Eigenbluttherapie – Anwendung, Nutzen und Durchführung

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Was versteht man unter Eigenbluttherapie?

Für eine Eigenbluttherapie entnimmt die Behandlerin oder der Behandler etwas Blut aus einer Vene. Anschließend wird es direkt wieder unter die Haut oder in einen Muskel gespritzt. Alternativ wird das Blut nach der Entnahme zunächst mit verschiedenen Substanzen versetzt oder homöopathisch aufbereitet, bevor es wieder in den Körper eingebracht wird. Dies kann durch eine Injektion (Spritze), zum Teil aber auch über eine orale Einnahme erfolgen.


Die Eigenbluttherapie oder auch Eigenblutbehandlung wurde zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts vom Chirurgen August Bier in Deutschland erstmalig dokumentiert. Bier setzte sie ein, weil er meinte, damit die Heilung von Knochenbrüchen beschleunigen zu können. Die Eigenblutbehandlung gehört zu den Reiztherapien. Diese werden den alternativmedizinischen Verfahren zugeordnet. Bei dieser Art der Therapie wird mit verschiedenen Reizen gearbeitet, denen der Körper ausgesetzt wird, zum Beispiel in Form von Wärme, Kälte oder homöopathischen Mitteln. Dies soll die Selbstheilungskräfte anregen.

Bei der Eigenbluttherapie besteht der zugeführte Reiz in einer winzig kleinen Menge eigenen Blutes. Da das Blut kurze Zeit außerhalb des Körpers war und sich
einige Blutbestandteile dadurch verändert haben, erkennt der Körper es nicht mehr als körpereigenen Bestandteil, sondern behandelt es wie einen fremden Stoff. So sollen verschiedene Reaktionen angestoßen werden, die schließlich zu einer Heilung führen sollen. Die Eigenbluttherapie wird unter anderem bei Pollenallergie und Heuschnupfen, Neurodermitis sowie akuten oder chronischen Entzündungen eingesetzt.

Arzt hlt Spritze in der Hand mit Blut
Zuvor abgenommenes Blut wird dem Patienten bzw. der Patientin bei der Eigenbluttherapie reinjiziert. (Bild: pixelstore/fotolia.com)

Wichtiger Hinweis: Die Eigenbluttherapie darf nur von Ärztinnen oder Ärzten sowie Heilpraktikerinnen oder Heilpraktikern angewendet werden. Befragen Sie im Zweifel Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt, ob eine Eigenblutbehandlung in Ihrem Fall ratsam ist und ob es möglicherweise gesundheitliche Aspekte gibt, die dagegen sprechen.


Arten der Eigenbluttherapie

Bei der Eigenbluttherapie gibt es verschiedene Methoden der Ausführung. Bei den meisten wird zunächst eine kleine Menge Blut aus der Armvene entnommen. Anschließend wird dieses Blut dem Körper entweder unbehandelt oder auf unterschiedliche Weisen behandelt wieder zugeführt. Dies geschieht meist intramuskulär (das Blut wird in einen Muskel gespritzt) oder subkutan (das Blut wird direkt unter die Haut gespritzt). Die verbreitetsten Anwendungsarten stellen wir Ihnen nachfolgend kurz vor.

Unverändertes Eigenblut

Für die Behandlung mit unverändertem Eigenblut wird eine kleine Menge Venenblut entnommen und dem Körper gleich anschließend wieder zugeführt. Dies erfolgt zumeist in Form einer muskulären Injektion (intramuskulär); häufig wird dafür zum Beispiel der Gesäßmuskel genutzt. Normalerweise liegt bei der ersten Behandlung die entnommene Blutmenge bei 0,5 Milliliter bis zu einem Milliliter. Bei den folgenden Behandlungen kann die Blutmenge langsam auf bis zu fünf Milliliter erhöht werden.

Eigenbluttherapie mit verschiedenen Zusätzen

Hierbei werden dem Blut verschiedene Zusätze beigefügt, bevor es dem Körper wieder zugeführt wird.

Beispielsweise kann man dem Blut ein homöopathisches Mittel zufügen. Die Wahl des Mittels ergibt sich aus der Ausgangslage des Patienten oder der Patientin und der gewünschten Heilwirkung. So wird zum Beispiel zur Stärkung des Immunsystems häufig Echinacea (Sonnenhut) in Form einer homöopathisch aufbereiteten Injektionslösung verwendet.

