Frauenmantel: Wirkung und Anwendung

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Alchemilla: Ein Heilkraut mit langer Tradition

Beim Frauenmantel (Alchemilla) verrät bereits der Kräutername, dass es sich hierbei um ein altes Frauenheilkraut handelt. Traditionell gegen Menstruations- und Wechseljahrsbeschwerden eingesetzt, steht bei dieser Pflanze eine beruhigende und krampflösende Wirkung im Vordergrund. Doch Alchemilla kann noch mehr. Denn sowohl Verdauungsbeschwerden als auch Entzündungskrankheiten reagieren ebenfalls positiv auf eine Behandlung mit Frauenmantel. Darüber hinaus weiß das Kraut auch Herzprobleme und seelische Beschwerden zu beruhigen. Welche Gesundheitsbereiche im Detail durch die Wirkstoffe in Alchemilla abgedeckt werden und was es bei der Anwendung des Krautes zu beachten gilt, verrät Ihnen dieser Beitrag.


Frauenmantel: Ein kurzer Überblick

So vielfältig wie ihre natürlichen Standorte sind auch die Anwendungsgebiete der Alchemilla. Diese umfassen neben klassischen Frauenleiden nämlich noch eine ganze Fülle anderer Gesundheitsbeschwerden. Hier ein kleiner Überblick:

  • Botanischer Name: Alchemilla; Pflanzenfamilie: Rosengewächse (Rosaceae)
  • Volkstümliche Namen: Alchemistenkraut, Aller Frauen Heil, Dächlichrut, Frauenhaarmantel, Frauenhäubel, Frauenhilf, Frauenhut, Frauenmäntli, Frauenrock, Frauentrost, Frauenwurzel, Gänsefuß, Gewittergras, Hasenmäntli, Haubn, Herbstmantel, Herrgottsmäntelchen, Himmelstau, Krähenfuß, Kroanfüß, Liebfrauenmantel, Löwenfußkraut, Mäntli, Marienkraut, Milchkraut, Muttergottesmantel, Neunlappenkraut, Ohmkraut, Perlkraut, Regendachl, Regentropfen, Röckli, Silbermantel, Sinau, Sinnau, Sintau, Taubecher, Taubecherl, Taufänger, Taukraut, Taumantel, Tauschüsserl, Trauermantel, Unser Frowen Mantel, Wasserträger, Weiberkittel, Wiesensinau.
  • Herkunft: Afrika, Asien, Europa.
  • Anwendungsgebiete: Entzündungen, Gefäßbeschwerden, Hautprobleme, Herzbeschwerden, Regelschmerzen, Verdauungsprobleme, Wechseljahrsbeschwerden, Wunden und Verletzungen.
  • Verwendete Pflanzenteile: Blätter, Blüten, Früchte, Fruchtsamen, Wurzeln.
Der Frauenmantel ist nicht nur im Garten als Bodendecker beliebt, er hat auch eine lange Tradition als Heilpflanze. (Bild: Scisetti Alfio/fotolia.com)

Anwendung und Dosierung

Gesammelt werden kann Alchemilla von Mai bis September. Ernten Sie aber nur blühende Pflanzenteile, um einen ausreichenden Wirkstoffgehalt zu gewährleisten. Dieser erreicht während der Blüte nämlich seinen Höchststand. Die Tagesdosis kann bei Frauenmantel dann im Gegensatz zu vielen anderen Kräutern relativ großzügig bemessen sein. Etwa fünf bis zehn Teelöffel des Krautes sind täglich erlaubt, welche dann entweder für leckere Salate, Suppen und Gemüsebeilagen oder medizinische Spezialrezepturen genutzt werden können. Die Wirkstoffe der Alchemilla haben sich bei folgenden Beschwerden bewährt:

Alchemilla als Frauenheilkraut

Eine der häufigsten Anwendungen von Alchemilla ist gewiss die als Frauenheilkraut. Dabei ist darauf zu achten, welchen konkreten Zweck die Einnahme erfüllen soll. Je nach Beschwerde gelten nämlich unterschiedliche Richtlinien für die jeweiligen Anwendungszeiträume, die im Folgenden näher erläutert werden.

