundheitsexperten zufolge kann starkes Übergewicht rund zehn Jahre Lebenszeit kosten Gründe genug, um effektive Gegenstrategien zu entwickeln. (ad)