Blut im Urin (Hämaturie) – weitere Symptome, Ursachen, Therapien

Sichtbares und unsichtbares Blut im Urin

Rot gefärbter Urin stellt oft erst mal einen Schock für Betroffene dar und sollte nie auf die leichte Schulter genommen werden. Auch wenn sich dahinter nicht immer etwas Schlimmes verbirgt, sollte roter Urin stets mit einem Arzt abgeklärt werden. Zwar ist manchmal nur der Farbstoff im Essen Schuld, beispielsweise infolge verspeister Rote Beete, und auch Medikamente, die zum Beispiel das Blut verdünnen, können zu Blut im Urin führen. Es kann jedoch ebenso eine ernsthafte Erkrankung dahinter stecken. Blutiger Urin wird in der Fachsprache Hämaturie genannt. Diese kann verschiedenste Ursachen haben, die von einer leichten Schleimhautreizung im Urogenitaltrakt bis hin zu Krebsgeschehen reichen.


Blut im Urin – ein kurzer Überblick

Es gibt zahlreiche Ursachen, die für einen blutigen Urin verantwortlich seien können. Die einzelnen möglichen Ursachen und weitere Informationen zur Diagnose, Therapie, Prävention und Naturheilkunde werden im weiteren Verlauf näher Erläutert. Hier eine kurze Übersicht:

  • Definition: Der Fachbegriff für Blut im Urin lautet Hämaturie. Dies bezeichnet eine krankhafte Ausscheidung roter Blutkörperchen (Erythrozyten) mit dem Urin.
  • Formen: Eine Hämaturie wird weiter in Makro- und Mikrohämaturie unterteilt. Bei einer Makrohämaturie ist die Blutbeimengung sichtbar, während sich eine Mikrohämaturie nur durch Labortests feststellen lässt.
  • Mögliche Ursachen: Die Ursache werden grob in drei Bereiche eingeteilt. So kann die Blutungsquelle hinter der Niere (postrenal), in der Niere (renal) oder außerhalb des Nierenbereichs (prärenal) liegen. Zahlreiche Erkrankungen können Blutbeimengungen im Urin bedingen.
  • Diagnose: Urintest, Bluttest, Röntgen, Blasenspiegelung, CT, MRT, Ultraschall, Prostatauntersuchung.
  • Therapie: Die Behandlung hängt stark von der Ursache ab. Häufiger kommen Antibiotika zum Einsatz. Manche Ursachen erfordern auch spezielle Diäten oder Ernährungsformen.
  • Prävention: Körperliche Bewegung, gesunde Ernährung, Entspannungsübungen und Stressabbau, nicht rauchen, wenig Alkohol trinken, Übergewicht abbauen, viel zuckerarme Flüssigkeit trinken.
  • Naturheilkunde zur Unterstützung: Eigenbluttherapie, Homöopathie, Phytotherapie, Akupunktur, Fußreflexzonenmassage.

Definition

Als Hämaturie (Blut im Urin) wird die krankhafte Ausscheidung roter Blutkörperchen (Erythrozyten) mit dem Urin bezeichnet. Da eine geringe Menge Blut auch im Harn von Gesunden zu finden ist, besteht eine Hämaturie erst, wenn pro Mikroliter Urin mehr als fünf bis zehn rote Blutkörperchen vorkommen. Blutiger Urin kann, muss jedoch nicht, mit weiteren Symptomen wie zum Beispiel Schmerzen und Beschwerden beim Wasserlassen verbunden sein. Je nach der enthaltenen Blutmenge wird die Hämaturie in Makro- und Mikrohämaturie eingeteilt.