Natürliche Arzneien mit Alchemilla-Wirkstoffen dürfen in keiner naturheilkundlichen Hausapotheke fehlen. (Bild: behewa/fotolia.com)

Frauenmanteltee bei Kinderwunsch

Geben Sie hierfür einen Teelöffle (1 TL) der Teekräuter in eine Tasse kochendes Wasser und lassen sie das Ganze etwa zehn Minuten ziehen, bevor Sie den Tee in kleinen Schlucken trinken. Da Progesteron seine Wirkung im weiblichen Körper erst nach dem Eisprung entfaltet, sollte ein Kinderwunschtee aus Frauenmantel erst in der 2. Zyklushälfte getrunken werden. Menstruationsbeschwerden wie Regelschmerzen oder spannende Brüste, die als Frauenleiden unmittelbar vor oder während der Regelblutung auftreten, lassen sich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls mit einem Tee aus Frauenmantelkraut behandeln.

Wichtig: Nach der zweiten Zyklushälfte ist der Frauenmanteltee dann bis zum nächsten Eisprung auszusetzen. Der Progesteronspiegel muss jetzt auf natürlichem Wege absinken, damit das körpereigene Östrogen erneut mit der Produktion von Eizellen beginnen kann. Nur ein harmonisches Wechselspiel der beiden weiblichen Hormone überführt das Zyklusgeschehen langfristig in einen gesunden Rhythmus!

Frauenmanteltee während der Schwangerschaft

Zur Reduzierung von Abgängen und Fehlgeburten in der Frühschwangerschaft werden täglich zwei Tassen des Frauenmanteltees getrunken. Hebammen empfehlen, den Tee hier nicht länger als 12 Wochen am Stück einzunehmen. Zur Geburtsvorbereitung, Stimulation der Milchbildung oder um die Rückbildung von Geburtswunden in der Gebärmutter zu unterstützen, sind ebenfalls zwei Tassen Frauenmanteltee pro Tag empfohlen. Hier liegt die maximale Anwendungsdauer bei drei bis vier Monaten.

Frauenmanteltee in der Menopause

Auch während der Menopause gibt es gewisse Anwendungskriterien zu beachten. Es kommt hier abermals auf ein ausgeglichenes Wechselspiel von Östrogen und Progesteron an, weshalb man sich trotz langsam versiegender Fruchtbarkeit weiterhin am Menstruationszyklus orientieren sollte. Dies bedeutet: Frauenmantel nur in der (gedachten) 2. Zyklushälfte einnehmen und danach für etwa 2 Wochen aussetzen, um den körpereigenen Rhythmus nicht aus der Bahn zu werfen.

Tipp: Abgekühlter Frauenmanteltee kann auch zum Gurgeln oder als Mundspülung bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum verwendet werden!

Magenbitter mit Frauenmantel bei Verdauungsbeschwerden

Um die Bitterstoffe von Alchemilla optimal zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden zu nutzen, empfehlen wir, das Kraut mit anderen Verdauungskräutern zu einem Magenbitter zu kombinieren.

Aus dem Frauenmantel lässt sich ein wirkungsvoller Magenbitter gegen Verdauungsbeschwerden herstellen. (Bild: VRD/fotolia.com)

Zutaten:

  • 50 g Breitwegerich
  • 50 g Brennesselblätter
  • 50 g Frauenmantelblätter
  • 50 g Himbeerblätter
  • 50 g Salbeiblätter
  • 50 g Schafgarbenblüten
  • 100 g Kandiszucker
  • 1 Liter hochprozentiger Alkohol (z.B. Vodka)
  • 200 Milliliter Wasser
  • 3 Esslöffel Honig
  • 1 Schraubglas
  • 1 dunkle Flasche zur Aufbewahrung

Zubereitung:

