Rückenschmerzen – Hausmittel, Ursachen und Therapie

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Was tun bei Rückenschmerzen?

Etwa jeder dritte Deutsche leidet aktuellen Statistiken zufolge unter Rückenschmerzen. Die Schmerzen im Rücken können dabei vielseitige Ursachen haben. Bei vielen Menschen verschwinden die Beschwerden nach relativ kurzer Zeit wieder von allein. Erst wenn die Schmerzen länger als 12 Wochen anhalten, spricht man von chronischen Rückenschmerzen. In solchen Fällen funktionieren die Selbstheilungskräfte des Körpers nicht mehr. Die Konsultierung eines Facharztes (Orthopäden) und/oder Osteopathen, der die Selbstheilung des Körpers unterstützt und bestärkt, wird notwendig. Wir bieten Ihnen hier einen Einblick zu den Hintergründen, möglichen Ursachen, Symptomen und Behandlungsansätzen bei Rückenleiden.


Was hilft sofort gegen Rückenschmerzen?

Rückenschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Die genauen Hintergründe für die Schmerzen zu ergründen, erfordert oftmals den Besuch mehrerer Fachärzte und den Einsatz verschiedener Diagnosemethoden. Mit dem Beschwerdebild der gelegentlichen auftretenden Schmerzen im Rückenbereich stehen die Betroffenen oft allein da. In dem Artikel Hausmittel bei Rückenschmerzen finden Sie die gängigsten Hausanwendungen, die sich vielfach bewährt haben. Hier ein paar Tipps, um akute Schmerzen zu lindern:

  • Muskelentspannungsbad: Zehn bis 15 Tropfen ätherisches Rosmarin- oder Thymianöl in das Badewasser geben und 15 Minuten im warmen Wasser entspannen.
  • Wärmewickel: Ein Frotteehandtuch zusammenrollen und von oben in die Rolle vorsichtig heißes (nicht kochendes) Wasser gießen. Nur so viel, dass das Tuch von außen noch trocken bleibt. Den Wickel dann circa 30 Minuten auf den Nacken oder die schmerzende Stelle legen und entspannen.
  • Bewegung: Auch wenn es schwer fällt, Bewegung trägt maßgeblich zur Besserung bei den meisten Arten der Rückenschmerzen bei. Bei einem Spaziergang werden die Rückenmuskeln gelockert und die Wirbelgelenke mobilisiert. Ebenso können regelmäßig durchgeführte Rückenschmerzen Übungen helfen.
  • Stufenlagerung: Treten die Schmerzen im Bereich der Lendenregion auf, hilft in vielen Fällen eine Stufenlagerung. Dabei sollte der Oberkörper flach liegen und die Beine sollten auf einer erhöhten Position abgelegt werden, so dass circa ein 90 Grad Winkel in der Hüfte entsteht.
  • Kampferöl: Etwas Mandel- oder Sesamöl mit ein paar Tropfen ätherischem Kampferöl mischen und auf den schmerzenden Muskel auftragen und leicht einmassieren. Diese Anwendung ist auch gut vor dem Schlafengehen geeignet.
Bäder, Wärmewickel, Spazieren gehen, Stufenlagerung und Massagen mit Kampferöl können schnell gegen Rückenschmerzen helfen. (Bild: heilpraxis.de)

Definition

Rückenschmerzen beschreiben ein breites Spektrum schmerzhafter Beschwerdebilder im Bereich zwischen unterem Nacken und der Spitze des Steißbeins. Sie können sowohl nach ihrer Ursache als auch nach ihrer zeitlichen Ausprägung weiter untergliedert werden. Gängig ist eine Einteilung in akute, subakute und chronische Rückenschmerzen sowie in spezifische und unspezifische Schmerzen:

  • Akute Rückenschmerzen zeigen sich dabei über einen Zeitraum von maximal sechs Wochen.
  • Bei subakuten Rückenschmerzen halten die Beschwerden länger als sechs Wochen an.
  • Von chronischen Rückenschmerzen spricht man ab einer Dauer von zwölf Wochen oder wenn Betroffene mehr als die Hälfte der Tage im Jahr unter diesen Schmerzen leiden.
  • Spezifische Schmerzen liegen vor, wenn körperliche Ursachen feststellbar sind.
  • Bei unspezifischen Rückenschmerzen sind keine pathophysiologischen (körperlichen) Ursachen feststellbar.

Rückenschmerzen in Deutschland

Den jährlich erscheinenden Berichterstattungen der gesetzlichen Krankenkassen und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zufolge sind Rückenschmerzen hierzulande seit Jahren einer der häufigsten Krankschreibungsgründe. Auch der DAK-Gesundheitsreport 2018 kommt zu diesem Ergebnis. Demnach sind Rückenschmerzen die zweithäufigste Einzeldiagnose für Krankschreibungen und verursachen zusammen rund 35 Millionen Ausfalltage bei Erwerbstätigen. Bereits jeder siebte Arbeitnehmer (14,4 Prozent) leidet drei Monate im Jahr oder länger unter diesen Beschwerden.

Volkskrankheit Rückenschmerzen

Die Verbreitung ist in den letzten 15 Jahren stark angestiegen. Im Jahr 2003 gaben 55 Prozent der Berufstätigen an, gelegentlich unter Rückenbeschwerden zu leiden. Der aktuelle Gesundheitsreport 2018 berichtet nun von 75 Prozent. Hiermit sind Kosten durch Produktionsausfälle verbunden, die je nach Berechnungsmethode bis in den zweistelligen Milliardenbereich reichen. Hinzu kommen die Kosten, die für die Behandlung der Betroffenen fällig werden.

Moderne Büroarbeit mit viel sitzender Tätigkeit und wenig Bewegung erhöht das Risiko, ein Rückenleiden zu entwickeln. (Bild: Trueffelpix/fotolia.com)

Ausprägung der Rückenschmerzen

Die Körperregion, in der die Schmerzen auftreten, liefert den Betroffene und den Therapeuten eine erste Spur für die Ursache. Dabei werden immer wieder bestimmte Schmerzbereiche und Positionen genannt, hinter denen sich zahlreiche Funktionsstörungen und Erkrankungen verbergen können. Meist treten die Rückenschmerzen als Beschwerden im unteren Rücken auf. Die zeitliche Ausprägung der Schmerzen gestaltet sich jedoch sehr unterschiedlich. Wie bereits erwähnt, ist von chronischem Rückenschmerz die Rede, wenn die Beschwerden länger als drei Monate andauern, ansonsten gelten die Rückenschmerzen als akutes beziehungsweise subakutes Beschwerdebild. Jedoch macht die Einteilung nur bedingt Sinn, denn Patienten, die mit zeitlichen Unterbrechungen immer wieder unter heftigen Rückenschmerzen leiden, empfinden ihr Leiden zu Recht als chronisch. Andere Definitionen bezeichnen die Rückenschmerzen daher als chronisch, sobald diese an mehr als der Hälfte der Tage eines Jahres auftreten.

Wo und wie treten die Schmerzen auf?

Sitzen die Beschwerden im mittleren unteren Drittel des Rückens, werden Sie häufig als Kreuzschmerzen bezeichnet. Ist dabei die Lendenregion neben der Wirbelsäule ein- oder beidseitig betroffen, spricht man von Flankenschmerzen. Bei vielen Menschen ist der Schmerz indes ganz punktuell auf Höhe des Gelenkes von Beckenschaufel und Kreuzbein im Bereich des sogenannten Iliosakralgelenkes lokalisiert. Einige Patienten empfinden den Schmerz auch quer über diesem Bereich. Oftmals zieht der Schmerz neben der Wirbelsäule herunter – gerade beim Beugen nach unten und morgens nach dem Aufstehen. Aber auch ein sehr punktueller Schmerz zwischen Rippen und Beckenschaufel wird von vielen Rückenschmerz-Betroffenen angegeben, ebenso wie ein Ziehen über den ganzen Rücken.

Diffuse Rückenschmerzen

Rückenschmerzen, die die Betroffenen vor allem als Schmerzen der Muskulatur schildern, bei denen sie jedoch den Schmerzort nicht genau ausmachen können, werden auch diffuse Rückenschmerzen genannt. Hierfür kann es sehr viele Ursachen geben, die nicht selten außerhalb des Rückens liegen. Die verschiedenen Ursachen gehen jeweils mit einer sehr speziellen Symptomatik einher, was sowohl die Schmerzen als auch die Begleitsymptome betrifft. Daher erfolgt im weiteren Verlauf eine nähere Darstellung der Symptomatik im Zusammenhang mit den Auslösern der Beschwerden.

