Nierentee – Inhaltsstoffe, Anwendung und Wirkung

Bärentraubenblätter in einer Schale und eine Tasse Tee

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Kräutertees haben bekanntlich die Eigenschaft, bei konkreten Gesundheitsbeschwerden zuverlässige Hilfe zu bieten. Dementsprechend kann man viele Teekräuter nach ihrem Anwendungsbereich einteilen. Zu den am häufigsten genutzten Heilpflanzen zählen hier, neben Erkältungskräutern, sogenannte Blasen- und Nierenkräuter. Sie werden zur Behandlung von Harnwegserkrankungen eingesetzt und werden zu diesem Zweck als Blasen- bzw. Nierentee zubereitet. Da die Inhaltsstoffe eines entsprechenden Kräutertees in jedem Fall zuerst die Nieren passieren müssen, um ihre heilsame Wirkung in den Harnwegen zu entfalten, spricht man häufig auch nur von einem Nierentee. Welche Kräuter hier besonders gut wirken und was eine Heilpflanze braucht, um sich als echtes Nierenkraut zu bewähren, erfahren Sie in diesem Beitrag.


Was sind Nierenkräuter?

Als Nierenkräuter werden gemeinhin Heilkräuter bezeichnet, die durch ihre Wirkungsweise die Nierengesundheit in besonderem Maße unterstützen. In der Regel tut diese Heilwirkung auch den restlichen Harnwegsorganen gut, weshalb sie neben Nierenbeschwerden fast immer auch zur Therapie der Harnleiter, Blase und Harnröhre eingesetzt werden können. Die wichtigste Eigenschaft von Nierenkräutern ist dabei eine harntreibende Wirkung, welche die Harnbildung stimuliert und dafür sorgt, dass die Harnwege sorgfältig durchgespült werden. Auf diese Weise werden die Harnwegsorgane umfangreich gereinigt und etwaige Krankheitserreger schnell ausgeschieden. Gefördert wird der harntreibende Effekt der Teekräuter zumeist von Inhaltsstoffen wie:

  • Flavonoiden,
  • Mineralsalze,
  • Saponinen,
  • Zitronensäure.
Nierenkräuter werden nicht selten als Heilkräuter bezeichnet, da sie die Nierengesundheit durch ihre Wirkungsweise in besonderem Maße unterstützen. (Bild: Sonja Birkelbach/fotolia.com)

Der harntreibende Effekt von Nierentee wird oftmals auch genutzt, um den Körper im Rahmen einer Entgiftungs- oder Entschlackungskur zu reinigen. Hier hilft zusätzlich der antioxidative Effekt, der vielen Nierenkräutern zu eigen ist. Dank ihm machen Nierentees mitunter sehr erfolgreich freie Radikale im Organismus unschädlich. Das gilt vor allem für die körpereigenen Gefäße, die gerade im Bereich der Niere sehr zahlreich vorkommen und für die Harnfiltration unabdingbar sind. Richtig angewandt kann Nierentee also die Nierenfunktion verbessern und bei Harnbildungsproblemen die Harnproduktion steigern. Darüber hinaus reduzieren die Antioxidantien in Nierenkräutern auch das Entzündungsrisiko, das nicht selten durch Gefäßschäden steigt, die von freien Radikalen verursacht werden. Sehr wichtige Antioxidantien in Nierenkräutern sind hierbei:

  • Carotinoide,
  • Flavonoide,
  • Gerbstoffe,
  • Mineralstoffe,
  • Proteine,
  • Vitamin C,
  • Vitamin E.

Mit Blick auf Entzündungen besitzen die meisten Nierenkräuter auch einen gezielt entzündungshemmenden Effekt. Dieser ist vor allem für entzündliche Harnwegserkrankungen wie die Nieren- oder Blasenentzündung wichtig. Als Tee zubereitet entfalten sich die antientzündlichen Wirkstoffe der Kräuter dabei am besten, gelangen sie mit der Flüssigkeit doch gezielt an ihren Einsatzort im Urinaltrakt. Auf ihrem Weg durch die Harnwege desinfizieren sie außerdem angrenzende Organabschnitte und verhindern so ein Aufsteigen bestehender Infektionskrankheiten beziehungsweise Folgeinfektionen. Als wichtigste antiphlogistische Wirkstoffe gelten:

  • Antioxidantien,
  • Bitterstoffe,
  • Flavonoide,
  • Gerbstoffe,
  • Glykoside,
  • Kaempferol,
  • Phytosterine,
  • Terpene,
  • Zink,
  • Vitamin C,
  • Vitamin D,
  • Vitamin E.

