Morbus Bechterew

Corinna Schultheis

Spondylitis ankylosans – Ursachen, Symptome und Behandlung

Morbus Bechterew ist eine unheilbare und schwer zu diagnostizierende entzündlich-rheumatische Erkrankung. Der Fachbegriff Spondylitis ankylosans umschreibt die vorwiegend auftretende Form der Erkrankung, bei der die Gelenke der Wirbelsäule von den Entzündungen betroffen sind und zur Versteifung neigen. Aber auch andere Gelenke oder Organe können von den sehr individuell ausgeprägten und in Schüben verlaufenden Entzündungsprozessen betroffen sein. Verschiedene Therapiemethoden ermöglichen vielen Betroffenen eine deutliche Linderung der Beschwerden und beeinflussen den Krankheitsverlauf langfristig positiv.


Ein kurzer Überblick

Im Folgenden fasst eine kurze Zusammenstellung die wichtigsten Fakten zum Thema Morbus Bechterew zusammen und bietet eine schnelle Übersicht. Der weitere Artikel liefert umfassende Informationen für Betroffene und Interessierte.

  • Definition: Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) ist eine chronische entzündliche rheumatische Erkrankung, die vor allem die Wirbelsäule betrifft und im Krankheitsverlauf zu einer knöchernen Versteifung der Wirbelsäule führen kann. Am häufigsten kommt es zu Entzündungen in den Gelenken der Lenden- und Brustwirbelsäule sowie im Bereich des Kreuz- und Darmbeins (Iliosakralgelenke).
  • Symptome: Am häufigsten sind Gelenkschmerzen im unteren Rücken und wechselseitige Gesäßschmerzen, die bis in die Oberschenkel ausstrahlenden. Typische Anzeichen sind zudem Morgensteifigkeit, Bewegungseinschränkungen und Fehlhaltungen, die sich im schlimmsten Fall bis zu einer starken und eingesteiften Verkrümmung der Wirbelsäule (Kyphose) ausprägen.
  • Ursachen: Die genauen Ursachen sind bislang ungeklärt. Es wird davon ausgegangen, dass mehrere Faktoren die Krankheitsentstehung bedingen. Eine Fehlsteuerung des Immunsystems scheint letztendlich für die entzündlichen Prozesse verantwortlich zu sein (Autoimmunerkrankung). Zudem gilt eine gewisse Veranlagung für diese Erkrankung als vererbbar.
  • Diagnose: Die Diagnose ist besonders im frühen Krankheitsstadium und bei einer eher leichten Symptomatik schwierig. Unter Berücksichtigung spezifischer Kriterien, Blutuntersuchungen, Röntgenbildern und Ergebnissen einer Magnetresonanztomografie lassen sich heutzutage viele, aber nicht alle Krankheitsfälle diagnostizieren.
  • Behandlung: Die Basis einer erfolgreichen Behandlung bildet eine konsequente und regelmäßige Bewegungstherapie, bei der spezielle Übungen in den Alltag eingebunden werden. Ergänzend kommen Therapien mit Wärme oder Kälte sowie eine medikamentöse Behandlung zum Einsatz. Darunter fallen auch einige umstrittene Behandlungsmethoden. Operationen werden nur noch selten durchgeführt. Erfahrungen zeigen, dass Naturheilverfahren gegenüber herkömmlicher Schmerzmittel eine gute Alternative zur Bekämpfung von Schmerzen und Entzündungen bieten können.
Die Bechterewsche Erkrankung kann in den schlimmsten Fällen zu einer eingesteiften Verkrümmung der Wirbelsäule (Rundrücken) führen. (Bild: groisboeck/fotolia.com)

Definition

Für die Bechterewsche Erkrankung gibt es viele Bezeichnungen. Der medizinische Fachbegriff Spondylitis ankylosans (auch ankylosierende Spondylitis) wird im allgemeinen Sprachgebrauch vor allem mit Morbus Bechterew umschrieben. Morbus bedeutet im Lateinischen Krankheit, Bechterew bezieht sich auf den russischen Neurologen Wladimir Bechterew, der im späten 19. Jahrhundert mit bedeutenden wissenschaftlichen Erkenntnissen auf die Krankheit aufmerksam machte.