Rückenschmerzen können zahlreiche Ursachen haben und treten bei vielen Betroffenen auch als diffuse Schmerzen auf, die nicht genau lokalisiert werden können. (Bild: leszekglasner/fotolia.com)

Wann treten die Schmerzen auf?

Zahlreiche Menschen klagen am Morgen über einen steifen Rücken, Schmerzen beim nächtlichen Umdrehen im Bett und nach langem Sitzen oder Autofahren. Zusätzlich können viele Betroffene nicht lange Stehen oder Sitzen, ohne Schmerzen im unteren Rücken zu bekommen. Häufig fällt das nach vorne Beugen akut schwer und das längere Stehen in gebeugter Haltung führt zu anschließenden Problemen und Schmerzen beim Wiederaufrichten. Viele alltägliche Handlungen wie beispielsweise Zähneputzen, Haarebürsten oder die Gartenarbeit werden so zur Tortur. Häufig ist eine gewisse Bewegungssteife festzustellen. Oftmals verbessern sich die Beschwerden nach dem warmen Duschen oder mit dem Bewegen.

Rückenschmerzen am Morgen

Zahlreiche verschiedene Ursachen werden in Zusammenhang mit Rückenschmerzen gebracht, wobei das Spektrum von psychosomatischen Auslösern über Beeinträchtigungen der Wirbelsäulenstrukturen, Muskeln und Nerven bis hin zu Erkrankungen wie einer Speiseröhrenentzündung oder einem Herzinfarkt reicht. Die anschließend aufgeführten funktionellen Erklärungsmodelle bilden insbesondere bei Rückenschmerzen, die im Zusammenhang mit den Bandscheiben, Wirbelgelenken und dem Bindegewebe stehen eine gute Basis zur Diagnose und Behandlung.

Behandlungen und Therapien

Bei den spezifischen Rückenbeschwerden steht die zielgerichtete Therapie der zugrundeliegenden Erkrankung an erster Stelle, allerdings kann bei einigen Krankheiten, wie beispielsweise der Osteoporose, keine Heilung, sondern lediglich eine Linderung der Symptome erreicht werden. Sind Organleiden oder andere systemische Erkrankungen Ursache der Rückenschmerzen, so ist ebenfalls eine entsprechend ursachenbezogene Therapie einzuleiten, deren Darstellung hier jedoch deutlich den Rahmen sprengen würde. Die anschließenden Ausführungen konzentrieren sich daher auf Rückenschmerzen, die unmittelbar im Zusammenhang mit Beeinträchtigungen beziehungsweise Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems stehen.

Grundsätze der Therapie

Zunächst gilt es im Rahmen der Therapie, den Patienten die Schmerzen zu nehmen, nicht zuletzt um Schonhaltungen zu vermeiden. Denn diese können zu weiteren Muskelverhärtungen, Nervenkompressionen und Gelenkschäden führen. Zur Schmerzlinderung können hier klassische Schmerzmittel oder auch Massagen, Physiotherapie und Akupunktur angewandt werden. Diese nehmen den Patienten nicht nur die Schmerzen, sondern können darüber hinaus auch einen wesentlichen Beitrag zur Heilung leisten.

Die Physiotherapie wird vielfach zur Behandlung von Rückenschmerzen eingesetzt. (Bild: WavebreakmediaMicro/fotolia.com)

Naturheilkunde bei Rückenschmerzen

Die weithin bekannte Basis der naturheilkundlichen Behandlung bei Rückenschmerzen bilden Maßnahmen der Physiotherapie, manuelle Verfahren (Chiropraktik, Rolfing, Osteopathie, Dorn-Therapie), Massagen und die Akupunktur – als Beitrag aus dem Bereich der traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Ergänzend werden Wärmetherapien in der Naturheilkunde zur Schmerzlinderung angewandt, wie zum Beispiel Fangopackungen oder die Radonwärmetherapie. Darüber hinaus bieten sich bezogen auf die jeweiligen Ursachen der Rückenschmerzen verschiedene weitere Verfahren aus dem Bereich der Naturheilkunde an, die bei den Beschreibungen der Krankheitsbilder im weiteren Verlauf erörtert werden.

Bandscheibenvorfall

Bandscheibenvorfall. Dabei tritt Material aus den elastischen Knorpelscheiben zwischen den Rückenwirbeln aus und kann auf die hier verlaufenden Nervenbahnen drücken. Eindeutig diagnostiziert werden kann dies nur durch bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT oder Kernspin). Die Beschwerden, die lokal oder im Verlauf eines abgeklemmten Nervs auftreten, werden als Bandscheiben-Syndrom bezeichnet.

Sitzende Tätigkeiten erhöhen das Risiko

Da die Bandscheiben optimal durch einen Wechsel von Zusammenpressen und Entlasten versorgt werden müssen, um in ihrer Funktionsfähigkeit erhalten zu bleiben, nimmt man an, dass das viele Sitzen – beispielsweise im Rahmen einer Bürotätigkeit – hier als massiver Risikofaktor zu bewerten ist, da dies die erforderliche Pumpbewegung nicht bietet. Hierdurch ist dem funktionellen Ansatz zufolge die „Ernährung“ der Bandscheiben nicht optimal gewährleistet und sie sind nicht mehr so belastbar.

Zusammenhang mit weiteren Krankheitsbildern

Bei einem Bandscheibenvorfall besteht auch ein möglicher Zusammenhang mit der Entstehung der Osteochondrose beziehungsweise Osteochondrose inter-vertebralis (Störung der Umwandlung von Knorpel zu Knochen). Bei diesem, durch bildgebende Verfahren feststellbaren, Phänomen sind die Bandscheiben vermindert und scheinen durch verringerte Elastizität ihre Funktion nicht mehr voll erfüllen zu können. Aus scheinbar kompensatorischen Gründen bilden sich sogenannte Randanbauten (knöcherne Ausziehungen) der Wirbel. Diese degenerativen Veränderungen der Wirbel werden als Spondylosis deformans oder einfach nur als Spondylose bezeichnet.

Bei einem Bandscheibenvorfall tritt Material aus den elastischen Knorpelscheiben zwischen den Rückenwirbeln aus und kann auf die hier verlaufenden Nervenbahnen drücken (Bild: psdesign1/fotolia.com)

Behandlung eines Bandscheibenvorfalls

Bei einem Bandscheibenvorfall wird den konservativen Maßnahmen wie Schmerzlinderung und dem Erhalt der Bewegungsfähigkeit eine hohe Bedeutung zugeschrieben. Bewegungs- beziehungsweise Physiotherapie, Massagen und Akupunktur können einem Großteil der Patienten dauerhaft Linderung verschaffen.

Operationen bei Bandscheibenvorfall

Können diese Maßnahmen nicht ausreichend helfen, kommt eine Bandscheibenoperation in Betracht. Operation bei Bandscheibenvorfall ja oder nein? Diese Frage stellen sich viele Betroffene. Berechtigte Gründe für eine derartige Operation sind zum Beispiel nachweisbare Lähmungserscheinungen oder neurologische Ausfallerscheinungen in Form des sogenannten Cauda-equina-Syndroms. Im Zuge des Eingriffs wird das Bandscheibengewebe, welches auf die Nervenbahnen drückt, entfernt und gegebenenfalls erfolgt eine Versteifung der benachbarten Wirbelkörper (Spondylodese).

Sofortmaßnahmen bei einem Bandscheibenvorfall

Als Sofortmaßnahme nach dem Auftreten eines Bandscheibenvorfalls raten Mediziner den Betroffenen, sich am besten auf den Rücken zu legen und die Beine mit ein paar Kissen unter den Unterschenkeln hochzulegen. Auf diese Weise soll die Wirbelsäule entlastet und eine Lockerung der verkrampften Muskulatur ermöglicht werden. Oberschenkel und Hüfte sollten dabei idealerweise im 90 Grad Winkel zueinander stehen. Auch wenn die Schmerzen so möglicherweise zunächst wieder nachlassen, sollte bei Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall dringend therapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden.