Makrohämaturie

Bei einer Makrohämaturie ist das Blut sofort erkennbar, was viele Patienten recht stark schockiert. Jedoch ist auch dies nicht sofort ein Hinweis auf eine bestimmte Erkrankung, sondern muss abgeklärt werden. Eine Makrohämaturie entsteht zum Beispiel durch:

  • Nierensteine,
  • Tumore der Harnwege oder der Nieren,
  • Tuberkulose des Urogenitaltraktes,
  • Zystennieren,
  • Blasenentzündungen,
  • hämorrhagische Diathese (erhöhte Blutungsneigung),
  • Traumata (zum Beispiel durch Katheterisierung),
  • Endometriose (Erkrankung der Gebärmutterschleimhaut).
Blut im Urin muss im Labor untersucht werden.
Blut im Urin muss ärztlich überprüft werden. (Bild: angellodeco/fotolia.com)

Mikrohämaturie

Bei einer Mikrohämaturie ist das Blut im Urin nicht mit dem bloßen Auge sichtbar, sondern wird bei einer mikroskopischen Untersuchung oder mit Hilfe eines Teststreifens entdeckt. Dabei kann es sich durchaus um einen Zufallsbefund handeln, bei dem die Betroffenen keine Symptome verspüren. Eine Mikrohämaturie kann bei allen erwähnten Ursachen für eine Makrohämaturie auftreten und darüber hinaus bei:

  • Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung),
  • interstitieller Nephritis (Entzündung der Nieren mit Beteiligung der Harnkanälchen und des umliegenden Bindegewebes),
  • mechanischer Belastung (beziehungsweise Überlastung),
  • Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenkörperchen).

Wie gelangt das Blut ins Urin?

Durch ein Abfiltrieren des Blutes entsteht in den Nieren der Harn. Dieser wird konzentriert über die Harnleiter zur Harnblase und von dort aus über die Harnröhre nach außen abgegeben. Diese Flüssigkeit enthält normalerweise keine Blutbestandteile, doch können verschiedene Erkrankungen dazu führen, dass Blutrückstände mit dem Harn abgegeben werden. Eine rötliche Verfärbung des Urins muss jedoch nicht zwangsläufig durch Blut entstanden sein. Manche Lebensmittel wie Rote Beete oder Heidelbeeren können vorübergehend Farbspuren im Harn hinterlassen. In diesem Fall sollte nach ein paar Toilettengängen das Problem behoben sein. Ist tatsächlich Blut im Urin kann eine mitunter schwere Erkrankung zugrunde liegen, die dringend ärztlich abgeklärt werden sollte. Mögliche Ursachen werden im Folgenden erläutert.

Mögliche Blutungsquellen

Blutiger Urin, in Form von sogenannten Koageln (spezielle Form der Blutgerinnsel), tritt mitunter auf, wenn sich die Blutungsquelle hinter der Niere (medizinisch: postrenal) befindet. Ein Beispiel hierfür wäre die Blase als postrenale Quelle. Liegt die Ursache in der Niere selbst, spricht man von einer renalen Hämaturie. Weitere Quellen können sich auch außerhalb des urologisch-nephrologischen Bereichs befinden. Diese vor der Niere liegenden Ursachen werden medizinisch als prärenale Hämaturie bezeichnet. Dies ist bei gynäkologischen Blutungsherden oder bei einer erhöhten Blutungsneigung der Fall.

Wenn im Urin Blut enthalten ist, stellt dies für viele Betroffene ein Schock dar. Oft sind die Ursachen allerdings gut therapierbar. Ein Besuch beim Arzt sollte dennoch nicht auf die lange Bank geschoben werden. (Bild: demphoto/fotolia.com)

Blut-ähnliche Rückstände im Urin

Ob sich wirklich Blut im Urin befindet, lässt sich mit bloßem Auge nicht unbedingt klären. Es kann sich zum Beispiel ebenso um eine sogenannte Hämoglobinurie handeln. Dabei befinden sich nicht die Erythrozyten (rote Blutkörperchen) im Urin sondern Hämoglobin (roter Blutfarbstoff). Dies kann bei bestimmten Formen der Blutarmut oder bei Autoimmunkrankheiten der Fall sein.

Marsch-Hämoglobinurie

Eine besondere Form der Hämoglobinurie ist die Marsch-Hämoglobinurie. Dies ist eine Erkrankung, die in erster Linie Menschen betrifft, die sich massiv körperlich betätigen. Das Hämoglobin wird aus den Blutkörperchen regelrecht „abgepresst“ und landet daher im Urin. Im Normalfall ist dies harmlos, sollte jedoch mit einem Arzt abgeklärt werden.

