Aortenaneurysma – Symptome, Ursachen und Behandlung

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ICD-Codes für diese Krankheit: I71 ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.

Aneurysma der Hauptschlagader

Die Hauptschlagader (Aorta) gehört zu den größten Blutgefäßen im menschlichen Körper. Wenn sich dieses Gefäß an einer Stelle abnormal erweitert, spricht man in der Medizin von einem Aortenaneurysma. Diese Aussackung kann an jeder Stelle der Hauptschlagader stattfinden, tritt aber besonders häufig im Bauchraum auf.


Aortenaneurysma – Ein kurzer Überblick

Oft wird ein Aneurysma der Aorta zufällig während Routineuntersuchungen entdeckt, da es in der Anfangsphase keine schweren Beschwerden hervorruft. Bläht sich das Gefäß aber immer weiter auf, kann es reißen oder platzen. Dies endet in rund 90 Prozent der Fälle tödlich. Aus diesem Grund muss ein Aneurysma unbedingt vorher behandelt werden. Hier ein kurzer Überblick zu dem Beschwerdebild.

  • Definition: Das Aortenaneurysma ist eine Aussackung in der Hauptschlagader-Wand. Wenn sich der Durchmesser der Hauptschlagader um mehr als 35 Prozent erweitert, liegt ein solches Aneurysma vor.
  • Ursachen: Die Gefäßwand verliert aufgrund von Alterserscheinungen oder Vorerkrankungen an Elastizität und kann dem Druck nicht mehr standhalten. Folglich weitet sie sich und dehnt sich an der Schwachstelle aus.
  • Symptome: Häufig entstehen zunächst keine Beschwerden. Je nach Ort der Aussackung können Schmerzen in der Brust und in der Brustwirbelsäule, Atembeschwerden, Husten, Bluthusten, Heiserkeit, Schluckbeschwerden, Schmerzen in Schulter und Rückenschmerzen auftreten.
  • Risikofaktoren: Ein fortgeschrittenes Alter; Bluthochdruck (Hypertonie); Arterienverkalkung (Arteriosklerose), Konsum schädlicher Substanzen wie Kokain.
  • Diagnose: Der Befund kann zum Beispiel im Rahmen einer Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung mit einer Sonde), einer Computertomographie oder einer Röntgenuntersuchung festgestellt werden.
  • Therapie: Regelmäßige Prüfung des Aortenaneurysma-Durchmessers, blutdrucksenkende Medikamente, Lebensstil-Verbesserungen (z.B. Rauchstopp), Einsetzen eines Stents und ab einem Durchmesser von 5,5 bis 6 Zentimetern erfolgt meist eine Operation, um den ausgeweiteten Bereich zu entfernen.

Aortenaneurysma Ursachen und Risikofaktoren

Neben einer normalen Alterserscheinung wie einem Elastizitätsverlust der Gefäßwände oder einer generellen Bindegewebsschwäche können Gefäßverkalkungen, Bluthochdruck oder Entzündungen der Gefäßwände als Risikofaktoren ein Aneurysma begünstigen. In den meisten Fällen ist eine Kombination von Arteriosklerose und Bluthochdruck für das Aneurysma verantwortlich. Plaques lagern sich an der Gefäßwand ab und härten diese aus. Wenn diese Plaques abreißen, besitzt die Gefäßwand nicht mehr die nötige Elastizität, um dem Druck zu widerstehen. Dieser Effekt wird durch Bluthochdruck verstärkt. Die Gefäße geben an der betroffenen Stelle dem Druck nach und weiten sich.

