Blepharospasmus – Lidkrampf im Auge

Heilpraxisnet

Unwillkürliche Lidkrämpfe

Unter Blepharospasmus (Lidkrampf) werden verschiedene Formen von Muskelkrämpfen am Augenlid zusammengefasst. Zumeist handelt es sich um wiederholt auftretende, beidseitige, krampfartige Lidverschlüsse. Die Erkrankung äußert sich in der Regel zunächst über ein vermehrtes Blinzeln. Im weiteren Verlauf kommt es zu wiederkehrenden und langanhaltenden Lidkrämpfen. Durch Stress und andere äußere Faktoren können sich die Symptome verstärken. Die Ursachen sind bislang noch ungeklärt und eine dauerhafte Heilung der Krankheit ist nicht möglich. Als häufigstes Mittel zur Behandlung des Blepharospasmus wird das Nervengift Botulinumtoxin (Botox) eingesetzt.


Ein kurzer Überblick

Die folgende Übersicht fasst den nachfolgenden Artikel über das Krankheitsbild und mögliche Behandlungsoptionen des Blepharospasmus kurz zusammen:

  • Definiton: Der Blepharospasmus ist eine im Gehirn verursachte Bewegungsstörung, die zu unwillkürlichen Kontraktionen des Augenringmuskels und damit zu Lidkrämpfen führt.
  • Symptome: Das erste Anzeichen für die Erkrankung ist ein vermehrtes Blinzeln, welches sich später zu unkontrollierbaren und unterschiedlich starken Lidkrämpfen entwickelt, die zeitweise oder dauerhaft auftreten können.
  • Ursachen: Die Ursachen sind zumeist unbekannt und werden im zentralen Nervensystem vermutet. Selten sind andere Erkrankungen, Nebenwirkungen von Medikamenten oder Fremdkörper im Auge die Auslöser.
  • Diagnose: Eine genaue Diagnosestellung und ein Ausschluss anderer Erkrankungen erfordert, neben einer gründlichen Untersuchung der Augen, eine Ermittlung der Blinzel-Frequenz und der entsprechenden Muskelaktivitäten. Manchmal wird zur Ursachenermittlung auch möglichen Störungen im Nervensystem nachgegangen.
  • Behandlung: Das Mittel der Wahl ist in den meisten Fällen Botulinumtoxin, das über subkutane Injektionen in einem Abstand von etwa drei Monaten verabreicht wird. Andere Behandlungsmethoden sind weniger erfolgreich.
  • Naturheilkundliche Behandlung: Komplementäre Maßnahmen zur Stressreduzierung und Muskelentspannung, wie etwa Akupunktur, Meditation oder Autogenens Training, können helfen, die Symptome zu lindern.
Die bei einem Blepharospasmus hervorgerufenen Augenlidkrämpfe können Betroffene stark beeinträchtigen. (Bild: Damir/fotolia.com)

Definition

Der Begriff Blepharospasmus stammt aus dem Griechischen und heißt frei übersetzt Lidkrampf. Seltener finden auch die Bezeichnungen Blinzelkrampf und Blepharismus Gebrauch für diese Erkrankung. Der Blepharospasmus wird den sogenannten fokalen Dystonien zugeordnet. Dies sind Bewegungsstörungen, die im Gehirn verursacht werden und sich im Laufe der Zeit verlängern und verstärken, bis sie in unbeweglichen Positionen der betroffenen Muskeln resultieren. Bei den Augenlidkrämpfen handelt es sich um beidseitig auftretende, unwillkürliche Kontraktionen des Augenringmuskels (Musculus orbicularis oculi). Dieser Muskel ist für den Lidspaltenschluss und den Lidschlussreflex verantwortlich.

Unterscheidung: Klassischer Blepharospasmus und Lidöffnungsinhibitionstyp

Grundsätzlich wird zwischen zwei Formen von Lidkrämpfen unterschieden. Mit dem klassischen Blepharospasmus gehen klonische (rhythmisch, relativ kurz) oder tonische (gleichmäßig, relativ langanhaltend) Spasmen des Ringmuskels einher und er kann auch andere Muskeln an Stirn und Nase betreffen.