Porphyrie und Myoglobinurie

Ein rot gefärbter Harn kann ebenso bei einer sogenannten Porphyrie entstehen. Dies ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der die Herstellung des roten Blutfarbstoffes gestört wird. Auch eine Myoglobinurie kann den Urin rot färben. Das Myoglobin ist der Sauerstoff bindende Muskelfarbstoff. Bei Muskelverletzungen kann dieser in die Blutbahn und schließlich auch in den Harn geraten und diesem eine rötliche Farbe geben. Das ist zum Beispiel beim Leistungssport oder aber durch den Untergang beziehungsweise das Absterben von Muskulatur bei einem Myokardinfarkt möglich.

Die Nieren als Ursache

Wie oben bereits erwähnt, handelt es sich um eine renale Hämaturie, wenn die Ursache der Blutung in der Niere selbst liegt. Einige Erkrankungen im Nierenbereich können für Blut im Urin verantwortlich sein. Dazu zählen:

  • Nierenbeckenentzündungen,
  • Nierensteine,
  • Nierenentzündung,
  • Nierentuberkulose,
  • Nierenvenenthrombose,
  • Niereninfarkt,
  • Zystennieren,
  • Verletzungen der Nieren,
  • Nierentumore,
  • Nierenpapillennekrose.
Nicht selten sind Erkrankungen der Nieren die Ursache für blutiges Urin. (Bild: benschonewille/fotolia.com)

Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)

Die Nierenbeckenentzündung (medizinisch Pyelonephritis) zählt zu den häufigsten Nierenerkrankungen. Meist entsteht diese durch aufsteigende Bakterien aus der Harnblase. Zu den Symptomen zählen Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen, Nierenschmerzen, Rückenschmerzen, Flankenschmerzen und eine Hämaturie.

Nierensteine

Bestimmte Inhaltsstoffe des Harns können, wenn von ihnen zu viele vorhanden sind, auskristallisieren und sich daraus Steine entwickeln. Zusätzlich spielen weitere Komponenten wie Trinkmenge und ph-Wert des Urins eine Rolle. Bakterien begünstigen das Entstehen von Nierensteinen. Die damit verbundenen Symptome sind, wenn eine akute Nierenkolik eintritt, massive krampfartige Schmerzen, die in den Rücken und den Genitalbereich ausstrahlen können. Hinzu kommen Dysurie (Probleme und/oder Schmerzen beim Wasserlassen), Blut im Urin, Übelkeit und Erbrechen.

Nierenentzündung

Bei einer Nierenentzündung ist das sogenannte Glomeruli entzündet. Das ist ein Gefäßknäuel in der Nierenrinde, welches an der Blutfilterung beteiligt ist. Hier wird die erste Stufe des Harns gebildet. Ausgelöst wird eine Nierenentzündung beispielsweise durch bakterielle Infektionen oder entzündliche Vorgänge infolge von Autoimmunkrankheiten wie Lupusnephritis. Des Weiteren können auch allergische Reaktionen für Entzündungen der Harnkanäle mitsamt des umliegenden Gewebes verantwortlich sein. Anzeichen einer Nierenentzündung sind:

Nierentumor

Ein gutartiger Nierentumor ist eher selten. Meist werden diese per Zufallsbefund festgestellt, da sie wenig bis gar keine Beschwerden bereiten. Große Blutgefäßgeschwülste der Niere, bei denen die Gefahr besteht zu bluten, werden operativ entfernt. Auch das bösartige Nierenzellkarzinom ist für die Betroffenen oft lange Zeit symptomfrei. Dies hat leider zur Folge, dass der Tumor oft erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt wird. Klassische Symptome sind Mikro- oder Makrohämaturie, die zunächst völlig schmerzlos verlaufen und Schmerzen im Nierenlager oder in der Flanke.