Mit all diesen hochwirksamen Inhaltsstoffen wird schnell klar, dass Nierenkräuter und auch der aus ihnen zubereitete Nierentee eine mitunter sehr wichtige Rolle in der Behandlung von Harnwegserkrankungen einnimmt. Viele akute Krankheiten im Bereich der Harnwege können durch regelmäßige Einnahme des Tees schneller behoben, chronische Erkrankungen zumindest in ihrer Ausprägung gelindert werden. Handelt es sich um leichte Krankheitsverläufe, wie sie zum Beispiel bei der Blasenentzündung häufig vorliegen, reicht das Trinken von Blasen- und Nierentee oftmals sogar gänzlich aus, um den Entzündungskeimen Herr zu werden. Insgesamt lassen sich mit Nierenkräutern folgende Erkrankungen behandeln:

  • Blasenentzündung (Zystitis),
  • Blasenschwäche (Harninkontinenz),
  • gestörte Harnproduktion (Diurese),
  • Gicht (Urikopathie),
  • verminderte Harnproduktion (Anurie / Oligurie),
  • Harnröhrenentzündung (Urethritis),
  • Harnsteine (Konkremente),
  • Harnverhalt (Ischurie),
  • Nierenentzündung (Nephritis),
  • Nierenschwäche (Niereninsuffizienz),
  • Nierensteine (Nephrolithen),
  • Schmerzen beim Wasserlassen (Dysurie),
  • Wassersucht (Ödeme).

Nierenkräuter im Überblick

Es gibt eine ganze Reihe an Kräutern, die für die Zubereitung von Nierentee genutzt werden können. Dabei wirkt nicht jedes Kraut gleich, was bedeutet, dass die genaue Zusammensetzung des Tees, je nach Krankheit, variieren kann. Aus diesem Grund haben wir nachstehend alle wichtigen Nierenkräuter für Sie aufgelistet und die wichtigsten Einsatzgebiete festgehalten.

Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense)

Der Ackerschachtelhalm ist bereits einer der Klassiker unter den Nierenkräutern. Er wird vor allem in der Behandlung von Harnwegserkrankungen wie Nieren- oder Blasenschwäche eingesetzt. Auch bei Krankheiten, mit denen eine gestörte Harnproduktion einhergeht und die zu einer vermehrten Einlagerung von Wasser ins Gewebe führen, ist Ackerschachtelhalm ein altbewährtes Teekraut. Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Heilpflanze sind vor allem harntreibende Komponenten wie Saponine oder Kalium. Eine besondere Rezeptempfehlung ist die Nutzung von Ackerschachtelhalm bei Entzündungen der weiblichen Harnwegsorgane. Die Zutaten:

  • 10 g Ackerschachtelhalm,
  • 10 g Brennnesselblätter,
  • 10 g Schafgarbe,
  • 10 g Salbei.

Geben Sie die Kräuter in eine Teekanne und gießen Sie diese mit 1,5 bis 2 Liter heißem Wasser auf. Lassen Sie die Teemischung für zehn Minuten ziehen und filtern Sie dann die Kräuter heraus, bevor Sie den Tee über den Abend verteilt in kleinen Schlucken trinken. Es wird gesagt, dass auch die Dämpfe dieser Mischung die unteren Harnwege heilen können. Geben Sie den Sud zu diesem Zweck in die Kloschüssel und setzen Sie sich für etwa zehn Minuten auf die Toilette damit die Dämpfe die Harnröhre erreichen können.

