Brennnessel – Herkunft, Inhaltsstoffe und Wirkung

Leider ist die Brennnessel (Urtica) überwiegend für ihre negativen Eigenschaften bekannt. Gemäß ihres Namens brennt sie bei Hautkontakt fürchterlich und gilt außerdem als lästiges Unkraut im Garten. Viele denken darum, dass es gut sei, Brennnesseln grundsätzlich zu meiden. Ein überaus falscher Trugschluss, denn Kräuterkundige wissen, dass die Brennnessel in Wahrheit eine wichtige und uralte Heilpflanze ist. Vor allem, wenn es um die Behandlung von Harnwegsinfekten geht, tut das harntreibende Kraut dem Körper unwahrscheinlich gut und ist deshalb fester Bestandteil in vielen Blasen- und Nierentees. Auch bei zahlreichen anderen Gesundheitsbeschwerden ist die Brennnessel sehr zu empfehlen.

Steckbrief zur Brennnessel

Wissenschaftlicher Name: Urtica
Pflanzenfamilie: Brennnesselgewächse (Urticaceae)
Volkstümliche Namen: Donnernessel, Hanfnessel, Nessel, Nettel
Herkunft: Afrika, Amerika, Asien, Europa
Verwendete Pflanzenteile: Blätter
Anwendungsgebiete:

  • Gelenkbeschwerden,
  • Haarprobleme,
  • Harnwegserkrankungen,
  • Menstruationsbeschwerden,
  • Stoffwechselstörungen
  • und Verdauungsstörungen.
Die Brennnessel ist in Wahrheit eine alte Heilpflanze, jedoch ist sie eher für ihre negativen Eigenschaften (zum Beispiel Brennen bei Hautkontakt) bekannt. (Bild: alicja neumiler/fotolia.com)
„Brennnessel,
verkanntes Kräutlein, dich muß ich preisen.Dein
herrlich Grün in bester Form baut Eisen,
Kalk, Kali, Phosphor, alle hohen Werte,
entsprießend aus dem Schoß der guten Mutter Erde.
Nach ihnen nur brauchst Du Dich hin zu bücken ,
die Sprossen für des Leibes Wohl zu pflücken,
als Saft, Gemüse oder Tee sie zu genießen,
das, was umsonst gedeiht in Wald, auf Pfad und Wiesen,
selbst in noch dürft’ger Großstadt nahe Dir am
Wegesrande,
nimm’s hin, was rein und unverfälscht die gütige
Natur
dir heilsam liebend schenkt auf ihrer Segensspur!“
– Heinrich Hoffmann, deutscher Psychiater und Lyriker

Pflanzenportrait: Das verkannte Heilkraut

Dass die Brennnessel mehr als grundlos herabgewürdigt wird, erkannte schon der berühmte Autor des Struwwelpeters, Dr. Heinrich Hoffmann. Dabei ist es kein Zufall, dass das oben genannte Gedicht von einem Psychiater verfasst wurde. Hoffmann erkannte bereits früh, dass unser Verhältnis zu manchen Pflanzen oftmals zu Unrecht durch buchstäbliche Berührungsangst geprägt ist. Weil sie bewirkt, wonach sie benannt ist, nämlich fürchterlich auf der Haut zu brennen, verrichtet sie nach Meinung vieler nicht das, was ein gutes Heilkraut bewirken soll. Außerdem wächst sie auch nicht dort, wo sie wachsen soll, denn mit ihrer hohen Vermehrungsrate verdrängt die Brennnessel – ohne geeignete Kulturmaßnahmen – schnell andere Pflanzen von ihrem Standort. Aus diesem Grund passiert es nur allzu oft, dass die Brennnessel zu Unrecht als Unkraut bezeichnet wird. Dabei wäre es so leicht, die Negativeigenschaften nicht nur zu umgehen, sondern sie auch wieder so zu nutzen, wie es unsere Vorfahren noch bis weit in das 20. Jahrhundert hinein getan haben: als Heil- und Küchenkraut.

Sowohl die Ärzte und Kräuterkundigen der Antike, wie etwa der griechische Arzt Dioskurides, als auch Poeten wie Hoffmann oder der römische Dichter Catull widmeten der mythologischen wie heilpraktischen Bedeutung der Brennnessel mehrere schriftliche Werke. In der nordischen Mythologie ordnete man die Urtica gar dem Donnergott Thor zu. Ihre brennende Wirkung auf der Haut wurde hierbei mit göttlichen Abwehrkräften gleichgesetzt, weshalb die Brennnessel gerne als Schutzkraut gegen Blitzeinschläge verwendet wurde. Auch der im Volksmund gebräuchliche Beiname „Donnernessel“ ist auf diese spirituelle Definition der Urtica zurückzuführen.