Spondylitis ankylosans kann als „versteifende Wirbelentzündung“ übersetzt werden. Dies umschreibt die chronische entzündliche rheumatische Erkrankung, die vor allem die Wirbelsäule betrifft und im Krankheitsverlauf zu einer knöchernen Versteifung der Wirbelsäule führen kann. Am häufigsten kommt es zu entzündlichen Prozessen in den Gelenken der Lenden- und Brustwirbelsäule sowie im Bereich der Verbindung zwischen Kreuzbein (Os sacrum) und Darmbein (Os ilium), der sogenannten Iliosakralgelenke (Sakroiliitis). Die Erkrankung kann aber auch andere Gelenke, Sehnen und Organe (zum Beispiel die Augen) befallen beziehungsweise mit anderen Erkrankungen vergesellschaftet auftreten.

Es handelt sich bei Morbus Bechterew nicht um eine Erkrankung der Wirbelsäule, wie oft fälschlicherweise angenommen wird, sondern um eine Fehlsteuerung des Immunsystems (Autoimmunerkrankung). Es wird geschätzt, dass knapp zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung an dieser Krankheit leiden. Entgegen früherer Meinungen erkranken laut der Deutschen Vereinigung Morbus-Bechterew e.V. (DVMB) Frauen sowie Männer gleich häufig. Allerdings zeigt die Krankheit, trotz sehr individueller Krankheitsverläufe, bei den weiblichen Betroffenen normalerweise mildere Auswirkungen. Meistens beginnt die Krankheit zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr, wobei aber auch schon jüngere oder ältere Menschen erkranken können.

Symptome

Die ersten Krankheitsanzeichen sind häufig unspezifisch und werden daher oft nicht mit der Bechterewschen Erkrankung in Verbindung gebracht. Auch erschweren sehr individuelle Ausprägungen und Symptome sowie der schubweise stattfindende Krankheitsverlauf ein Erkennen der speziellen Wirbelsäulenentzündung.

Am häufigsten wird von Rückenschmerzen, Kreuzschmerzen und Gelenkschmerzen berichtet. Fachexperten beziehen sich vor allem auf wechselseitige und in die Oberschenkel ausstrahlende Gesäßschmerzen, zusammen mit einer Bewegungseinschränkung in der Lendenwirbelsäule, als ein mögliches erstes Anzeichen. Entgegen vieler anderer Rückenleiden verschlimmern sich die Beschwerden typischerweise im Ruhezustand.

Weitere Kriterien beziehen sich in erster Linie auf das zeitliche Auftreten und die Dauer der Schmerzen. So sind diese besonders nachts spürbar und insbesondere am Morgen nach dem Aufwachen stellt sich eine Gelenksteifigkeit (Morgensteifigkeit) ein, die über 30 Minuten anhalten kann. Im Unterschied zur Arthrose verbessern sich die Symptome unter Bewegung. Die Gesäßschmerzen rühren von den häufig als erstes betroffenen Iliosakralgelenken her.

Eine versteifende Wirbelsäulenentzündung ist von Schmerzen begleitet und es zeigt sich häufig eine Morgensteifigkeit. (Bild: Paolese/fotolia.com)

Begleitbeschwerden

Neben den typischen Beschwerden, die von der Wirbelsäule ausgehen, können auch Schmerzen in anderen Körperregionen auftreten. So kommt es nicht selten zu Beschwerden (Schmerzen, Schwellungen, Bewegungseinschränkungen) im Bereich des Brustbeins oder in den Hüft-, Knie- und Sprunggelenken. Zumeist treten diese Schmerzen nur auf einer Seite auf, da es sich in der Regel um unsymmetrische entzündliche Prozesse einzelner Gelenke handelt. Auch deuten oft Fersenschmerzen oder eine Sehnenansatz-Entzündung (Enthesitis), die ein Stehen auf hartem Untergrund unangenehm macht, auf Morbus Bechterew hin.