Acker-Hellerkraut (Thlaspi arvense)

Das Acker-Hellerkraut ähnelt dem Ackerschachtelhalm nicht nur vom Namen her, es gehört ebenfalls zu den meist genutzten Nierenkräutern. Allerdings gestaltet sich seine Heilwirkung etwas anders. Da es hauptsächlich antibiotische und entzündungshemmende Inhaltsstoffe wie Senföl und Vitamin C besitzt, wird es vorrangig zur Behandlung von Nieren- und Blasenentzündungen eingesetzt. Die Wirkung des Acker-Hellerkrauts ist dabei so stark, dass es selbst bei anderen Infektionen und Entzündungskrankheiten angewendet werden kann, so zum Beispiel bei grippalen Infekten, Bronchitis, Gebärmutter- und Scheidenentzündungen. Leider ist das Kraut heutzutage fast in Vergessenheit geraten, obwohl es in zahlreichen Fertig-Nierentees als versteckte Zutat enthalten ist.

Zubereitet wird ein Nierentee aus Acker-Hellerkraut mit 2 Teelöffel (TL) des geschnittenen Krautes. In eine Tasse heißen Wassers gegeben, muss dieser für ungefähr fünf Minuten ziehen. Danach werden die Kräuter abgefiltert und der Tee kann vorsichtig getrunken werden.

Die Blätter der Bärentraube enthalten Inhaltsstoffe wie Flavonoide, Gerbstoffe, Glykoside und Vitamin C. Sie haben heilende Wirkungen und bilden die Basis hilfreicher Tees. (Bild: Heike Rau/fotolia.com)

Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi)

Nun besitzt die Echte Bärentraube zwar auch beerenartige Früchte, allerdings werden hier statt der Früchte eher die Blätter der Pflanze als Nierenkräuter verwendet. Dank Inhaltsstoffen wie Flavonoiden, Gerbstoffen, Glykosiden und Vitamin C enthält dieses Nierenkraut eine sehr umfangreiche Heilwirkung und kann deshalb auch sehr vielseitig eingesetzt werden. Die Anwendungsgebiete reichen hierbei von Blasenentzündungen über Harninkontinenzen bis hin zu Nierengrieß und Blasensteinen. Ein All­round­ta­lent im Bereich der Harnwegsbehandlung also. Für einen Nieren- und Blasentee mit Bärentraube empfiehlt sich folgende Kräutermischung

  • 1 Esslöffel (EL) Bärentraubenblätter,
  • 1 EL Petersilienwurzel,
  • 1 EL Spargelwurzel.

Petersilie und Spargel sind normalerweise eher als Küchenkraut bzw. Gemüse bekannt. Allerdings haben die Wurzeln beider Nutzpflanzen auch eine äußerst harntreibende Wirkung, weshalb sie für einen die Harnwege durchspülenden Tee wunderbar geeignet sind. Da die Kräuter zudem besonders mild sind, können Sie von der oben genannten Teemischung getrost 2 TL für eine Tasse nehmen. Die Ziehzeit für den Tee beträgt fünf Minuten. Er kann insgesamt dreimal pro Tag eingenommen werden.

Birke (Betula alba)

Birkenblätter sind auch als Nierenkräuter bekannt. Ihre multifunktionale Heilwirkung steht denen der Bärentraubenblätter dabei in nichts nach. Ausgestattet mit einer Fülle von blasen- und nierenwirksamen Inhaltsstoffen wie Vitamin C, Saponin, Gerb- und Bitterstoffen, finden sie sowohl bei Blasenentzündungen, Niereninsuffizienz und Nierensteinen, als auch bei Harnbildungsstörungen, wie Gicht und Wassereinlagerungen in Form von Ödemen, Anwendung. Da sie so vielseitig einsetzbar sind, stellen Birkenblätter meist eine Standardzutat für fertig erhältliche Blasen- und Nierentees aus der Apotheke dar. Besonders interessant sind Birkenblätter in diesem Zusammenhang zur Behandlung von Harnverhalt. Nehmen Sie hierzu:

  • 20 g Birkenblätter,
  • 10 g Ackerschachtelhalm,
  • 10 g Bärentraube,
  • 10 g Brennnessel,
  • 10 g Schafgarbe,
  • 10 g Wacholder,
  • 10 g Ahlbeere.

In eine Tasse mit 250 ml heißem Wasser gegeben und für zehn bis 15 Minuten zugedeckt ziehen gelassen, ergibt sich ein die Harnproduktion anregender Tee, der jeweils vor dem Essen ungesüßt genossen werden sollte.

