Adipositas – Behandlung und Ursachen

Um Übergewicht und Fettleibigkeit zu beheben, ist in der Regel eine Umstellung der Ernährung erforderlich. (Bild: Stasique/fotolia.com)
Susanne Waschke

Eine übermäßige Vermehrung von Fettgewebe im Körper wird als Adipositas bezeichnet. Für diese Fettleibigkeit spricht ein Body Mass Index (BMI) von mehr als 30. Adipositas ist kein normales Übergewicht, sondern eine Gesundheitsstörung, die eine Vielfalt von Erkrankungen nach sich ziehen kann. Adipositas kann entstehen, wenn über einen längeren Zeitraum hinweg dem Körper weit mehr an Energie zugeführt wird, als dieser wirklich benötigt.

Inhaltsverzeichnis

Body Mass Index
Folgebeschwerden
Ursache für viele Folgeerkrankungen
Gute Esser entwickeln eher Adipositas
Ursachen
Gutes Fett – schlechtes Fett
Ernährungsumstellung und Sport
Therapie aus der Naturheilkunde

Body Mass Index

Mit dem Body Mass Index (BMI) lässt sich das Körpergewicht genauer bewerten. Dabei wird der Quotient aus dem Gewicht und der Körpergröße im Quadrat ermittelt. Ein BMI unter 18,5 deutet auf Untergewicht hin, ein BMI kleiner als 24,9 spricht für Normalgewicht, bis zu einem BMI von 29,9 ist von Übergewicht die Rede, ein Wert über 30 bedeutet Adipositas Grad I, über 35 ist dies Adipositas Grad II und darüber extreme Adipositas.

Um Übergewicht und Fettleibigkeit zu beheben, ist in der Regel eine Umstellung der Ernährung erforderlich. (Bild: Stasique/fotolia.com)
Um Übergewicht und Fettleibigkeit zu beheben, ist in der Regel eine Umstellung der Ernährung erforderlich. (Bild: Stasique/fotolia.com)

Für die Definition von Fettleibigkeit gehört mittlerweile neben dem erhöhten Body Mass Index noch ein weiterer Wert, und zwar THV, das Taillen-Hüft-Verhältnis. Dafür wird der Umfang der Taille in Nabelhöhe und der Umfang der Hüfte an der dicksten Stelle gemessen. Taillenumfang dividiert durch den Hüftumfang ergibt einen Wert, der je größer um so gesundheitsschädlicher ist. Bei einer Frau ist der Grenzwert 0,8, beim Mann 1,0. So ist Adipositas, bei der sich das Fettgewebe vor allem an Stellen, wie Oberschenkel und Po befindet, meist weniger gefährlich als das Fettleibigkeit mit viel Bauchfett, das nicht nur äußerlich sichtbar ist, sondern auch die inneren Organe betrifft. Die Körperform eines Apfeltyps besitzt eher einen großen Bauchumfang, wohingegen bei einem Birnentyp die Pfunden verteilt, an Oberschenkel, Bauch und Gesäß sitzen.

Das sind die möglichen gesundheitlichen Folgen von Adipositas.
Das sind die möglichen gesundheitlichen Folgen von Adipositas. Bild: www.fotolia.com © bilderzwerg

Folgebeschwerden

Das immer weiter steigende Körpergewicht bei Adipositas belastet den Stoffwechsel und das Muskel-Skelett-System, was verschiedene Folgeerkrankungen mit sich bringen kann. Dazu gehören eine Insulinresistenz, aus der sich häufig Diabetes Typ II entwickelt, Hypertonie (Bluthochdruck), eine Fettleber, Gelenkbeschwerden, Atembeschwerden, Arteriosklerose (Arterienverkalkung) und Fettstoffwechselstörungen. Auch leiden manche adipöse Patienten bereits an mehreren erwähnten Folgeerkrankungen. Mit Adipositas steigt das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, vor allem dann, wenn das Gewicht immer mehr zunimmt.

