Was ist Osteopathie?

Was ist Osteopathie? Eine grundsätzliche Erläuterung

In der Osteopathie wird mit den Händen untersucht und behandelt. Damit zählt sie zu den manuellen Therapien. Das Wort Osteopathie leitet sich aus dem Altgriechischen ab, und zwar aus dem Wort „ostéon“ für „Knochen“ und dem Wort „páthos“, was so viel wie „Leiden“ bedeutet.

Die Grundlage für die Entwicklung der Osteopathie erschuf der amerikanische Arzt Andrew Taylor Still vor circa 125 Jahren. Aus Stills Sicht waren viele Medikamente und Operationen der Schulmedizin überflüssig. Er betrachtete sie lediglich als Ausdruck von Hilflosigkeit darüber, dass von einem kranken Menschen und seinem Arzt oder seiner Ärztin kein anderer Weg gefunden werden konnte.

Ins Zentrum seiner neuen Behandlungsmethode stellte Still die selbstregulierenden Kräfte der Natur. Die Osteopathie verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, sieht den Menschen also immer als eine Einheit von Körper, Geist und Seele.

Osteopathie – ein kurzer Überblick

Im folgenden Abschnitt finden Sie grundlegende Informationen zur Osteopathie in Kürze.

  • Was ist Osteopathie? Osteopathie ist eine ganzheitliche Behandlungsmethode, die mit verschiedenen Techniken versucht, die Selbstheilungskräfte anzuregen und Bewegungseinschränkungen in Geweben und Organen aufzuheben.
  • Wirkung: Osteopathie soll Bewegungseinschränkungen aufheben. Die Selbstheilungskräfte sollen dafür gestärkt werden, indem etwa Durchblutung und Abtransport von Lymphflüssigkeit durch die Behandlung gesteigert werden.
  • Anwendungsgebiete: Mögliche Anwendungsgebiete sind vor allem Beschwerden des Bewegungsapparates und daraus resultierende Probleme wie Kopfschmerzen, Nackenschmerzen oder Rückenschmerzen sowie verschiedene gesundheitliche Probleme von Säuglingen wie beispielsweise Säuglingsasymmetrie oder exzessives Schreien. Allerdings ist die Wirkung bislang nicht oder nicht ausreichend durch belastbare Studien belegt.
  • Nebenwirkungen: Bislang sind keine gravierenden Nebenwirkungen bekannt. Nach einer Behandlung kann es zu Müdigkeit oder einer vorübergehenden Verschlimmerung der Beschwerden kommen.
  • Wichtiger Hinweis: Ob Osteopathie bei Ihrem individuellen Beschwerdebild hilfreich sein könnte, klären Sie am besten in einem persönlichen Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer behandelnden Ärztin.
Behandlerin therapiert den Nacken einer Patientin
Nackenbeschwerden sind eine häufige Indikation für einen Besuch beim Osteopathen oder einer Osteopathin. (Bild: andreaobzerova/stock.adobe.com)

Die vier Grundprinzipien der Osteopathie

Die vier Grundprinzipien der Osteopathie lauten:

  1. Der Körper des Menschen funktioniert als Einheit.
  2. Der Körper besitzt Selbstheilungskräfte.
  3. Die Struktur des Körpers und seine Funktion üben eine Wechselwirkung aufeinander aus.
  4. Zu viel Druck oder zu große Spannung in einem Körperbereich kann in einem anderen Körperbereich ebenfalls Druck oder Spannung auslösen.

Osteopathie Wirkung

Ein zentraler Begriff in der Osteopathie ist die „Dysfunktion“, auch „osteopathische Dysfunktion“ oder „Läsion“ genannt. Darunter wird eine Bewegungseinschränkung eines Gewebes verstanden, die ein Osteopath oder eine Osteopathin ertasten kann.

Ziel der Behandlung ist es, diese Bewegungseinschränkung aufzuheben, woran mit Hilfe verschiedener Techniken gearbeitet wird. Damit sollen die Selbstheilungskräfte gestärkt werden, unter anderem, indem die Durchblutung angeregt und der Abtransport von Lymphflüssigkeit gefördert wird.

Verschiedene Formen der Osteopathie

Die Osteopathie ist so vielfältig, dass es schwerfällt, eine einheitliche Definition zu finden. Es gibt viele unterschiedliche Schulen, Behandlungs- und Theorie-Ansätze. Gemein ist allen, dass hauptsächlich mit den Händen behandelt wird.

Das Spektrum der einzelnen Behandlungen ist ebenfalls sehr vielfältig. Manche Behandelnde arbeiten teilweise mit schmerzhaften Techniken, andere sind ganz sanft, sodass man kaum eine Berührung spürt. Osteopathie kann wie Chiropraktik oder Manuelle Therapie sehr „strukturell“ sein, aber auch ganz sanft „wie Handauflegen“ oder Reiki wirken.

Inzwischen gibt es drei grundlegende Behandlungstechniken in der Osteopathie: Die parietale, die viszerale und die kraniosakrale Technik.

Unter dem parietalen System wird in der Osteopathie der Bewegungsapparat mit Knochen, Muskeln, Kapseln und Bändern verstanden. Zur Behandlung von Dysfunktionen im parietalen System werden sogenannte „lange Hebelwirkungen“ genutzt, es wird mit indirekten Manipulations- oder Mobilisationstechniken gearbeitet.

Unter dem viszeralen System versteht man in der Osteopathie die inneren Organe. Diese sollen durch passive Bewegungen des Zwerchfells erreicht werden.

Bei der kraniosakralen (auch „craniosacralen“) Behandlungstechnik wird mit dem „kraniosakralen Rhythmus“ gearbeitet; hier soll vom Schädel (Cranium) bis zum Kreuzbein (Sacrum) ein Pulsieren der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit spürbar sein, der sich über das Bindegewebe in den Körper ausbreitet. Dieser soll durch eine bestimmt Technik harmonisiert werden.