Brennnessel (Urtica dioica)

Harnwegserkrankungen sind zweifelsohne der Hauptbeweis dafür, dass Brennnesseln völlig zu Unrecht als Unkraut verschrien sind. Gängig sind sie als Teekräuter gegen Harnwegsinfektionen, bei denen die harntreibenden Brennnesselblätter eine unwahrscheinlich wertvolle Hilfe bieten. Allerdings, und das ist nicht jedem bekannt, helfen Brennnesseln auch bei Nierenschwäche und Gicht. Letztere Krankheit beruht auf einem gestörten Purinstoffwechsel, der für einen vermehrten Ausfall von Harnsäurekristallen im Blut sorgt. Auf Dauer werden hierdurch auch die Nieren, in derart hohem Maße, geschädigt, dass es früher oder später zur Niereninsuffizienz kommt. Dank des stark harntreibenden Effekts der Brennnesselblätter kann der Stoffwechsel jedoch gezielt angeregt und so die Nierenbeeinträchtigung reduziert werden. Das Geheimnis der Brennnessel liegt diesbezüglich vor allem in dem pflanzeneigenen Wirkstoff Sekretin. Wie der Name bereits vermuten lässt, regt er die Sekretproduktion und somit auch die Harnbildung an. Dadurch kann das Blut schneller von Harnsäurekristallen gereinigt und die Gichterkrankung somit im Zaum gehalten werden.

Für die Zubereitung eines Brennnessel-Nierentees nehmen Sie einfach 2 TL Brennnesselblätter und übergießen diese mit einer Tasse kochendem Wasser. Lassen Sie das ganze ca. zehn Minuten ziehen, bevor Sie den Tee in kleinen Schlucken trinken. Alternativ kann die Brennnessel auch ganz unkompliziert mit anderen Nierenkräutern kombiniert werden.

Eibisch (Althaea officinalis)

Eibisch ist, zusammen mit der Malve und dem Hibiskus, eigentlich als Gourmet-Blütentee bekannt. Den wenigsten ist dabei auch die harntreibende und erweichende Wirkung ihrer Saponine und des Asparagins im Eibisch bekannt. Die Inhaltsstoffe helfen insbesondere bei Blasenentzündungen und Blasensteinen weiter. Ein hoher Anteil an Gerbstoffen und Zink verleiht dem Eibisch außerdem eine stark entzündungshemmende Wirkung, die bei entzündlichen Harnwegsinfekten ebenfalls relevant ist. Hier ein geeignetes Rezept mit Eibisch gegen bestehende Harnwegsinfekte:

  • 20 g Eibisch,
  • 10 g Brennnessel,
  • 10 g Gundelrebe,
  • 10 g Schafgarbe,
  • 10 g Salbei.

Entnehmen Sie der Kräutermischung wie gewohnt 1 TL und kochen Sie diesen in 250 ml Wasser auf. Nach einer Ziehzeit von zehn Minuten und dem Absieben der Kräuter ist der Nierentee genießbar. Pro Tag können so drei Tassen getrunken werden.

Die eigentlich eher als Wundkraut bekannte Goldrute wird in der Neuzeit häufig zur Herstellung von Blasen- und Nierentee verwendet. (Bild: skymoon13/fotolia.com)

Goldrute (Solidago virgaurea)

Eigentlich ist die Goldrute eher als altes Wundkraut bekannt. Interessanterweise wird sie aber gerade in der Neuzeit wesentlich öfter zur Herstellung von Blasen- und Nierentee verwendet. Das liegt vor allem daran, dass sie so gut wie alle wichtigen Grundstoffe besitzt, die ein Nierenkraut haben sollte. Von Gerb- und Bitterstoffen über Flavonoide und Terpene bis hin zu Glykosiden fehlt es der Goldrute an nichts. Dementsprechend gehören auch recht unterschiedliche Harnwegserkrankungen zu ihren Anwendungsgebieten. Neben Blasen- und Nierenbeckenentzündung beinhaltet dies zum einen Nierengrieß, Nierensteine und Störungen in der Harnbildung. Zum anderen zählen auch Störungen im Wasserhaushalt des Körpers, wie zum Beispiel Gicht und Wassersucht, zu den Einsatzgebieten dieser blutreinigenden Heilpflanze, was den Gesundheitswert für die Nieren weiter unterstützt.

