Massage – Techniken, Anwendung und Wirkung

Wenn unser Partner oder unsere Partnerin unter einem verspannten Rücken leidet, uns bittet, diesen zu massieren und wir grob daneben greifen, Schmerzen verursachen oder sogar verstärken, führt das schnell zu einem Streit.

Zwar kann generell jeder Mensch massieren, aber dazu müssen Sie auch wissen, wie es geht. Die Kulturen der Welt entwickelten diverse Massagetechniken, die alle ihre Vorteile haben. Einige lassen sich einfach lernen, für andere braucht es eine komplexe Ausbildung.

Die schwedische Massage

Die schwedische Massage ist in Deutschland am weitesten verbreitet und gilt in der Physiotherapie als Standard. Sie dient vor allem dazu, Verhärtungen und Verspannungen der Muskeln und Beschwerden des Bewegungsapparates zu beheben.

Sie besteht aus fünf Griffen. Zuerst streicht der Masseur oder die Masseurin mit beiden Händen in Richtung Herz, dann wird die Haut mit s-förmigen Bewegungen geknetet, anschließend mit den Handballen gerieben, mit lockerer Hand geklopft und am Ende mit den Fingerkuppen erschüttert.

Schwedische Massage wirkt gegen:

Schwedische Massage – Anwendung

Die schwedische Massage können Sie selbst anwenden:

  1. Sie gleiten links und rechts neben der Wirbelsäule den Rücken entlang, von oben nach unten. Wenn Sie dann von unten nach oben zurückgleiten, öffnen Sie die Hände.
  2. Sie üben mit den Handflächen leichten Druck aus und fahren von der Wirbelsäule mit beiden Händen nach außen, um die seitlichen Muskeln zu entspannen. Dann kehren Sie mit beiden Händen zur Wirbelsäule zurück und nehmen den Druck heraus.
  3. Jetzt massieren Sie den Nacken. Hier sollten Sie vorsichtig sein und wenig Druck ausüben.
  4. Sie kneten mit gespreizten Händen aufeinander zu.

Gehen Sie nicht nach Schema F vor, sondern achten Sie darauf, was Ihr Partner oder Ihre Partnerin sagt: Eine solche Massage darf und muss Druck ausüben, wenn es aber ernsthaft schmerzt und Ihr Partner oder Ihre Partnerin sagt „das tut mir weh“, dann nehmen Sie den Druck zurück.

Ayurveda-Massagen

Ayurveda-Medizin umfasst in Indien ein riesiges Spektrum an Praktiken und so gibt es auch nicht eine Ayurveda-Massage, sondern diverse Massagetechniken, die zu dieser Volksmedizin gehören und auf die speziellen Bedürfnisse des Patienten oder der Patientin abgestimmt sind.

Bei Padabhyanga werden die Füße massiert, bei Shirodhara wird die Stirn mit warmem Öl übergossen oder in einer anderen Variante ein Edelstein auf die Stirn gelegt.

Upanahasveda ist eine Rückenmassage mit einem besonderen Öl, eine spezielle Kräuterpaste regt dabei den Schweißfluss an. Dies soll der Entgiftung dienen.

Die Marma-Massage übt Druck auf sensible Stellen des Körpers aus.

Bei Udvartana wird der Körper mit Öl eingerieben und dann mit einem Kräuterpulver bedeckt.

Garshan bezeichnet eine Massage des ganzen Körpers mit Seidenhandschuhen.

Ushnasnahna bezeichnet eine Massage mit Seifenschaum, Pinda Sweda eine mit heißen Reisstempeln.

Bei der Synchronmassage arbeiten zwei Massierende zugleich und führen die gleichen Übungen aus, im Unterschied zu der Swara Abhyanga, bei der sich Betroffene selbst mit Öl einreiben.

Wie wirken Ayurveda-Massagen?

In der indischen Vorstellung sollen diese Massagen dem körperlichen Verfall im Alter entgegenwirken, Stress abbauen, das Sehvermögen verbessern, die Haut pflegen, den Aufbau von Körperzellen fördern und gegen Schlaflosigkeit helfen.

Thai-Massage

Im Westen neu, in Thailand in Varianten seit Jahrhunderten bekannt, ist Nuat Phaen Boran, das „Massieren nach altem Gesetz“.

Der Masseur oder die Masseurin setzt Hände, Finger, Knie, Ellenbogen und Füße entlang der Linien ein, die die thailändische Medizin als „Energielinien“ imaginiert. Dies geht einher mit duftenden Massageölen, die Stress abbauen.

Oft wird danach der Körper mit heißen Kräutern massiert. Hier entspannt sich der Körper zusätzlich durch die Wärme, und die Dämpfe reinigen die Haut.