  1. Geben Sie die frischen und gereinigten Kräuter in das Schraubglas und füllen Sie dieses anschließend mit Alkohol auf. Geeignet sind vor allem geschmacksneutrale Alkoholvarianten wie Vodka oder Korn.
  2. Lassen Sie den Magenbitteransatz für mindestens sechs Wochen reifen. Am besten Stellen Sie das Schraubglas auf eine lichtreiche Fensterbank, denn das Sonnenlicht unterstützt eine optimale Extraktion der Inhaltsstoffe.
  3. Nach Verstreichen der Reifezeit wird der Kandis so lange in Wasser eingekocht, bis der Zucker geschmolzen ist. Als nächstes filtern Sie den Magenbitter und geben ihn zum Zuckerwasser.
  4. Sobald der Magenbitter abgekühlt ist, wird der Honig untergerührt. Achten Sie darauf, dass sich der Honig vollständig im Likörgemisch aufgelöst hat und filtern Sie ggf. letzte Schwebstoffe aus der Flüssigkeit. Dies gelingt am besten mit einem Leinentuch oder Kaffeefilter.
  5. Füllen Sie den Magenbitter in eine dunkle Flasche und lagern Sie diesen fortan kühl und dunkel. Bei künftigen Verdauungsbeschwerden oder einer sehr gehaltvollen Mahlzeit kann jeweils ein Schnapsglas des Magenbitters getrunken werden. Die Haltbarkeit des Likörs beträgt bei fachgerechter Lagerung etwa vier bis fünf Monate, wenn nicht mehr.

Frauenmantel wurde früher zur Wundbehandlung eingesetzt

Was die innere und äußere Wundbehandlung anbelangt, so existiert eine Originalempfehlung des deutschen Arztes Otto Brunfels, die wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten möchten: „Getrunken auf 3 oder 4 Lot oder ein Decoction (Abkochung) davon gesotten samt anderen Wundkräutern heilet alle inwendigen Wunden und Rupturen, das seind Brüch. Nimm Frauenmantel, Sanikel und heidnisch Wundkraut (Goldrute), jedes eine gute Hand voll, siede es in Regenwasser (heute wahlweise Leitungswasser). Darnach nimm der langen Regenwürm und zerstoße die und drucke die Feuchtigkeit durch ein Tuch und mische die unter das gesotten Wasser. Diese Arznei also getrunken, stillet alle inwendigen blutenden Wunden und auswendig übergelegt heilet sie.“

Ein Tee aus Frauenmantel hat sich bei zahlreichen Leiden bewährt. Es sollte unbedingt die Ziehzeit beachtet werden, da es sonst zu Verstopfungen kommen kann. (Bild: fotoknips/fotolia.com)

Nebenwirkungen

Die Anwendung von Frauenmanteltee in der Schwangerschaft sollte eingestellt werden, sobald die Einnistung der befruchteten Eizelle erfolgreich war. In späteren Schwangerschaftsstadien könnte die kontraktionsfördernde Wirkung des Heilkrautes ansonsten einen gegenteiligen Effekt haben und das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen.

Gänzlich auf Frauenmantel verzichten sollten Personen, bei denen eine Operation bevorsteht. Auch ernste Bluterkrankungen wie ein Blutgerinnsel oder eine Anämie (Blutarmut) sind Kontraindikatoren für eine Anwendung. Wer Eisenpräparate einnimmt, muss diesbezüglich ebenfalls auf das Heilkraut verzichten, da es die Aufnahme von Eisen im Körper beeinträchtigen kann.

Wer empfindlich auf Gerbstoffe reagiert, der sollte Frauenmantel ebenfalls mit Vorsicht genießen. Hier könnte aus durch Überempfindlichkeitsreaktionen im Verdauungstrakt zu Magenbeschwerden und Übelkeit kommen. Darüber hinaus werden bei Nichtbeachtung der Ziehzeit von Frauenmanteltee übermäßige Mengen an Gerbstoffen freigesetzt, deren entwässernde Wirkung Verstopfungen provozieren kann. Stellen Sie deshalb sicher, dass die Ziehzeit des Tees maximal fünf bis zehn Minuten beträgt. Eine längere Ziehzeit ist einmalig nur bei Durchfall empfohlen.