Die Echinacea-Pflanze, auch Sonnenhut genannt, enthält Wirkstoffe, die das Immunsystem stärken. (Bild: PhotoElite/fotolia.com)

Weitere Zusätze, die dem Blut zugefügt werden können, sind Sauerstoff oder Ozon. Dies soll beispielsweise bei Durchblutungsstörungen hilfreich sein.

Potenziertes Eigenblut (Eigenblutnosode)

Bei dieser Form der Eigenbluttherapie wird dem Patienten oder der Patientin ein Tropfen Blut entnommen. Dieser wird anschließend nach homöopathischen Vorschriften potenziert. Die Lehre der Homöopathie geht davon aus, dass ein Ausgangsstoff umso stärker wirkt, je stärker er verdünnt wurde. Durch Verdünnung und Verschüttelung erreicht man eine Potenzierung des Ausgangswirkstoffes, also eine aus homöopathischer Sicht gesteigerte Wirksamkeit.

Bei einer D-Potenz wird im Verhältnis 1:10 verdünnt, bei einer C-Potenz erfolgt die Verdünnung im Verhältnis 1:100. So gibt man zum Beispiel zu einem Tropfen Blut zehn Tropfen Alkohol, verschüttelt beides zehn Mal miteinander und erhält dadurch die Potenz D1. Von dieser hergestellten Lösung wird wieder ein Tropfen genommen, wiederum in zehn Tropfen Alkohol gegeben und zehn Mal durchgeschüttelt. Dies ergibt die Potenz D2 und so weiter. Um C-Potenzen zu erhalten, würde man entsprechend jedes Mal mit hundert Tropfen Alkohol verschütteln, bis die gewünschte Potenz erreicht ist.

Die Wahl der geeigneten Potenz richtet sich nach Art der Krankheit und gesundheitlicher Ausgangslage des Patienten oder der Patientin und gehört in die Hände einer in der Homöopathie erfahrenen Therapeutin beziehungsweise eines erfahrenen Therapeuten.

Das potenzierte Eigenblut wird oral eingenommen und nicht mit einer Spritze verabreicht. Daher kommt es vor allem bei Kindern zum Einsatz oder zum Beispiel bei Menschen, die Angst vor Spritzen haben.

Hinweis: Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker dürfen in Deutschland aus rechtlichen Gründen homöopathische Mittel nicht selbst herstellen. Dazu zählt auch die Anfertigung einer Eigenblutnosode. Diese darf ausschließlich von einem autorisierten Hersteller angefertigt werden.

Hämolysiertes Eigenblut

Bei dieser Anwendungsform der Eigenbluttherapie werden die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im entnommenen Blut zersetzt, bevor es dem Körper wieder zugeführt wird. Dies wird durch die Zugabe von sterilem, destilliertem Wasser erreicht.

Verabreichung an Akupunktur- oder Schmerzpunkten

Manche Behandlerinnen und Behandler wählen je nach Krankheitsbild bestimmte Punkte am Körper, in die sie das Eigenblut nach der Entnahme wieder injizieren. Dies können bekannte Akupunkturpunkte sein oder Stellen, an denen eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit besteht.

Manche Behandlerinnen und Behandler nutzen Akupunkturpunkte, um dort das Eigenblut zu injizieren. (Bild: Björn Wylezich/fotolia.com)

Wie wirkt die Eigenbluttherapie?

Einen wissenschaftlichen Beleg für die Wirksamkeit der Behandlung mit Eigenblut gibt es bislang nicht. Dies trifft auf viele alternativmedizinische Verfahren zu, bedeutet jedoch nicht, dass diese Therapien tatsächlich wirkungslos sind. Es heißt lediglich, dass bisher keine von der Schulmedizin akzeptierten Nachweise für ihre Heilwirkung vorliegen.

Ein Erklärungsansatz für die mögliche Wirkung der Eigenbluttherapie ist der folgende: Ganz gleich, ob oral eingenommenes oder gespritztes Eigenblut, durch beide Varianten wird der Körper kleinsten Reizen ausgesetzt. Bei der Injektion von Eigenblut entsteht an der Injektionsstelle ein Bluterguss (Hämatom). Dadurch wird das umliegende Gewebe gereizt und es kommt zu Reaktionen wie leichter Schwellung und Rötung, also einer lokalen Entzündung. Diese kann sich als schwache Infektion auf den gesamten Körper ausdehnen. Das Abwehrsystem reagiert und muss sich mit dem eingedrungenen Reiz, also dem eigenen Blut, auseinandersetzen.