Das Grundrezept für Nierentee aus Goldrutenkraut wird mit 2 TL des Krautes pro 250 ml Wasser hergestellt.

Hauhechel (Ononis spinosa)

In der alten Volksheilkunde galt der Hauhechel einst als eines der wichtigsten Nierenkräuter. Heute weiß man auch weshalb. Mit einer großen Bandbreite an Gerbstoffen, Glykosiden und ätherischen Ölkomponenten wie Terpenen deckt die Pflanze, ähnlich wie die Goldrute, ein breites Spektrum an Heilwirkungen rund um den Urinaltrakt ab, was sie sowohl für den Einsatz gängiger Harnwegserkrankungen wie Blasen-, Harnröhren- oder Nierenbeckenentzündung, als auch seltenerer und spezifischerer Erkrankungen wie Nierensteine, Gicht und Ödeme prädestiniert. Gerne mischt man die Wurzel der Hauhechel auch mit anderen harntreibenden Kräutern wie Brennnessel oder Birke zu einem reinigenden Stoffwechseltee zusammen. Unser Tipp:

  • 20 g Hauhechel,
  • 20 g Engelwurz,
  • 20 g Ehrenpreis,
  • 10 g Birkenblätter,
  • 10 g Brennnesselblätter,
  • 10 g Labkraut,
  • 10 g Schafgarbe.

Nehmen Sie einen TL dieser Kräutermischung, übergießen Sie diese mit 250 ml kochendem Wasser und lassen Sie das ganze etwa zehn bis 15 Minuten ziehen, bevor Sie die Kräuter abfiltern. Täglich können drei Tassen dieses Stoffwechseltees genossen werden.

Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus)

Viele kennen die Kapuzinerkresse als rot- oder gelbblühende Staude, deren schildförmige Blätter mit auffällig netzartigen Blattadern aufwarten. Nur wenigen ist dabei bekannt, dass es sich bei der Kapuzinerkresse um eines der stärksten pflanzlichen Antibiotika der Welt handelt. Aufgrund seiner hochwirksamen Inhaltsstoffe wird die Kapuzinerkresse inzwischen sogar als Antibiotikum der Zukunft, im Kampf gegen multiresistente Keime, gehandelt. Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen zählen hier Flavonoide, Carotinoide, Senfölglycoside und Vitamin C, wobei die Senfölglycoside den Hauptanteil an der Heilwirkung der Kapuzinerkresse haben. Den Harnwegen kann diese antibiotische Wunderwaffe vor allem im Kampf gegen entzündliche Infektionen helfen. Dabei sei jedoch erwähnt, ,dass der Geschmack des Krautes, der an eine Mischung aus Brunnenkresse, Schnittlauch und Knoblauch erinnert, mitunter recht gewöhnungsbedürftig ist. Nehmen Sie daher bitte nur ½ TL pro Tasse und fügen Sie ggf. wohligere Geschmackskomponenten wie Honig hinzu. Auf Zitronensaft sollten Sie bei Blasenentzündung dagegen verzichten, da die darin enthaltene Fruchtsäure für Beschwerden beim Wasserlassen sorgen kann. Alternativ ist auch eine Nierenteemischung mit anderen Kräutern zur Geschmacksaufwertung denkbar. Unser Tipp:

  • 20 g Ackerschachtelhalm,
  • 20 g Bärentraube,
  • 10 g Kapuzinerkresse.

Davon 1 TL auf 250 ml Wasser geben und für etwa zehn Minuten ziehen lassen. Danach die Kräuter abfiltern und den Nierentee in kleinen Schlucken trinken. Diese Teerezeptur kann täglich zwei- bis dreimal genossen werden.