Naturheilkunde bei einem Bandscheibenvorfall (Video)

Hier haben sich medizinischen Massagen und Akupunktur-Massagen bei der naturheilkundlichen Behandlung von Rückenschmerzen vielfach bewährt. Als relativ neue komplementärmedizinische Behandlungsmethode bei einem Bandscheibenvoralls hat sich darüber hinaus in den vergangenen Jahren neben der Chiropraktik und der Osteopathie zunehmend die Wirbelsäulentherapie nach Dorn und Breuss etabliert, bei der durch sanften Druck die Wirbelgelenke wieder in ihre gewohnte Position gebracht werden sollen.

Homöopathie bei einem Bandscheibenvorfall

Begleitend können bei einem Bandscheibenvorfall verschiedene Homöopathika zum Einsatz kommen. Hier sind vor allem Mittel auf Basis von Agaricus, Bryonia und Hypericum zu nennen. Aus dem Bereich der Schüßler-Salz-Therapie werden die Schüssler Salze Nr. 1 (Calcium fluoratum), Nr.2 (Calcium phosphoricum), Nr.7 (Magnesium phosphoricum) und Nr.8 (Natrium chloratum) gegen die akuten Beschwerden eines Bandscheibenvorfalls angewandt.

Hexenschuss (Lumbago)

Der sogenannte Hexenschuss oder auch Lumbago äußert sich meist durch akute Schmerzen nach dem Heben und gleichzeitigem nach vorne Beugen mit einer Last. Durch falsche Bewegungen, zu hohe Belastung oder auch Verkühlungen können Verspannungen der Muskulatur und/oder Verschiebungen der Wirbelkörper auftreten, was zu Kompressionen der Nervenbahnen führt, die sich wiederum in Form von Rückenschmerzen äußern. Bewegungsmangel und eine unterentwickelte Rückenmuskulatur gelten allgemein als Risikofaktoren für einen Hexenschuss. Folgende Symptome deuten auf einen Hexenschuss hin:

Hexenschuss Therapie

Grundsätzlich ist den Betroffenen zu empfehlen, ein paar Tage ihren Rücken zu schonen. Eine umfassende Behandlung ist bei einem gewöhnlichen Hexenschuss nicht notwendig, da die Beschwerden nach wenigen Tagen gewöhnlich von alleine verschwinden. Allerdings können verschiedene Maßnahmen zur Linderung der Beschwerden beitragen.

Schonhaltung verhindern

Eine Schonhaltung, die Betroffene häufig aufgrund der Schmerzen einnehmen, sollte unbedingt verhindert werden, da sonst weitere Beeinträchtigungen drohen. Um dies zu vermeiden, werden häufig muskelentspannende, entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente in der Schulmedizin angewandt, um den Betroffenen weitgehend einen beschwerdefreien Alltag zu ermöglichen. Auch Wärmekompressen, Wärmflaschen, Wärmesalben und die Anwendung von Rotlicht werden zur Behandlung eingesetzt.

Ein Hexenschuß äußert sich meist durch akute Schmerzen nach dem Heben und gleichzeitigem nach vorne Beugen mit einer Last. (Bild: juefraphoto/fotolia.com)

Naturheilkundliche Behandlung von Hexenschuss

Zur äußeren Anwendung eignen sich Umschläge mit verdünnter Arnikatinktur (siehe Tinkturen selbst herstellen) und Öle mit Aconitum (Eisenhut) oder Johanniskraut sowie Schwedenbitter und Salben, die Bienengift oder Cayennepfeffer enthalten. Den Extrakten von Brennnesseln, Teufelskralle und Weidenrinde werden ebenfalls vielversprechende Wirkungen in diesem Bereich zugeschrieben. Weidenrinde wird auch als das „natürliche Aspirin“ bezeichnet und wurde bereits in der indianischen Medizin verwendet. Diese Pflanzen können auch als Tee zubereitet werden, um den naturheilkundlichen Behandlungsansatz zu unterstützen.

Entzündungen in den Wirbelkörpern oder Bandscheiben

Im Bereich der Wirbelkörper und Bandscheiben kann es auch zu einer Entzündung durch Erreger kommen. Dies wird als Spondylodiszitis oder Spondylitis (Wirbelentzündung) beziehungsweise Diszitis (Bandscheibenentzündung) bezeichnet. Neben den Rückenschmerzen sind unter Umständen Symptome wie übermäßiges Schwitzen in der Nacht, Fieber und ein deutlicher Gewichtsverlust zu beobachten.

Therapie entzündeter Bandscheiben und Wirbelgelenke

Sind die Bandscheiben und Wirbelgelenke entzündet, ist zunächst eine Behandlung mit Antibiotika vorgesehen, die in den meisten Fällen auch eine Heilung bewirken kann. Zeigen die Antibiotika und weitere Maßnahmen wie das Tragen einer Orthese (Stützkorsett) oder die Stärkung der Muskulatur mittels Physiotherapie jedoch nicht die gewünschte Wirkung, wird das Gewebe zunehmend geschädigt und leiden die Patienten an neurologischen Ausfallerscheinungen aufgrund der Nervenkompressionen, kann auch hier eine Operation erforderlich werden.

Naturheilkunde bei entzündeten Bandscheiben und Wirbelgelenken

Sind die Wirbelgelenke und Bandscheiben entzündet, bietet die Naturheilkunde nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, die begleitend zu der konventionellen Behandlung angewandt werden können. An dem Einsatz von Antibiotika und einer Ausräumung des befallenen Gewebes führt hier in der Regel kein Weg vorbei.

Bei ernsthaften Entzündungen helfen in der Regel nur Antibiotika oder eine Operation, bei der das entzündete Gewebe entfernt wird. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)

Spondylarthrose

Eine Arthrose der kleinen Wirbelgelenke, die sogenannte Spondylarthrose, ist häufig ein Nebenbefund bei der Diagnose von Rückenschmerz mittels bildgebender Verfahren. Das Beschwerdebild wird auch unter dem Begriff Facettensyndrom zusammengefasst. Ob die Wirbelgelenkarthrose den Schmerz neben der Wirbelsäule erklären kann oder hier eher andere Faktoren eine entscheidende Rolle spielen, ist bislang jedoch nicht abschließend geklärt.

Behandlung der Spondylarthrose

Zeigt sich eine Arthrose im Bereich der Wirbelbogengelenke, zielt die Therapie zunächst vor allem darauf, einen weiteren Gelenkverschleiß zu vermeiden. Auch hier spielt die Physiotherapie eine herausragende Rolle. Auf medikamentösem Wege lassen sich zudem die Schmerzen der Patienten lindern. Sind aufgrund der Spondylarthrose jedoch massive neurologische Beeinträchtigungen zu beobachten und zeigen die genannten Behandlungsansätze nicht den gewünschten Erfolg, bleibt bei der Spondylarthrose ein chirurgischer Eingriff als letzte Option.

Naturheilkundliche Therapie der Spondylarthrose

Um den Krankheitsverlauf zu stoppen beziehungsweise weitere Schäden an den Wirbelbogengelenke zu vermeiden, setzt die Naturheilkunde bei einer Spondylarthrose – wie auch die konventionelle Behandlung – auf Bewegungs- beziehungsweise Physiotherapie. Die ganzheitlich Betrachtung der Erkrankung bezieht jedoch auch die Ernährung und Lebensweise als entscheidende Faktoren mit ein. So wird einer begleitenden Ernährungstherapie – beispielsweise zum Abbau einer möglicherweise vorliegenden Übersäuerung des Organismus – im Rahmen der naturheilkundlichen Behandlung der Wirbelbogengelenkarthrose oftmals eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Auch wird den Betroffenen ein Verzicht auf Alkohol und Tabak angeraten.

Verklebte Faszien

Untersuchungen der US-amerikanischen Forscherin Helene Langevin belegen, dass bei Patienten mit Rückenschmerzen die unterste Schicht des Bindegewebes verdickt ist, welches die Muskeln überzieht. Diese Schicht wird thorakolumbale Faszie (TLF) genannt. Weitere Studien der Universität Heidelberg an Ratten zeigten, dass die obere Schicht der thorakolumbalen Faszie sehr reich mit Nerven und Schmerzfasern versorgt ist. Durch verminderte Bewegung könnte die thorakolumbale Faszie verkleben und demnach die Faszien oft Ursache von Rückenschmerzen sein.