Mit Blick auf die Volksküche wussten noch unsere Großeltern und Urgroßeltern, wie man aus Brennnessel eine nicht nur schmackhafte, sondern auch gesunde Brennnesselsuppe zubereitet. Denn das brennende Blatt steckt voller Vitamine und Mineralstoffe, wodurch sie dem Körper wichtige Nährstoffe liefert. Auch in Sachen heilpflanzliche Wirkung ist Brennnesselsuppe sehr empfehlenswert, vor allem dann, wenn man abnehmen oder den Körper entschlacken will. Denn die Pflanze entwässert und reinigt den Stoffwechsel, was den Gewichtsverlust unterstützt. Des Weiteren werden durch den verbesserten Abtransport von Körperschlacken auch Gelenke, Herz und Gefäße gestärkt. Brennnesseltee wiederum ist eines der heilpflanzlichen Mittel schlechthin bei Harnwegsinfekten und Entzündungen der Harnwege. Abermals spielt hier die harntreibende Wirkung der Nessel eine Rolle, welche als Teeaufguss Niere und Blase durchspült und so Entzündungs- bzw. Infektionskeime zuverlässig aus den Harnwegen schwemmt. Sowohl kulinarisch als auch medizinisch genutzt werden dabei hauptsächlich drei Arten der Brennnessel:

  • Große Brennnessel (Urtica dioica),
  • Kleine Brennnessel (Urtica urens)
  • und Röhricht-Brennnessel (Urtica kioviensis).

Um sich die heilsamen Eigenschaften des Krautes zunutze machen zu können, sollte man bei der Nesselernte jedoch immer Handschuhe tragen und die Blätter vor der Weiterverarbeitung entweder kurz in Wasser einlegen oder sie trocknen. Auf diese Weise lässt sich der für Hautirritationen verantwortliche Brennsaft der Pflanze unschädlich machen und aus der Brennnessel wird ein ganz gewöhnliches Heilkraut, das sich unkompliziert anwenden lässt. Gerade für die Frauenheilkunde ist die Pflanze dabei unabdingbar, hilft sie doch bei klassischen Frauenleiden wie Menstruations- oder Wechseljahrsbeschwerden und Blaseninfekten, die Frauen aufgrund ihrer verkürzten und damit infektionsgefährdeten Harnleiter besonders häufig plagen. Insgesamt kann die Pflanze diesbezüglich bei folgenden Beschwerden helfen:

Inhaltsstoffe der Brennnessel und ihre Wirkung

Was den unangenehmen Nebeneffekt der Brennnessel anbelangt, so hat auch er, entgegen weitläufiger Meinungen, seinen Sinn und Nutzen. Der hautreizende Brennsaft ist typisch für alle Gattungen innerhalb der Brennnesselgewächse (Urticaceae), denen die Brennnessel unverkennbar ihren Namen verlieh. Er ist auch als Nesselgift bekannt und setzt sich speziell aus

  • Acetylocholin,
  • Histamin,
  • Natriumformiat,
  • Kieselsäure
  • und Serotonin

zusammen. Eigentliche Aufgabe des Brennsaftes ist es, Schädlinge von den Pflanzen fernzuhalten und damit ihr Überleben in freier Natur zu gewährleisten. Zu diesem Zweck enthält er bestimmte Naturstoffe, von denen Histamin einen der wichtigsten darstellt. Sobald die glasigen Brennhaare an den Blättern der Pflanze durch Berührung brechen, entweicht der Brennsaft aus den Härchen und dringt somit direkt in die Haut ein. Dies führt zu Juckreiz und Entzündungsreaktionen, mit mit denen enorme Hautrötungen und Schwellungen des Hautgewebes einhergehen können.

Nun kommt Histamin aber eigentlich auch natürlich im menschlichen Körper vor. Hier fungiert es als Hormon und Neurotransmitter, welcher im Immunsystem für Entzündungsreaktionen verantwortlich ist. So erklärt sich auch, weshalb unsere Haut so unglaublich empfindlich auf größere Mengen Histamin reagiert.