Thai-Massagen regen die Durchblutung an, lindern Migräne, Rückenschmerzen und Abgeschlagenheit, stimulieren den Herzkreislauf und bauen Stress ab.

Massage mit heißen Steinen

Diese Massagetechnik nimmt Anleihen an Praktiken Amerikanischer Ureinwohnerinnen und Ureinwohner.

Hier werden Haut und Muskeln mit heißen Lavasteinen massiert, ebenso Füße, Hände und das Gesicht. Diese Massage regt das Zirkulieren des Blutes an und hilft gegen Verspannungen.

Shiatsu-Massage

Shiatsu kommt aus Japan, und die Massage erfolgt hier durch sanften Druck mit den Fingern.

Bei der Namikoshi-Variante werden besonders die Nerven massiert, die Masunga-Technik soll „Energieleitungen“ im Körper anregen.

Wie bei allen Massagen geht es darum, Verhärtungen zu lösen, Verspannungen zu entspannen, die Durchblutung zu fördern und den motorischen Apparat zu verbessern. Außerdem soll die Shiatsu-Massage die Verdauung und das Immunsystem fördern.

Die Dorn-Breuß-Massage

Hier handelt es sich um eine Erfindung der Heilpraktiker Rudolf Breuß und Dieter Dorn. Sie streckten zuerst die Wirbelsäule durch Massage und massierten danach Johanniskrautöl ein. Damit meinten sie, Rücken- und Wirbelsäulenoperationen vermeiden zu können.

Im Unterschied zu anderen Massagen geht es hier nicht um Muskelverspannungen generell, sondern um Beschwerden in Wirbelsäule und Rücken sowie Schäden der Bandscheiben. Durch sanften Druck und leichte Bewegung werden hier minimal verschobene Wirbelkörper wieder gerade gerückt.

Pantai Luar

Pantai Luar ist eine Massage für den ganzen Körper aus dem fernen Osten Asiens, bei der Massage mit Ölen und Kräuterstempeln kombiniert wird.

Der Masseur oder die Masseurin ölt den Körper ein und massiert ihn danach mit schnellen Bewegungen der Hände mit dem Kräuterstempel.

Neben den üblichen Gebieten wie der Förderung der Durchblutung und dem Lösen von Muskelverspannungen soll diese Massage Entzündungen hemmen und die Haut straffen.

Schokoladenmassage

Hier wird der Körper mit Schokolade, Sheabutter und Mandelöl eingerieben.

Die Schokolade erwärmt der Masseur oder die Masseurin dafür im Wasserbad. Wenn die Kundin oder der Kunde mit der Masse bedeckt ist, wird sie oder er in Folie eingehüllt, damit die Stoffe besser in den Körper einziehen können.

Nach einer gewissen Zeit wäscht der Masseur oder die Masseurin die Schokolade vom Körper und trägt eine Creme auf, die zum Beispiel Mandelöl, Erdnussöl oder Kakaobutter enthält.

Diese Massage soll Entzündungen lindern, besonders an den Gelenken und der Haut, der Hautalterung entgegenwirken, die Haut pflegen und zum Glänzen bringen.

Tuina

Tuina ist das chinesische Gegenstück zur Shiatsu-Massage. In Deutschland ist sie eher als Akupressur ein Begriff.

Grundidee ist wie bei der Akupunktur, dass es bestimmte „Kraftlinien“ im Körper gibt, die aktiviert oder blockiert werden können.

Historisch kamen chinesische Ärzte auf diese Idee, weil ihnen verboten war, den Körper zu öffnen und sie so Diagnosen ausschließlich durch äußere Beobachtungen treffen konnten. So sahen sie, wann und wie der Körper auf Stiche (Akupunktur) oder Druck (Akupressur) reagierte und entwarfen ein Modell, was für „Energieleitungen“ sich im Inneren dieses Körpers befinden könnten.

Solche „Energiebahnen“ gibt es zwar aus Sicht der Schulmedizin nicht, dennoch wirkt die Akupressur aus dem gleichen Grund wie andere Massagen: Sie entspannt Muskeln und fördert die Durchblutung. Das wiederum lindert Schmerzen, fördert die körperliche Aktivität und pflegt die Haut.

Lomi Lomi Nui

Diese Massagetechnik stammt aus Hawaii und bedeutet übersetzt „großes Berühren“.

Hier wird ein bestimmtes Öl auf den Körper aufgetragen und in die Haut geknetet.

Als Ganzkörpermassage wird dabei kein Körperteil ignoriert: Auch Handgelenke, Kniekehlen und die Innenseiten der Füße massieren die Hawaiianerinnen und Hawaiianer mit dem Öl ein. Für die Wirbelsäule, den Kopf und die Gelenke gibt es dabei spezielle Griffe.

In Hawaii gelten solche Massagen als heiliger Akt und sind von schamanischen Gesängen begleitet. Eine zusätzliche Heilwirkung durch Selbstsuggestionen ist also nicht ausgeschlossen.