Etwa 40 Prozent aller Erkrankten weisen eine ein- oder mehrmalige Regenbogenhautentzündung (Iritis) im Auge auf. Dabei treten Augenschmerzen, Augenrötungen und eine Druckempfindlichkeit am Auge auf. Daneben können auch andere Augenentzündungen (zum Beispiel Uveitis und Iridozyklitis) auftreten.

Spätfolgen

Die entzündlichen, schmerzhaften Schübe und eine voranschreitende Versteifung der Wirbelsäule führen häufig zu Haltungsschäden. Zeigen sich starke Verknöcherungen an der Wirbelsäule, spricht man auch von einer „Bambusstab-Wirbelsäule“ und es kommt typischerweise zu einem ausgeprägten Rundrücken mit einer versteiften vornübergebeugten Haltung (Kyphose). Damit verbunden sind wiederum starke Bewegungseinschränkungen sowie Rücken- und Kreuzschmerzen. Eine versteifte Wirbelsäule neigt zudem zur Knochenporosität (Osteoporose) und damit zu Wirbelbrüchen. Laut DVMB kommt es bei sieben Prozent der Betroffenen zu Knochenbrüchen.

Insbesondere im Spätstadium der Krankheit können auch innere Organe von der Krankheit mitbetroffen sein, wie zum Beispiel die Lunge, das Herz, die Nieren sowie das Nervensystem.

Der gesamte Verlauf der Krankheit und die Prognosen sind sehr unterschiedlich. So kann die Krankheit sehr aggressiv sein und mit starken Beschwerden einhergehen oder aber einen eher milden Verlauf aufzeigen. Welche vorrangingen Symptome sich in welchen Körperregionen äußern ist sehr individuell. Die persönliche Krankheitsgeschichte entscheidet, ob und in wieweit die Betroffenen körperlichen Einschränkungen unterliegen.

Den Entzündungsschüben einer Spondylitis ankylosans folgen oft Verknöcherungen, die im Extremfall zu einer steifen „Bambusstab-Wirbelsäule“ führen können. (Bild: Alila Medical Media/fotolia.com)

Vergesellschaftete Krankheiten

Morbus Bechterew kann in Kombination mit einer Schuppenflechte (Psoriasis) oder mit einer chronischen Darmentzündung (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa) auftreten. In Fachkreisen spricht man dann von einer Psoriasis-Spondylitis beziehungsweise von einer enteropathischen Spondylitis.

Zudem gibt es weitere verwandte Erkrankungen aus der Gruppe der Spondyloarthritiden. Hierunter werden bestimmte entzündliche rheumatische Erkrankungen zusammengefasst. Ein Beispiel dafür ist die reaktive Spondyloarthritis (reaktive Arthritis), eine Gelenkentzündung, die nach einer bakteriellen Infektion auftritt. Treten in Kombination noch Entzündungen der Harnröhre (Urethritis) und der Augenbindehaut (Konjunktivitis) auf, spricht man vom sogenannten Reiter-Syndrom.

Ist bei einer Erkrankung aus der Gruppe der Spondyloarthritiden vorwiegend die Wirbelsäule betroffen, bezeichnet man diese als axiale Spondyloarthritis (axial bezieht sich auf das Achsenskelett). Es ist möglich, dass sich diese Ausprägungen, unter Hinzukommen von Veränderungen der Kreuzdarmbeingelenke, zu einer ankylosierende Spondylitis entwickeln. Eine radiologische axiale Spondyloarthritis wird auch als Synonym für Morbus Bechterew gebraucht. Als nicht-radiologische axiale Spondyloarthritis werden die frühen Stadien und leichten Ausprägungen der Bechterewschen Erkrankung bezeichnet, die in der Regel nicht im Röntgenbild abgebildet werden.