Bei Fraßfeinden der Brennnessel wirkt der Saft der Brennnessel ähnlich reizverursachend, weshalb sie erfolgreich auf Abstand gehalten werden. Die Wirkung ist dabei so effizient, dass ein Histamincocktail aus Brennnesselwasser von Gärtnern gerne als natürlicher Pflanzenschutz verwendet wird.

Die Brennnessel enthält eine Vielfalt gesunder Inhaltsstoffe wie z.B. Cumarin, Flavonoide, Gerbstoffe, Lectine, Lignane und viele mehr. (Bild: nikolaydonetsk/fotolia.com)

Abgesehen von ihrem reizfördernden Histamingehalt in den Brennhaaren steckt die Brennnessel allerdings voller gesunder Inhaltsstoffe. Sie setzen sich teilweise aus medizinischen Wirkstoffen, teilweise aus wichtigen Nährstoffen zusammen, was eine interessante Gesamtwirkung zustandekommen lässt. Als wichtigste Inhaltsstoffe zu nennen wären hierbei:

  • Cumarin,
  • Flavonoide,
  • Gerbstoffe,
  • Lectine,
  • Lignane,
  • Mineralstoffe,
  • Phytosterine,
  • Sekretin
  • und Vitamine.

Cumarin

Cumarin kennt man vor allem als Aromastoff im Zimt. Wie jeder weiß, besitzt das Gewürz dank Cumarin einen äußerst wohligen und angenehmen Geschmack. Daneben ist der aromatische Pflanzenstoff auch in anderen geschmacklich außergewöhnlichen Kräutern zu finden, so zum Beispiel in Waldmeister, Datteln, der Tonkabohne oder eben der Brennnessel. Bei Letzterer kommt Cumarin in Form von Scopoletin vor. Ein bislang noch recht wenig erforschtes Cumarin, dem allerdings eine stoffwechselanregende und gerinnungshemmende Wirkung nachgesagt wird. Des Weiteren besitzt es eine harnsäureregulierende Wirkung, wodurch der Pflanzenstoff speziell für die Therapie von Gicht relevant ist. Ebenso fand eine Studie heraus, dass das Cumarin die Melaninproduktion anregt, was zum Beispiel bei einer Reihe von melaninbasierten Hautstörungen helfen könnte.

Flavonoide

Flavonoide sind sekundäre Pflanzenstoffe, die in vielen Heilkräutern vorkommen und diesen als Pflanzen- und Blütenfarbstoffe ihre besondere Färbung verleihen. In Bezug auf die Brennnessel wären hier insbesondere Quercetin und Kaempferol zu nennen. Quercetin ist diesbezüglich für seine außergewöhnliche antioxidative Wirkung bekannt. Diese schützt vor freien Radikalen und stärkt somit die Gesundheit der Blutgefäße sowie des Herz-Kreislauf-Systems. Der Antioxidationsschutz von Quercetin ist sogar so herausragend, dass er in Studien auch krebshemmende Wirkung zeigte.

Das Kaempferol der Brennnessel wiederum ist nicht nur ein Flavonoid, sondern gleichzeitig ein sogenanntes Phytoöstrogen. Dies bedeutet, dass es als Pflanzenhormon eine östrogenähnliche Wirkung besitzt, die folglich insbesondere für die Frauenheilkunde relevant ist – zum Beispiel bei hormonbedingten Menstruationsbeschwerden wie PMS oder Regelschmerzen. Auch in den Wechseljahren kann Kaempferol von besonderer Hilfe sein, da es nachweislich Schutz vor postmenopausaler Osteoporose bietet, die auf einem wechseljahrsbedingten Rückgang des Östrogenwertes im weiblichen Körper beruht. Des Weiteren wirkt Kaempferol

  • antimikrobiell,
  • beruhigend,
  • entzündungshemmend,
  • herzstärkend,
  • nervenschützend
  • und schmerzstillend,

was zur Behandlung einer Vielzahl von Beschwerden hilfreich ist. Hierzu zählen zum Beispiel Harnwegsinfekte, Rheuma und Gicht.