Das Bild zeigt die Anatomie der Nieren und die verschiedene Stadien eines Nierentumors. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Nierentuberkulose

Eine Tuberkulose kann nicht nur die Lunge befallen, sondern auch andere Organe wie die Niere betreffen. Diese sogenannte extrapulmonale Tuberkulose macht sich nicht nur in der Niere, sondern meist im gesamten Urogenitaltrakt breit. Die Betroffenen leiden in der Regel nicht übermäßig unter der Erkrankung. Erhöhte Temperaturen (37,1 °C bis 37,9 °C; Temperaturen unmittelbar unterhalb der Fiebergrenze), Dysurie und Hämaturie sind mögliche Symptome. Allerdings können die Tuberkuloseerreger auch nach einer ausgeheilten Erkrankung noch jahrelang im Körper überleben und für einen erneuten Ausbruch sorgen.

Nierenvenenthrombose

Wenn sich in der Nierenvene ein Blutgerinnsel bildet, das groß genug ist, um den Blutstrom zu behindern, liegt eine Nierenvenenthrombose vor. Entzündungen, Diabetes, Tumore sowie Verletzungen können die Bildung solcher Gerinnsel fördern. Nicht selten bleibt eine Nierenvenenthrombose lange symptomfrei. Mitunter kann es zu Schmerzen in den Flanken, Fieber und Hämaturie kommen.

Niereninfarkt

Bei einem Niereninfarkt verstopft ein Blutgerinnsel die Nierenarterie. Das betroffene Nierengewebe wird unterversorgt und stirbt ab. Je nach Ausmaß, verläuft diese Erkrankung asymptomatisch oder aber verursacht massive Schmerzen in Bauch und Flanken, Abwehrspannung, Blut im Urin, Fieber und Anurie (die Ausscheidungsmenge von Urin ist kleiner als 100ml/Tag). Die Ursachen für einen solchen Infarkt können unterschiedlicher Natur sein. Oft löst sich ein Blutpfropfen von einem Blutgerinnsel am Herzen und wird über die Blutbahn in die Niere gespült, wo er hängen bleibt und die Arterie zusetzt. Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), Verletzungen, Operationen oder Gefäßentzündungen gelten als Risikofaktoren.

Zystennieren

Eine einfache Zyste in der Niere bedeutet meist kein Problem. Bei Vorliegen einer sogenannten Zystenniere, die im Gegensatz zur einfachen Zyste erblich bedingt ist, können diese, mit Flüssigkeit gefüllten verkapselten Geschwülste, die Funktion der Nieren erheblich einschränken. Die Zysten sind zahlreicher und erreichen Durchmesser von mehreren Zentimetern. Sie sind häufige Entzündungsherde und verdrängen zunehmend gesundes Nierengewebe. Dies kann bis zu einem kompletten Nierenversagen führen. Zystennieren verursachen Symptome wie:

Verletzungen der Niere

Bei der Einwirkung von stumpfer Gewalt muss nicht zwingend Blut im Urin vorhanden sein. Jedoch sind Nierentraumata mit teilweise massiven Schmerzen, einer Abwehrspannung und eventueller Schocksymptomatik verbunden.

Nieren und Blase sind eng miteinander verknüpft, so dass sich Erkrankungen der Niere oft auch durch Veränderungen im Urin bemerkbar machen. (Bild: Adiano/fotolia.com)

Nierenpapillennekrose

In den Nieren wird das Nierenmark von Gängen gebildet. Hier findet das Filtern des Harns statt. Die Gänge laufen in sogenannten Papillen zusammen, die dann wiederum im Nierenbecken enden. Durch Entzündungen können die Papillen absterben beziehungsweise nekrotisieren. Diabetes mellitus, Blutarmut in Form einer Sichelzellanämie oder auch Schmerzmittelmissbrauch können zu den entzündlichen Vorgängen führen. Bei dieser Erkrankung leiden die Betroffenen unter Schmerzen in den Flanken, Fieber und Blut im Urin.

