Blepharitis: Lidentzündung; Lidrandentzündung

Corinna Schultheis

Entzündete Augenlider: Symptome, Ursachen und Behandlung

Eine Lidrandentzündung, auch als Blepharitis bezeichnet, umfasst verschiedene Erscheinungsformen von Augenlidentzündungen, die auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen sind. Die Erkrankung tritt häufig zeitgleich mit anderen entzündlichen Prozessen am Auge auf. Oft helfen eine gute Augenlidhygiene und naturheilkundliche Maßnahmen, um die Beschwerden zu lindern. Klingen die Beschwerden nicht ab oder handelt es sich um einen chronischen Verlauf, werden ein Arztbesuch und weitere Therapiemaßnahmen erforderlich.


Ein kurzer Überblick

Im Folgenden sind zunächst die wichtigsten Fakten zu den Symptomen und Therapiemaßnahmen zusammengefasst. Der weitere Artikel beschreibt das Krankheitsbild der Blepharitis umfassend und liefert weiterführende Informationen.

Typische Beschwerden

Die meisten Betroffenen leiden unter geschwollenen und roten Augen(lidern). Häufig tritt ein Augenbrennen und Augenjucken auf. Bei bestimmten und meist infektiösen Krankheitsformen kommt es zu verklebten Augenlidern und Wimpern, insbesondere nach dem Aufstehen. Weitere Symptome an Augen und Haut können hinzukommen. Der Schwergrad und Verlauf ist unterschiedlich und reicht von sehr leichten Beschwerden bis hin zu starken Beeinträchtigungen am Auge.

Eine Lidrandentzündung führt zu roten und geschwollenen Augenlidern. (Bild: Konstantin Savusia/fotolia.com)

Was kann man tun?

Bei einer akuten Entzündung wird oft bereits durch sorgfältige, tägliche Hygienemaßnahmen am Auge eine schnelle Linderung der Beschwerden erreicht. Den Heilungsprozess können auch Heilpflanzen, wie zum Beispiel Augentrost, unterstützen. Klingen die Symptome nicht ab, verstärken sie sich oder kehren sie immer wieder, sollte eine ärztliche Untersuchung stattfinden. Möglicherweise werden weitere Therapiemaßnahmen, gegebenenfalls auch mittels Antibiotika oder Virustatika, notwendig.

Definition

Der aus dem Griechischen stammende Begriff Blepharitis beschreibt die sogenannte Lidrandentzündung (seltener Lidentzündung) als einen medizinischen Oberbegriff für verschiedene Formen von Entzündungen der Augenlider, und insbesondere deren Ränder. Ist die jeweilige Ursache oder der genaue Orte des Entzündungsherds bekannt, lässt sich die Erkrankung weiter spezifizieren. Beispielsweise wird eine Entzündung ausschließlich im Bereich der Lidwinkel als Blepharitis angularis bezeichnet und lässt sich somit als eine spezielle Form abgrenzen. Viele weitere Krankheitsformen werden auf diese Weise unterschieden.

Auslöser für eine Lidrandentzündung können Infektionen sein. Aber auch andere nicht-infektiöse Ursachen kommen in Frage, wie beispielsweise äußere Reize, Funktionsstörungen am Auge oder allergische Reaktionen und andere Erkrankungen. Dabei kann es neben einem akuten Auftreten auch zu chronischen Verläufen mit wiederkehrenden oder dauerhaften Beschwerden kommen.

Symptome

Abhängig von den Ursachen, der jeweiligen Erscheinungsform und dem Schweregrad können bei einer Lidrandentzündung unterschiedliche Beschwerden auftreten. Die Symptome ähneln denen trockener Augen oder anderer Augenentzündungen. Auch treten oft eine Bindehautentzündung (Begleitkonjunktivitis, Blepharokonjunktivitis) und ein trockenes Auge simultan mit der Entzündung der Augenlider auf.

Entzündungen am Auge verursachen oft ein starkes und lästiges Augenjucken und Augenbrennen. (Bild: sebra/fotolia.com)

Bei den meisten Ausprägungen der Blepharitis zeigen sich geschwollene und rote Augen(lider). Zusammen mit einem häufig auftretenden Augenbrennen und Augenjucken führt dies mitunter zu einem starken Fremdkörpergefühl im Auge. Auch wird oft von verklebten Augenlidern und Wimpern nach dem Aufstehen berichtet. Im weiteren (chronischen) Verlauf können sich diese Krankheitsanzeichen verstärken oder es zeigen sich bei bestimmten, schwerwiegenderen Formen noch weitere Beschwerden.