Das auch als Maggikraut bekannte Liebstöckel ist ein wahres Allroundtalent, da es eine Vielzahl von Inhaltsstoffen enthält, die es zu einer multifunktionellen Wirkstoffquelle machen. (Bild: juefraphoto/fotolia.com)

Liebstöckel (Levisticum officinale)

Mit dem Liebstöckel ist ein weiteres All­round­ta­lent unter den Nierenkräutern gegeben. Mehr noch, macht die Anzahl der in dem Kraut enthaltenen Inhaltsstoffe die Heilpflanze, auch fernab der Harnwegserkrankungen, zu einer recht multifunktionellen Wirkstoffquelle. Um jedoch beim Urinaltrakt zu bleiben, so hilft Liebstöckel mit einem gehaltvollen Maß an Bitterstoffen, Gerbstoffen, Flavonoiden und Terpenen weiter. Sie wirken gleichermaßen desinfizierend, stoffwechselanregend und harntreibend, was sowohl bei Entzündungskrankheiten, als auch bei Funktionsstörungen der Harnwege eine große Hilfe ist. Medizinisch wird Liebstöckel daneben insbesondere bei Steinleiden der Niere und Blase genutzt. Hier steht wie üblich der stark harntreibende Effekt des Nierenkrautes im Vordergrund.

Liebstöckel ist auch als Maggikraut bekannt, weil es einen ähnlichen Geschmack wie Maggi hat. Wer das ungewöhnliche Aroma im Tee nicht mag, der sollte eventuell auf ein anderes Nierenkraut zurückgreifen. Ansonsten nehmen Sie wie üblich 1 bis 2 TL des Krautes für eine Tasse Tee. Die Ziehzeit beträgt bei Liebstöckel mit 15 Minuten etwas länger. Grund hierfür ist die Tatsache, dass die Wurzel des Krautes verwendet wird, welche etwas härter als Blattkräuter ist und deshalb auch länger ausgekocht werden muss.

Löwenzahn (Taraxacum officinale)

Den Löwenzahn kennen die meisten als auffällig gelb blühende Wiesenblume. Dabei ist er auch als Salat- und Suppengrün sowie als Heilkraut keine Unbekannte. Während in der Küche die Blätter des Löwenzahns von Bedeutung sind, nutzt die Naturheilkunde eher die Löwenzahnwurzel. Diese enthält eine Fülle an Bitterstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen, welche für die Behandlung von Harnwegserkrankungen genutzt werden.

Da Wurzelkräuter immer etwas härter sind als Blattkräuter, bedürfen sie auch einer etwas längeren Ziehzeit. Im Falle der Löwenzahnwurzel beträgt diese etwa zehn Minuten. Auf eine Tasse kochendes Wasser kommen dabei 2 TL der Wurzelkräuter. Der Tee eignet sich neben der Behandlung von Nierenbeschwerden auch wunderbar für sogenannte Entschlackungskuren. Außerdem bildet Löwenzahnwurzel ein relativ mildes Zusatzkraut für Nierentee-Mischungen.

Katzenbart (Orthosiphon aristatus)

Aus Asien stammt der auch als Orthosiphon bekannte Katzenbart. Genauer gesagt, ist er auch in Australien und Afrika heimisch, wo er seit Jahrhunderten zur Herstellung von Blasen- und Nierentee verwendet wird. Hauptwirkstoffe sind die zu den Flavonoiden gehörenden Flavone, Kaliumsalze, Terpene und Saponine. Als Hauptanwendungsgebiete sind Blasen- und Nierenschwäche sowie Wassersucht und Ödemleiden bekannt.

Auch bei Orthosiphon sind 2 TL pro Tasse durchaus akzeptabel. Die maximale Tagesdosis liegt dabei zwischen 8 und 12 g. Gute Kombinationen für einen Mehrkräuter-Nierentee lassen sich mit Birke, Brennnessel, Goldrute und Hauhechel erzielen.

Petersilienwurzel

Man mag es der Petersilie nicht auf Anhieb ansehen, doch in ihr steckt mehr als nur die bloße Eignung zum Küchenkraut. Tatsächlich beinhaltet das Kraut nämlich eine Fülle von Flavonoiden, Glykoside sowie eine gehörige Portion Vitamin C und Zink. Damit ist Petersilie ein ideales Nierenkraut und kann neben leckeren Gerichten auch zur Herstellung von Kräutertees zur Behandlung typischer Harnwegserkrankungen verwendet werden.

Ähnlich wie beim Löwenzahn werden auch bei der Petersilie eher die Wurzeln als die Blattkräuter für die Herstellung von Nierentee verwendet. Alternativ ist auch eine Nutzung der Petersiliensamen denkbar. Wie üblich gelten als Dosierungsrichtlinie 1 bis 2 TL der Kräuter pro Tasse mit einer Ziehzeit von zehn Minuten. Von dem Petersilienwurzeltee können täglich drei Tassen getrunken werden.