Harnblase und Harnwege als Ursache

Häufig sind die Harnwege oder die Harnblase die Blutungsquelle. Verschiedene Erkrankungen in diesem Bereich können für das Blut im Urin verantwortlich sein. Zu diesen zählen beispielsweise:

  • Blasenentzündungen,
  • Blasensteine,
  • Harnleitersteine,
  • Divertikel,
  • Blasen-Bilharziose,
  • Harnblasentumore.

Blasenentzündung

Eine durchaus verbreitete Ursachen ist die Blasenentzündung (Zystitis) beziehungsweise der sogenannte Harnwegsinfekt. Aus dem Darm können Erreger über die Harnröhre die Harnblase erreichen. Frauen sind davon wesentlich häufiger betroffen, da Darm und Harnröhrenöffnung nicht weit voneinander entfernt sind und die weibliche Harnröhre noch dazu recht kurz ist. Unterstützt wird das Entstehen einer Blasenentzündung durch Abflussstörungen, bei Frauen durch häufigen Geschlechtsverkehr und auch durch das Legen eines Katheters. Weitere Auslöser sind Nässe, Kälte, Menstruation und die hormonelle Veränderung in den Wechseljahren.

Symptome eines Harnwegsinfekts

Symptome bei einem Harnwegsinfekt sind häufiger Harndrang (Pollakisurie), Beschwerden beim Wasserlassen (Dysurie) und ständiger schmerzhafter Harndrang (Tenesmen). Auch Blut im Urin kann hinzukommen. Sind Fieber und ein schlechtes Allgemeinbefinden zu beobachten, sind meist schon die oberen Harnwege mitbetroffen.

Blasen- und Harnleitersteine

Blasensteine und Harnleitersteine können ebenfalls zu Rückständen von Blut im Urin führen. Die Steine entstehen dadurch, dass Mineralsalze, die normalerweise gelöst im Harn vorkommen, ausgefällt werden und kristallisieren. Ursachen dafür sind Abflusshindernisse, wie zum Beispiel eine vergrößerte Prostata oder eine zu enge Harnröhre. Entzündungen begünstigen das Entstehen von Blasen- oder Harnsteinen zusätzlich. Auch Restharnbildung und Ausstülpungen in der Blasenwand und das Vorliegen von Diabetes mellitus und Gicht können zur Bildung von Harn- und Blasensteinen führen. Bei den Betroffenen zeigen sich Hämaturie, häufiger Harndrang und sogenanntes Harnstottern (das Wasserlassen erfolgt mit Unterbrechungen).

Auch Blasen- und Harnleitersteine können die Ursache für Blut im Urin sein. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Divertikel

Bei Blasendivertikeln handelt es sich um sackartige Ausbuchtungen an der Blasenwand oder der Harnröhreninnenwand. Diese sind zum Teil erblich bedingt, können aber auch infolge einer Blasenentleerungsstörung, verengter Harnröhre oder vergrößerter Prostata entstehen. Die Divertikel führen häufig zu Schmerzen beim Wasserlassen, erhöhtem Harndrang und manchmal auch zu blutigem Urin.

Blasen-Bilharziose

Die Blasen-Bilharziose (Schistosomiasis) ist eine Infektionskrankheit, die durch Saugwürmer ausgelöst wird. Die Saugwurm-Larven befinden sich in Gewässern, vorwiegend in tropischen Gebieten. Aber auch hierzulande sind sie gelegentlich in Badeseen vorzufinden. Gelangen sie in den menschlichen Organismus, lassen sie sich in der Blasenwand nieder. Dabei kann es zu Symptomen wie juckendem Hautausschlag, Durchfall, Fieber, Husten, Schmerzen beim Wasserlassen und Blut im Urin kommen. Außerdem sind Wucherungen der Blasenschleimhaut möglich, woraus sich eine sogenannte Präkanzerose entwickeln kann.