Verschiedenen Untersuchungen zufolge sind verklebte Faszien eine mögliche Ursache für Rückenbeschwerden. (Bild: artstudio_pro/fotolia.com)

Skoliosen

Zudem sind einseitige Belastungen bei Asymmetrien, wie sie zum Beispiel durch Skoliosen (Seitenverbiegungen der Wirbelsäule), oben beschriebene Haltungsfehler oder durch Beinverkürzungen entstehen, als mögliche Ursachen für Schmerzen im Rückenbereich zu nennen.

Spondylolisthesis

Eine Schiefstellung des Beckens und eine entsprechende Schonhaltung ist nach derzeitigem Forschungsstand hauptsächlich durch einen Hartspann des Hüftbeugemuskels (M. Iliopsoas) bedingt, der an der Innenseite der Wirbelsäule ansetzt. Vermutet wird, dass er auch die Biomechanik der Region derart nachhaltig beeinträchtigt, dass auf diese Weise die Entwicklung einer Spondylolisthesis (Wirbelgleiten) begünstigt wird. Hierbei rutscht ein Wirbel aus seiner gewöhnlichen Position, was häufig erhebliche Rückenschmerzen verursacht.

Naturheilkundliche Behandlung der Spondylolisthesis

Beim Wirbelgleiten bilden die manuellen Verfahren ebenfalls die bedeutendste Behandlungsoption der Naturheilkunde. Insbesondere die Osteopathie ist hier als gut geeigneter naturheilkundlicher Therapieansatz bei moderaten Formen der Spondylolisthesis zu erwähnen. Auch wenn die Osteopathie bis heute kein fester Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherungen ist, werden mittlerweile bei verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine entsprechende Behandlung freiwillig übernommen.

Operation bei Spondylolisthesis

Durch eine Operation wird das entzündete Bandscheibengewebe entfernt. Im Zuge der Operation werden hier die verschobenen Wirbel wieder in Position gebracht und anschließend fixiert. Da das betroffene Wirbelsäulensegment möglichst keinen weiteren Belastungen ausgesetzt werden soll, werden die Nachbarwirbel durch eine steife Verbindung stabilisiert. Nach der Operation müssen die Patienten zudem vorübergehend ein Stützkorsett tragen.

Abgeklemmte Nerven

Begleitend empfinden die Betroffenen eine unangenehme Instabilität im Bereich der Wirbelsäule. Meist ist in der Praxis der fünfte Lendenwirbel (L5) betroffen und die Patienten klagen über einen diffusen oder stechenden Schmerz am Dornfortsatz von L5. Das Verrutschen kann soweit gehen, dass der sogenannte Duralsack abgeklemmt wird. Dieser ist quasi eine Fortführung der harten Hirnhaut und legt sich als Schlauch um Rückenmark und teilweise um abgehende Nerven oder Nervenwurzeln. Je nachdem welcher beziehungsweise wo der Nerv eingeklemmt ist, kann dies lokale Schmerzen und Lähmungen verursachen oder auch eine sogenannte Ischialgie (Ischiasschmerzen) auslösen.

Der Aufbau der Wirbelsäule. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Der Hüftbeugemuskel als Ursache für Rückenleiden

In der Osteopathie wird der oben erwähnte Hüftbeugemuskel auch als „die Müllkippe des Körpers“ bezeichnet, weil sich in ihm Schlackenstoffe oder eine Übersäuerung des Organismus niederschlagen sollen. Denn Annahmen zufolge kann dies zur Reizungen des Hüftbeugemuskels führen. Des Weiteren geht die Osteopathie davon aus, dass durch vermehrtes Sitzen der Muskel zusätzliche verkürzen kann und die Wirbel hierdurch zu stark aufeinanderpressen, was entsprechende Schmerzen in den Gelenken oder an den Muskelansätzen auslöst.

O-Beine, X-Beine und Hüftgelenkarthrose

Die Füße, Beine und Hüftgelenke sind unter anderem als Stoßdämpfer der Wirbelsäule zu betrachten. Dies bedeutet, dass ein ausgeprägter Varus (O- Beine), Valgus (X- Beine) oder eine Hüftgelenkarthrose (Coxarthrose) die Wirbelsäule verstärkt belasten können. Diese überhöhte (Fehl-)Belastung kann ebenso wie bei möglicherweise vorliegendem Übergewicht (Adipositas) zu Verhärtungen der Muskulatur im Rückenbereich und Abnutzungserscheinungen an den Gelenken führen.

Geschädigtes Iliosakralgelenk

Kreuz- und Gesäßschmerzen werden auch in Verbindung mit Schädigungen des sogenannten Iliosakralgelenks gebracht. Dieses Gelenk sitzt zwischen den Darmbeinschaufeln, welche die Hüftgelenkspfanne und den Beckenkamm bilden, und dem Kreuzbein. Es überträgt die Kraft von beiden Beinen auf die Wirbelsäule und ist dabei erheblichen Belastungen ausgesetzt. Verminderungen der Stoßdämpferfunktion der unteren Extremität werden daher oftmals in Verbindung mit der Entstehung von akuten Entzündung des Iliosakralgelenks (Sakroiliitis) gebracht, auch wenn sich hier ein unmittelbarer Zusammenhang nur schwer herstellen lässt.

Morbus Bechterew

Wissenschaftlich belegte Auslöser der Sakroiliitis sind indes Erkrankungen wie Morbus Bechterew und rheumatische Beschwerden wie eine Reaktive Arthritis oder Morbus Behçet. Insbesondere die Reaktive Arthritis (auch Morbus Reiter genannt) lässt sich anhand der typischen Begleitsymptome relativ leicht identifizieren. Zu diesen gehören eine Augenentzündung beziehungsweise Bindehautentzündung und eine Harnröhrenentzündung (Urethritis).

Schädigungen oder Entzündungen am Iliosakralgelenk können sich in Form von Rückenschmerzen äußern. (Bild: Sebastian Kaulitzki/fotolia.com)

Therapie der reaktiven Arthritis

Bei einer reaktiven Arthritis steht zunächst in der Regel die medikamentöse Behandlung der Gelenkentzündungen im Vordergrund. Sogenannte Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sind hier oftmals das Mittel der Wahl. Auch kann der Einsatz von Antibiotika in Betracht gezogen werden, wenn die Ursache der reaktiven Arthritis eine bakterielle Infektionen bildet. Schwere Formen der Erkrankung werden mit Hilfe von Corticosteroiden therapiert, um bleibenden Schädigungen der entzündeten Gelenke zu vermeiden. Chronische Formen der reaktiven Arthritis werden mit speziellen Immunsuppressiva behandelt.

Alternative Therapie der reaktiven Arthritis

Gegen die reaktive Arthritis beziehungsweise Morbus Reiter setzt die Naturheilkunde vor allem auf Maßnahmen, die allgemein das Immunsystem stärken, aber auch auf pflanzliche Extrakte und Tinkturen beispielsweise aus Brennnesseln, Weidenrinde oder Weihrauch. Sie sollen gezielt den Schmerz lindern und der Entzündung entgegenwirken. Zu dem bietet sich unter Umständen eine Blutegeltherapie an, um den Schmerz der entzündeten Gelenk zu lindern. Ergänzend setzt die Naturheilkunde hier häufig auch Verfahren der Hydrotherapie ein, die bei Morbus Reiter auf vielfache Weise eine positive Wirkung entfalten sollen.

Behandlung von Morbus Bechterew

Um die Beweglichkeit der Morbus Bechterew-Patienten zu erhalten, ist Krankengymnastik von entscheidender Bedeutung. Zwar kann die Physiotherapie für die Patienten durchaus schmerzhaft ausfallen, doch leistet sie einen wesentliche Beitrag zum Erhalt der Bewegungsfähigkeit. Hinzu kommt die medikamentöse Behandlung mit NSAR und anderen Arzneien (zum Beispiel sogenannte TNF-Blocker), welche den Entzündungsprozessen entgegenwirken sollen. Bei besonders schwerem Krankheitsverlauf mit massiver Versteifungen der Wirbelsäule, entsprechenden Haltungsschäden und/oder Schädigungen des Hüftgelenks kann auch eine Operation in Betracht gezogen werden, die zwar nicht zur Heilung der Patienten beiträgt, ihre Lebensqualität jedoch mitunter deutlich verbessert.