Brennnessel Abbildung mit einer Auflistung der Inhaltsstoffe und Wirkung
(Bild: Melica/stock.adobe.com; eigene Bearbeitung heilpraxis.de)

Gerbstoffe

Gerade wenn es um die entzündungshemmenden und antibiotischen Eigenschaften von Brennnesseln geht, spielen auch die in ihnen enthaltenen Gerbstoffe eine wichtige Rolle. Es ist kein Geheimnis, dass diese Stoffe ihren Namen dem Umstand verdanken, dass sie in der Lederverarbeitung zum Desinfizieren von Tierhäuten, dem sogenannten Gerben, angewendet werden. Neben Salz sind pflanzliche Gerbstoffe, die sogenannten Tannine, für diesen Vorgang von besonderer Bedeutung. In der Brennnessel gestalten diese Pflanzengerbstoffe vor allem die gute Wirkung des Heilkrautes bei Harnwegsinfekten mit. Glaubt man einer Lobeshymne des Dichters Catull, so half die Brennnessel dem Römer einst sogar, eine hartnäckige Erkältung zu besiegen, was ebenfalls für die infekteindämmenden Eigenschaften der Brennnessel spricht.

Der antimikrobielle Effekt von Gerbstoffen besteht aus deren Fähigkeit, ein Zusammenziehen von Gewebeschichten zu verursachen. Auf der Haut verdichten sich dadurch die Poren, was das dermale Gewebe schwerer zugänglich für Entzündungskeime macht. Gefäße wiederum verengen sich durch diesen zusammenziehenden (adstringierenden) Effekt, was zum einen Blutungen stillt und zum anderen die Ausschüttung von Entzündungsstoffen wie dem bereits genannten Histamin unterbindet. Dadurch wird nicht nur die Entzündung selbst, sondern es werden auch die damit verbundenen Begleitsymptome wie etwa Rötungen oder Schwellungen der Haut unterbunden. Es ist nahezu ironisch, dass die Inhaltsstoffe der Brennnesselblätter genau jene Nebenwirkung beseitigen, die ihre Brennhaare verursachen.

Lektine und Lignane

Es wird immer wieder betont, dass die Brennnessel auch eine wertvolle Quelle für Eiweiß ist. Das liegt vor allem an ihrem hohen Lektingehalt. Lektine sind Proteine, die im Körper vor allem für zellinterne Stoffwechselprozesse notwendig sind. So bestimmen sie zum Beispiel den Prozess der Zellteilung mit und steuern essenzielle Abwehrprozesse des Immunsystems. In letzterer Funktion wirken Lektine sogar indirekt antibiotisch. Ein weiterer Bonus für die Anwendung bei Infektionskrankheiten.

Die Stoffgruppe der Lignane wiederum fällt durch zelltoxische Eigenschaften einiger ihrer Vertreter auf. Sie werden deshalb als Antikrebsmittel eingesetzt. Auch für die Brennnessel gibt es entsprechende Studienergebnisse, welche die Pflanze als krebshemmendes Heilkraut ausmachen. Ebenfalls interessant ist die hormonähnliche Wirkung von Lignanen, die sich wie bei Kaempferol auf die Östrogenproduktion im Hormonhaushalt bezieht. Auch Herz-Kreislauf-protektive Funktionen wurden an Lignanen festgestellt.

Phytosterine

Mit den Phytosterinen in der Brennnessel ist ein drittes Pflanzenhormon gegeben, und zwar in Form von ß-Sitosterin. Es wird in der Medizin zur Behandlung hormoneller Erkrankungen im Bereich der Prostata genutzt, weil es die Ausschüttung von Geschlechtshormonen wie Testosteron und Prostaglandin regulieren kann. Von Bedeutung ist außerdem die cholesterinsenkende Wirkung des Phytosterins, welche durch eine Hemmung der Cholesterinaufnahme im Darm erreicht wird.

Sekretin

Ein weiteres pflanzliches Hormon liegt in der Brennnessel in Form von Sekretin vor. Es ist unschwer zu erkennen, dass dieses Phytohormon seinen Namen seiner sekretfördernden Wirkung verdankt. Im menschlichen Körper fungiert es diesbezüglich als Peptidhormon, welches beispielsweise die Ausschüttung von Magensäure reguliert, was bei Sodbrennen hilft. Auch stimuliert es die Kontraktionsrate der Gallenblase, so dass es über eine erhöhte Gallensaftsekretion ebenfalls verdauungsfördernd wirken kann. Weiterhin regt Sekretin die Insulinproduktion an, was der Zuckerverwertung im Stoffwechsel zugutekommt.

