Hirnfrost durch Eiscreme

Astrid Goldmayer

Kältereiz durch Eiscreme verursacht Kältekopfschmerz

17.07.2013

Der Mythos vom Hirnfrost hält sich hartnäckig. Natürlich friert das Gehirn nicht ein, wenn man zu viel Eiscreme ist. Doch die beliebte Sommer-Leckerei kann tatsächlich einen heftigen Kältekopfschmerz verursachen. Ähnlich können auch eiskalte Getränke wirken, wenn sie einen Kältereiz am Gaumen auslösen. Wer dafür anfällig ist, sollte entweder auf den kühlen Genuss verzichten oder versuchen das Eis möglichst wenig gegen den Gaumen zu drücken.

Mythos „Hirnfrost“ durch Eis
Als „Hirnfrost“ wird nicht etwa das Einfrieren des Gehirns bezeichnet sondern vielmehr ein stechender Kopfschmerzen, der durch Kälte wie beispielsweise Eiscreme verursacht wird. „Etwa ein Drittel der Bevölkerung beschreibt das auch", erläutert die Neurologin Maike Hesse von der Uniklinik Köln im ARD Morgenmagazin. Der sogenannte „Eiskugel-Kopfschmerz“ kann durch einen Kältereiz am Gaumen verursacht werden, in dem die Kopfmuskeln und Gefäße plötzlich verkrampfen, berichtet die Techniker Krankasse (TK) Niedersachsen. „Aber nicht nur Speiseeis, auch Eiswürfel oder sehr kalte Getränke können diesen Effekt auslösen. Je kälter Speisen und Getränke sind, desto heftiger kann der Kältekopfschmerz sein, der in der Regel aber nur kurz anhält“, erläutert die Kasse.

Normalerweise ist dieser Kältekopfschmerz nicht gefährlich und vergeht nach kurzer Zeit. Wer aber anfällig für Kopfschmerzen und insbesondere Migräne ist, sollte vorsichtig sein, denn ein Kältereiz kann auch einen Migräneanfall auslösen. Betroffene sollten am besten auf das Eisessen verzichten oder das Eis möglichst nicht gegen den Gaumen drücken. Die TK rät zudem dazu, „das cremige kalte Vergnügen langsam im Mund zu erwärmen und erst dann herunterzuschlucken“.

Auch für Allergiker gilt Obacht beim kühlen Genuss. Viele Eissorten enthalten allergene Substanzen wie Nüsse und Aromastoffe. Während beim Abgepackten Eis aus der Tiefkühltruhe Angaben zu den Inhaltsstoffen auf der Verpackung zu finden sind, sollten Betroffene in der Eisdiele zur Sicherheit nachfragen. Angaben zu bestimmten Inhaltsstoffen müssen auch dort auf den Eiskarten ausgewiesen werden.

Mythos „Eis schadet dem Bauch“
Dann und wann hört man Eltern zu ihren Kindern sagen „Nein, es gibt jetzt kein Eis. Von Eis bekommst du Bauchweh“. Ob diese Eltern wirklich daran glauben oder nur weitere Diskussionen mit ihren Kindern vermeiden wollen, ist fraglich. Denn Fakt ist, dass diverse Mythen rund um das Thema „Eis macht dick und verursacht Bauchschmerzen“ grassieren.

Eis kann abhängig von seinen Inhaltsstoffen viele – aber auch nur wenige – Kalorien enthalten. 75 Gramm Speiseeis enthalten als Eiscreme etwa 150, als Fruchteis rund 100 und als Milchspeiseeis um die 95 Kalorien. Milchspeiseeis enthält nicht nur vergleichsweise wenig Kalorien sondern auch Mineralstoffe wie Kalzium, Vitamine und Eiweiß. Keine Frage, Zucker ist ebenfalls enthalten und somit kann beim Thema Eis nur schwer vom wirklich „gesunden Genuss“ die Rede sein.

Wer auf seine schlanke Linie achten will, sollte auf Sahne, Nüsse und Schokolade im Eis verzichten. Besser geeignet ist Fruchteis – ohne Sahne. Meist enthält abgepacktes Eis am Stil wie Magnum oder Nogger weit mehr als 200 Kalorien und kann insofern durchaus in die Kategorie „Dickmacher“ eingeordnet werden.

Wenn nur natürliche und möglichst gesunde Zutaten im Eis gewünscht sind, kann der kühle Genuss auch selber hergestellt werden. Für viele Rezepte wird nicht einmal eine Eismaschine benötigt. So freuen sich Kinder beispielsweise über ein Eis aus Fruchtsaft.

Bauchschmerzen bekommt man von Eis wie auch von anderen Leckereien in der Regel nur, wenn man zu viel davon ist. Allein die Temperatur löst keine Beschwerden aus, da das Eis im Mund erwärmt wird und fast die normale Körpertemperatur erreicht hat, wenn es im Magen ankommt.

Mythos „Salmonellen sterben im Eis ab“
Salmonellen sind vor allem im Sommer ein viel diskutiertes Thema, da die hohen Temperaturen optimale Bedingungen für die Vermehrung der Bakterien bieten. Der Verzehr von Lebensmitteln, die mit Salmonellen verunreinigten sind, kann eine sogenannte Salmonellenenteritis (Salmonellose) verursachen, die mit Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall einher geht. Für gesunde Menschen ist die Infektion meist ungefährlich und nach kurzer Zeit ausgestanden. Säuglinge und Kleinkinder, Schwangere und Personen mit einem geschwächten Immunsystem können jedoch schwer erkranken. Es können Symptome wie Fieber, starker Flüssigkeitsverlust und rasche Gewichtsabnahme auftreten, die eine umgehende Behandlung im Krankenhaus erfordern.

Salmonellen sind äußerst widerstandsfähig und überleben sogar in der Kühltruhe. Ist Eiscreme mit Salmonellen belastet, sterben die Bakterien folglich nicht im Gefrierfach ab, sondern können sich weiter vermehren, sobald das Eis aus der Kühlung genommen wird. Besonders hoch ist das Risiko für Salmonellen bei Softeis aus der Maschine an der Straßenecke oder auf dem Rummel. (ag)

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