Daneben tritt die seltene und schwer zu diagnostizierende Variante des Blepharospasmus vom Lidöffnungsinhibitionstyp auf. Bekannt ist diese Ausprägung auch unter den Synonymen Lidöffnungsapraxie, sowie palpebraler oder prätarsaler Blepharospasmus. Hierbei haben die Betroffenen Schwierigkeiten, die Augen nach dem Lidschluss wieder zu öffnen. Dies wird im Gegensatz zur klassischen Variante nicht durch Kontraktionen des Ringmuskels, sondern durch eine gehemmte Aktivität des Musculus levator palpebrae verursacht. Dieser Muskel ist für die Hebung des Oberlides verantwortlich. Zur Kompensation wird dann der Stirnmuskel (Musculus frontalis) eingesetzt.

Die beiden Formen haben eine unterschiedliche Faltenbildung zur Folge. Bei der klassischen Variante zeigen sich radiäre Falten um das Auge herum, bei dem Lidöffnungsinhibitionstyp bilden sich horizontale Stirnfalten. Die Erkrankung kommt, mit etwa drei bis vier Betroffenen unter 100.000 Menschen, selten vor.

Der seltene Lidöffnungsinhibitionstyp des Blepharospasmus lässt sich über horizontale Stirnfalten erkennen. (Bild: donikz/fotolia.com)

Symptome

Generell äußert sich die Symptomatik bei den Betroffenen sehr unterschiedlich. Von den unkontrollierbaren Lidkrämpfen sind immer beide Augen betroffen, wobei die Ausprägung unterschiedlich stark sein kann und die Krämpfe zeitweise oder dauerhaft auftreten können. Auch die Dauer der einzelnen Krämpfe ist sehr verschieden, und reicht von kurzen Kontraktionen bis hin zu langanhaltenden Lidverschlüssen. Ist Letzteres der Fall, werden die Mimik und das Sehvermögen der Betroffenen stark beeinträchtigt und es kann sogar zu einer funktionellen Blindheit kommen.

Oft ist ein erstes Anzeichen der Erkrankung ein Fremdkörpergefühl ihm Auge, welches mit einem vermehrten Blinzeln einhergeht. Psychische Belastungen und Stress, sowie äußere Faktoren, wie helles Licht und Wind, verstärken oft die Symptome. In den meisten Fällen lassen die Beschwerden in der Nacht nach, morgens treten sie hingegen verstärkt auf.

Nicht selten wirken sich auch Aktivitäten wie Gehen, Treppensteigen, Lesen, Autofahren oder Fernsehen erschwerend aus und es resultiert eine funktionelle Sehbehinderung. Wenn das Gehen oder Sprechen hingegen die Symptomatik verbessert, wird dies als paradoxe Dystonie bezeichnet. Dies kommt aber nur äußerst selten vor.

Besteht bereits über einen längeren Zeitraum ein Blepharospasmus, wird dies über eine ausgeprägte Faltenbildung um die Augen – oder seltener auf der Stirn – sichtbar.

Ursachen

Der Blepharospasmus zählt grundlegend zu den idiopathischen Erkrankungen. Diese stellen eigenständige Krankheitsbilder dar, bei denen aber die Ursachen zumeist unbekannt sind. Es wird vermutet, dass die Ursachen der Lidkrämpfe im zentralen Nervensystem, beziehungsweise in den Basalganglien (Kerngebiete im Gehirn), liegen. Die genauen Mechanismen sind aber noch nicht erforscht. Hierbei spricht man auch vom primären oder essentiellen Blepharospasmus.

Die noch unerforschten Ursachen der Lidkrämpfe werden in den Basalganglien des zentralen Nervensystems vermutet. (Bild: Alex/fotolia.com)

Daneben ist noch die seltenere (sekundäre) Form des reflektorischen oder symptomatischen Blepharospasmus beschrieben. Dabei handelt es sich um Lidkrämpfe, die meistens durch irritierende Reize ausgelöst werden (zum Beispiel durch einen Fremdkörper). Für diese Form können aber auch Nebenwirkungen von Medikamenten und verschiedene Erkrankungen ursächlich sein. Dazu gehören unter anderem Reizungen und Entzündungen am Auge (siehe auch Blepharitis), ein trockenes Auge (Keratoconjunctivitis sicca) oder systemische neurologische Krankheiten mit Spasmen (zum Beispiel Parkinson).

