Bluthochdruck: Ursachen und Behandlung

Fabian Peters

Seit mehr als 30 Jahren gilt Bluthochdruck als eines der häufigst festgestellten Leiden in den westlichen Industriestaaten und kann damit auch hierzulande als Volkskrankheit betrachtet werden. Während ein vorübergehend erhöhter Blutdruck Symptom verschiedener Erkrankungen oder auch Nebenwirkung bestimmter Arzneien sein kann, ist eine chronische Erhöhung des Blutdrucks in den arteriellen Blutgefäßen als Krankheitsbild zu bewerten, das seinerseits zahlreiche Folgebeschwerden mit sich bringen kann. Bluthochdruck gilt zum Beispiel als maßgeblicher Risikofaktor für potenziell tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Definition

Die Niedriger-BlutdruckWeltgesundheitsorganisation (WHO ) definiert „normalen“ Blutruck mit einem systolischen Wert von 120 mmHg und einem diastolischen Wert von 80 mmHg. Erreicht der systolische Blutdruck 140 mmHg und der diastolische Blutdruck 90 mmHg oder höher, ist dies von der WHO als arterieller Bluthochdruck definiert. Vorübergehende Abweichungen des Blutdrucks zum Beispiel infolge der Einnahme von Arzneien fallen dabei nicht unter diese Definition. Zudem wird zwischen primärem (ohne erkennbare körperliche Ursache) und sekundärem Bluthochdruck (unmittelbare Folge von Grunderkrankungen) unterschieden. Des Weiteren werden spezielle Formen des Bluthochdrucks, wie die pulmonale Hypertonie (erhöhter Blutruck im Lungenkreislauf zum Beispiel infolge von Raucherhusten oder einer Herzerkrankung) und die portale Hypertonie (Bluthochdruck in der Pfortader der Leber, häufig Folge einer Leberzirrhose), als gesonderte Beschwerdebilder betrachtet.

Blutdruck und Bluthochdruck

Das Herz pumpt das Blut, welches sauerstoffangereichert aus den Lungen kommt, durch die Arterien, die sich zu den Extremitäten hin immer feiner verästeln und schließlich in das Venensystem übergehen, um – mit Umweg über die Leber – den „Rückweg“ anzutreten. Die Kraft, die das Blut dabei auf die Gefäßwände von Arterien und Venen ausübt, wird als Blutdruck bezeichnet. Der obere, sogenannte systolische Wert zeigt den Druck an, mit dem das Blut bei Kontraktion des Herzmuskels durch eine größere Arterie (meist Oberarm) gepumpt wird. Der untere, sogenannte diastolische Wert, gibt den Druck in der selben Arterie im Ruhezustand an. Die Messeinheit mmHg entstammt den früheren Messgeräten, bei denen die Druckwerte an der Höhe der Quecksilbersäule abgelesen wurden. Als optimal gelten dabei Werte um die 120/80 mmHg (systolisch/diastolisch). Da ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten des Bluthochdrucks und dem Lebensalter besteht, wurde früher zur Ermittlung des individuell optimalen Blutdrucks die Faustregel „Lebensalter plus 100“ für den systolischen Blutdruck verwendet, welche jedoch seit langem als überholt gilt. Heute besteht – in internationaler Absprache – eine Hypertonie ab einem Wert von über 140/90 mmHg. Die schwerste Stufe einer Hypertonie ist bei Werten erreicht, die 180/110 mmHg übersteigen.

Verbreitung des Beschwerdebildes

Mehr als ein Drittel der Erwachsenen weltweit zeigt laut Angaben der WHO einen erhöhten Blutdruck. Dabei verursache der Bluthochdruck „rund die Hälfte aller Todesfälle durch Schlaganfälle und Herzerkrankungen.“ Im Jahr 2004 waren 7,5 Millionen Todesfälle direkt auf eine Hypertonie zurückzuführen, so die WHO weiter. In Deutschland leidet knapp die Hälfte der Bevölkerung unter Bluthochdruck, berichtet die Deutsche Hochdruckliga (DHL) unter Berufung auf Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI). Allerdings wisse nur jede/r zweite von der Erkrankung und „von den Betroffenen, die davon wissen, werden nur knapp 40 Prozent behandelt“, erläutert die DHL weiter. Der WHO zufolge konnte durch die deutlich verbesserte Diagnose und Behandlung mit kostengünstigen Medikamenten in den vergangenen Jahren jedoch ein erheblicher Rückgang der Bluthochdruck-bedingten Todesfälle erreicht werden.

