Hautkrebs-Risiko steigt durch Bluthochdruck

Sebastian

Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen erhöhen das Risiko von Hautkrebs

28.04.2012

Bluthochdruck erhöht laut einer Studie nicht nur das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen, sondern begünstigt auch die Entstehung von schwarzen Hautkrebs. Als ebenso gefährlich wird ein gestörter Fettstoffwechsel von den Wissenschaftlern eingestuft. Dieser kann das Risiko von weißem Hautkrebs erhöhen. Aufgrund der Forschungsergebnisse erhoffen sich Mediziner neue Präventionsmöglichkeiten und Therapien gegen Hautkrebserkrankungen.

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Jedes Jahr erkranken laut Angaben der Deutsche Krebshilfe rund 171.000 Menschen neu an dem weißen Hautkrebs (Basalzellenkrebs). Die Neuerkrankungsrate beim wesentlich gefährlicheren schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) liegt bei jährlich geschätzten 24.000 Patienten. An dem schwarzen Hautkrebs sterben pro Jahr rund 3000 Menschen. Als wichtigsten Auslöser für die Entstehung der Krebserkrankung gilt bis heute das ungeschützte Sonnenbaden sowie eine häufige Nutzung von Solarien. Offenbar sind aber UV-Strahlen nicht die einzigen Risikofaktoren, die zur Entstehung von Hautkrebs beitragen. Bislang unbekannte Risiken entdeckte ein Forscherkonsortium um Gabriele Nagel vom Institut für Epidemiologie und Medizinische Biometrie in Ulm. Sie stellten in einer Langzeitstudie fest, dass ein chronisch erhöhter Blutdruck sowie ein gestörter Fett-Stoffwechsel die Entstehung von verschiedenen Hautkrebskrankheiten begünstigen.

Schwarzer Hautkrebs durch Bluthochdruck
Eine Arterielle Hypertonie trägt anscheinend dazu bei, die Wahrscheinlichkeit des schwarzen Hautkrebserkrankung zu erhöhen. Sie stellten fest, dass hierfür ein körpereigener Mechanismen verantwortlich ist, die zum einen für Bluthochdruck und zum anderen für den schwarzen Hautkrebs zutrifft. Die Zellen teilen sich bei beiden Krankheiten vermehrt, statt abzusterben, wie die Wissenschaftler in dem dermatologischen Fachmagazin „British Journal of Dermatology“ schreiben. Vermutlich sei aber die schwerwiegendste Gemeinsamkeit, dass der Organismus in verstärkter Weise das Protein VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) bilde. Das Protein ist für die Steuerung des Wachstums neuer Blutgefäße verantwortlich. In früheren Wissenschaftsarbeiten wurde dieser Zusammenhang von Bluthochdruck und Hautkrebs bereits ermittelt. Allerdings sind weitere Untersuchungen nötig, um den Zusammenhang gesicherter darzustellen. „Aufgrund der großen Verbreitung des Bluthochdrucks gilt es, den Zusammenhang mit der Entstehung von Hautkrebserkrankungen näher zu untersuchen“, sagt Studienleiterin Gabriele Nagel.

Weißer Hautkrebs durch Stoffwechselstörungen begünstigt
Das Risiko des weißen Hautkrebs wird laut vorliegender Ergebnisse durch Stoffwechselstörungen erhöht. Erhöhte Werte des Triglycerid (Neutralfette) führten vor allem zu Plattenepithelkarzinomen. Das Plattenepithelkarzinom ist der zweithäufigste bösartige Hauttumor beim Menschen. Als ursächlich für die Veränderungen des Fettstoffwechsels könnten Erreger wie die Humane Papilloma Viren (HPV) sein. Hauptsächlich bringen Mediziner die HPV Viren mit dem bösartigen Gebärmutterhalskrebs in Verbindung. Teilweise zeigte sich aber auch ein Kontext mit dem weißen Hautkrebs. Auch hier sind jedoch weitere Forschungsarbeiten notwendig. „Um die Entstehung von Hautkrebs besser zu verstehen, sollten wir alle Risikofaktoren und eben nicht nur die UV-Strahlung in Betracht ziehen“, argumentiert die Forscherin.

Der Ergebnisbericht ist Teil der Langzeitstudie mit dem Titel: „Metabolic Syndrome and Cancer Project (Me-Can-Studie)“. Seit gut sechs Jahren untersucht ein internationales Forscherteam die Daten von mehr als 500.000 Probanden. Bei den teilnehmenden Frauen und Männern werden Daten des Blutdrucks, dem Body-Mass-Indexes (BMI) und unterschiedliche Stoffwechselwerte erhoben. Das Ziel soll sein, erkennbare Zusammenhänge mit Krebserkrankungen zu ermitteln. „Aufgrund der großen Verbreitung des Bluthochdrucks gilt es, den Zusammenhang mit der Entstehung von Hautkrebserkrankungen näher zu untersuchen“, sagt Gabriele Nagel.

Gesunder Lebensstil beugt Risiken vor
Hauptziel der auf längere Zeit angelegten Hauptstudie ist die Suche nach neuen Ansätzen in der Hautkrebs-Prävention, Frühdiagnostik und Behandlung. Deutlich wurde aber schon jetzt, dass eine gesunde Ernährungsweise mit viel Bewegung Bluthochdruck und Übergewicht vermeiden kann. Somit kann jeder selbst einen wichtigen Beitrag leisten, das Hautkrebsrisiko zu minimieren, wie die Forscher in einer Mitteilung schreiben.

An der Studie nehmen Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich, Schweden und Norwegen teil. Mit Hilfe einer Kohorte werden etwa 541.000 Frauen und Männer mit Blick auf das Metabolische Syndrom und Krebserkrankung untersucht. Als „Metabolisches Syndrom“ bezeichnen Wissenschaftler verschiedene Risiken, die oft in Kombination auftreten. So erhöhen Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck deutlich das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Die Studie des „Me-Can-Projekts“ wird vom World Cancer Research Fund (WCRF) unterstützt. (sb)