Naturheilkunde bei Morbus Bechterew

Naturheilverfahren setzen zur Linderung der Beschwerden bei Morbus Bechterew ein breites Spektrum therapeutischer Maßnahmen ein, die von der Osteopathie, Akupunktur und Massagen über ernährungstherapeutische Ansätze, den Einsatz der Homöopathie und pflanzenheilkundliche Verfahren bis hin zur Orthomolekularen Medizin, einer Radonwärmetherapie und der Neuraltherapie reichen. Die Auswahl der geeigneten Behandlungsmethoden sollte dabei in Abhängigkeit von der jeweiligen Konstitution der Betroffenen, dem individuellen Beschwerdebild und möglicherweise vorliegenden weiteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen stehen, um einen möglichst umfassenden Behandlungserfolg zu erreichen. Eine Heilung der Betroffenen ist jedoch sowohl mit den schulmedizinischen als auch mit den naturheilkundlichen Therapieansätzen nicht möglich.

Massagen können bei vielen Arten von Rückenproblemen schmerzlindernde Wirkung haben. (Bild: JenkoAtaman/fotolia.com)

Morbus Behçet

Auch Morbus Behçet ist anhand der auffälligen Begleitsymptome deutlich von anderen Erkrankungen, die im Zusammenhang mit Rückenschmerzen gebracht werden, zu unterscheiden. So zeigen die Betroffenen zum Beispiel oftmals die Bildung von Aphthen im Genitalbereich und Mund. Zudem sind Augenentzündungen in unterschiedlichen Formen (zum Beispiel Hornhautentzündung, Bindehautentzündung, Uveitis oder Sehnerventzündung) möglich. Hinzu kommen die bei rheumatischen Erkrankungen üblichen Gelenkschmerzen. Entzündungen des Iliosakralgelenks werden des Weiteren auch vermehrt bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie beispielsweise Morbus Crohn beobachtet.

Kokzygodynie – Das Steißbein als Ursache

Auch ganz am Ende der Wirbelsäule, am Steißbein, können Schmerzen auftreten. Meistens leiden die Betroffenen nach langem Sitzen unter entsprechenden Beschwerden. Die Symptomatik wird Kokzygodynie genannt. Vermutet wird unter anderem eine Reizung der Bänder, die am Steißbein ansetzen. Gerade im Rahmen von Schwangerschaften berichten Frauen hier vermehrt über Beschwerden. Als mögliche Ursachen für die Schmerzen im untersten Abschnitt der Wirbelsäule werden unter anderem angeborene Fehlbildungen, schlecht verheilte Frakturen, aber auch Tumore genannt, weshalb eine ärztliche Überprüfung bei wiederholtem Auftreten dringend geboten ist.

Therapie bei Kokzygodynie

Steißbeinschmerzen in Form der Kokzygodynie werden zunächst vor allem symptomatisch mit Schmerzmitteln behandelt. Hier ist auch der Einsatz von Lokalanästhetika möglich, um die Betroffenen von den Schmerzen zu befreien. Ein Sitzring soll die Beschwerden im Sitzen lindern und Krankengymnastik zum Abklingen der Beschwerden beitragen. Oftmals zieht sich die Behandlung über mehrere Monate. Sollte sich auch nach einer ausgiebigen Behandlung keine Linderung der Beschwerden auf ein verträgliches Maß erreichen lassen, besteht die Möglichkeit einer operativen Entfernung des Steißbeins.

Naturheilkundliche Therapie der Kokzygodynie

Die Behandlung der Steißbeinschmerzen mittels Physiotherapie, Osteopathie oder anderen manuellen Verfahren zieht sich oftmals über einen längeren Zeitraum, in dem die Patienten weiterhin unter Schmerzen leiden. Hier kann als homöopathisches Mittel Hypericum perforatum (Echtes Johanniskraut) angewandt werden, um die Beschwerden der Betroffenen zu lindern. Auch äußerliche Anwendungen mit sogenanntem „Rotöl“, gewonnen aus Johanniskraut und einem Trägeröl (zum Beispiel Oliven- oder Sonnenblumenöl), werden in der Naturheilkunde zur Behandlung der Kokzygodynie eingesetzt.

Reizungen am Steißbein, das ganz am Ende der Wirbelsäule sitzt, kann auch Ursache für Rückenschmerzen sein. (Bild: maya2008/fotolia.com)

Wachstumsstörung in der Brustwirbelsäule

Der weiter oben gelegen Anteil der Wirbelsäule, die sogenannte Brustwirbelsäule (BWS), kann durch Bewegungseinschränkungen den unteren Rücken indirekt ebenfalls in Mitleidenschaft ziehen. Zum Beispiel kann es in der Pubertät während der Wachstumsphase zu einer Diskrepanz zwischen Belastung und Belastbarkeit der BWS kommen. Dies führt mitunter zu einer Verformung der Wirbel, was als Morbus Scheuermann oder auch Scheuermann-Krankheit bezeichnet wird.

Folgen der Wachstumsstörung

Die Wachstumsstörung der Wirbelsäule führt nicht selten zu einer ausgeprägten Fehlhaltung, die mit erheblichen Rückenschmerzen und deutlichen Bewegungseinschränkungen einhergehen kann. Da die darunter liegende Lendenwirbelsäule oder die darüber liegende Halswirbelsäule eine durch Morbus Scheuermann entstandene Bewegungseinschränkung kompensieren müssen, können in weiterer Folge auch hier erhebliche Beschwerden auftreten.

Therapie bei Morbus Scheuermann

Die Behandlung der Scheuermann-Patienten basiert im Wesentlichen auf einer Kombination aus Krankengymnastik und der Korrektur von Haltungsschäden mittels des Tragens von Rumpf-Orthesen. Ziel ist es die Kyphose (Rundrücken bis hin zum Buckel), welche sich im Zuge der Erkrankung entwickelt, möglichst zu beheben beziehungsweise zu minimieren. Auch lässt sich auf diesem Wege oftmals eine deutliche Reduzierung der Rückenschmerzen erreichen. Letztendlich besteht auch bei Morbus Scheuermann die Möglichkeit eine chirurgische Haltungskorrektur vorzunehmen, wobei diese äußerst aufwendige Wirbelsäulenoperation jedoch nur bei Patienten mit extremen Kyphosen in Erwägung gezogen wird.

Naturheilkundliche Behandlung bei Morbus Scheuermann

Als Wachstumsstörung der Wirbelsäule bei Jugendlichen ist der Krankheitsverlauf bei Morbus Scheuermann ohnehin zeitlich limitiert und die Erkrankung gerät mit dem Abschluss der Wachstumsphase zum Stillstand. Allerdings können die bis dahin eingetretenen Schädigungen massive lebenslange Beeinträchtigungen für die Betroffenen mit sich bringen. Ziel der Therapie ist es daher, die Schäden an der Wirbelsäule während der Wachstumsphase möglichst zu minimieren. Hier führt an der klassischen Physiotherapie und dem Tragen eines Stützkorsetts in der Regel kein Weg vorbei.

Schröpfmassagen können als naturheilkundliches Mittel zur Schmerzlinderung bei bestimmten Rückenleiden wie Morbus Scheuermann eingesetzt werden. (Bild: Maksim Šmeljov/fotolia.com)

Um den Betroffenen die Schmerzen zu nehmen und den Krankheitsverlauf weiter zu bremsen, können begleitend verschiedene naturheilkundliche Verfahren wie beispielsweise die Baunscheidttherapie, Schröpfmassagen, eine Neuraltherapie und eine Behandlung mit Homöopathika oder Schüßler Salzen angewandt werden. Darüber hinaus wird den manuellen Verfahren und vor allem der Osteopathie auch bei der naturheilkundlichen Behandlung eines Morbus Scheuermann ein besonders hoher Stellenwert zugeschrieben.