Übrigens: Die sekretfördernde Wirkung von Sekretin hat für stillende Mütter einen ganz besonderen Vorteil, denn es stimuliert den Milchfluss während der Stillzeit.

Das Zusammenspiel verschiedener Nährstoffe ist für die harntreibende Wirkung der Brennnessel verantwortlich. (Bild: 9nong/fotolia.com)

Vitamine und Mineralstoffe

Der so oft gelobte harntreibende Effekt der Brennnessel, welcher einen wichtigen Mitgrund für den traditionellen Einsatz des Krauts bei Blasen- und Harnwegserkrankungen stellt, wird nun interessanterweise nicht maßgeblich durch einen einzelnen Wirkstoffe erwirkt. Vielmehr ist es das Zusammenspiel verschiedener Nährstoffe, das hierbei eine Rolle spielt. Vor allem Mineralien wie Kalium, die eine osmotische Wirkung besitzen und damit dem Verdauungstrakt während der Darmpassage Wasser entziehen, sind diesbezüglich als wichtigste Inhaltsstoffe der Pflanze zu nennen. Ferner enthält die Brennnessel

  • Eisen,
  • Kalzium
  • und Mangan.

Während Eisen als blutbildendes, essenzielles Spurenelement vor allem für Frauen in den Wechseljahren und während der Menstruation wichtig ist, benötigt der Körper Kalzium für kräftige Zähne, Knochen, Nägel und Haare. In diesem Zusammenhang sei übrigens auch die Kieselsäure im Brennsaft der Brennnessel erwähnt. Zwar ist der Naturstoff für die Haut recht reizend, er stimuliert gleichzeitig aber auch das Haarwachstum und stärkt die Kopfhaut. Ähnlich sieht es auch bei Mangan aus, das insgesamt eine

  • enzymfördernde,
  • haarkräftigende,
  • hautschützende,
  • knochenstärkende
  • und hormonregulierende

Wirkung besitzt. In Sachen Vitamine enthält die Brennnessel außerdem große Mengen an Vitamin A und C. Vitamin A ist hier sowohl für die Haut- und Knochengesundheit als auch für wichtige Stoffwechsel-, Nerven- und Immunfunktionen unabdingbar. Vitamin C reguliert neben Stoffwechsel- und Immunfunktionen außerdem auch die Verdauung sowie die Synthese bestimmter Hormone.

„Die
Brennnessel ist in ihrer Art sehr warm. In keiner Weise nützt
es, dass sie roh gegessen wird, wegen ihrer Rauheit. Aber wenn sie
frisch aus der Erde sprießt, ist sie gekocht
nützlich für die Speisen der Menschen, weil sie den
Magen reinigt und den Schleim aus ihm wegnimmt.”
– Hildegard von Bingen

Nebenwirkungen

Bei einer Überdosierung kann es nach dem Verzehr von Brennnesseln gelegentlich zu Blähungen, Durchfall, Sodbrennen, Übelkeit oder Völlegefühl kommen. Das liegt zum einen am entwässernden Effekt des Krautes (verantwortlich für den Durchfall), zum anderen an der starken Stimulation der Verdauungstätigkeit sowie der Gasbildung, die durch die Verdauung von Brennnesseln entsteht. Darüber hinaus sollten nur frische Pflanzen der Urtica für die Zubereitung von Rezepten und Heilmitteln genutzt werden, da die Brennnessel nach einem gewissen Zersetzungsprozess magenreizende und nierenschädigende Substanzen produziert.

Der übermäßige Verzehr von Brennnesseln kann mitunter zu Blähungen, Durchfall, Sodbrennen, Übelkeit oder Völlegefühlen führen. (Bild: terovesalainen/fotolia.com)

Anwendungen und Dosierung der Brennnessel zu Heilzwecken

Tatsächlich ist ein Verzehr der Brennnesseln zu Heilzwecken eher im erhitzten Zustand zu empfehlen. Zwar lässt sich Urtica auch roh, beispielsweise in Form eines Salates, zubereiten, die heilsamen Inhaltsstoffe entfalten sich jedoch vielfach erst durch entsprechende Hitzezufuhr. Üblich ist daher die Anwendung in Form von Brennnesselsuppe, Brennnesseltee, Brennnesselbrei oder warmen Umschlägen. Im Garten wird die Brennnessel außerdem als natürliches Insektenschutzmittel sowie als Bio-Dünger verwendet. In beiden Fällen werden die Brennnesselblätter einfach in Wasser eingelegt, wobei ein kürzeres Einlegen (circa ein bis drei Tage) für Schutzzwecke, eine längere Einlegezeit (circa eine bis vier Wochen) für Düngezwecke gedacht ist.

