Honig – Wirksamkeit, Anwendung, Mythen und Fakten

Dr. Utz Anhalt
Bienenhonig ist ein altes Mittel in der Volksmedizin und auch in der heutigen Naturheilkunde als Medizin beliebt. Was ist dran an dieser Heilkraft? Was sind die Vorteile gegenüber weißem Zucker? Ist er wirklich so gesund? Wir klären hier Mythen und Fakten rund um den Honig.


Bienenhonig enthält viele wertvolle Vitamine und Mineralien

Der deutsche Imkerbund sagt, Honig enthalte rund 180 Inhaltsstoffe wie Kalium, Magnesium, Kupfer, Natrium, Kalium, Eisen und Zink, die Vitamine B1, B 2 und C, Thiamin und Niacin. Das ist richtig, doch ist der Anteil dieser Mineralien und Vitamine zu gering, um in der täglichen Ernährung wirklich eine Rolle zu spielen. Dafür müssten sie dann schon Honig kiloweise zu sich nehmen, was bei der großen Menge an Kalorien und Zucker alles andere als gesund wäre.

Schon unsere Vorfahren nutzten Honig als Medizin. (Bild: LIGHTFIELD STUDIOS/fotolia.com)

Honig ist gesünder als Zucker

Ja und Nein. Bienenhonig ist zu 80 Prozent Zucker. Die anderen 20 Prozent sind vor allem Wasser. Der Zucker im Honig besteht aus Fruktose, Glukose, Saccharose, Melezitose und Olgosacchariden. Circa 38 Prozent sind Fruktose und circa 30 Prozent Glukose. Haushaltszucker besteht zu 50 Prozent aus Fruktose und zu 50 Prozent aus Glukose. Der Körper nutzt diese Zuckerformen alle als Zucker. Und der ist in bestimmtem Ausmaß lebensnotwendig, führt aber im Übermaß möglicherweise zu Bluthochdruck, Übergewicht, Herzbeschwerden, Diabetes und Gedächtnisschwäche.

Honig wirkt antibakteriell

Er enthält das Enzym Glucoseoxidase, durch das Wasserstoffperoxid entsteht. Dieses soll helfen, Wunden und Verbrennungen zu heilen. Die Menge dieser Enzyme ist jedoch zu klein, um ernsthaft gegen Infektionen zu wirken. Doch warme Milch mit Honig regt den Speichelfluss an und entlastet so die bei einer Infektion angegriffenen Schleimhäute.

Bienenhonig wirksam gegen Karies?

Er soll gegen Karies wirken, indem die Enzyme den Erreger Streptococcus mutans bekämpfen. Gerade deswegen soll er eine Alternative zu Haushaltszucker darstellen, der bekanntlich Karies begünstigt.

Jedoch ernähren sich die Erreger ebenso vom Honigzucker wie vom weißen und gerade Honigbrei haftet besonders gut an den Zähnen und bietet den Streptococcen so eine Speisekammer. Wie bei anderem Zucker auch, sollten Sie sich also nach dem Konsum gut die Zähne putzen.

Bienenhonig macht nicht so dick wie weißer Zucker

Speisehonig hat 320 Kalorien pro 100 Gramm. Wer viel Honig isst, wird demnach fett. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung rät, nicht mehr als zehn Prozent der Energiezufuhr durch freie Zucker aufzunehmen und unterscheidet nicht zwischen anderem Zucker und Honigzucker. Honig enthält weniger Kalorien als Haushaltszucker, weil er zu 20 Prozent aus Wasser besteht.

Er enthält wichtige Antioxidantien

Bienenhonig bietet tatsächlich Phenole, Enzyme, Flavonoide und Säuren, die antioxidativ wirken und angeblich das Risiko von Schlaganfällen und Herzversagen senken. Der Grund dafür soll sein, dass die Antioxidantien den Blutdruck senken, was die Arterien weitet und den Blutfluss fördert.

Honig hat viele gesunde und heilende Eigenschaften. (Bild: BillionPhotos.com/fotolia.com)

Diese Wirkung neutralisiert sich jedoch bestenfalls, da Zucker über einen notwendigen Level hinaus den Blutdruck steigert. Um in größerem Ausmaß die Antioxidanten zu sich zu nehmen, müssten Sie mehr Honig essen, wodurch zugleich der Blutdruck steigt.

Honig wirkt gegen Husten

Wald- und Wiesenhonig ist ein altes Hausmittel gegen Husten und Erkältung. Als Grund werden immer wieder die heilenden Enzyme angegeben. Er wirkt tatsächlich gegen akuten Reizhusten und Erkältung, wenn er zusammen mit Tee oder warmer Milch getrunken wird. So befeuchtet er die Schleimhäute und regt den Speichelfluss an.

Eigent er sich für eine zuckerarme Ernährung?

Grundsätzlich gilt: Wer Zucker reduzieren möchte, reduziert auch Bienenhonig. Zwei Teelöffel Honig entsprechen circa einem Esslöffel weißem Zucker. Wenn ich Zucker im gleichen Verhältnis durch Honig eintausche, ändere ich so gut wie nichts.