Demnach ist die Liste aller möglichen Symptome lang. Folgende Beschwerden zählen zu den typischen und relativ häufig auftretenden Symptomen:

  • gerötete Lidränder und Augen,
  • Schwellungen am Lidrand und am Auge,
  • brennende und juckende Augen,
  • Fremdkörpergefühl im Auge,
  • Lichtempfindlichkeit (Photophobie),
  • Tränenträufeln,
  • Schuppenbildung am Lidrand und Wimpernansatz,
  • Drüsensekrete und fettige Beläge am Lidrand, die die Augenlider und Wimpern verkleben und verkrusten,
  • Fehlstellung (Trichiasis) oder Ausfallen der Wimpern (Madarosis), sowie Wachsen von wimpernähnlichen Haaren aus den Meibom-Drüsen (Distichiasis),
  • Ermüdung der Augen sowie Einschränkung der Sehkraft.

Ursachen

Eine Blepharitis kann ganz verschiedene Ursachen haben, die die Form und den Verlauf der Krankheit mitbestimmen. So wird oft zwischen einer akuten und chronischen, aber auch zwischen einer infektiösen und nicht-infektiösen Lidrandentzündung unterschieden.

Die Augenlider enthalten unterschiedliche Drüsen. Die abgesonderten Sekrete sind Bestandteil der Tränenflüssigkeit und fetten die Lidränder ein. Durch bakterielle Infektionen, Sekretstau oder Funktionsstörungen der Drüsen kommt es relativ häufig zu krankhaften Veränderungen im Sinne von Lidrandentzündungen. Zu den häufigsten Ursachen gehören eine Infektion mit Staphylokokken, eine Seborrhö (Überproduktion von Fetten durch Talgdrüsen) und eine Fehlfunktion der Meibom-Drüsen. Während es sich bei den Staphylokokken um eine akute bakterielle Infektion handelt, sind die anderen beiden Ursachen nicht-infektiös und werden der chronischen Blepharitis zugeordnet. Aber auch äußere Reize oder andere Grunderkrankungen können Entzündungen der Augenlider hervorrufen oder begünstigen.

Abhängig von der Ursache und Symptomatik kommt es zu verschiedenen Formen und Ausprägungen bei einer Blepharitis. (Bild: Artemida-psy/fotolia.com)

Akute Blepharitis

In den meisten Fällen sind bakterielle Infektionen die Ursache für eine akute, ulzerierende Entzündung des Augenlids. Am häufigsten sind Infektionen mit Staphylokokken, aber auch andere Bakterien oder Viren (zum Beispiel Herpes simplex Virus) kommen als Krankheitserreger in Betracht. In der Regel zeigen sich bei bakteriellen Infektionen gelblich verklebte und verkrustete Augenlider. Sind Viren ursächlich für die Erkrankung, kommt es eher zu einer Absonderung von klaren, flüssigen Sekreten.

Staphylokokken gehören zu den Bestandteilen der normalen Hautflora, auch am Lidrand. Ist die Immunabwehr geschwächt, kann die normale Besiedlung gestört werden und aus dem Gleichgewicht geraten. Verschiedene Enzyme und Giftstoffe, die von den vermehrt auftretenden Staphylokokken-Bakterien produziert werden, können dann unter anderem zu Störungen des Tränenfilms und der talgproduzierenden Drüsen führen, was wiederum Entzündungen am Auge verursachen kann.

Lösen allergische Reaktionen eine akute Blepharitis aus, sind diese normalerweise nicht ulzerierend am Lidrand, aber führen zu einem ausgeprägten Juckreiz und Hautausschlägen, wie beispielsweise bei der atopischen Blepharodermatitis (Neurodermitis am Auge).

Chronische Blepharitis

Bei der chronischen Blepharitis liegt in den meisten Fällen eine Funktionsstörung der Meibom-Drüsen vor. Diese Drüsen produzieren eine ölige Flüssigkeit (Lipide), die die Verdunstung der Tränenflüssigkeit reguliert und verlangsamt. Ist die Funktion dahingehend gestört, dass die Lipidzusammensetzung verändert ist, kommt es auch zu Veränderungen im Sekret und zu damit zu verstopften Drüsenausgängen. Bei vielen Betroffenen dieser Meibom-Drüsen-Dysfunktion sind in dem Zusammenhang ein wiederkehrendes Gerstenkorn (Hordeolum) oder Hagelkorn (Chalazion) mögliche Folgeerscheinungen. Eine weitere Folge der Drüsenfunktionsstörung ist eine schnellere Tränenverdunstung, was zu trockenen Augen (Keratokonjunktivitis sicca) führen kann.