Bleibt ein Aortenaneurysma unbehandelt und schwillt weiter an, kann es platzen und zur Lebensgefahr werden. (Bild: Henrie/fotolia.com)

Aortenaneurysma Symptome

Gerade in der Entstehungsphase verursacht ein Aneurysma der Hauptschlager oftmals keine oder nur leichte Beschwerden. Die Symptome sind stark abhängig von dem Ort der Aussackung. Entsteht das Aneurysma beispielsweise am Hals oder im Brustbereich, können folgende Beschwerden auftreten:

Häufiger entsteht jedoch ein Bauchaortenaneurysma. Hierbei kann es zu unspezifischen Symptomen wie Rückenschmerzen kommen, die in die Beine ausstrahlen. Auch können Verdauungsstörungen auftreten. In manchen Fällen lässt sich ein Aneurysma im Bauchraum als pulsierendes Geschwulst unter der Bauchdecke ertasten.

Notfall: Wenn ein Aortenaneurysma platzt

Im Normalfall beträgt der Durchmesser einer Aorta 2,5 bis 3,5 Zentimeter. Mit zunehmendem Alter weitet sich die Hauptschlagader um rund 35 Prozent. Im Zuge eines Aneurysmas kann sich der Durchmesser jedoch mehr als verdoppeln. Ab einem Durchmesser von circa fünf Zentimetern steigt die Gefahr einer Ruptur rapide an. Wenn die Hauptschlagader reißt oder platz, werden große Mengen Blut in das umliegende Gewebe freigesetzt. Es herrscht akute Lebensgefahr! Betroffene verspüren einen vernichtenden Schmerz, gepaart mit Todesangst. Die Symptome ähneln denen eines Schlaganfalls oder Herzinfarktes. Es können Lähmungen, Doppelbilder, Blutdruckabfall, Atemnot und Sensibilitätsausfälle auftreten. Die Patientinnen und Patienten müssen nun schnellstmöglich notoperiert werden. Die Sterblichkeit bei einem solchen Vorfall ist hoch. Rund 90 Prozent der Betroffenen überleben einen Riss der Hauptschlagader nicht.

Aortenaneurysma Behandlung

Bei der Behandlung eines Aneurysmas der Hauptschlagader spielt vor allem dessen Größe eine wesentliche Rolle. Ist die Aussackung noch nicht so weit fortgeschritten kann die weitere Ausdehnung mit blutdrucksenkenden Medikamenten und Lebensstilinterventionen verlangsamt oder sogar gestoppt werden. In regelmäßigen Kontrollen wird der Durchmesser überprüft. Als nächster Schritt bietet sich in einigen Fällen das Einsetzen eines Stents an, um die ausgedehnte Passage zu überbrücken. Übersteigt der Aorta-Durchmesser jedoch eine Größe von fünf Zentimetern, muss eine Operation in Betracht gezogen werden. Dabei wird der Brustkorb geöffnet, der entsprechende Bereich der Hauptschlagader entfernt und durch eine Gefäßprothese ersetzt. Wenn sich das Aneurysma in der Nähe des Herzens befinden, wird oft auch eine neue Herzklappe eingesetzt. (vb)

Autor:
Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek
Quellen:
  • Universitätsklinikum Jena: Aortenaneurysma & Aortendissektion (Abruf: 20.08.2019) , uniklinikum-jena.de
  • F. Baumann, V. Makaloski, N. Diehm: Aortenaneurysma und -dissektion; in Der Internist, Mai 2013, Ausgabe 54, Issue 5, Seiten 535–542, link.springer.com
  • C.A. Schneider, D. Beuckelmann: Erkrankungen der thorakalen Aorta; Springer Medizin Verlag, Hg. Erland Erdmann, 2009
  • Hanns W Baenkler, Hartmut Goldschmidt, Johannes M Hahn: Innere Medizin, Thieme Verlag, 2. Auflage 2009
  • Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin - Gesellschaft für operative, endovaskuläre und präventive Gefäßmedizin e.V. (DGG): S3-Leitlinie zu Screening, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Bauchaortenaneurysmas, Stand: Juli 2018, Leitlinien-Detailansicht
  • Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie (DGG): Leitlinie Thorakale und thorakoabdominelle Aortenaneurysmen, Stand: September 2010, dgg-gefaesschirurgie.de