Die Leukozytenzahl erhöht sich dabei, es werden vermehrt Antikörper und Fresszellen (Phagozyten) gebildet, eventuell steigt sogar die Körpertemperatur etwas an. Parallel wird ein Heilungsprozess der eigentlichen Erkrankung eingeleitet. Dies beruht nach Ansicht der Anhängerinnen und Anhänger dieser alternativmedizinischen Therapieform darauf, dass das aktivierte Immunsystem durch die Behandlung so angeregt wird, dass es nicht nur den gesetzten Reiz des nun als fremd erfassten Eigenblutes „bekämpft“, sondern gleichzeitig auch eine ganze Reihe tatsächlicher Erreger wie verschiedene Bakterien und Viren.

Manchmal kann es passieren, dass nach der ersten Injektion oder der oralen Einnahme eine sogenannte Erstverschlimmerung auftritt. Das bedeutet, dass sich die Symptome vorerst verschlimmern, was jedoch rasch ins Gegenteil umschlagen sollte.

Handelt es sich um eine Allergiebehandlung, so wird hier die Eigenbluttherapie als ein sogenanntes Training für das Immunsystem gesehen. Das Immunsystem soll dazu gebracht werden, nicht „überzureagieren“, wie dies bei einer Allergie der Fall ist, sondern wieder eine ganz normale Abwehrleistung hervorzubringen. Bei Behandlung von Pollenallergie und Heuschnupfen sollte darauf geachtet werden, in der beschwerdefreien Zeit mit der Eigenbluttherapie zu beginnen. Zudem empfiehlt es sich, bei jeder Art von Allergie bei der ersten Behandlung die kleinstmögliche Dosis zu verwenden, um zu testen, wie stark die Reaktion des Körpers individuell ausfällt. So kann das Risiko eines allergischen Schocks verringert werden.

Heuschnupfen und Allergien sind Beschwerden, bei denen eine Eigenbluttherapie eingesetzt werden kann. (Bild: mrberlin/Fotolia.com)

Wie häufig sollte die Eigenbluttherapie durchgeführt werden?

Die Dauer und Häufigkeit der Anwendung richtet sich nach dem Krankheitsbild des Patienten oder der Patientin. Bei akuten Erkrankungen soll sich eine häufige Anwendung mit steigender Blutmenge bewährt haben, bei chronischen Erkrankungen soll der Abstand zwischen den Anwendungen größer sein und die injizierte Blutmenge geringer. In manchen Fällen wird täglich Eigenblut verabreicht, in anderen nur etwa alle zwei Wochen. Durchschnittlich werden insgesamt circa acht bis zehn Behandlungen vorgenommen.

Einsatzbereiche

Eigenbluttherapien werden zum Beispiel bei Allergien oder Asthma bronchiale eingesetzt. Auch bei einem geschwächten Immunsystem soll eine Behandlung mit Eigenblut hilfreich sein. Auf Erkrankungen wie Neurodermitis (atopisches Ekzem), Psoriasis (Schuppenflechte), verschiedenen Pilzinfektionen, rheumatische und chronisch entzündliche Prozesse und Durchblutungsstörungen soll der Einsatz der Eigenbluttherapie ebenfalls einen positiven Einfluss haben. Bitte sprechen Sie in jedem Fall mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer behandelnden Ärztin über mögliche Risiken und potentiellen Nutzen, bevor Sie sich für eine Eigenbluttherapie entscheiden.

Wann darf die Eigenbluttherapie nicht angewendet werden?

Die Eigenbluttherapie darf nicht angewendet werden bei Blutgerinnungsstörungen, Venenentzündungen, akuten Blutungen und stark zehrenden Erkrankungen sowie bei der Einnahme von Glukokortikoiden, Blutverdünnungsmitteln oder Immunsuppressiva. Ihr behandelnder Arzt oder Ihre behandelnde Ärztin kann Sie individuell dazu beraten, ob in Ihrem Fall eine Eigenbluttherapie erlaubt und sinnvoll ist. (sw, kh)

Quellen:
Bierbach, Elvira (Hrsg.): Naturheilpraxis heute. Lehrbuch und Atlas. Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, München, 4. Auflage 2009.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.