Harnblasentumoren

Egal ob gut- oder bösartig, bei beiden Harnblasentumoren ist eine schmerzlose Hämaturie das Leitsymptom. Das Harnblasenpapillom ist ein gutartiger Tumor, mit dem ein geringes Entartungsrisiko verbunden ist. Das Harnblasenkarzinom hingegen ist eines der häufigsten Karzinome des Harntrakts. Männer sind davon eher betroffen als Frauen. Bei den Blasenpapillomen (gutartige Tumore der Blasenschleimhaut) leiden die Betroffenen neben der Hämaturie eventuell unter rezidivierenden Blasenentzündungen. Blut im Urin und Symptome, ähnlich denen bei einer Zystitis, begleiten das Blasenkarzinom. Später kommen Flankenschmerzen und eine Lymphstau der unteren Extremitäten hinzu (siehe Dicke Beine).

Nur bei Männern auftretende Ursachen

Die folgenden Erkrankungen, die für blutigen Urin verantwortlich sein können, betreffen die männlichen Geschlechtsorgane und können somit nur bei Männern auftreten. Hierzu zählen beispielsweise:

  • Prostatakrebs,
  • Prostatitis,
  • Samenblasenentzündung,
  • Prostatavarizenblutung.
Ein Prostatakarzinom bleibt oft lange Zeit unentdeckt. Häufig ist Blut im Urin der einzige Hinweis aud diesen bösartigen Tumor. (Bild: PATTARAWIT/fotolia.com)

Prostatakrebs

Dieser bösartige Tumor ist schwer zu erkennen, da er sich über einen langen Zeitraum entwickelt und die Betroffenen vorerst beschwerdefrei sind. Da eine frühe Erkennung sehr wichtig für eine erfolgreiche Behandlung ist, sollten Männer Frühwarnungen für Prostatakrebs ernst nehmen. Blut im Urin gilt als ein Frühwarnzeichen für ein Prostatakarzinom. Des Weiteren können Veränderungen beim Wasserlassen auftauchen wie beispielsweise häufigere Toilettengänge, ein plötzlicher Drang, die Blase zu entleeren oder Startschwierigkeiten beim Urinieren. Spätere Symptome sind Blut im Sperma, Schmerzen im Beckenbereich sowie Erektionsstörungen.

Prostata- und Samenblasenentzündung

Bei einer sogenannten Prostatitis handelt es sich um eine chronische oder akute Entzündung der Prostata. Dies geschieht beispielsweise, wenn sich Erreger über die Harnwege ausbreiten und so in die Prostata gelangen. Jüngere Männer mit häufigen Sexualkontakten gelten als Risikogruppe. Fieber, Beschwerden beim Wasserlassen, Ausfluss aus dem Penis und eventuell auch Blut im Urin sind Anzeichen für eine Prostataentzündung. Infolge einer solchen Entzündung kann es auch zu einer Samenblasenentzündung kommen, bei der es zusätzlich zu Symptomen wie Schmerzen nach dem Sex, Unterleibsschmerzen und Blut im Sperma kommen kann.

Prostatavarizenblutung

Varizen sind Krampfadern, die sich auch aus Prostatavenen bilden können, wenn sich diese krankhaft erweitern. Solche Varizen können für Hämaturie sorgen, ohne dass weitere Schmerzen oder Harnwegsbeschwerden auftreten.

Prostataerkrankungen können für Blut im Urin verantwortlich sein.
Prostataerkrankungen können für Blut im Urin verantwortlich sein. (BIld: Henrie/fotolia.com)

Nur bei Frauen auftretende Ursache (Endometriose)

Blutreste können bei Frauen während einer normalen Regelblutung ins Urin gelangen. Beim Wasserlassen wird das Regelblut teilweise vom Harnfluss erfasst und weggespült, wodurch sich der Urin verfärben kann. Es gibt aber auch eine Erkrankung, die speziell bei Frauen für Blut im Urin verantwortlich sein kann. Bei einer Endometriose wuchert die Gebärmutterschleimhaut an Stellen im Körper, wo sie eigentlich nicht sein soll, so zum Beispiel in der Blase. Infolgedessen kann es zu Beschwerden wie

System- und Autoimmunkrankheiten

Bei Systemerkrankungen sind mehrere Organe oder Körperregionen in einen Krankheitsprozess eingebunden. Bei Autoimmunerkrankungen wird der Körper von den eigenen Abwehrmechanismen angegriffen. Viele dieser Prozesse gelten noch als nicht ausreichend verstanden. Eine Hämaturie kann infolge mancher System- und Autoimmunkrankheiten auftreten. Beispielsweise bei:

  • Panarteriitis nodosa,
  • Lupusnephritis,
  • Purpura-Schoenlein-Henoch,
  • Granulomatose mit Polyangiitis,
  • Goodpasture-Syndrom.