Inhaltsstoffe und Wirkung

Dass Frauenmantel gerade bei Frauenleiden eine so gute Heilwirkung erzielt, hat einen ganz besonderen Grund. Denn in dem Heilkraut sind pflanzliche Hormone (sogenannte Phytohormone) enthalten, die dem weiblichen Geschlechtshormon Progesteron ähneln. Und auch die übrigen Heilwirkungen von Alchemilla lassen sich anhand der pflanzeneigenen Inhaltsstoffe leicht erklären. Diese umfassen maßgeblich:

  • Bitterstoffe,
  • Gerbstoffe,
  • Glykoside,
  • Phytosterine,
  • Saponine.
So bekommt man den Frauenmantel am häufigsten zu Gesicht: Als flächigen Bodendecker in Beetanlagen. (Bild: Harald Biebel/fotolia.com)

Bitterstoffe

Bitterstoffe sind dafür bekannt, einen verdauungsfördernden Effekt zu haben. Die Heilwirkung von Frauenmantel bei Verdauungsbeschwerden wie Blähungen oder Verstopfung ist somit rasch geklärt. Indem sie die Durchblutung des Magen-Darm-Traktes fördern und die Darmperistaltik durch Stimulation der Darmmuskulatur verbessern, können im Darm angesammelte Gase leichter abgehen und Verstopfungen werden gelöst. Darüber hinaus regen Bitterstoffe die Produktion von Verdauungssekreten (v.a. Magensaft) sowie den Appetit an. Die Pflanzenwirkstoffe sorgen für eine gesteigerte Sekretion von Speichel und Verdauungsenzymen, was der Zersetzung des Nahrungsbreis ebenfalls zu Gute kommt.

Übrigens: Ihre vielseitigen Talente im Bereich der Regulierung von Magen-Darm-Funktionen machen Bitterstoffe auch zu einer guten Präventivmaßnahme gegen eine gestörte Verdauung. Nicht umsonst basieren Verdauungshelfer wie Magenbitter auf stark bitterstoffhaltigen Pflanzen als Hauptzutat. Die Blätter des Frauenmantels sind hier im Übrigen eine Geheimzutat in alten Traditionsrezepten für Magenbitter. Eines davon stellen wir Ihnen im Abschnitt zur Anwendung und Dosierung von Alchemilla genauer vor.

Neben ihrem positiven Effekt auf die Verdauung besitzen Bitterstoffe noch eine Reihe weiterer Eigenschaften, die für das mannigfaltige Heilspektrum des Frauenmantels entscheidend sind. Beispielsweise sind die bitteren Pflanzenstoffe für ihre antibakterielle, antimykotische, entkrampfende, entzündungshemmende und immunstärkende Wirkung bekannt. Für den medizinischen Nutzen von Frauenmantel bei Entzündungskrankheiten, Unterleibs- und Magen-Darm-Krämpfen ist dies natürlich von Vorteil.

Gerbstoffe

Noch besser gegen Entzündungen wirken die pflanzlichen Gerbstoffe (Tannine) des Frauenmantels. Wie ihre Äquivalente aus dem chemischen Bereich, die in der Lederverarbeitung standardmäßig zur Desinfizierung von Tierhäuten eingesetzt werden, besitzen auch Tannine eine starke, keimabtötende Wirkung. Entzündungs- und Infektionskrankheiten haben deshalb kaum eine Chance gegen sie, was sich insbesondere Hersteller pflanzlicher Antibiotika zu Nutze machen. Privat kann man Gerbstoffe ebenfalls zur Behandlung besagter Krankheiten einsetzen. Gerade gerbstoffhaltige Tinkturen lassen sich diesbezüglich vielseitig anwenden. Ob zur Wunddesinfektion, zum Gurgeln bei Rachen- und Halsentzündungen oder als Mundspülung bei Zahnfleischentzündungen, eine Frauenmanteltinktur ist hier universell einsetzbar. Insgesamt besitzen die pflanzeneigenen Gerbstoffe eine antibiotische, antioxidative, entzündungshemmende, gefäßschützende, schmerzlindernde und wundstillende Wirkung.

Dem Gerbstoffen im Frauenmantel wird eine Wirkung gegen oxidativem Stress nachgesagt, wodurch Alchemilla auch zur Prävention von Herzkrankheiten beitragen soll. (Bild: monropic/fotolia.com)

Mit Blick auf die Funktion von Frauenmantel als Frauenheilkraut sind hier insbesondere die wundstillenden Eigenschaften bei starken Regelblutungen von Bedeutung. Zusätzlich tragen Gerbstoffe als Antioxidantien auch zur Herz- und Gefäßgesundheit bei. Indem sie freie Radikale abfangen, bewahren sie Herz und Gefäße vor oxidativem Stress, was Erkrankungen wie Arteriosklerose, Bluthochdruck und sogar der koronaren Herzkrankheit vorbeugt.