Das Gerstenkorn ist eine häufige Folgeerscheinung bei einer Augenlidentzündung. (Bild: Elroi/fotolia.com)

In vielen Fällen wird die Hauterkrankung Rosazea mit der Störung der Meibom-Drüsen und der Augenlidentzündung in Verbindung gebracht. Typische Symptome für die Rosazea sind rote Flecken im Gesicht, sowie schuppende Hautstellen. Bei einer okulären Rosazea ist die Haut nahe dem Auge und an den Augenlidern betroffen, möglicherweise auch ohne eine weitere Symptomatik an anderen Hautstellen.

Auf den Hautschuppen am Lidrand entwickelt sich im weiteren Verlauf häufig eine sekundäre bakterielle Infektion. Liegt eine Lidentzündung mit Schuppenbildung vor, wird diese als Blepharitis squamosa bezeichnet. Ebenso kann eine übermäßige Fettproduktion (Seborrhö) zu einer Drüsenverstopfung und entsprechenden Lidrandentzündung führen (seborrhoische Blepharitis). Viele Betroffene leiden dann auch an seborrhoischer Dermatitis oder Akne (Acne rosacea).

Nicht selten sind mehrere Ursachen für die Entstehung einer Lidrandentzündung verantwortlich. Liegen insbesondere eine Seborrhö, eine Staphylokokken-Infektion und trockene Augen (Sicca-Syndrom) vor, so spricht man auch von dem sogenannten Triple-S-Syndrom.

Des Weiteren gelten äußere Reize als nicht-infektiöse Risikofaktoren, die die Entstehung einer Blepharitis begünstigen können. Die Haut und die Augen können zum Beispiel durch Zugluft, extreme Temperaturen, Rauch, Staub oder chemische Substanzen (in Kosmetika) gereizt werden, was zu einem erhöhten Krankheitsrisiko führt.

In seltenen Fällen wird vermutet, dass auch Parasiten (wie beispielweise Augenmilben oder Filzläuse) an der Entstehung einer Lidrandentzündung (Blepharitis parasitaria) beteiligt sein könnten.

Diagnose

Für die genaue Diagnosestellung bei einer Augenentzündung wird bei der fachärztlichen Untersuchung nach dem Patientengespräch (Anamnese) eine detaillierte Betrachtung des Auges und der Lidränder vorgenommen. Zumeist wird hierfür eine Spaltlampe zur Hilfe genommen, die es ermöglicht, dass Auge und die krankhaften Veränderungen in einer starken Vergrößerung zu betrachten. Ob es sich um eine Infektion handelt, kann meistens mittels eines Abstrichs geklärt werden. Nicht immer ist es aber möglich, eine präzise Diagnose zu stellen. So bleiben die Ursachen bei einer Lidrandentzündung, selbst bei einer genauen Untersuchung, manchmal unbekannt.

Ist eine ärztliche Untersuchung notwendig, wird meistens eine Spaltlampe eingesetzt, um das Auge näher zu betrachten. (Bild: mmphoto/fotolia.com)

Behandlung

Eine Lidrandentzündung ist eine relativ häufig auftretende Erkrankung und bedarf nicht in jedem Fall eines Arztbesuchs oder einer medizinischen Behandlung. Oft verläuft die Krankheit nur mit einer leichten Symptomatik und ist auch ohne eine weitere medizinische Versorgung schnell ausgeheilt. Eine tägliche, gründliche Lidrandhygiene und Maßnahmen aus der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) führen in vielen Fällen zu einer schnellen Linderung der Beschwerden.

Prinzipiell sollte ein ärztlicher Rat dann eingeholt werden, wenn auftretende Symptome (trotz eigener Maßnahmen) über mehrere Tage anhalten oder sich verstärken, und die Betroffenen zu sehr beeinträchtigen. Auch bei stetig wiederkehrenden und dauerhaften Entzündungen sollten eine ärztliche Untersuchung und gegebenenfalls eine entsprechende Therapie stattfinden.

Aufwendigere Therapiemaßnahmen sind meistens dann notwendig und wirksam, wenn Infektionen mit Bakterien oder Viren eine akute ulzerierende Blepharitis hervorgerufen haben. Zum Einsatz kommen hierbei in der Regel entsprechende Augentropfen oder Salben, die Antibiotika oder Virustatika enthalten. Bei einer akuten, allergisch bedingten Lidrandentzündung kann unter Umständen eine Behandlung mit Kortison in Betracht kommen.