Diagnose

Nach einer ausführlichen Patientenbefragung (Anamnese) ist es äußerst wichtig, dass bei der ärztlichen Untersuchung andere mögliche Störungen der Lidöffnung und des Lidschlusses ausgeschlossen werden. Es sind durchaus Fehldiagnosen bekannt, wie die eines „einseitigen Blepharospasmus“, wobei es sich in der Regel um einen Spasmus hemifacialis (einseitiger Gesichtsmuskelkrampf) oder eine Tic-Störung (auch Tick-Störung) handelt. In diesem Zusammenhang tritt aber vielmehr ein unwillkürliches, einseitiges Augenzucken auf als ein Lidkrampf.

Nicht selten kommt es auch vor, dass ein palpebraler Blepharospasmus für eine Ptosis bei einer okulären Myasthenie gehalten wird, also ein Herabhängen des oberen Lids aufgrund einer Muskelschwäche oder Muskellähmung. Diese und andere (Augen-) Erkrankungen gilt es bei der Diagnosestellung und vor einer etwaigen Behandlung auszuschließen. Mit Hilfe einer Spaltlampe lassen sich beispielweise eine Bindehautentzündung oder eine Hornhautentzündung feststellen, die ebenso ursächlich sein können für ein häufiges Blinzeln. Auch Fremdkörper als Ursache werden bei der genauen Augenuntersuchung meist einfach festgestellt.

Zudem werden zumeist für eine präzise Diagnose die Blinzel-Frequenz und eine mögliche Abweichung von den Normalwerten ermittelt. Zur Messung von Muskelaktivitäten wird die Elektromyografie (EMG) eingesetzt. Für weitere Untersuchungen, zu den möglichen Ursachen im Nervensystem, kann eine Magnetresonanztomografie (MRT) hilfreich sein.

Die besten Therapieerfolge gegen die Augenmuskelkrämpfe erzielen wiederholte Botulinumtoxin-Injektionen. (Bild: focusandblur/fotolia.com)

Behandlung

Ist die Ursache bei einem symptomatischen Blepharospasmus bekannt, gilt es diese zu behandeln. Ein essentieller Blepharospasmus hingegen kann nicht dauerhaft geheilt werden. Die häufigste Behandlungsform, auch bei vielen anderen fokalen Dystonien, stellt die subkutane Injektion mit Botulinumtoxin Typ A (Botox) dar. In der entsprechenden Dosierung zeigt dieses Nervengift des Bakteriums Clostridium botulinum, durch die Lähmung des Augenringmuskels, eine erfolgreiche Wirkung. Diese ist allerdings zeitlich begrenzt, weshalb die Behandlung in einem Abstand von circa drei Monaten ständig wiederholt werden muss. Etwa 90 Prozent der Behandelten berichten von einer Linderung der Symptome. Mögliche Nebenwirkungen beeinträchtigen meist die Funktionen der Augen und Augenlider.

Für Betroffene, die nicht auf eine Botulinumtoxin-Therapie ansprechen, oder diese ablehnen, können operative oder medikamentöse Maßnahmen weitere Behandlungsmöglichkeiten sein. Dabei kommen Suspensions-Operationen, (Teil-) Resektion der betreffenden Muskeln oder Arzneimittel in Frage, die unter anderem eine muskelentspannende Wirkungen aufweisen (beispielsweise Benzodiazepine).

Es gibt keine vorbeugenden Maßnahmen gegen den Blepharospasmus. Erkrankten wird empfohlen, Stress, körperliche und psychische Belastungen, starkes Sonnenlicht und langes Fernsehen möglichst zu vermeiden. Zum Schutz vor grellem Licht kann auch eine Sonnenbrille getragen werden.

Entspannungstechnicken und andere alternative Methoden können helfen, die Symptome des Blepharospasmus zu lindern. (Bild: fizkes/fotolia.com)

Naturheilkundliche Behandlung

Komplementäre Maßnahmen aus der Naturheilkunde können in einigen Fällen ebenfalls eine Linderung der Beschwerden herbeiführen. Eine Heilungschance bieten diese alternativen Verfahren aber ebenfalls nicht.

Besonders im beginnenden Krankheitsstadium können Stressreduzierung und (Muskel-) Entspannung den Betroffenen helfen. Diverse Entspannungsmethoden und weitere Techniken kommen in diesem Zusammenhang zur Anwendung, wie Autogenes Training, Yoga, Meditation, Akupunktur, Hypnotherapie und Biofeedback. Auch eine Psychotherapie kann unter Umständen in Betracht kommen. (tf, cs; aktualisiert am 27.09.2018)