Zwar steigt mit dem Alter die Wahrscheinlichkeit, Bluthochdruck zu entwickeln, doch grundsätzlich können auch junge Menschen unter einer Hypertonie leiden. Alle Altersgruppe und beide Geschlechter sind betroffen und es besteht ein hohes Risiko gefährlicher Folgekrankheiten. Da in den meisten Fällen lange Zeit keine Beschwerden auftreten, werden erforderliche Gegenmaßnahmen allerdings oft erst spät ergriffen.

Bluthochdruck bleibt oft unbemerkt

Ein Großteil der Bluthochdruckpatienten zeigt zunächst keine auffälligen Symptome. Erst entsprechend verspätet erfolgt in der Regel die Diagnosestellung. Allerdings können durchaus verschiedene Beschwerden frühzeitig auf eine Hypertonie hinweisen. Die Deutsche Hochdruckliga nennt hier Schlafprobleme, Innere Unruhe, Nasenbluten, Ohrensausen, Kopfschmerzen und Hitzegefühl als mögliche Warnzeichen. Des Weiteren können Schwindel, Übelkeit, eine allgemeine Leistungsschwäche, Luftnot bei körperlicher Belastung und Sehstörungen im Zusammenhang mit Bluthochdruck stehen. Macht sich neben den genannten Beschwerden ein starkes Herzrasen bemerkbar, ist möglicherweise bereits eine Hochdruckkrise eingetreten, die einer sofortigen notfallmedizinische Versorgung bedarf.

Bei der sekundären Hypertonie können abhängig von den Ursachen des Bluthochdrucks unterschiedlichste Begleitsymptome hinzukommen, die weiter unten jeweils im Zusammenhang mit den Grunderkrankungen eingehender erläutert werden. Sowohl die primäre, als auch die sekundäre arterielle Hypertonie können ihrerseits jedoch auch Folgeerkrankungen begünstigen beziehungsweise auslösen, die zusätzliche Beschwerden mit sich bringen. „Je höher der Blutdruck, desto höher ist das Risiko einer Schädigung des Herzens und der Blutgefäße in wichtigen Organen wie Gehirn und Nieren“, erläutert die Weltgesundheitsorganisation. Ein unkontrollierter Blutdruck kann laut Angaben der WHO zum Beispiel zu krankhaften Vergrößerungen des Herzens, einer Herzinsuffizienz, einem Aneurysma (Ausbuchtungen der Blutgefäße) oder einem Herzinfarkt führen. Auch drohen Blutgefäße aufgrund des erhöhten Drucks eher zu platzen. Zudem könne der „Druck in den Blutgefäßen ein Austreten von Blut in das Gehirn und einen Schlaganfall verursachen“, warnt die WHO. Darüber hinaus werden Nierenversagen und kognitive Beeinträchtigungen beziehungsweise Bewusstseinsstörungen als mögliche Folgen der Hypertonie genannt.

Durch den erhöhten Blutdruck steigt zudem das Risiko einer Arterienverkalkung, einer koronaren Herzkrankheit(KHK) und einer dauerhaften Schädigung des Herzmuskels. Letztere bedingt ihrerseits eine Beeinträchtigung der Herzfunktion, die zu Beispiel mit Herzrhythmusstörungen oder Vorhofflimmern einhergehen kann. Nicht zuletzt ist auch die sogenannte Bluthochdruckkrise (hypertensive Krise), bei der ein plötzlicher Blutdruckanstieg auf Werte von 230/130 mmHg oder höher auftritt, oftmals mit akuten Schädigungen des Herzens, Gehirns und der Lunge verbunden. Hier muss umgehend gehandelt werden, um potenziell tödliche Folgeschäden zu vermeiden.

Ursachen

Die arterielle Hypertonie ist bei einem Großteil der Patienten nicht auf direkte körperliche Ursachen zurückzuführen, so dass die ärztliche Diagnose „primäre“ oder „essentielle“ Hypertonie lautet. Den Angaben der Deutschen Hochdruckliga zufolge leiden mehr als 90 Prozent der Betroffenen unter einer primären Hypertonie, während die sekundären Hypertonien einen relativ geringen Anteil an den Gesamterkrankungen haben. „Im menschlichen Körper wird der Blutdruck durch einen sehr komplexen Mechanismus reguliert“, wobei „biochemische Botenstoffe, Organe, Blutgefäße und das Nervensystem miteinander in Wechselwirkung“ stehen, erläutert die Hochdruckliga weiter. Bis heute sei der zugrunde liegende Mechanismus jedoch nur teilweise erforscht.