Ursachen

Die genaue Ursache der ankylosierenden Wirbelsäulenentzündung ist bisher nicht bekannt. Man geht davon aus, dass es sich um eine Fehlsteuerung des Immunsystems handelt, bei der sich das Immunsystem nicht wie normalerweise gegen eingedrungene Krankheitserreger richtet, sondern eigene Körperzellen bekämpft (Autoimmunerkrankung). Damit fällt Morbus Bechterew, wie auch Rheuma, unter die systemischen Erkrankungen.

Allen bisherigen Erkenntnissen zufolge scheint es einen Zusammenhang zu geben zwischen der Erkrankung und dem Vorliegen eines bestimmten Antigens auf den weißen Blutkörperchen (Leukozyten), dem sogenannten „Human Leucocyte Antigen (HLA-B27)“. Auffällig ist, dass dieses Antigen bei 90 Prozent der Betroffenen nachweisbar ist. Auch wenn das Merkmal an sich nicht pathogen ist, spricht man in diesem Zusammenhang von einer bestimmten Anfälligkeit (Prädisposition) für die Bechterewsche Krankheit. Es wird vermutet, dass diese Anfälligkeit in Kombination mit anderen Faktoren (wie beispielsweise bestimmten Infektionen mit Bakterien) ein Auslöser für die Erkrankung darstellt. Die Veranlagung für die Erkrankung ist somit vermutlich vererbbar.

Warum es zu den Gelenkentzündungen kommt, die vorrangig in den Bereichen der Lenden- und Brustwirbelsäule sowie der Iliosakralgelenke auftreten, ist bislang ungeklärt. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Diagnose

Besonders im Anfangsstadium lässt sich eine Spondylitis ankylosans nur schwer nachweisen. Es kommt nicht selten vor, dass erste Beschwerden bereits mehrere Jahre bestehen, bevor eine sichere Diagnose gestellt werden kann. Handelt es sich um eine sehr leichte Ausprägung, kann die Krankheit sogar dauerhaft unerkannt bleiben. Der Fachbegriff für diese schwer zu diagnostizierenden Formen ist die nicht-radiologische axiale Spondyloarthritis. Röntgenbilder lassen diese Erscheinungen nicht erkennbar werden. Auch sind bislang keine anderen Verfahren verfügbar, die die Möglichkeiten der Diagnosestellung hierbei hinreichend verbessern.

Besonders in der frühen Krankheitsphase sind demnach erfahrene Fachexperten und Rheumatologen gefragt, die basierend auf einer Reihe von Kriterien eine zuverlässige Diagnose erstellen können. Grundlage der Diagnosestellung ist zumeist die Beurteilung schon vorhandener Beschwerden – zumeist im Bereich der Wirbelsäule und der umliegenden Körperregionen. Dabei wird auch die Krümmung der Wirbelsäule und deren Beweglichkeit bestimmt. Hinzu kommt eine genaue Schmerzdiagnostik.

Als Standard-Untersuchungsverfahren werden Röntgenaufnahmen angefertigt und immer häufiger wird auch eine Magnetresonanztomografie durchgeführt. Letztere bildet bestimmte Weichteilveränderungen infolge von Entzündungen ab. Damit kann eine ankylosierende Spondylitis früher sichtbar gemacht werden als mit Röntgenbildern, welche erst später auftretende knöcherne Veränderungen erkennen lassen.

Eine Blutuntersuchung kann ergänzende Hinweise auf Morbus Bechterew liefern. In der Regel werden spezifische Werte bestimmt, die Aufschluss über vorliegende Entzündungen im Körper geben. Wird im Blut außerdem das spezielle Protein (Antigen) HLA-B27 auf der Oberfläche der Leukozyten nachgewiesen, kann dies einen zusätzlichen Anhaltspunkt für die Erkrankung liefern. Dabei müssen aber andere Untersuchungsergebnisse gleichermaßen berücksichtigt werden, denn auch bei völlig gesunden Menschen kann HLA-B27 vorhanden sein.

Eine konsequente Bewegungstherapie ist der Grundbaustein eines jeden individuell abgestimmten Behandlungskonzepts bei Morbus Bechterew. (Bild: Thomas Reimer/fotolia.com)

Behandlung

Die Bechterewsche Erkrankung ist nicht heilbar und bedarf einer lebenslangen Therapie, die den Erkrankten möglichst lange eine hohe Lebensqualität sichert. Verschiedene Behandlungsmethoden sowie eine gute und umfassende fachärztliche Betreuung ermöglichen den Betroffenen ihren Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen.