Tipp: Der Dünger, der durch Brennnesseln zustande kommt, ist sehr stickstoffhaltig. Er sollte deshalb nur für Pflanzen mit hohem Stickstoffbedarf genutzt werden. Auch zeigt ein reger Brennnesselwuchs im Garten stickstoffhaltige Böden an, was bei der Standortbestimmung für Gartengewächse helfen kann.

Auszüge aus der Brennnessel

Der Brennnesseltee ist gewiss eines der bekanntesten Brennnessel-Rezepte. Er wird zu allerlei Zwecken verwendet, darunter insbesondere Anwendungen im Bereich der Frauenheilkunde. Es lassen sich auch Waschungen mit kaltem Brennnesselsud ausführen, etwa bei Haar- oder Hautproblemen. Verwendet werden für Brennnesseltee zumeist frische Blätter. Als Dosierungsrichtlinie für die innere Anwendung gilt dabei:

  • ein bis zwei Teelöffel Brennnesselblätter auf
  • 250 Milliliter Wasser (eine Tasse).

Lassen Sie den Tee für ungefähr drei bis fünf Minuten ziehen, bevor Sie die Kräuter absieben und den Tee zu sich nehmen. Im Falle eines Harnwegsinfektes (z.B. bei einer Blasenentzündung) können von dem Tee bis zu zwei Kannen täglich getrunken werden. In der Stillzeit wird Brennnessel außerdem gerne zusammen mit Fenchel und Frauenmantel als Zutat für Stilltee genutzt. Die Aromastoffe in Brennnessel und Fenchel verleihen der Muttermilch darüber hinaus einen für das Baby angenehmen Geschmack. Nehmen Sie hierfür

  • ein Teil Brennnesselblätter,
  • ein Teil Fenchelsamen
  • und ein Teil Frauenmantelkraut.

Entnehmen Sie einen Teelöffel dieser Mischung und bereiten Sie diese wie gewohnt zu. Der Tee kann dann ein- bis zweimal täglich getrunken werden.

Für Frauen mit Menstruations- oder Wechseljahrsbeschwerden gibt es ebenfalls ein interessantes Teerezept. Der sogenannte Frauentee beinhaltet:

  • einen Teelöffel Angelika (Wurzel),
  • einen Teelöffel Brennnessel (Samen oder Blätter),
  • einen Teelöffel Ehrenpreis,
  • einen Teelöffel Frauenmantel,
  • einen Teelöffel Melisse,
  • einen Teelöffel Schafgarbe
  • und einen Teelöffel Taubnessel (Blüten).

Wie beim Stilltee ist hiervon ein Teelöffel für eine Tasse zu entnehmen. Getrunken werden kann der Frauentee zweimal täglich.

Brennnessel in der Küche

Die Einsatzmöglichkeiten von Brennnesseln in der Küche sind deutlich vielseitiger, als es zunächst den Anschein hat. Ihr wunderbarer, säuerlich aber nussiger Naturgeschmack eignet sich für eine Vielzahl rustikaler Rezepte, die von Salaten über Brotaufstriche und Pesto bis hin zu Suppen und Smoothies reichen. Verwendet werden sollten hierfür ausschließlich junge Triebe der Brennnessel, die nicht höher als 20 cm gewachsen sind. Wer künftig in der Küche gerne etwas mehr mit der Brennnessel experimentieren möchte, für den haben wir anschließend ein paar Anreize.

Die Brennnesselsuppe ist eine nährstoffreiche Mahlzeit, welche zu den ältesten Suppenrezepten der deutschen Volksküche zählt. (Bild: Hetizia/fotolia.com)

Brennnesselsuppe mit Wildkräutern:
Die Brennnesselsuppe ist eines der ältesten Suppenrezepte in der deutschen Volksküche. Vor allem im Mittelalter, als nährstoffreiche Lebensmittel für viele Bürger zu teuer waren, galt sie als gehaltvolle und gesunde Speise der Armen und der ländlichen Bevölkerung. Man findet sie heute deshalb vor allem in Rezeptsammlungen traditioneller Bauernküchen. Doch auch Wildkräuterliebhaber entdecken die Brennnesselsuppe seit geraumer Zeit mehr und mehr für sich. Unser Rezept:

  • ein großer Bund Brennnesseln,
  • ein kleiner Bund Sauerampfer,
  • eine Zwiebel,
  • ein Lorbeerblatt,
  • eine Knoblauchzehe,
  • Suppengrün (Petersilie, Schnittlauch, Dill),
  • Würzkräuter (Rosmarin, Zitronenmelisse, Majoran, Muskat, Pfeffer),
  • ein Esslöffel Senf,
  • ein Liter Gemüsebrühe,
  • etwas Kräutersalz,
  • etwas Saure Sahne
  • und etwas Sonnenblumenöl.