Gefäßverengungen können eine Ursache für Bluthochdruck sein.
Gefäßverengungen können eine Ursache für Bluthochdruck sein. Bild: www.fotolia.com © psdesign1

Unklare Ursachen des primären Bluthochdrucks

Insbesondere bei primärem Bluthochdruck bleiben die Wirkungszusammenhänge im Organismus weitgehend unklar. Allerdings besteht offensichtlich ein Zusammenhang mit den Erbanlagen beziehungsweise Genen. Zudem wurden im Rahmen verschiedener Studien einige maßgebliche Risikofaktoren für die primäre Hypertonie identifiziert. Hier nennt die Deutsche Hochdruckliga zum Beispiel Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Übergewicht und Stress als wesentliche Einflussgrößen. Darüber hinaus gilt Tabakkonsum als entscheidender Risikofaktor für primären Bluthochdruck. Zudem werden Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen sowie eine salz- und fettreiche Ernährungsweise, verschiedene Medikamente (z.B. die „Pille“) und Alkohol als begünstigende Faktoren bewertet. Die Naturheilkunde zieht darüber hinaus auch mögliche Störfelder, welche die natürlichen Regulationsmechanismen des Herz- Kreislaufsystems irritieren und beeinträchtigen, als Auslöser des Bluthochdrucks in Betracht.

Mögliche Ursachen der sekundären Hypertonie

Bei einer sekundären Hypertonie lassen sich per Definition bestimmte körperliche Ursachen des Bluthochdrucks feststellen. Dies können zum Beispiel Erkrankungen der Nieren, bestimmte Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems, hormonelle Störungen oder das sogenannte Schlafapnoe-Syndrom sein.

Als Nierenerkrankungen, die eine sekundäre Hypertonie bedingen können, sind zum Beispiel eine chronische Nierenentzündung, Nierenschäden infolge von Diabetes und die Zystennieren zu nennen. Auch eine Verengung der Nierenarterie kann den sekundären Bluthochdruck bedingen. Neben dem erhöhten Blutdruck zeigen die Betroffenen hier Symptome wie Nierenschmerzen beziehungsweise Flankenschmerzen, Blut im Urin und die Entwicklung von Ödemen (Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe).

Kardiovaskuläre Beeinträchtigungen wie beispielsweise eine Verengung der Hauptschlagader (Aortenisthmusstenose; meist infolge eines angeborenen Herzfehlers) oder eine Vaskulitis (Entzündung der Blutgefäße) sind ebenfalls als mögliche Ursachen einer sekundären Hypertonie bekannt. Hinzu kommen sogenannte endokrine Krankheiten (Erkrankungen der Hormondrüsen), welche zu Störungen des Hormonhaushalts führen und auf diesem Wege den Blutdruck aus dem Gleichgewicht bringen. Zum Beispiel sind ein sogenannter primärer Hyperaldosteronismus (Conn-Syndrom; gekennzeichnet durch einen erhöhten Aldosteron-Spiegel im Blut), das Cushing-Syndrom (erhöhte Cortisol-Konzentration im Blut) und eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus) mögliche endokrine Erkrankungen, die zu einer sekundären Hypertonie führen können. Bei dem Schlafapnoe-Syndrom zeigen sich Atemaussetzer während des Schlafs, die mit einem drastischen Absinken des Sauerstoffgehalts im Blut, anschließenden Weckreaktionen und infolgedessen mit einem Anstieg des Blutdruck einhergehen.

Weitere mögliche Ursachen sind die Einnahme von Arzneien mit Wirkstoffen wie zum Beispiel Adrenalin, Kortikosteroiden oder Methylphenidat. Auch Drogen wie beispielsweise Kokain können den Blutdruck in die Höhe treiben. Zudem steigt der Blutdruck oftmals im Zuge einer Schwangerschaft deutlich an. Diese vorübergehenden Entgleisungen des Blutdrucks sind allerdings von den oben genannten pathologischen Formen der Hypertonie zu unterscheiden. Insgesamt bleibt festzuhalten: So komplex unser röhrenartig verlaufendes Gefäßsystem zur Blutverteilung ist, so anfällig ist es auch für Außeneinflüsse. Akute Erhöhungen des Blutdruck sind zudem bei körperlicher Anstrengung, Ärger und Angst festzustellen, wobei der Blutdruck im Ruhezustand schnell wieder abfällt. Hier wird auch deutlich, wieso Dauerstress und Angststörungen mit einer chronischen Erhöhung des Blutdrucks in Zusammenhang gebracht werden.