Glykoside

Geht es um Herzkrankheiten im Speziellen, so sind auch die im Frauenmantel enthaltenen Glykoside nennenswert. Einer Studie des Instituts für Botanik und Pharmazeutische Biologie Erlangen zufolge besitzt Alchemilla nämlich sogenannte Herzglykoside, die antioxidativ und cardioprotektiv wirken. Im Detail handelt es sich hierbei um die Glykoside Quercetin und Kaempferol. Insbesondere Kaempferol weist darüber hinaus auch eine östrogenähnliche Wirkung auf, die zur Behandlung von Fruchtbarkeitsproblemen, Menstruations- und Wechseljahrsbeschwerden von äußerster Wichtigkeit ist. Entsprechende Beschwerdebilder haben nämlich vielfach mit einem Ungleichgewicht im Östrogenhaushalt zu tun, wogegen die gezielte Gabe von Phytohormonen zuverlässige Hilfe bieten kann.

Durch eine weitere Studie gut belegt ist zum Beispiel auch ein positiver Effekt von Kaempferol bei postmenopausaler Osteoporose. Das Risiko dieser Knochenerkrankung nimmt im Zuge der Wechseljahre stark zu, weil die Knochendichte bei Frauen in entscheidendem Maße von der Östrogen-Ausschüttung im Körper mitbestimmt wird. Da der Östrogenspiegel im Laufe der Menopause aber stetig sinkt, hat dies natürlich negative Auswirkungen auf die weibliche Knochenstabilität. Pflanzliche Östrogenlieferanten wie Frauenmantel werden für ältere Frauen also zu einer wichtigen Bezugsquelle, wenn es um einen geregelten Hormonhaushalt geht. Und auch östrogenbasierte Fruchtbarkeitsprobleme und Störungen im Zyklusgeschehen sprechen gut auf eine natürliche Östrogenbehandlung an. Die Pflanzenhormone greifen zudem wesentlich sanfter in das Hormongeschehen ein als es bei künstlichen Hormonpräparaten der Fall ist, was unerwünschten Nebenwirkungen vorbeugt.

Weitere positive Auswirkungen der beiden genannten Glykoside auf das Körpergeschehen ergeben sich zudem durch deren antimikrobielle, beruhigende, entzündungshemmende, muskel- und nervenschützende sowie schmerzlindernde Wirkung, die sowohl bei Zyklusschmerzen und Krämpfen als auch bei Entzündugen und Muskelschmerzen wie dem Muskelkater helfen kann.

Phytosterine

Weitere wichtige Inhaltsstoffe gegen Herz- und Gefäßerkrankungen finden sich beim Frauenmantel in Form von Phytosterinen. Ihnen wird ein cholesterinsenkender Effekt nachgesagt, der für die Prävention von Arteriosklerose relevant ist. Aus diesem Grund wird Patienten mit entsprechendem Erkrankungsrisiko oft dazu geraten, vermehrt pflanzliche Lebensmittel mit reichem Phytosteringehalt zu sich zu nehmen. Alchemilla regelmäßig als Zutat für Salate oder Tees zu nutzen, kann sich hier also abermals positiv auf die Herz- und Gefäßgesundheit auswirken.

Die Blüte des Frauenmantels ist nicht nur schön, sondern auch heilsam. Im blühenden Teil der Pflanze befinden sich die meisten Wirkstoffe. (Bild: Harald Biebel/fotolia.com)

Saponine

Schon die östrogenähnliche Wirkung von Glykosiden des Frauenmantels zeigt, dass dessen heilsamer Effekt bei hormonbasierten Frauenleiden alles andere als aus der Luft gegriffen ist. Unterstützt werden die hormonregulierenden Eigenschaften der pflanzeneigenen Glykoside dabei durch Diosgenin. Anders als Kaempferol steht hier eine Wirkungsweise im Vordergrund, die dem Progesteron ähnelt. Das Hormon bildet gemeinsam mit Östrogen die beiden wichtigsten weiblichen Geschlechtshormone. Wobei das Wechselspiel zwischen beiden Hormonen die Grundlage für das Zyklus- und Schwangerschaftsgeschehen der Frau gestaltet.