Die Behandlung einer chronischen Blepharitis konzentriert sich meistens auf die Folgeerscheinungen oder Symptome und Ursachen der auslösenden (Haut-) Krankheiten. So können beispielsweise Tränenersatzmittel helfen, die Symptome bei trockenen Augen zu mildern.

Die Augenhygiene spielt bei der Heilung eine große Rolle

Um den Heilungsprozess bei Augenentzündungen bestmöglich zu unterstützen sind tägliche Hygiene- und Pflegemaßnahmen für die Augen und das Gesicht unabdingbar. Es wird empfohlen, vor jeder weiteren medizinischen Behandlung, zunächst diese Maßnahmen anzuwenden. Außerdem sind es wichtige Begleitmaßnahmen auch während einer Therapie.

Eine richtig durchgeführte, tägliche Hygiene der Augenlidränder hilft Beschwerden zu lindern und chronischen Lidrandentzündungen vorzubeugen. (Bild: irinastrel123/fotolia.com, eigene Bearbeitung heilpraxis.de)

Den Betroffenen wird empfohlen, jeden Tag ein warmes (nicht zu heißes) Tuch oder eine warme Gel-Maske für etwa zehn Minuten auf die geschlossenen Augen zu legen und danach die Augenlider vorsichtig mit den Händen (und Watteträgern) zu massieren. Es sollte dabei immer in Richtung der Wimpern gestrichen werden, das heißt beim Oberlid von oben nach unten und beim Unterlid von unten nach oben. Tritt dabei ein gelb-weißliches Sekret aus, sollte dieses mit Watteträgern vorsichtig entfernt werden. Bestehen hartnäckige Absonderung oder auch Verkrustungen, kann bei der Reinigung des Lidrands Ölivenöl, eine milde Lösung aus Babyshampoo und warmen Wasser oder eine spezielle Reinigungslösung aus der Apotheke helfen. Benutzte Tücher oder Masken müssen vor einem weiteren Gebrauch gründlich gereinigt werden. Auch die Hände müssen vor und nach dieser Maßnahme sorgfältig gewaschen und gegebenenfalls desinfiziert werden. Eine Besserung der Beschwerden tritt bei der täglichen Durchführung dieser Hygienemaßnahmen oft erst nach drei bis vier Wochen ein. Eine alltägliche Augenhygiene hilft auch einer chronischen Blepharitis vorzubeugen.

Im Allgemeinen wird von herkömmlichen Kosmetika und Hautpflegeprodukten, wie Seife und Cremes mit Konservierungsstoffen und reizenden Substanzen, abgeraten. Die Reinigung von Gesicht und Augen sollte nur mit reinem, warmem Wasser erfolgen.

Naturheilkundliche Behandlung

Unter sorgfältiger und vorsichtiger Anwendung können naturheilkundliche Behandlungsmaßnahmen eine heilungsfördernde Wirksam zeigen, insbesondere bei den chronischen Krankheitsformen einer Blepharitis. Wie auch bei anderen Augenentzündungen werden vorwiegend Extrakte aus der Heilpflanze Augentrost (Euphrasia) eingesetzt. Die Auszüge dieser Pflanze enthalten antibakterielle und entzündungshemmende Stoffe. Meistens findet die Anwendung in Form von homöopathischen Augentropfen Gebrauch. Zur unterstützenden, inneren Anwendung kann auch Augentrosttee getrunken werden.

Die Heilpflanze Augentrost (Euphrasia) wirkt entzündungshemmend bei Augenbeschwerden. (Bild: Alois/fotolia.com)

Darüber hinaus werden in der Naturheilkunde auch Kompressen aus Fencheltee oder Kamillentee angewandt. Hierbei ist jedoch eine gewisse Vorsicht geboten, um eine mögliche Verschleppung vorhandener Erreger zu vermeiden oder beispielsweise durch eine allergische Reaktion keine gegensätzliche Wirkung hervorzurufen.

Mehrere Studien haben darauf hingewiesen, dass ungesättigte Fettsäuren eine entzündungshemmende Wirkung haben können. Achtet man auf eine gesunde Ernährung mit ausreichend mehrfach ungesättigten Fettsäuren (vor allem Omega-3-Fettsäuren), kann dies zur Linderung der Beschwerden bei entzündeten sowie trockenen Augen beitragen. (jvs, cs; aktualisiert am 09.10.2018)