Organstörungen als Schmerzursache

In der Brustwirbelsäulenregion liegen Wirbelsäule, Lunge, Herz, Magen, Zwerchfell und Speiseröhre sehr eng beieinander und können sich wechselseitig beeinflussen. Es gibt Überschneidungen zwischen den Nerven, die die Organe versorgen, und bestimmten Hautarealen (Dermatome) am Rücken – den sogenannten Headschen Zonen. Bei Problemen der Organe kann es demnach zu einer reflektorischen Sensibilität in den Dermatomen am Rücken kommen. So können beispielsweise folgende Organbeschwerden auch in Rückenschmerzen resultieren:

  • Bei Magenkrankheiten können im Bereich des fünften bis neunten Brustwirbelsäulenareals auf der linken Seite Beschwerden auftreten.
  • Bei Lebererkrankungen oder Erkrankungen der Gallenblase und -wege können Beschwerden im Bereich des fünften bis neunten Brustwirbelsäulenareals auf der rechten Seite auftreten.
  • Probleme des Zwerchfells (Diaphragma) können ebenfalls für Rückenbeschwerden und Bewegungseinschränkungen sorgen, die von der Brustwirbelsäule ausgehen. Das Zwerchfell wird zum Beispiel bei einem Gewebebruch der Bauchhöhle (Hernie), bei der Teile des Magens nach oben rutschen können, in Mitleidenschaft gezogen.

Rückenschmerz als Krankheitssymptom

Rückenschmerzen können auch Ausdruck einer Erkrankung sein, die nicht unmittelbar im Zusammenhang mit dem Muskel-Skelett-System steht. Beispielsweise kann die durch das Zwerchfell verlaufende Speiseröhre durch eigene Erkrankungen wie zum Beispiel einen Barrett-Ösophagus (Speiseröhrenentzündung) für ausstrahlende Schmerzen und Beschwerden im Rückenbereich sorgen.

Bestimmte Organschäden wie eine Speiseröhrenentzündung oder Herz-, Lungen- oder Nierenschäden können sich in Form von Rückenschmerzen äußern. (Bild: Romario Ien/fotolia.com)

Herz- und Lungenstörungen als Ursache für Rückenschmerzen

Natürlich können Erkrankungen des Herzens, wie eine Verengung der Blutgefäße am Herzen (koronare Herzkrankheit; KHK) oder ein Herzinfarkt ebenfalls für die Beschwerden verantwortlich sein. Nach dem Herzen beginnt die Hauptschlagader (Aorta). Auch diese kann Rückenschmerzen verursachen, wenn sie eine Aussackung in ihrer Wand aufweist (Aortenaneurysma). Des Weiteren sind Beeinträchtigung der Blutgefäße im Lungenbereich wie beispielsweise bei einer Lungenembolie als mögliche Ursache der Rückenprobleme zu nennen.

Bei diesen Symptomen sofort einen Arzt kontaktieren

Treten neben den Rückenschmerzen folgende Symptome auf, sollte dringend ein Arzt beziehungsweise Notarzt kontaktiert werden, da den Beschwerden ein potenziell lebensbedrohliches Ereignis zugrunde liegen kann:

Nieren und Harnleiter als Ursache für Rückenschmerzen

In der Region vor dem Hüftbeuger befinden sich die Nieren mit den Harnleitern. Erkrankungen wie Nierensteine (Nephrolithiasis) oder generell Steine der Harnwege (Urolithiasis), eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis), eine Thrombose der Nierenvene (Nierenvenenthrombose), ein Niereninfarkt oder eine Nierenentzündung (Glomerulonephritis) können neben Nierenschmerzen auch Schmerzen im Rücken – besonders in der Flankenregion (Flankenschmerzen) – bedingen.

Hinweise auf eine ernsthafte Nierenerkrankung

Die Begleitsymptome sind je nach Form der Nieren- beziehungsweise Harnleiter-Erkrankung äußerst unterschiedlich. Leiden die Patienten zum Beispiel an Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Fieber, Schüttelfrost, Beschwerden beim Wasserlassen und Blut im Urin, sollte dies als Warnhinweis auf eine ernsthaftere Nierenerkrankung gewertet werden und dringend eine ärztliche Überprüfung erfolgen, da schlimmstenfalls bleibende Beeinträchtigungen der Nierenfunktion bis hin zum vollständigen Nierenversagen drohen.

Knochenkrankheiten, -verletzungen und -brüche

Bewegungsunabhängige, anhaltende Rückenschmerzen sind zum Beispiel bei einer Wirbelfraktur (Bruch eines Wirbels) zu beobachten, wie sie aufgrund eines Unfalls, einer Osteoporose-Erkrankung, eines Tumors im Rückenmark (Plasmozytom beziehungsweise Multiples Myelom) oder auch der Knochenzersetzung (Osteolyse) bei Metastasenbildung auftreten kann. Die Schmerzen werden dabei häufig im umgebenden Gewebe der Wirbelsäule wahrgenommen.

Knochenkrankheiten wie Osteoporose können ebenfalls Rückenschmerzen auslösen. (Bild: crevis/fotolia.com)

Osteoporose-Therapie

Zwar ist die Osteoporose bis heute nicht heilbar, doch steht eine Vielzahl von Behandlungsoptionen zur Verfügung, mit denen der Krankheitsverlauf gebremst und den Patienten eine deutlich Linderung verschafft werden kann. So wird beispielsweise auf medikamentösem Wege mit sogenannten Bisphosphonaten, selektiven Östrogen-Rezeptor-Modulatoren und anderen Arzneien versucht, die Knochenresorption zu minimieren. Auch kann mit Hilfe spezieller Arzneien eine Erhöhung der Knochendichte erreicht werden, wobei diese jedoch nicht zwangsweise mit einer verringerten Anfälligkeit gegenüber Frakturen einhergeht, sondern schlimmstenfalls sogar einen Anstieg des Knochenbruchrisikos bewirken kann.

Vitamin-D, vorsichtige Bewegung und richtige Ernährung

Den Osteoporose-Patienten wird außerdem empfohlen, ihre Haut täglich mindesten eine halben Stunde der Sonneneinstrahlung auszusetzen, um die Bildung von ausreichend Vitamin-D zu gewährleisten. Denn Vitamin D kann nur sehr begrenzt über die Nahrung aufgenommen werden und wird ansonsten in der Haut unter Einwirkung von ultraviolettem Licht gebildet. Auch Bewegung ist für die Knochenstabilität förderlich, wobei hier jedoch das erhöhte Frakturrisiko der Osteoporose-Patienten bedacht werden sollte und daher Sportarten mit geringem Verletzungsrisiko zu bevorzugen sind. Bei der Ernährung sollten die Patienten vor allem auf eine ausreichende Calcium-Aufnahme achten, da Calcium eine wesentliche Rolle beim Knochenaufbau spielt.

Naturheilkundliche Osteoporose-Therapie

Die Naturheilkunde bietet zur Behandlung der Osteoporose zahlreiche Ansätze, die darauf zielen den Knochenabbau zu bremsen und/oder den Knochenaufbau zu stimulieren. Aufgrund des vermuteten Zusammenhangs einer verstärkten Knochenresorption mit dem Säure-Basen-Haushalt beziehungsweise einer möglicherweise vorliegenden Übersäuerung des Organismus, wird hier der basischen Ernährung ebenfalls eine besondere Bedeutung zugeschrieben.

Einen weiteren naturheilkundlichen Ansatz zur Behandlung der Osteoporose bildet die Orthomolekulare Medizin. Mit hochdosierten Konzentrationen von Vitaminen (insbesondere Vitamin D und Vitamin C) und Mineralstoffen (vor allem Kalzium und Magnesium) soll hierbei der Knochenaufbau positiv beeinflusst werden.

Weitere Therapieoptionen der Naturheilkunde bei Knochenschwund sind das sogenannte Vibrationstraining (Wachstumsstimulation durch mechanische Reizung) und die Magnetfeldtherapie (Wachstumsstimulation durch pulsierende elektromagnetische Felder).

Schüßler Salze haben sich in der Naturheilkunde vielfach bewährt. (Bild: Gerhard Seybert/fotolia.com)

Begleitend werden die Schüßler Salze Nr. 1 (Calcium fluoratum), Nr. 2 (Calcium phosphoricum) und Nr. 11 (Silicea) sowie verschiedene Homöopathika angewandt, wobei die Auswahl der geeigneten Mittel erfahrenen Therapeuten vorbehalten bleiben sollte.