Während Östrogen hierbei die „aktiven“ Prozesse im weiblichen Körper steuert, so zum Beispiel die Produktion von Eizellen und die Einleitung des Eisprungs, hat Progesteron einen eher „beruhigenden“ bzw. „stabilisierenden“ Effekt und ist unter anderem zuständig für

  • die Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung einer Eizelle,
  • den Erhalt der Schwangerschaft nach Einnistung der Eizelle,
  • die Reifung der Milchdrüsen in der weiblichen Brust im Zuge der Schwangerschaft,
  • die Entspannung bzw. Anpassung der Gebärmuttermuskulatur an das Baby.

Sofern keine Befruchtung der Eizelle stattfindet, sinkt der Progesteronspiegel auf natürlichem Wege im Zuge der Regelblutung wieder ab und der Zyklus beginnt erneut. Ein Progesteronmangel kann nun aber schon im Vorfeld für verschiedene Komplikationen und Beschwerden sorgen. Neben Fruchtbarkeitsproblemen, wie sie entstehen, wenn eine geschwächte Gebärmutterschleimhaut die Einnistung der Eizelle erschwert, sorgen zu niedrige Progesteronwerte mitunter auch für

  • einen unregelmäßigen Zyklus,
  • zyklusbedingtes Ziehen und Spannen in den Brüsten,
  • heftige Regelschmerzen und starke Regelblutungen,
  • Schlafstörungen und Gemütsschwankungen,
  • Wassereinlagerungen und Gewichtszunahme,
  • erhöhtes Risiko an Früh- oder Fehlgeburten.

Diosgenin

Das in Alchemilla enthaltene Diosgenin wirkt diesen Mangelerscheinungen als pflanzlicher Progesteronersatz entgegen. Ferner kann das Saponin bei Schwangerschafts- und Dehnungsstreifen helfen, denn auch für derartige Bindegewebsschwächen ist bei Frauen ein gestörtes Wechselspiel zwischen Östrogen und Progesteron verantwortlich. Frauen, die nach der Stillzeit über Schwangerschaftsstreifen an den Brüsten klagen, dürften sich also ebenfalls für eine Behandlung mit Frauenmantel interessieren. Der Botaniker und Mediziner Otto von Brunfels kommentierte dies wie folgt: „Das Wasser von Frauenmantel ist gut zu Wunden, damit gewaschen und Tüchlin darin genetzt. Dann es löschet zugleich und heilet. Ein Tüchlein genetzt welche Frau weiche Brüst hat und in die Badstub gaht und im Ausgang das naß Tüchlin überleget, so werden ihre Brüst hart und straff.“

Umschläge mit Wirkstoffen aus dem Frauenmantel werden traditionell gegen Bindegewebsschäche der Brüste eingesetzt. (Bild: Nobilior/fotolia.com)

Übrigens: Mit Blick auf die weibliche Menopause machen viele den damit verbundenen sinkenden Östrogenspiegel alleinverantwortlich für entsprechende Wechseljahrsbeschwerden. Tatsächlich geht dem Östrogenmangel hier aber ein Progesteronmangel voraus. Er erfolgt bei Frauen mittleren Alters auf natürliche Weise und signalisiert auch den Östrogenrezeptoren, ihre Arbeit allmählich einzustellen. Frauenmanteltee kann hier wie ein wahrer Jungbrunnen wirken, und für einen verlangsamten Rückgang von Progesteron sorgen.

Frauenmantel: Herkunft und Folklore

Der Frauenmantel gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und teilt sich somit eine Pflanzenfamilie mit den Rosen. Mehr noch, ist Alchemilla hier auch ernährungstechnisch in guter Gesellschaft, denn Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen, Brombeeren, Himbeeren und Erdbeeren gehören ebenfalls zu den Rosengewächsen. Als Heilkraut nimmt Frauenmantel innerhalb ihrer Verwandtschaft allerdings eine einzigartige Stellung ein. Kaum ein Rosengewächs ist medizinisch ähnlich vielseitig einsetzbar. Darüber hinaus weicht das Heilkraut auch optisch stark vom Erscheinungsbild ihrer Verwandten ab.