Panarteriitis nodosa

Bei dieser seltenen Gefäßerkrankung sind Arterien verschiedener Organe mitsamt des umliegenden Gewebes entzündet. Wenn die Nieren betroffen sind, kann es zu Blut im Urin, Bluthochdruck und geschwollenen Beinen kommen.

Lupusnephritis

Bei dieser Autoimmunerkrankung greifen körpereigene Abwehrkräfte die Haut und mehrere innere Organe an. Charakteristisch für die Erkrankung sind die auffälligen Hautausschläge im Gesicht. Werden die Nieren durch diese Autoimmunkrankheit angegriffen, so können auch Blut im Urin, Schwellungen, Flankenschmerzen und Veränderungen beim Urinieren auftreten.

Viele Autoimmun- und Systemerkrankungen wie Panarteriitis nodosa, Lupusnephritis, Purpura-Schoenlein-Henoch, Granulomatose mit Polyangiitis oder das Goodpasture-Syndrom können Ursache des blutigen Urins sein. (Bild: Zerbor/fotolia.com)

Purpura-Schoenlein-Henoch

Diese Gefäßkrankheit ist gekennzeichnet durch Beschwerden an vielen kleinen Gefäßen in unterschiedlichen Körperregionen. Im Krankheitsverlauf können auch die Nieren betroffen sein. Dies kann sich durch Blut im Stuhl, Blut im Urin, Bluthochdruck und Bauchschmerzen äußern.

Granulomatose mit Polyangiitis

Die Granulomatose mit Polyangiitis war früher unter dem Namen Wegener Granulomatose bekannt und gehört zu den entzündlich-rheumatischen Krankheiten. Anfänglich zeichnet sich die Erkrankung durch wiederholten Schnupfen, Nasennebenhöhlenentzündungen, Ohrenschmerzen, Schwerhörigkeit und Kopfschmerzen aus. Wenn es im Verlauf der Krankheit zu Gewebsveränderungen in der Niere kommt, zeigen sich häufig auch Ödeme, Hämaturie und Flankenschmerzen.

Goodpasture-Syndrom

Chronische Blutentzündungen sind charakteristisch für diese Autoimmunerkrankung, die vorwiegend die Lunge und die Nieren betrifft. Blut im Urin, Husten mit blutigem Auswurf und Atemnot sind Anzeichen eines solchen Syndroms.

Medikamente als Blutungsursache

Neben den dargestellten Erkrankungen kommen auch Medikamente als Auslöser der Blutrückstände im Urin in Betracht, insbesondere wenn die in hoher Dosierung und/oder über einen langen Zeitraum eingenommen werden. Zu diesen zählen zum Beispiel

  • Blutgerinnungshemmer,
  • Antibiotika wie Penicilline, Cefalosporine, Aminoglykoside oder Gyrasehemmer,
  • Schmerzmittel wie Paracetamol,
  • andere nichtsteroidale Antirheumatika.

Sichelzellanämie

Die Sichelzellanämie führt durch die Zerstörung der Erythrozyten zu einer hämolytischen Anämie. Durch den Verschluss kleiner Arterien leiden die Betroffenen unter Durchblutungsstörungen mit starken Schmerzen in multiplen Organgebieten. Ebenso ist eine Makrohämaturie möglich.