Ursache für viele Folgeerkrankungen

Bei Diabetes Typ II ist der Körper nicht mehr in der Lage den anfallenden Zucker in die Zellen zu transportieren. Für die Verwertung des Zuckers wird Insulin benötigt, das zu Beginn der Erkrankung auch noch in genügender Menge produziert wird. Bei der auftretenden Insulinresistenz reagieren die Körperzellen nicht mehr richtig auf das Insulin, was bedeutet, dass der Blutzuckerspiegel steigt und die Glucose nicht dorthin gelangt, wo sie gebraucht wird. Daraufhin produziert der Körper immer mehr Insulin, wobei längerfristig die Bauchspeicheldrüse an ihre Grenzen stößt und die Insulinproduktion immer mehr einschränkt. Diabetes Typ II stellt sich ein. Die Ursache für diese Erkrankung liegt häufig in einem zu hohen Körpergewicht, sprich Adipositas, zusammen mit falscher Ernährung und Bewegungsmangel.

Weitere Folgeerkrankungen sind Fettstoffwechselstörungen, auch Hyperlipidämie oder Hyperlipoproteinämie genannt. Jahrelange, zu fettreiche Kost kann dazu führen, dass der Cholesterin- und/oder der Triglyceridspiegel im Blut erhöht ist . Der Überschuss kann vom Körper nicht mehr abtransportiert werden und das Fett lagert sich in den Gefäßen ab, was letztendlich zu einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall führen kann.

Auch Bluthochdruck, in der Fachsprache Hypertonie genannt, zählt zu den möglichen Folgen von Fettsucht. Durch das starke Übergewicht bedingt, muss der Körper auch mit mehr Blut versorgt werden, das Herz also seine Leistung erhöhen. Durch diese gesteigerte Leistung steigt mit der Zeit auch der Blutdruck an. Jedoch besteht hier durchaus die Möglichkeit, durch Gewichtsabnahme, den Blutdruck wieder in normale Bereiche zu bringen.

Atembeschwerden gehören ebenso zu den eventuellen Folgen von massivem Übergewicht. Durch die Fetteinlagerungen im Bereich der Rippen, ist die Atembeweglichkeit vermindert. Hinzu kommt ein erhöhter Druck im Bauchraum, aus dem ein Zwerchfellhochstand resultieren kann, was das Atemvolumen zusätzlich vermindert. Die Betroffenen werden kurzatmig. Ein Großteil adipöser Patienten leidet auch unter einem sogenannten Schlaf-Apnoe-Syndrom. Dabei entstehen während des Nachtschlafs kurze Atempausen, die zu einer Tagesmüdigkeit mit Leistungsminderung, bis hin zu Einschlafzwang führen.

Ebenso kann der Bewegungsapparat unter dem starken Körpergewicht leiden. Davon sind Sehnen Bänder, Muskeln und Gelenke betroffen. Rückenschmerzen stellen sich ein. Schmerzhafte Arthrosen entstehen, vor allem an Knie und Hüfte (siehe Knieschmerzen und Hüftschmerzen). Die Betroffenen bekommen Senk- und/oder Spreizfüße.

Durch Veranlagung, aber auch durch Fettleibigkeit, purinreiche Ernährung und erhöhten Alkoholkonsum kann eine Gicht entstehen. Harnsäure ist das Abbauprodukt der Purine. Diese Stoffe sind vor allem enthalten in tierischen Produkten, wie Fleisch, Wurst, aber auch in manchen Hülsenfrüchten, wie zum Beispiel Linsen, Bohnen und ebenso in Alkohol. Bei normaler ausgewogener Ernährung kommt der Körper in der Regel mit den Purinen klar und scheidet diese als Harnsäure aus. Ist jedoch die Nahrung sehr purinreich, kann dies zu einem Überschuss an Harnsäure im Blut führen und einen Gichtanfall bedingen. Dies ist eine Entzündungsreaktion, vor allem in Gelenken, die mit massiven Schmerzen verbunden ist.

Weibliche Patienten klagen häufig über Menstruationsbeschwerden. Auch die Fruchtbarkeit kann unter dem hohen Körpergewicht leiden.

Ursachen

Meist ist nicht nur eine Ursache der Auslöser, sondern mehrere Faktoren gleichzeitig führen zu dem massiven Übergewicht. Die Veranlagung für die Fettleibigkeit kann genetisch bedingt sein, wobei dies jedoch nicht als alleinige Ursache zu sehen ist. Häufig kommen hier noch Bewegungsmangel und falsche Ernährung hinzu. Auch existiert mitunter ein Gendefekt, der dazu führt, dass die Betroffenen kein Sättigungsgefühl haben. Adipositas kann schon in der Kindheit beginnen, in der Stress mit Essen bekämpft wird und die Belohnungen stets aus Mengen an Süßem bestehen. Des Weiteren führen massive Schlafprobleme unter Umständen zu so erheblichen Störungen des Stoffwechsels, dass die Betroffenen ständig Hunger haben und den Appetit nicht bremsen können, obwohl der Körper keinen Mangel hat.