1. Schritt: Schälen Sie zunächst die Zwiebel und den Knoblauch, bevor Sie die Zwiebel in feine Würfel hacken und den Knoblauch zerdrücken. Anschließend werden die Zwiebelstücke in einem großen Topf mit etwas Öl leicht angedünstet, bevor auch der Knoblauch hinzukommt.

2. Schritt: Waschen Sie Brennnessel- und Sauerampferblätter sorgfältig und geben Sie diese zusammen mit dem Lorbeerblatt zu den Zwiebeln in den Suppentopf. Warten Sie ab, bis die Blätter zusammengefallen sind, ehe Sie das Ganze mit Gemüsebrühe auffüllen.

3. Schritt: Schmecken Sie die Brennnesselsuppe nach Belieben mit gehackter Petersilie, Schnittlauchröllchen, Dill, Rosmarin und anderen Würzkräutern ab. Auch Senf oder frisch geriebener Meerrettich runden den Geschmack der Suppe ab. Zum Schluss wird die saure Sahne untergezogen. Wer möchte, kann die Suppe abschließend pürieren.

Grüner Smoothie mit Brennnesseln und Löwenzahn:
Grüne Smoothies liegen bekanntlich im Trend. Allerdings sagt der Gemüsegeschmack nicht jedem zu. Gerade besonders aromastarke Gemüsesorten wie Sellerie oder Brokkoli, die geschmacklich doch sehr vom üblicherweise fruchtigen Smoothie-Aroma abweichen, sind bisweilen recht gewöhnungsbedürftig. Rezepturen mit milden Kräutern wie Brennnessel oder Löwenzahn bieten hier eine deutlich bessere Lösung. Mit ein paar schmackhaften Früchten kombiniert erhält man durch sie einen Smoothie, der zwar grün ist, vom Geschmack her aber wesentlich angenehmer zu verzehren ist. Außerdem eignet sich ein solcher Smoothie, dank seiner entwässernden und entschlackenden Wirkung, gut zum Abnehmen oder für Fastenkuren. Hier unser Vorschlag für einen leckeren Brennnessel-Löwenzahn-Smoothie:

  • zwei Bananen,
  • zwei Aprikosen,
  • eine Handvoll Weintrauben,
  • eine Handvoll Brennnesseln,
  • eine halbe Handvoll Löwenzahnblätter
  • und 100 Milliliter Wasser.

Waschen Sie das Obst und die Wildkräuter sorgfältig unter fließendem Wasser und schälen bzw. entkernen Sie das Obst anschließend. Danach kommen zuerst Brennnesseln und Löwenzahn in den Mixer, ehe das Obst anschließend darüber geschichtet wird. Übergießen Sie das Ganze nun noch mit Wasser, bevor Sie den Mixer auf die höchste Stufe stellen und die Zutaten zu einem fein sämigen grünen Smoothie verquirlen. Stellen Sie sicher, dass alle Blattgemüsefasern ausreichend zerkleinert sind, bevor Sie den Smoothie servieren. Bei Bedarf kann eine zu dicke Konsistenz mit zusätzlichem Wasser verdünnt werden.

Brennnessel als Gemüsebeilage:
Auch als Gemüse lässt sich die Brennnessel zubereiten. Die Gemüsebeilage ähnelt stark dem Spinat und wird im Grunde auch ganz ähnlich zubereitet. Selbst der obligatorische „Blubb“ lässt sich mit ein wenig Schmand bzw. saurer Sahne erzeugen. Gereicht wird das Gemüse unter anderem zu Kartoffeln und Spiegelei. Doch auch zu Grillfleisch oder Braten schmeckt Brennnesselgemüse sehr gut. Die Zutaten:

  • 1500 Gramm frische Brennnesselspitzen,
  • 50 Gramm geräucherter Speck,
  • eine mittelgroße Zwiebel,
  • etwas Mehl,
  • etwas Saure Sahne
  • und etwas Salz und Pfeffer.