Entzündungen bei offenen Brüchen

Durch einen offenen Bruch an einem Wirbel ist es möglich, dass Erreger einwandern und eine Entzündung (Osteomyelitis, Knochenmarkentzündung) auslösen, die ihrerseits mit diffusen Rückenschmerzen einhergeht. Die Beschwerden können dabei denen eines sogenannten Ewing-Sarkoms, eines Knochentumors, ähneln, weswegen ein bildgebendes Verfahren zur (Ausschluss-)Diagnose hier unabdingbar ist. Solche diffusen Schmerzen sind unter Umständen auch bei Morbus Paget zu beobachten. Einer Erkrankung, die aus Knochenverdickungen besteht und deren Ursache bis heute weitgehend unbekannt ist.

Behandlung der Knochenmarkentzündung

Bei einer Entzündung des Knochenmarks (Osteomyelitis) beziehungsweise einer Knochenentzündung führt an der operativen Beseitigung des befallenen Gewebes in der Regel kein Weg vorbei. Zudem wird mit Hilfe von Implantaten die Stabilität der Knochen gesichert. In die Wunde wird ein sogenannter Antibiotikaträger – meist aus resorbierbaren Materialien, die anschließend nicht entfernt werden müssen – eingebracht, der mit hoher Konzentration unmittelbar vor Ort gegen die Keime wirkt. Unter Umständen wird auch eine Knochentransplantation erforderlich, um den Verlust des Knochengewebes auszugleichen. Nicht selten nimmt die Osteomyelitis einen ungünstigen Verlauf mit wiederholtem Auftreten der Entzündungen, so dass die Behandlung mehrfach wiederholt werden muss.

Stoffwechselstörungen als Grundlage für Rückenbeschwerden

Ein unterschätztes Thema bei Rückenschmerzen sind Erkrankungen oder Vorgänge, die nicht direkt am Rücken, sondern im Stoffwechsel ihre Ursache haben wie beispielsweise die Osteomalazie. Dies ist eine Knochenerweichung, die vor allem durch einem Mangel an Vitamin D bedingt wird und ein Ausdünnen des Knochens mit sich bringt, was natürlich zu einer geringeren Belastbarkeit und zu Schmerzen führen kann.

Osteomalazie-Therapie

Da die Osteomalazie (bei Kindern Rachitis) maßgeblich durch einen Mangel an Vitamin D bedingt wird, zielt die Behandlung darauf, dieses Defizit zu beheben. Hier können eine Umstellung der Ernährung und das tägliche Sonnenbaden bereits eine durchaus beachtliche Wirkung entfalten. Sollte dennoch weiterhin ein Vitamin-D-Mangel bestehen, wird darüber hinaus auf Vitamin-D-Tabletten zurückgegriffen, um die Versorgung des Organismus in ausreichender Menge sicherzustellen. Besonders schwerwiegende Formen machen zudem unter Umständen das Tragen einer Orthese erforderlich. Physiotherapie bildet insbesondere bei erwachsenen Patienten, die auch ein erhöhtes Osteoporose-Risiko im Zuge der Osteomalazie entwickeln, einen weiteren wesentlichen Bestandteil der Therapie.

Die Sonne ist mit Abstand der beste und günstigste Vitamin-D Lieferant. (Bild: Pixelbliss/fotolia.com)

Osteomalazie-Behandlung in der Naturheilkunde

Eine Knochenerweichung macht zunächst die Beseitigung des zugrunde liegenden Vitamin-D-Mangels dringend erforderlich. Die Naturheilkunde berücksichtigt hier jedoch im Rahmen der Therapie auch die Gründe für den Mangel. So wird den Patienten nicht nur empfohlen täglich ausreichend direkte Sonneneinstrahlung zu genießen, sondern darüber hinaus kann zum Beispiel eine sogenannte Darmsanierung durchgeführt werden. Diese findet Anwendung, wenn der Verdacht besteht, dass das Kalzium, welches mit der Nahrung aufgenommen wird, von der Darmschleimhaut aufgrund einer Störung der Darmflora (Darmdysbiose) nur ungenügend resorbiert werden kann

Nebenschilddrüsenüberfunktion

Einen ähnlichen Effekt wie die bereits erwähtnen Stoffwechselstörungen hat der sogenannte Hyperparathyreoidismus (Nebenschilddrüsenüberfunktion). Hier kommt es zu einer vermehrten Ausschüttung von Hormonen der Nebenschilddrüsen (Parathormon), die unseren Blut-Kalzium-Spiegel steuern. Die Konsequenz ist unter anderem, dass vermehrt Knochensubstanz abgebaut wird beziehungsweise der Knochen demineralisiert, was ebenfalls die oben beschriebenen Folgen haben kann. Natürlich gehört in dieses Bild auch die sogenannte Glasknochenkrankheit (Osteogenesis imperfecta), die bei den meisten Betroffenen aber schon von Geburt an bekannt ist.

Psychosomatische Ursachen für Rückenschmerzen

Rückenschmerzen, die dauerhaft ohne jeglichen organischen oder funktionellen Befund bestehen und behandlungsresistent sind, werden aus Sicht der psychosomatischen Medizin als Ergebnis eines Zusammenwirkens von psychischen und physischen Faktoren betrachtet. So findet sich heute in der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) die Somatoforme beziehungsweise Somatisierungsstörung (früher: larvierte Depression), die körperliche Symptome wie beispielsweise chronische Rückenbeschwerden ohne organische Ursachen umfasst.

Behandlung psychosomatisch bedingter Rückenleiden

Wird ein Zusammenhang der Rückenschmerzen mit psychischen Faktoren vermutet, bietet sich eine psychotherapeutische Behandlung an, in deren Rahmen die Patienten zum Beispiel spezielle Entspannungstechniken (wie Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation) erlernen oder mit Hilfe der sogenannten kognitiven Verhaltenstherapie gegen die ursächlichen psychischen Belastungen angehen. Insbesondere bei chronischen Rückenschmerzen wird nicht selten auf eine Kombination aus Psychotherapie und herkömmlichen Behandlungsmethoden zurückgegriffen.

Bei psychosomatisch bedingten Rückenschmerzen können Entspannungstechniken helfen. (Bild: fotomek/fotolia.com)

Unspezifische Rückenschmerzen

Da die Schulmedizin bei der Behandlung unspezifischer Rückenschmerzen oftmals an ihre Grenzen stößt, erfreuen sich die naturheilkundlichen Verfahren hier einer besonders hohen Beliebtheit. Die angewandten Methoden sind dabei im Wesentlichen die gleichen, die bei den spezifischen Rückenschmerzen angewandt werden (allerdings in unterschiedlichen Kombinationen), wobei ergänzend oftmals eingehender auf die psychischen Faktoren eingegangen wird.

Ganzheitliche Ansätze

Methoden, die sowohl Körper als auch den Geist im Blick haben, wie beispielsweise Yoga oder Tai-Chi, kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Insgesamt ist die ganzheitliche Betrachtung des Beschwerdebildes der unspezifischen Rückenschmerzen im Rahmen einer naturheilkundlichen Therapie für die Patienten häufig von Vorteil, da auch Auslöser, die auf den ersten Blick nicht im Zusammenhang mit den Rückenschmerzen gebracht werden, so in den Fokus der Behandlung rücken können – oftmals mit Erfolg.

Ausruhen kann die Symptome verstärken

Rückenschmerz-Patienten werden zu oft falsch behandelt, stellte kürzlich eine Studie fest. Statt Bettruhe sollte den Patienten mit Rückenschmerzen allgemein empfohlen werden, für ausreichend körperliche Bewegung zu sorgen, da die Beschwerden vielfach in Zusammenhang mit Bewegungsmangel gebracht werden. Zunächst bedarf es jedoch meist einer Eliminierung der Schmerzen, damit sich die Betroffenen überhaupt zu sportlichen Aktivitäten in der Lage sehen. Hier können neben Schmerzmitteln und muskelentspannenden Arzneien (Muskelrelaxantien) auch Wärmebehandlungen, Massagen und Akupunktur eine durchaus überzeugende Wirkung entfalten. Die manuellen Verfahren wie beispielsweise aus dem Bereich der Osteopathie, Chiropraktik oder des Rolfing werden hier ebenfalls vielfach angewandt.