Essstörungen gehören ebenso zu den Ursachen wie hormonelle Erkrankungen, beispielsweise in Form des Cushing-Syndroms (hormonelle Erkrankung, ausgelöst durch ein Übermaß an Cortisol). Auch werden Medikamente, wie Glukokortikoide, Neuroleptika, einige Antidepressiva und Antidiabetika für das Entstehen von Adipositas verantwortlich gemacht.

Des Weiteren kann der Grundstein schon in der Kindheit gelegt werden. Vererbte Krankheiten, wie Störungen der Hypophyse (Hirnanhangdrüse), Schilddrüse oder Nebennierenrinde können zu verschiedensten Symptomen und einem erhöhten Körpergewicht führen. Aber auch die Ernährung in der Kindheit spielt eine wesentliche Rolle. Stundenlanges Sitzen vor dem Computer, vor dem Fernseher, mangelnde Bewegung und dazu noch falsches, zu fettes und zu süßes Essen bleibt meist nicht ohne Folgen.

Häufig entdeckt man in Familien mit adipösen Kindern auch mindestens ein übergewichtiges Elternteil. Der Stellenwert des Essens ist eine wichtige Komponente im Leben eines Kindes. Eventuelle Belohnungsrituale mit Süßigkeiten und die Zusammensetzung der Nahrung in Verbindung mit Bewegungsmangel unterstützen die Entstehung von zu hohem Körpergewicht. So können aber auch Belastungssituationen, wie zum Beispiel eine Trennung der Eltern oder das Gefühl „nicht geliebt zu werden“ zu einer falschen kalorienreichen Ernährung führen.

Gute Esser entwickeln eher Adipositas

Nicht jeder, der sich zu reichhaltig ernährt, hat Probleme mit seinen Pfunden. Gute Futterverwerter jedoch schon. Bei dieser Spezies erhöht fast jedes Stückchen Kuchen das Gewicht, wohingegen die schlechten Futterverwerter mehr Energie verbrauchen und eher schlank bleiben. Aber auch bestimmte Enzyme spielen hier eine große Rolle. So wurde von Forschern herausgefunden, dass das Enzym LPL (Lipoproteinlipase) bei Menschen, die zu Übergewicht neigen, in einem höheren Umfang vorkommt, wodurch diese mehr Fett einlagern. Dieses Enzym wird auch für den sogenannten Jo-Jo-Effekt verantwortlich gemacht, bei dem nach Diäten das Gewicht meist schnell wieder ansteigt, häufig sogar höher als vor der Diät.

Gutes Fett – schlechtes Fett

Fett stellt einen wichtigen Anteil in der Nahrung dar. Fett ist ein Energielieferant, ist wichtig für die Zellmembrane und wird für die Herstellung von bestimmten Hormonen gebraucht. Gerade essentielle Fettsäuren sind lebensnotwendig, da diese nicht vom Körper selbst hergestellt werden können, sondern mit der Nahrung zugeführt werden müssen. Jedoch sollten nicht mehr als 30 Prozent der Tageskalorienmenge von Fett bestritten werden. Hier ist auch die Art des Fettlieferanten wichtig. Fett enthält nämlich doppelt soviel Kalorien wie Kohlenhydrate und kann sich im Körper anreichern und auf längere Sicht zu Adipositas führen. Fette können auch das Risiko für Herzkreislauferkrankungen steigern, vor allem, wenn sie die Blutfettwerte erhöhen. Dabei ist Fett eben nicht gleich Fett – ein wichtiger Aspekt, der in der Ernährung Berücksichtigung finden sollte.

Gesättigte Fettsäuren, wie sie vor allem in Fleisch, Wurst, Käse, Butter und Sahne vorkommen können das LDL (Low Density Lipoprotein), das sogenannte „schlechte“ Cholesterin steigern. Auch kommen diese gesättigten Fettsäuren „versteckt“ in Snacks, wie zum Beispiel Chips oder in Backwaren vor. Ungesättigte Fette hingegen sind empfehlenswert. Diese sollten vor allem in Form von pflanzlichen Ölen konsumiert werden. Beispiele dafür sind Olivenöl, Rapsöl oder Leinöl. Ebenso sind diese „guten“ Fette in Avocados, Nüssen und Samen enthalten. Die ungesättigten Fettsäuren sind in der Lage das LDL, das schädlich für den Körper werden kann, zu senken und gleichzeitig das „gute“ Cholesterin, das HDL (High Density Lipoprotein) anzuheben.