Geheimwaffe Beerenkräuter

Wer sich ein wenig mit Nierenkräutern auskennt, der weiß, dass bestimmte Beeren hier eine ganz besondere Stellung einnehmen. Die Rede ist von roten und blauen Beerenfrüchten, wie

  • Brombeere (Rubus sec. rubus),
  • Cranberry (Vaccinium macroparpon),
  • Heidelbeere (Vaccinium myrtillus),
  • schwarze Apfelbeere (Aronia melanocarpa),
  • schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum),
  • Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea).

Die Färbung der Kräuter ist dabei entscheidend. Denn für die besondere Heilwirkung der Beeren sind hauptsächlich Anthocyane verantwortlich. Es handelt sich dabei um pflanzliche Farbstoffe (Flavonoide), deren Name sich von den altgriechischen Wörtern anthos für “Blüte” und kyaneos für “dunkelblau”, “schwarzblau” oder “dunkelfarbig” ableitet. Anthocyane sind demnach dunkelviolett- bis blaufärbende Stoffe, die schwarzen und auch roten Beerenfrüchten ihre einmalige Farbe verleihen. Allerdings ist ihr Gehalt in schwarzen Beeren logischerweise höher, weshalb diese gemeinhin auch wirksamer sind. Das Geheimnis der Anthocyane liegt dabei in einem äußerst starken antioxidativen Potential, das insbesondere in Aronia und Cranberry sehr hoch ist. Die Früchte werden deshalb immer wieder bei Blasenentzündung empfohlen, da sie zuverlässig bei der Desinfektion der Harnblase helfen. Und auch bei entzündlichen Nierenkrankheiten bieten die genannten Beerenfrüchte eine gute Option.

Tipp: Neben der Verwendung getrockneter Beeren als Teekräuter werden diesbezüglich auch Beerensäfte empfohlen.

Als Nebenwirkung der stark entwässernden Wirkung, können mitunter Symptome wie Augenringe, Fieber, Heißhunger, Herz-Kreislauf-Probleme und Schwindel auftreten. (Bild: Ralf Geithe/fotolia.com)

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Aufgrund ihres stark entwässernden Effekts sollten Nierenkräuter nur über einen begrenzten Zeitraum als Tee eingenommen werden. Bei falscher Dosierung droht ansonsten ein Flüssigkeitsmangel. Die Folgen einer damit verbundenen Dehydration können sich auf verschiedene Art und Weise bemerkbar machen. Typisch sind Symptome wie

Nicht angewendet werden sollte Nierentee außerdem bei Vorliegen einer Herzschwäche oder massiven Funktionsstörungen der Nieren. Die entwässernden Eigenschaften der Nierenkräuter könnten hier schwerwiegende Komplikationen verursachen. Auch Kinder und schwangere Frauen dürfen, mit Blick auf komplikative Wechselwirkungen, nicht mit Nierenkräutern behandelt werden. (ma)

Autor:
Miriam Adam
Quellen:
  • Hummel, Andreas: Arzneimittellehre, Vincentz Network GmbH & Co KG, 2004
  • Urban & Vogel (Hrsg.): "Blasen- und Nierentee – Helfer bei Harnwegsinfekten", in: Uro News, Ausgabe 6, 2011 , Springer
  • Kozachok, Solomiia et al.: "γ-Pyrone compounds: flavonoids and maltol glucoside derivatives from Herniaria glabra L. collected in the Ternopil region of the Ukraine", in: Phytochemistry, Volume 152, August 2018, sciencedirect.com
  • Oh, Hyuncheol et al.: "Hepatoprotective and free radical scavenging activities of phenolic petrosins and flavonoids isolated from Equisetum arvense", in:Journal of Ethnopharmacology, Volume 95, Issues 2–3, December 2004, sciencedirect.com
  • Buch, Corinne: "Tropaeolum majus : Große Kapuzinerkresse (Tropaeolaceae), Arzneipflanze des Jahres 2013", in Jahrbuch des Bochumer Botanischen Vereins, 2014, Goethe Universität Frankfurt am Main

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.