Die gelb-grünen Rispenblüten der Alchemilla sieht man so beispielsweise nicht oft unter den Rosengewächsen. Sie stehen in traubigen Blütenständen zusammen und sind für die Heilwirkung der Pflanze entscheidend. Denn nur, wenn Frauenmantel in voller Blüte steht, ist er zur Ernte bereit und schenkt den Anwendenden einen reichen Gehalt an Inhaltsstoffen. Heilpflanzlich genutzt werden hierbei vor allem vier Arten des Frauenmantels unterschieden:

  • Alpen-Frauenmantel (Alchemilla alpina),
  • Gelbgrüner Frauenmantel (Alchemilla xanthochlora),
  • Gewöhnlicher Frauenmantel (Alchemilla vulgaris),
  • Weicher Frauenmantel (Alchemilla mollis).

Auch die gezähnten Blattfächer der Alchemilla sind ein Kunstwerk für sich und sorgten in der Vergangenheit für die Entstehung einer Reihe volkstümlicher Bezeichnungen. Sie beruhen auf der Eigenheit von Frauenmantelblättern, Tautropfen und Regenwasser in ihrer Mitte aufzufangen. Beinamen wie Taubecher oder Taukraut stammen also nicht von ungefähr.

Interessant ist auch die Bedeutung von Frauenmantel im Aberglauben des Mittelalters. Hier galt die Pflanze als Schutzkraut der Frauen und somit als Zauberpflanze. Vor allem Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch vertrauten auf den „magischen“ Schutz des Frauenmantels. Dabei wurde die Heilwirkung der Pflanze, die speziell in der Frauenheilkunde von unschätzbarem Wert ist, früher symbolisch mit dem schützenden Mantel der Gottesmutter gleichgesetzt, welche ihren mütterlichen Segen in Form der Pflanze über die Frauenwelt legte. Der volkstümliche Name Muttergottesmantel erklärt sich somit von selbst.

Um das Tauwasser, dass sich in den Blättern der Alchemilla sammelt, ranken sich zahlreiche Mythen und Legenden. (Bild: Wallner-Studio/fotolia.com)

In der nordischen Mythologie ist das Kraut außerdem der Fruchtbarkeitsgöttin Freya geweiht. Die in den Frauenmantelblättern gesammelten Tau- bzw. Regentropfen symbolisieren hier die Tränen der Göttin, die sie vergoss, als ihr Gemahl Óðr in die Schlacht zog. Von Kräuterkundigen und Medizinern des Altertums wurde das in den Blattkelchen gesammelte Wasser außerdem als ein natürliches Pflanzendestillat betrachtet, dem man – wie der Pflanze selbst – eine heilpflanzliche Wirkung zugeschrieb.

Das Kräutlein treibt ein rundes Blatt
Wie keines ringsherum es hat.
Mit zierlich eingekerbtem Rand
Ist für den Tau es angespannt,

Recht als ein Schälchen hingestellt,
in welches Perl`auf Perle fällt.
So hebt es auf des Himmels tau,
der niedersinkt auf Flur und Au`,

Manch Elflein gegen Morgen kommt,
das dürstet, dem zu trinken frommt,
Schöpft aus dem Schüsselchen und spricht:
Ein bessres Labsal gibt es nicht.

(Johannes Trojan, deutscher Schriftsteller)

Es wird ersichtlich, dass gerade die Wasseransammlungen auf den Blättern des Frauenmantels viele Kräuterkundige zum alchemistischen Experimentieren und Extrahieren animierte. Alchemisten versuchten seiner Zeit sogar, die Tautropfen aus den Blattkelchen zu Guttationstropfen zu verarbeiten. Dabei wird versucht, die Heilkräfte von Pflanzen oder Pilzen über deren „ausgeschwitztes“ Tauwasser zu extrahieren. Das alchemistische Verfahren gilt heute im Übrigen als Vorgänger der homöopathischen Globuli-Herstellung.