Der Körper ist in der Lage selbst Fettsäuren herzustellen, bis auf eine Ausnahme – die mehrfach gesättigten Fettsäuren. Diese sind lebenswichtig, das heißt essentiell und müssen durch die Nahrung zugeführt werden. Enthalten sind die essentiellen Fettsäure auch Omega-3- und Omege-6- Fettsäuren genannt, in Nüssen, Sonnenblumenöl und fettreichen Fischarten.

Aus gesunden Fetten stellt der Körper Zellmembranen und Hormone her. Die Orange sind in Fett eingebettet um geschützt zu sein und die Nerven werden durch eine Fettschicht isoliert. Dafür sind vor allem die essentiellen Fettsäuren zuständig. Tierische Fette jedoch enthalten gesättigte Fettsäuren. Wird davon zu viel über längeren Zeitraum zugeführt, kann sich das überschüssige Fett im Körper in Form von überflüssigen Pfunden einlagern. Nicht nur das Gewicht ist gesundheitsgefährdend, sondern auch die Tatsache, dass die meisten Übergewichtigen zu viel essen und die Nahrung dabei zu fett und zu süß ist. Die Cholesterinwerte steigen an, die Fette lagern sich an die Gefäßwände an und eine sogenannte Arteriosklerose entsteht. Das Gefäßvolumen kann dadurch immer enger werden und die Gefahr eines Herzinfarktes oder Schaganfalls deutlich steigen.

Ernährungsumstellung und Sport

Um das massive Übergewicht in den Griff zu bekommen, ist eine Ernährungsumstellung in der Regel unverzichtbar. Dies sollte jedoch nicht einfach so, von heute auf morgen geschehen. Gerade bei massivem Übergewicht ist unbedingt ein Arzt hinzuzuziehen, der die Diät beziehungsweise die Ernährungsumstellung überwacht.

Ist Stress eine Ursache, so empfiehlt sich eine psychosomatische Beratung und Betreuung. Entspannungsübungen (beispielsweise Autogenes Training) und der Umgang mit Stress können durchaus erlernt werden. Bei bereits bestehenden Erkrankungen wird ein genauer Ernährungsplan erstellt, damit keine Mangelsituationen entstehen. Um bei Adipositas an Gewicht zu verlieren, sollte der Konsum von Fleisch und Wurst erheblich eingeschränkt werden. Das für den Körper nötige Eiweiß lässt sich auch über Milchprodukte oder Fisch zuführen. Die Menge der täglichen Fettaufnahme sollte ein Gramm pro Kilogramm Körpergewicht nicht übersteigen. Dabei ist auch wichtig, auf versteckte Fette, wie sie sich in Fast Food oder Fertigprodukten befinden, aufzupassen. Die Zubereitung der Speisen sollte fettarm sein, die Aufnahme von Fett am besten in Form von einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren erfolgen. Zusätzlich müssen sich die Portionsgrößen ändern, damit der Energieverbrauch die Energiezufuhr übersteigt.

Naturheilkunde

Bei Fettsucht kann die Naturheilkunde hilfreich zur Seite stehen. So werden zum Beispiel verschiedene Schüssler Salze, wie Nr. 9 Natrium phosphoricum und Nr. 10 Natrium sulfuricum, eingesetzt, um den Stoffwechsel etwas anzukurbeln. Auch Kräuter aus der Phytotherapie, wie zum Beispiel Löwenzahn, Brennnessel und Ingwer können hier gute Dienste leisten. Um die Psyche zu stabilisieren werden Bachblüten und Teemischungen, mit Nerven stärkenden Pflanzen, eingesetzt. In der Körper- oder Ohrakupunktur existieren Punkte, die, wenn genadelt, etwas das Hungergefühl dämpfen und den Stoffwechsel anregen können.

Dies sind natürlich nur begleitende Maßnahmen. Ein ausgewogener, individueller Ernährungsplan, der gesunde, vitaminreiche, fett- und kalorienarme und basenreiche Nahrungsmittel enthält, ist unerlässlich. Auch regelmäßige Bewegung, abgesprochen mit dem Arzt, ist wichtig. (sw)