Aufbauend kommt anschließend der Bewegungstherapie beziehungsweise physiotherapeutischen Maßnahmen eine besondere Bedeutung zu. Sie dienen nicht nur der Stärkung der Muskulatur, sondern die Betroffenen sollen auch lernen, möglicherweise vorliegende Haltungsfehler zu korrigieren. Hierzu zählt nicht zuletzt die richtige Körperhaltung beim Arbeiten, was bei Bürotätigkeiten die Auswahl geeigneter Büromöbel und deren Positionierung umfasst. Die Ergotherapie kann dabei ebenfalls einen wesentlichen Beitrag leisten, die Bewegungsabläufe im Alltag zu optimieren.

Bei der Ergotherapie können Patienten lernen, ihren Rücken zu kräftigen und ihre Mobilität zu verbessern. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Diagnose

Liegen den Schmerzen spezifische körperliche Ursachen zugrunde, bestehen zahlreiche unterschiedliche Diagnoseverfahren mit denen diese aufgespürt werden können. Die zunächst wichtigsten Hinweise liefert jedoch eine gründliche Befragung der Patienten (Anamnese). Denn die Beschreibung der Symptome ermöglicht im Zusammenspiel mit einigen einfachen Bewegungsübungen beziehungsweise Tests und einer ersten körperlichen Untersuchung meist bereits eine relativ deutliche Eingrenzung des Beschwerdebildes.

Bildgebende Verfahren

Bei der Sicherung der Diagnose kommt den bildgebenden Verfahren (Röntgenaufnahmen, Magnetresonanztomographie, Computertomographie) eine wesentliche Bedeutung zu. Mit ihrer Hilfe lassen sich Bandscheibenvorfälle und andere pathologische Veränderungen der Wirbelsäulenstruktur erkennen. Blutuntersuchungen, Urin- und Stuhlproben können weitere wichtige Hinweise zur Diagnose liefern, insbesondere bei Verdacht auf vorliegende systemische Erkrankungen oder Organleiden wie beispielsweise eine Nierenentzündung. Wird bei den Patienten eine Osteoporose vermutet, bietet sich unter Umständen auch eine Messung der Knochendichte an.

Organuntersuchungen

Sind sämtliche möglichen Auslöser im Bereich der Rückenmuskulatur, Wirbelsäule und hier verlaufender Nervenbahnen ausgeschlossen, können weitergehende körperliche Untersuchungen folgen, um zum Beispiel einen möglichen Zusammenhang der Rückenschmerzen mit Erkrankungen des Herzens oder anderen Organen zu überprüfen. Hinweise auf die Organleiden ergeben sich, wie bereits erwähnt, oftmals aus dem Blutbild sowie der Laboruntersuchung einer Urin- und Stuhlprobe. Vermutete Herzkrankheiten bedürfen indes in der Regel deutlich umfassenderer Untersuchung, um ihnen auf die Schliche zu kommen. Hier sind vor allem das Elektrokardiogramm (EKG) und die Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzen) zu erwähnen.

Psychotherapeutische Untersuchungen

Lassen sich im Zuge der Untersuchungen keine körperlichen Auslöser der Beschwerden feststellen, ist von unspezifischen Rückenschmerzen die Rede und es bietet sich eine psychotherapeutische Untersuchung an, um möglicherweise vorliegende psychische Ursachen der Rückenschmerz zu ermitteln.

Vorbeugende Maßnahmen – Rückenschmerzen vermeiden

Ein Großteil der Rückenschmerzen ließe sich mit einer gesunden Ernährung, ausreichend körperlicher Bewegung und der richtigen Körperhaltung im Alltag von vornherein vermeiden. Allerdings sind nicht alle Sportarten gleichermaßen zur Stärkung des Rückens geeignet. Das Stemmen hoher Gewichte gilt es zum Beispiel möglichst zu meiden und stattdessen wäre ein gezieltes Training der Rückenmuskulatur sowie gegebenenfalls ihrer Gegenspieler zu empfehlen. Solang die Betroffenen es mit dem Sport nicht übertreiben und dieser keine einseitigen Belastungen des Muskel-Skelett-Systems mit sich bringt, können jedoch die meisten Sportarten einen Beitrag zur Prävention der Rückenschmerzen leisten. Möglicherweise bestehendes Übergewicht sollte idealerweise abgebaut werden, da mit ihm erhöhte Belastungen der Wirbelsäule und Rückenmuskulatur verbunden sind.

Rückenschmerzen kann sehr leicht vorgebeugt werden, wenn einige wichtige Aspekte bedacht werden. (Bild: heilpraxis.de/Trueffelpix/fotolia.com)

Typische Folgen einer falsche Sitzposition

Die Gestaltung des Arbeitsplatzes hat insbesondere bei Bürotätigkeiten einen maßgeblichen Effekt auf den Rücken. Der Bürostuhl beziehungsweise dessen Einstellung sowie die Positionierung von Tastatur, Maus und Monitor entfalten hier eine größere Wirkung, als den meisten Menschen bewusst ist. Als Warnhinweise für eine falsche Sitzposition während der Arbeit treten – bevor sich Beschwerden des Rückens ergeben – oftmals bereits folgende Symptome auf:

Gestaltung des Arbeitsplatzes

Der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zufolge sind „schmerzhafte Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, schmerzende Muskelpartien, schmerzende Sehnenansatzstellen und Veränderungen des Bewegungsmusters“ typische Folgen einer falsche Sitzposition bei der Arbeit. Um derartigen Beschwerden vorzubeugen wird von der BAuA eine Position empfohlen, bei der die Füße immer Bodenkontakt haben. Waden und Oberschenkel sollten dabei im 90-Grad-Winkel zueinander stehen. Ein geringerer Winkel weist auf eine zu niedrige Sitzfläche hin, ein zu großer Winkel ist bei einer zu hohen Stuhleinstellung zu beobachten. Ober- und Unterarm befinden sich bei richtiger Einrichtung des Arbeitsplatzes ebenfalls im 90 Grad Winkel zueinander, sobald die Hände auf dem Tisch abgelegt werden.

Außerdem sollte der Bildschirm zentral mittig im Blickfeld so positioniert werden, dass die Oberkante des Bildes mit den Augen abschließt oder minimal darunter liegt. Des Weiteren wird eine Einstellung der Rückenlehne des Bürostuhls empfohlen, die beim Sitzen einen Kontakt des Rückens mit der Lehne gewährleistet. Wünschenswert sind hier laut BAuA Rückenlehnen, die beim Anlehnen mit zurückkippen oder noch besser: Stühle bei denen die Sitzfläche automatisch mit nach vorne rutscht, wenn die Lehne nach hinten gedrückt wird.

Um monotone Belastungen durch das ganztägige Arbeiten im Büro zu vermeiden, empfehlen sich des Weiteren kurze Unterbrechungen der Arbeitszeit, in denen mit einfachen Bewegungsübungen, wie beispielsweise dem Hochstrecken der Arme oder dem Kreisen der Schultern, für eine Lockerung der Muskulatur gesorgt wird. In dem Artikel Rückenschmerzen Übungen finden Sie geeignete Maßnahmen. Welche Übungen sich hier gute eignen und wie diese exakt ausgeführt werden sollten, lässt sich bei jedem Physiotherapeuten oder auch dem Betriebsarzt erfragen.

Rückenschule

Um Rückenschmerzen zu vermeiden, wird unter anderem von verschiedenen Krankenkassen und Kliniken regelmäßig eine sogenannte Rückenschule angeboten, in der die Teilnehmenden nicht nur lernen, wie sie sich im Alltag auch unter Belastung richtig bewegen, sondern darüber hinaus einige Übungen an die Hand gegeben bekommen, die zur Vermeidung der Rückenschmerzen beitragen sollen. Hierunter sind auch Entspannungsmethoden und Strategien zur Stressbewältigung. Hinweise wie „Lasten nicht aus dem Rücken, sondern aus den Beinen heben!“ oder „Bei monotonen Arbeiten regelmäßig die Körperhaltung wechseln!“ gehören zu den leicht erlernbaren Grundlagenkenntnissen, die langfristig einen erheblichen Beitrag zur Prävention der Rückenschmerzen leisten können. (tf, fp,vb, aktualisiert am 06. Juni 2018)
Fachliche Aufsicht: Barbara Schindewolf-Lensch (Ärztin)