Beste Anlaufstellen nach der Diagnose sind Rheumatologen oder sogar eine spezialisierte Rheumaklinik. Eine zeitlich begrenzte stationäre Intensivbehandlung kann für einige Betroffene hilfreich sein, um den individuell richtigen Umgang mit der lebensbegleitenden Erkrankung zu erlernen und ein individuelles Therapiekonzept zu erstellen. Des Weiteren bilden eine regelmäßige ambulante ärztliche Betreuung und konsequente Therapiemaßnahmen die Basis für eine erfolgreiche Behandlung.

Bewegungstherapie

Der wichtigste Teil der Behandlung kommt der Physiotherapie zu. In Einzeltherapiestunden erlernen Betroffene gezielte Bewegungsübungen, um der Versteifung und den damit verbundenen Schmerzen entgegenzuwirken. Die Übungen müssen konsequent (am besten morgens und abends) durchgeführt werden, um drohende Bewegungseinschränkungen möglichst lange aufzuhalten. Angebote spezieller Therapiegruppen können die Einzelbehandlung ergänzen, wie etwa auf Morbus Bechterew ausgerichtete (Wasser-) Gymnastikgruppen.

Wärme- und Kältebehandlungen

Neben der Krankengymnastik können auch verschiedene Formen durchblutungsfördernder Kälte-und Wärmetherapie helfen, die Steifheit und die Schmerzen zu lindern. Dazu zählen in der häuslichen Anwendung beispielsweise warme Bäder oder auch Wärmewickel und Wärmflaschen. In der ambulanten oder stationären Therapie können Fangopackungen, Infrarotbestrahlungen oder Thermal- und Moorbäder unterstützend wirken. Auch Kälteanwendungen sind bei entzündlichen rheumatischen Beschwerden oft hilfreich und können vor allem während stark schmerzender Krankheitsschübe sinnvoll sein, um eine anschließende aktive Bewegungstherapie zu ermöglichen.

Medikamentöse Therapie

In der medikamentösen Therapie kommen vor allem kortisonfreie nichtsteroidale Antirheumatika (kurz: NSAR) zum Einsatz. Diese entzündungshemmenden und schmerzlindernden Arzneimittel bewirken über den Zeitraum der Einnahme ein relativ schnelles Abklingen der Beschwerden. Ob und in welchen Intervallen Betroffene diese Medikamente einnehmen sollten, ist individuell sehr unterschiedlich. Etwaige Nebenwirkungen stehen auch hier einem effektiven Nutzen für die Erkrankten gegenüber.

In einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium, bei dem Verknöcherungen, Fehlhaltungen und möglicherweise Osteoporose eine größere Rolle spielen als vorangegangene Entzündungen, kommen einfache Schmerzmittel wie Paracetamol zum Einsatz. Nur im Notfall kommen kortisonähnliche Medikamente zum Einsatz, die über einen längeren Zeitraum der Anwendung viele schädliche Nebenwirkungen haben können.

Die Vor- und Nachteile der neuen Therapiemöglichkeit mit Medikamenten, die den Tumornekrosefaktor (TNF-alpha) blockieren, werden unter Experten für Morbus Bechterew noch diskutiert und erforscht. (Bild: molekuul.be/fotolia.com)

Umstrittene Behandlungsansätze

Einigen Betroffenen wird die viel diskutierte Behandlung mit dem radioaktiven Edelgas Radon (Radonbalneologie, Radontherapie) angeboten. Eine Abschätzung des Behandlungserfolgs gegenüber möglicher strahlenbedingter Nebenwirkungen ist in jedem Fall gemeinsam mit den Betroffenen zu treffen.