Diese Massage soll Spannungen lösen, das Immunsystem stärken und zusätzlich die Selbstheilung des Körpers aktivieren.

Tantra-Massage

Die Tantra-Massage ist eine sinnliche Massage, die den gesamten Körper miteinbezieht. Dabei berührt die Masseurin oder der Masseur den Körper einfühlsam, achtsam und absichtslos und bezieht ganz selbstverständlich den Intimbereich mit ein.

Die Empfängerin oder der Empfänger bestimmt jederzeit selbst, wie weit die Massage gehen darf. Eine Tantra-Massage kann das Verhältnis zum eigenen Körper und zur Sexualität verbessern und eine tiefe Entspannung ermöglichen.

Da bei einer Tantra-Massage naturgemäß ein höheres Maß an Vertrauen, Nähe und Intimität nötig ist als bei anderen Massage-Arten, sollten Sie das Angebot sehr genau prüfen. Achten Sie auf die Qualifikation des Anbieters oder der Anbieterin sowie auf Ihr Bauchgefühl und holen Sie sich wenn möglich Empfehlungen aus dem Freundeskreis.

Fußreflexzonenmassage

Hier werden Reflexzonen der Fußsohle massiert. Ursprünglich stammt diese Massage aus der vormodernen Idee, dass die einzelnen Teile des Fußes in Beziehung zu bestimmten Organen stehen. Dieses Konzept konnte bis heute nicht wissenschaftlich belegt werden.

Dennoch ist eine Fußreflexzonenmassage sinnvoll. Sie fördert die Durchblutung, sensibilisiert die Fußsohlen für Reize beim Auftreten und ist so besonders für Menschen sinnvoll, die Wandern und Laufsport betreiben.

Auch kann sie in geringem Maße Gelenkentzündungen in Fuß und Knöchel vorbeugen.

Gesichtsmassagen

Gesichtsmassagen an den Schläfen sind oft das erste Mittel gegen Kopfschmerzen.

Diese entstehen häufig durch einen Mangel an Durchblutung, zum Beispiel, wenn wir den ganzen Tag mit versteiftem Hals am Laptop sitzen. Eine Schläfenmassage sorgt dafür, dass mehr Blut in die Kopfhaut fließt und beendet die Kopfschmerzen oft in Minuten.

Andere Massagen beziehen den ganzen Kopf und das Gesicht ein – von den Schultern bis zur Kopfhaut. Üblich sind leichter Druck, Streichen, Kneten, Dehnen und Ziehen.

Zum Beispiel nehmen wir dazu ein Ohrläppchen zwischen zwei Finger, drücken und reiben es. Viele Menschen machen das sogar ohne Vorbildung, wenn sie Probleme haben sich zu konzentrieren oder unter Stress leiden.

Eine Gesichtsmassage ist keine Geheimwissenschaft, und unsere Schläfen gelegentlich zu massieren oder mit den Fingern beider Hände zugleich die Oberkieferknochen zu drücken, sich mit der Faust der rechten Hand gegen die Stirn zu klopfen, lässt sich leicht im Alltag unterbringen.

Solche Methoden sind nicht nur einfach, sondern auch sinnvoll, um etwas gegen Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Nervosität zu tun – auch gegen Schlaflosigkeit können sie hilfreich sein. Regelmäßige Massagen der Gesichtshaut können außerdem Falten vorbeugen.

Masseurinnen und Masseure – Ausbildung

Es gibt noch viele andere Massagen, die aber einer Ausbildung zum Physiotherapeut/zur Physiotherapeutin und/oder zum Masseur/zur Masseurin bedürfen.

Masseurinnen und Masseure legen fest, wie lange eine Behandlung dauert und wie intensiv sie ist; sie lernen die Reflexzonen in Haut, Bindegewebe und Muskeln.

Sie befassen sich auch mit besonderen Massagetherapien, dazu gehören die Elektrotherapie, die Lichttherapie und die Strahlentherapie sowie auch Behandlungen mit Wärme und Kälte.

Zur Ausbildung gehören Module über das Herz-Kreislauf-System sowie den Nervenapparat, über die Entstehung und den Verlauf von Krankheiten sowie Diagnosen, des Weiteren psychologische und pädagogische Aspekte der Arbeit. (Dr. Utz Anhalt)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autoren:
Dr. phil. Utz Anhalt, Barbara Schindewolf-Lensch
Quellen:
  • Bernhard Reichert: Massage-Therapie, Thieme Verlag, 1. Auflage, 2015
  • Alexander Meng: Lehrbuch der Tuina-Therapie, Haug Verlag, 6. Auflage, 2013
  • Bernard C. Kolster: Massage, Springer Verlag, 2. Auflage, 2006

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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