Der Urologe wird in der Regel nach dem Patientengespräch und einer körperlichen Untersuchung einen Urintest durchführen. (Bild: Lothar Drechsel/fotolia.com)

Gang zum Arzt unumgänglich

Ein Großteil der zugrundeliegenden Ursachen für blutigen Urin sind gut therapierbar. Betroffene sollten deshalb die Ruhe bewahren und einen Arzt aufsuchen, wenn sie entsprechende Verfärbungen feststellen. Eventuell wird ein Facharzt für Urologie hinzugezogen. Nach einer ausführlichen Anamnese, in der die Patienten berichten, wie stark der Urin gefärbt ist und welche zusätzlichen Symptome vorhanden sind, werden weitere Untersuchungen folgen.

Diagnose

Nach einem ausführlichen Patientengespräch stehen dem Arzt eine Reihe von Diagnosemöglichkeiten zur Verfügung. In den meisten Fällen werden zunächst eine körperliche Untersuchung sowie ein Urin- und eventuell ein Bluttest durchgeführt. Weitere Diagnosemöglichkeiten sind Röntgen, Blasenspiegelung, CT und MRT. Urologen nutzen häufig Ultraschalltechniken, um die Nieren und die Blase zu untersuchen. Bei Männern wird oft auch die Prostata begutachtet.

Therapie

Die jeweilige Ursache für den blutigen Urin bestimmt maßgeblich, welche Therapien eingesetzt werden. Die Behandlungen richtet sich nach der vorliegenden Erkrankung. So wird zum Beispiel bei einer Blasenentzündung häufig ein Antibiotikum eingesetzt. Den Patienten wird empfohlen, genügend zu trinken, damit eventuelle Erreger ausgeschwemmt werden können. Spezielle Blasen-Nierenteemischungen sind hier geeignet. Mitunter können auch bestimmte Diäten und Ernährungsformen während oder nach der Therapie erforderlich werden.

Prävention

Erkrankungen der Niere können die Ursache sein. Diabetiker neigen dazu, Nierenerkrankungen zu entwickeln. Eine gesunde Lebensweise ist hier präventiv wichtig. Dazu gehören körperliche Bewegung, Entspannungsübungen und eine gesunde Ernährung. Rauchen und Alkohol sind absolut kontraproduktiv, beides sollte unterlassen werden. Auch möglicherweise bestehendes Übergewicht oder Adipositas sollte abgebaut werden.

Diese Präventionsmaßnahmen können dazu beitragen, dass es gar nicht erst zu Hämaturie kommt. Naturheilkundliche Unterstützung kann ebenfalls bei der Vermeidung und Heilung vieler zugrunde liegender Erkrankungen helfen. (Bild: prockopenko/fotolia.com/heilpraxis.de)

Viel und regelmäßig trinken

Generell ist die Flüssigkeitszufuhr wichtig, damit sich eventuelle Keime erst gar nicht niederlassen, sondern gleich nach außen befördert werden. Kälte im Unterleib und kalte Füße sollten vermieden werden. Beides kann Entzündungen im Urogenitaltrakt begünstigen. Liegt eine Herzerkrankung vor, ist die Trinkmenge mit dem Arzt abzusprechen.

Naturheilkunde bei Blut im Urin

Ein Patient mit Blut im Urin, gehört, wie bereits erwähnt, unbedingt in eine Arztpraxis. Jedoch kann bei unkritischen, harmlosen Entzündungen im Harntrakt – begleitend zur schulmedizinischen Behandlung – die Naturheilkunde die Genesung fördern. Gerade, wenn die Betroffenen zu wiederkehrenden Infekten neigen, kann beispielsweise mit Hilfe der naturheilkundlicher Therapien die Abwehr gestärkt werden. Dazu dienen die Eigenbluttherapie, spezielle Ausleitverfahren, die klassische Homöopathie und Ansätze der Phytotherapie, die das Immunsystem stärken. Um Blase und Niere zu stärken kommen in der Naturheilpraxis auch Therapien, wie Akupunktur und die Fußreflexzonenmassage zum Einsatz. Geeignet Kräuter, richtig verabreicht, runden die ganzheitliche Behandlung ab. (sw, vb aktualisiert am 04.08.2018)