1. Schritt: Waschen Sie die Brennnesselspitzen gründlich und blanchieren Sie diese in einer großen Pfanne etwas vor. Als nächstes drehen Sie das Brennnesselgemüse durch den Fleischwolf, alternativ kann es auch grob geschnitten werden. Im zweiten Durchgang wird etwas Wasser in einem Topf angesetzt, das Brennnesselgemüse darin weichgekocht und dann mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt.

2. Schritt: Schälen Sie die Zwiebel und schneiden Sie sie ebenso wie den Speck in kleine Würfel. In einer kleinen Pfanne wird nun mit etwas Mehl eine Zwiebel-Speck-Schmelze zubereitet.

3. Schritt: Geben Sie die Schmelze zu dem Gemüse in den Topf und lassen Sie das Ganze einmal gut aufkochen. Wer möchte, kann nun wie bei gewöhnlichem Spinatgemüse etwas saure Sahne oder Schmand zur Verfeinerung hinzugeben.

Brennnessel-Pesto:
Brennnessel-Pesto ist ein eher modernes Rezept und von der mediterranen Küche inspiriert. Man kann es für die Zubereitung von Pasta-Gerichten, aber auch von Salaten verwenden. Eine interessante Kombination ergibt sich hier durch andere mediterrane Zutaten wie Fetakäse oder Olivenöl. Letzteres unterstützt die verdauungsfördernde Wirkung der Brennnessel dabei in besonderem Maße. Hier das Rezept:

  • 100 Gramm Brennnesseln,
  • 100 Gramm Fetakäse,
  • 50 Gramm Sonnenblumenkerne (geröstet),
  • 100 Milliliter Olivenöl,
  • vier Knoblauchzehen,
  • eine halbe Zitrone
  • und etwas Salz und Pfeffer.

Schälen und zerkleinern Sie den Knoblauch und pressen Sie den Saft einer halben Zitrone in eine Tasse aus. Waschen Sie nun die Brennnesselblätter heiß ab und geben Sie diese gemeinsam mit den Sonnenblumenkernen in eine Pfanne mit erhitztem Olivenöl. Sobald der Pesto-Ansatz aromatisch zu duften beginnt, wird er vom Herd genommen, in einen Mixer gegeben (wahlweise Pürierstab nutzen) und zusammen mit Knoblauch, Fetakäse und Zitronensaft grob gemixt. Abschließend wird das Pesto mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt. (ma)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autoren:
Miriam Adam, Barbara Schindewolf-Lensch
Quellen:
  • Dhandayuthapani, Sivanesan et al.: "Urtica dioica Induces Cytotoxicity in Human Prostate Carcinoma LNCaP Cells: Involvement of Oxidative Stress, Mitochondrial Depolarization and Apoptosis", in: Tropical Journal of Pharmaceutical Research, 13(5) May 2014, semanticscholar.org
  • Bodros, Edwin; Baley, Christopher: "Study of the tensile properties of stinging nettle fibres (Urtica dioica)", in: Material Letters, Volume 62, Issue 14, May 2008, sciencedirect.com
  • Füllbrandt, Roland: Baldrian, Beinwell, Brennnessel: Wildkräuter unserer Heimat, Band 2, Books on Demand, 2013
  • Belščak-Cvitanović, Ana: "Nettle (Urtica dioica L.) extracts as functional ingredients for production of chocolates with improved bioactive composition and sensory properties", in: Journal of Food Science and Technology, Volume 52, Issue 12, December 2015, NCBI
  • Kooperation Phytopharmaka "Arnzeipflanzenlexikon: Brennnessel": www.arzneipflanzenlexikon.info (Abruf: 27.06.2019)
  • Liath, Claudia: Der grüne Hain, Books on Demand, 2012
  • Schroeder, Wolfgang: Die Meisterkräutertherapie: Die 24 kostbaren Kräuter aus Europa und ihr Nutzen in der Volksheilkunde, Verlag der Heilung, 2012
  • Dreyer, Eva-Maria: Essbare Wildkräuter und ihre giftigen Doppelgänger: Wildkräuter sammeln - aber richtig, Franckh Kosmos Verlag, 2011

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


Nächster Artikel

Jetzt News lesen