Studie: Häufiger Diabetes in Armutsregionen

Sebastian

Diabetes und Adipositas in ärmeren Wohngegenden häufiger

03.03.2014

Eine telefonische Gesundheitsbefragung hat ergeben, dass Menschen, die in ärmeren Wohngegenden leben, häufiger von Typ-2-Diabetes und Adipositas betroffen sind. Dies treffe auch auf diejenigen Personen zu, denen es gut geht.

Erkrankungsgefahr unabhängig vom individuellen Sozialstatus
Menschen, die in Deutschland in einer benachteiligten Region leben, haben ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes und Adipositas. Die Erkrankungsgefahr sei für die dort Lebenden auch unabhängig vom individuellen Sozialstatus erhöht. Dies geht aus einer aktuellen Analyse von Daten der telefonischen Gesundheitsbefragung GEDA („Gesundheit in Deutschland aktuell“) des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. Die Ergebnisse der Wissenschaftler vom Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen (IGM) am Helmholtz Zentrum München (HMGU) und der Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring am RKI in Berlin wurden vor wenigen Tagen im Fachjournal „PLOS ONE“ veröffentlicht.

Faktoren wie Einkommen oder Arbeitslosigkeit können alle Bewohner beeinflussen
Wie Erstautor Werner Maier erklärte, könnten regionale Faktoren wie das durchschnittliche Einkommen der Bevölkerung, Arbeitslosigkeit oder die Beschaffenheit der Wohnumgebung alle Bewohner gesundheitlich beeinflussen, auch unabhängig davon, welchen Bildungsstatus die einzelnen Personen selbst innehaben. Die Autorengruppe wertete Daten von bundesweit über 33.000 Personen im Alter ab 30 Jahren aus, die 2009 und 2010 an den telefonischen Gesundheitsbefragungen GEDA teilgenommen hatten. Wie die Institutionen berichteten, leiden die Bewohner in sozioökonomisch benachteiligten Regionen überdurchschnittlich häufig an Diabetes mellitus und Adipositas (Fettleibigkeit).

Individuelle Risikofaktoren wurden miteinbezogen
Die als „regionale Deprivation“ bezeichnete geographische Benachteiligung wurde dabei anhand des „German Index of Multiple Deprivation“ (GIMD) ermittelt, welcher aus regional verfügbaren Informationen zu Einkommen, Beschäftigung, Bildung, kommunalen Einnahmen, Sozialkapital, Umwelt und Sicherheit in einem definierten Gebiet gebildet wird. Die einzelnen Regionen wurden dabei anonymisiert und zudem wurden auch individuelle Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, Rauchen, körperliche Bewegung, Bildung und Leben in einer Partnerschaft in die Analyse miteinbezogen. Die Forscher kamen dabei zu dem Ergebnis, dass in den Regionen mit der höchsten Benachteiligungs-Kategorie (Deprivation) die Häufigkeit eines Typ-2-Diabetes bei 8,6 Prozent der Befragten und für Adipositas bei 16,9 Prozent lag. In den nur wenig deprivierten Regionen lag diese im Vergleich nur bei 5,8 beziehungsweise 13,7 Prozent.

Unterschiede zwischen Männern und Frauen
Die Ergebnisse wurden auf relevante Unterschiede in allen individuellen Faktoren überprüft und so hatten Personen in den Gebieten mit der höchsten Deprivation demnach noch eine rund 20 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, für Typ-2-Diabetes, verglichen mit Männern und Frauen in den am wenigsten benachteiligten Regionen. Dieses Risiko war bei Adipositas sogar um fast 30 Prozent erhöht. Insbesondere bei Frauen war hohe regionale Deprivation ein unabhängiger Einflussfaktor für Diabetes und Adipositas. Bei Männern hingegen ließ sich zwar ein statistisch signifikanter und unabhängiger Zusammenhang für Adipositas, jedoch nicht für für Diabetes nachweisen.

Bisherige Untersuchungen waren unbefriedigend
Wie die Forscher meinten, waren bisherige Untersuchungen zu regionalen Faktoren im Zusammenhang mit Diabetes und Adipositas unbefriedigend. „Unsere Ergebnisse weisen auf die Bedeutung regionaler Faktoren im Zusammenhang mit häufigen Gesundheitsproblemen wie Diabetes mellitus und Adipositas in Deutschland hin“, so Dr. Andreas Mielck vom HMGU, „bisherige Untersuchungen hierzu waren häufig durch den individuellen sozioökonomischen Status verfälscht oder haben nur regional begrenzte oder nicht aus Deutschland stammende Daten verwendet.“ Werner Maier fügte in der Mitteilung hinzu: „Räumliche Risikofaktoren wie materielle und soziale Deprivation sind ein wichtiger Ansatzpunkt, um regionalspezifische, effektive Präventionsmaßnahmen zu erarbeiten.“

Bundesministerien fördern den Forschungsverbund
Nach Ergebnissen des bundesweiten Gesundheitsmonitorings sind deutschlandweit sechs Millionen Menschen über 18 Jahre von Diabetes mellitus betroffen und an Adipositas leiden sogar mehr als doppelt so viele Erwachsene. Die epidemiologischen Analysen wurden als Teil eines Kooperationsprojektes beider Institutionen zu Diabetes mellitus und sozialer Ungleichheit im Kompetenznetz Diabetes mellitus durchgeführt. Beide Institutionen werden innerhalb dieses Forschungsverbundes durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Die GEDA-Datenerhebungen erfolgen regelmäßig im Rahmen des bundesweiten Gesundheitsmonitorings am RKI mit Förderung des Bundesministeriums für Gesundheit. (sb)

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