Historische Entwicklung der Osteopathie

Andrew Taylor Still nahm als eine starke Säule die Anatomie, deren Kenntnis natürlich eine große Hilfe beziehungsweise Unterstützung bei der Visualisierung darstellt. Nach dem Studieren zahlreicher philosophischer und naturwissenschaftlicher Konzepte ging er an die Formulierung und praktische Umsetzung seiner Idee. Er gründete 1892 die erste Osteopathie-Schule („American School of Osteopathy“), um dort eine Weiterentwicklung und Verbreitung seiner Methode zu erreichen.

Seit dieser Zeit gab es schon einige direkte Schüler von Still wie William Garner Sutherland oder John Martin Littlejohn, die eigene Wege gingen und die Osteopathie anders als ihr Begründer auffassten und weiter verbreiteten.

Aber auch in der Zeit danach erfuhr die osteopathische Therapie viele Bereicherungen und Abwandlungen der ursprünglichen theoretischen Ansätze und Techniken. Zum Beispiel durch den französischen Osteopathen Jean-Pierre Barral in der Behandlung und Diagnose der Organe und der Thermodiagnose oder das Konzept der Körpersprache und Behandlung auf Faszienebene von dem US-amerikanischen Osteopathen und Notfallmediziner Stephen Typaldos.

In den USA wurde die Osteopathie als Universitätsstudiengang etabliert. Absolventinnen und Absolventen sind berufspolitisch gleichwertig mit Ärztinnen und Ärzten. In Deutschland besteht die am stärksten verbreitete Fortbildung aus fünf Jahren berufsbegleitendem Unterricht. Grundberufe sind Arzt oder Ärztin, Heilpraktikerin oder Heilpraktiker sowie Physiotherapeutin oder -therapeut.

Baby erhält eine osteopathische Behandlung im Nackenbereich
Osteopathie kommt bei verschiedenen typischen Säuglingsbeschwerden häufig zum Einsatz. (Bild: Dmitry Naumov/stock.adobe.com)

Anwendungsgebiete der Osteopathie

Hauptsächlich suchen Menschen mit Beschwerden am Bewegungsapparat heutzutage einen Osteopathen oder eine Osteopathin auf. In erster Linie wegen

Osteopathie für Säuglinge

Eine Studie aus dem Januar 2019 ergab, dass Osteopathie bei Säuglingsasymmetrie, Schlaf- und Fütterungsstörungen, abgeflachtem Hinterkopf und exzessivem Schreien sehr gute Behandlungsergebnisse erzielen kann, und dies ohne ernstliche Nebenwirkungen. Allerdings gab es auch Kritik an der Studie. Um die Ergebnisse zu bestätigen, bedarf es weiterer umfassender Studien.

Ist die Wirksamkeit wissenschaftlich belegt?

Die Wirkung der Osteopathie ist bislang nicht umfassend wissenschaftlich belegt, allerdings deuten einige Studien auf eine Wirksamkeit hin. Die Osteopathie zählt zu den alternativmedizinischen Verfahren.

Osteopathie Nebenwirkungen

Schwerwiegende Risiken und Nebenwirkungen sind bislang nicht bekannt. Manchmal wird von Müdigkeit nach einer Behandlung berichtet. Auch können sich die Beschwerden nach der Behandlung eine Zeitlang verschlimmern.

Kosten und Behandlungsdauer

Die Kosten einer osteopathischen Therapiesitzung liegen zwischen 60 und 150 Euro. Nach etwa vier Sitzungen sollte eine Besserung der Beschwerden spürbar sein, dies hängt jedoch vom individuellen Beschwerdebild ab.

Übernimmt die Krankenkasse die Behandlungskosten?

Einige Krankenkassen übernehmen verschieden hohe Anteile der Behandlungskosten. Am besten erkundigen Sie sich vor Behandlungsbeginn direkt bei Ihrer Krankenkasse, inwieweit diese eine osteopathische Therapie unterstützt.

Wichtiger Hinweis

Ob Osteopathie bei Ihren Beschwerden hilfreich sein könnte, beziehungsweise inwieweit sie eine Ergänzung oder Alternative zu bisherigen Behandlungen darstellt, klären Sie am besten in einem Gespräch mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. (kh, Redaktion Heilpraxis)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autoren:
Magistra Artium (M.A.) Katja Helbig, Barbara Schindewolf-Lensch
Quellen:
  • Verband der Osteopathen Deutschland e.V.: Was ist Osteopathie? (Abruf: 19.09.2019), osteopathie.de
  • Deutsche Gesellschaft für Osteopathische Medizin e.V.: Wie läuft eine Osteopathische Behandlung ab? (Abruf: 19.09.2019), dgom.info
  • Werner Langer, Eric Hebgen: Lehrbuch Osteopathie, Thieme Verlag 2017
  • Johannes Mayer, Clive Standen: Lehrbuch osteopathische Medizin, Elsevier, Urban & Fischer Verlag 2017
  • Torsten Liem, Tobias K. Dobler: Leitfaden Osteopathie: Parietale Techniken, Urban & Fischer Verlag 2014
  • Bierbach, Elvira (Hrsg.): Naturheilpraxis heute. Lehrbuch und Atlas. Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, München, 4. Auflage 2009
  • Akademie für Osteopathie e.V. (AFO): Abschlussbericht über eine der weltweit größten Studien zur osteopathischen Behandlung von Säuglingen im ersten Lebensjahr (die OSTINF –Studie); Presseinformation, (veröffentlicht im Januar 2019), osteopathie.de

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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