Kann Honir weißen Zucker ersetzen?

Honig hat einen starken Eigengeschmack und weniger Masse als Zucker. Für eine neutrale Süße als Ersatz zu weißem Zucker eignet er sich nicht. Durch das enthaltene Wasser bietet er weniger Masse als Zucker und lässt sich deswegen beim Backen nicht einfach eins zu eins einsetzen. Sie müssen bei Backrezepten die zugegebene Flüssigkeit reduzieren.

Honig ist kein Grundnahrungsmittel

Bienenhonig ist genau wie andere Zuckerspeisen ein Genussmittel, das sie nur in kleinen Mengen zu sich nehmen sollten, so wie Pralinen oder Gummibären.

Honig sollte man, wie Zucker, nur in Maßen genießen. (Bild: jd-photodesign/fotolia.com)

Honig hilft bei der Wundheilung

Äußerlich aufgetragen schützt Bienenhonig Wunden und hilft bei der Heilung. Erstens bildet die Masse selbst eine Schicht, die Bakterien abhält. Zweitens sorgt das Zucker dafür, dass sich reinigende Wundsekrete bilden. Drittens entzieht die Zuckermasse Erregern Wasser, so dass sie sich schlechter vermehren können. Hinzu kommt, wenn auch in geringem Maße, die Heilwirkung des Wasserstoffperoxids und Methylglyoxals. Wichtig sind die Stoffe des Bienenhonigs insofern, dass infektiöse Bakterien gegen sie bisher noch keine Resistenz entwickelten wie bei vielen etablierten Antibiotika.

Eignet sich Bienenhonig für Babynahrung?

Kinder mögen Honig, weil er süß ist und zugleich einen Eigengeschmack hat. Doch für Babys unter einem Jahr eignet er sich nicht. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Bakterien in die süße Paste gelangten, die Säuglingsbotulismus auslösen können. Das unentwickelte Immunsystem der Babys kann solche Erreger noch nicht abwehren.

Ist jeder Bienenhonig zur Versorgung von Wunden geeignet?

Ärzte benutzen als Wundsalbe medizinischen Honig. Im Unterschied zu Speisehonig wird dieser nicht stark erhitzt, sondern mit Gammastrahlen behandelt. So sterben Bakterien ab, die Heilstoffe bleiben jedoch erhalten.

Bienenhonig ist als Naturprodukt nicht mit Giften belastet

79 Prozent aller Honigproben in Europa waren in einer Studie mit Neonicotinoiden kontaminiert. Diese Pestizide sind mit verantwortlich für den Rückgang der Bienen und Hummeln. Bei Bienen führen sie zu Verwirrung und Orientierungslosigkeit und letztlich zum Tod. Auch auf anderen Kontinenten sind die Bienen mit diesen Giften belastet, oft sogar mit mehreren Arten von Neonicotinoiden.

Die gemessennen Pegel von durchschnittlich 1, 8 ng pro 1 g Bienenhonig gelten zwar noch nicht für schädlich, wenn Menschen sie zu sich nehmen. Jedoch vermuten Wissenschaftler heute mit starken Indizien, dass sich Neonicotinoide auch in kleineren Dosen negativ auf den Hirnstoffwechsel von Menschen auswirken und dass möglicherweise die gültigen Höchstmengen in Lebensmitteln neu bewertet werden müssten.

Honig ist auch in Europa oft mit Rückständen von Pestiziden belastet. (Bild: C. Schüßler/fotolia.com)

Verwendung des Bienenhonigs als Medizin und Würze der Beweis seiner heilenden Eigenschaften?

Bis weit in das Mittelalter war Zucker aus Zuckerrohr ein sehr teures Luxusprodukt und wurde in Apotheken gehandelt. Die meisten Menschen nutzten zum Süßen eingedickte Säfte oder Bienenhonig als einzige Möglichkeiten.

Sie nahmen niemals die Mengen an Zucker zu sich, wie wir heute und hatten eher ein Problem mit Unterzuckerung als mit Überzuckerung. Dies verschärfte sich noch, weil die meisten Menschen hart körperlich arbeiteten und so wesentlich mehr Energie verbrannten als wir das heute tun. Insofern brauchten sie Bienenhonig, ohne in Gefahr zu kommen, zu viel davon zu essen.

Fazit

Bienenhonig ist ein Genussmittel und nicht für reichhaltigen Konsum geeignet. Es gilt die Faustregel wie bei weißem Zucker: Da sollten Erwachsene nicht mehr als 12 Teelöffel am Tag essen; da Bienenhonig zu 20 Prozent aus Wasser besteht, können es ruhig drei mehr sein. Im Bienenhonig finden sich zwar Vitamine, Mineralien und Enzyme, die in weißem Zucker nicht vorhanden sind, doch die Wirkung des Honigzuckers im Körper ist wie die von anderem Zucker auch. (Dr. Utz Anhalt)