Aufgrund der regen Nutzung von Frauenmantel durch Alchemisten entstand auch die botanische Fachbezeichnung der Pflanze. Der aus dem Lateinischen entlehnte Begriff Alchemilla bedeutet übersetzt nämlich schlichtweg „Kleine Alchemistin“. Ebenso ist es wohl der Experimentierfreude mittelalterlicher Kräuterkundiger zu verdanken, dass man heutzutage so gut über die vielseitige Heilwirkung des Frauenmantels Bescheid weiß. Gerade in der Frauenheilkunde kennt die Anwendung von Alchemilla kaum Grenzen. Das erkannte schon Hildegard von Bingen, die das Kraut immer wieder gegen typische Frauenleiden empfahl, wie beispielsweise bei

  • erschlafftem Brustgewebe,
  • geschwächter Beckenmuskulatur,
  • Milchstau,
  • Östrogendominanz,
  • dem prämenstruellen Syndrom,
  • Regelschmerzen,
  • starker Regelblutung,
  • unerfülltem Kinderwunsch,
  • Wechseljahrsbeschwerden,
  • Weißfluss.
Da der Frauenmantel bei so zahlreichen Beschwerden hilft, wurde er im Christentum als Geschenk der Jungfrau Maria angesehen. In der nordischen Mythologie verlieh die Göttin Freya der Alchemilla durch ihre Tränen die Heilkraft. (Bild: marilyn barbone/fotolia.com)

Es gibt kaum ein Anwendungsgebiet in der Frauenheilkunde, das nicht von der Heilwirkung des Frauenmantels abgedeckt wird. Am besten umschrieb hier der Schweizer Naturarzt und Pfarrer, Johann Künzle, den hohen Stellenwert der Pflanze für die Frauengesundheit: „Zwei Drittel aller Frauenoperationen würden bei frühzeitiger und längerer Verwendung von Frauenmantel gänzlich überflüssig, denn Frauenmantel heilt alle Unterleibsentzündungen, Fieber, Brand, Eiterung, Geschwüre und selbst Brüche. Jede Kindbetterin sollte acht bis zehn Tage fleißig recht viel Frauenmanteltee trinken, manche Kinder hätten dann noch ihre Mutter und mancher geschlagene Witwer seine Frau, wenn sie diese Gottesgabe gekannt hätten. […]“

Apropos Schweiz: Das Land ist gemeinsam mit Österreich und Bayern eine jener Regionen, in denen das Frauenheilkraut innerhalb Europas wohl die vielfältigste volksheilkundliche Nutzung erfuhr. Hinweise hierauf liefern noch heute Beinamen wie Dächlichrut, Frauebhäubel, Kroanfüß, Mäntli, Regendachl oder Tauschüsserl. Dass die Pflanze hier so berühmt ist, mag daran liegen, dass die Gebirgsregionen besagter Ländereien einen bevorzugten Standort des Frauenmantels stellen. Daneben findet man das Heilkraut aber auch in anderen Teilen der Alten Welt, wo sie neben Europa auch in den Gebirgsregionen Asiens und Afrikas gedeiht. (ma)

Autoren:
Miriam Adam, Barbara Schindewolf-Lensch
Quellen:
  • Felser, Claudia; Schimmer, Oskar: "Flavonoid Glycosides from Alchemilla speciosa", in: Planta Medica, 65(7), 1999, Thieme
  • Jiangyang Guo, Ava et al.: "Kaempferol as a flavonoid induces osteoblastic differentiation via estrogen receptor signaling", in: Chinese Medicine, 7:10, 2012, NCBI
  • Fetzner, Angela: Meine liebsten heimischen Heilpflanzen, Books on Demand, 2019
  • Pahlow, Mannfried: Das große Buch der Heilpflanzen: Gesund durch die Heilkräfte der Natur, Nikol, 2013
  • Schilcher, Heinz; Kammerer, Susanne; Wegener, Tankred: Leitfaden Phytotherapie, Urban & Fischer Verlag, 2016
  • Grünwald, Jörg; Jänicke, Christof; Hardewig, Iris: Pflanzenheilkunde Quickfinder, Graefe und Unzer Verlag, 2008

Wichtiger Hinweis:
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