Sind andere Körperbereiche wie Schulter, Hüfte oder Knie betroffen (und nicht die Wirbelsäule), kann eine sogenannte Basistherapie mit langfristig krankheitsmodifizierenden Medikamenten (Sulfasalazin, Methotrexat) angewandt werden. Aber auch hier handelt es sich um ein umstrittenes Konzept, welches vorwiegend bei einer rheumatoiden Arthritis (chronische Polyarthritis) zum Einsatz kommt.

Zu den neueren und sehr kostspieligen Behandlungsmöglichkeiten zählen Medikamente, die Entzündungen entgegenwirken, indem ein bestimmtes Zytokin als Tumornekrosefaktor (TNF-alpha) blockiert wird. Dieser Signalstoff ist an den systemischen Entzündungen beteiligt uns spielt eine wichtige Rolle im Immunsystem. Eine TNF-alpha-Blockade lindert demnach nicht nur Beschwerden, sondern erhöht auch das Risiko für Infektionskrankheiten.

Letzte Möglichkeit: Operation

Verbesserte Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten haben die Krankheitsverläufe insofern günstig beeinflusst, dass Operationen heutzutage nur noch selten und nur in besonders schweren Fällen notwendig werden. Die chirurgischen Eingriffe umfassen unterschiedliche Gelenkoperationen, wie das Einsetzen künstlicher Gelenke (Endoprothesen), und eine Aufrichtungsoperation beim Vorliegen einer Kyphose. Diese Operationen bieten in manchen Fällen die einzige Möglichkeit für eine Wiederherstellung der Beweglichkeit.

Der körpereigene Schutz gegen verschiedene Entzündungsprozesse kann durch eine ausreichende Aufnahme von Vitamin E verbessert werden. (Bild: vaaseenaa/fotolia.com)

Naturheilkundliche Behandlung

Auch die Naturheilkunde kann Betroffenen helfen, die Beschwerden zu lindern und mit der Erkrankung gut umzugehen. Patientenerfahrungen zufolge können unterschiedliche Ansätze sogar soweit helfen, dass die Einnahme von Schmerzmitteln (zeitweise) unnötig wird.

Alternativmedizinischen Verfahren, die bei Morbus Bechterew häufig Anwendung finden, sind beispielsweise Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (Akupunktur oder Chinesische Kräutertherapie). Aber auch die Homöopathie und spezielle Ernährungsprogramme werden von vielen Betroffenen gewählt.

Bei der Ernährung wird hauptsächlich auf eine fleischarme Kost geachtet. Ergänzend spielt die Einnahme von Vitamin E und verschiedenen Enzympräparaten eine wichtige Rolle. Das Vitamin E bietet einen natürlichen Schutz für den Körper gegen oxydierende Sauerstoffradikale, die an der Entstehung von Entzündungen beteiligt sind. Haselnüsse sind eine perfekte Quelle für Vitamin E und bieten eine wirksame Schutzfunktion für den Körper.

Aktueller Forschungsstand

Um die Diagnose und Behandlung der ankylosierenden Spondylitis weiter zu optimieren und somit die Prognosen für diese Erkrankung zu verbessern, finden laufend unterschiedlichste Studien und Forschungsaktivitäten statt. Besonders die schwierigen Diagnosen im Frühstadium und bei leichten Ausprägungen sowie umstrittene und neuere Behandlungsverfahren sind dabei wichtige Forschungsthemen.

Eine aktuelle klinische Studie zu Morbus Bechterew (2016-2020) untersucht beispielsweise eine einfache TNF-alpha-Blocker-Therapie mit einer Kombinationstherapie unter der zusätzlichen Gabe von NSAR.

Die DVMB schreibt regelmäßig einen Forschungspreis auf dem Gebiet der Spondylitis ankylosans und verwandter Krankheiten aus. Entscheidende wissenschaftliche Erkenntnisse in deutscher Sprache sind unter den Arbeiten der preisgekürten Forschungsträger zu finden.

Weitere aktuelle Informationen sind auch in dem Morbus-Bechterew-Journal nachzulesen, das regelmäßig und insbesondere von Betroffenen für Betroffene verfasst wird. (tf, cs; aktualisiert am 14.11.2018)