Diagnose

Blutdruckmessungen sind das elementare Diagnoseinstrument für die Feststellung einer Hypertonie. Ein erhöhter Wert bei einmaliger Messung sagt allerdings nur wenig aus. Um eine Hypertonie festzustellen, sollte über mindestens eine Woche dreimal täglich der Blutdruck gemessen und eine Tabelle darüber geführt werden. Die Messungen sollten immer zu den gleichen Zeiten erfolgen, damit vergleichbare Werte entstehen und die zirkadiane Rhythmik sichtbar wird, denn im Tagesrhythmus kann es zu typischen Schwankungen des Blutdrucks kommen. Zudem ist darauf zu achten, dass die Messung im Ruhezustand erfolgt. Die Patienten sollten sich daher hinsetzen und rund fünf Minuten pausieren, bevor die Messung stattfindet. Zudem ist laut Angaben der Deutschen Hochdruckliga darauf zu achten, dass die Messgeräte ungefähr auf Höhe des Herzens angelegt werden. Denn „liegt der Messpunkt unterhalb der Herzhöhe, so sind die gemessenen Werte zu hoch. Liegt der Messpunkt oberhalb der Herzhöhe, sind die Werte zu niedrig“, erläutert die DHL.

Bis heute wird der Blutdruck meist mit Hilfe einer aufblasbaren Manschette ermittelt, wobei der Deutschen Hochdruckliga zufolge darauf zu achten ist, dass der aufblasbare Teil sich an der Innenseite des Oberarms befindet, der Verschluss außen liegt und der Schlauch nach unten zur Hand zeigt. Die richtige Höhe zur Anbringung sei „zwei Querfinger oberhalb der Ellenbeuge.“

Beim Anlegen sollte die Manschette nicht zu eng zugezogen werden, um Verfälschungen der Ergebnisse zu vermeiden. Für Menschen mit besonders kräftigen oder besonders dünnen Oberarmen sind hier spezielle Manschetten verfügbar. Zwar ermöglichen manche Blutdruckmessgeräte auch eine Messung am Handgelenk, hierbei können laut Mitteilung der Hochdruckliga „jedoch häufiger Fehler unterlaufen, da die Armhaltung stärker variieren kann.“ Neue Geräte würden daher erst dann die Messung beginnen, wenn der Messpunkt auf Herzhöhe liegt und die Armhaltung stimmt. Wird der Blutruck beim Arzt gemessen, geht dies oftmals mit einer gewissen Nervosität der Patienten einher, was per se zu einer Erhöhung des Blutdrucks und verfälschten Ergebnissen führen kann. Besteht der Verdacht auf diesen sogenannten „Weißkittel-Effekt“, sind selbstständige Messungen durch die Patienten in ihrem häuslichem Umfeld angeraten.

Im Rahmen der Diagnosestellung gilt es, nach einer Bestätigung der Hypertonie durch die Blutdruckmessungen, auch mögliche Ursachen für eine sekundäre Hypertonie zu ermitteln und das kardiovaskuläre Risiko einzuschätzen sowie Endorganschäden und Begleiterkrankungen zu erkennen, so der Hinweis in den „Leitlinien für das Management der arteriellen Hypertonie“, herausgegeben von der European Society of Cardiolgy, der Europen
ociety of Hypertension, der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und der Deutschen Hochdruckliga. Die „Eigenanamnese, Familienanamnese, körperliche Untersuchung, Labordiagnostik und weitere spezielle diagnostische Tests“ sind hier wichtige Schritte auf dem Weg zur gesicherten Diagnose.

Herzkrankheiten
Übersicht der möglichen Herzerkrankungen. Bild: www.fotolia.com © Henrie

Die Anamnese umfasst bei Verdacht auf Bluthochdruck die Befragung der Patienten zu bereits früher aufgetretenen Blutdruckerhöhungen bei den Patienten und zu bekannten sekundären Hypertonien im Familienumfeld. Auch die Einnahme von Drogen und Medikamenten gilt es zu überprüfen. Des Weiteren werden Begleitsymptome wie Schweißausbrüche, Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen, Angstzustände, Muskelschwächen und sogenannter Tetanien (motorische Störungen und Missempfindungen infolge einer Übererregbarkeit der Muskeln und Nerven) abgefragt. Zudem sind Risikofaktoren wie die Ernährungsgewohnheiten, ein Mangel an körperlicher Bewegung oder der Tabakkonsum zu überprüfen.

Die körperliche Untersuchung umfasst neben den Blutdruckmessungen unter anderem das Abtasten der Nieren, ein Abhorchen des Bauches und Brustkorbes, die Überprüfung des Hautbildes und die Suche nach möglichen Hinweisen auf das Cushing-Syndrom. Dabei werden auch Laboruntersuchungen zur Diagnostik herangezogen. Hier empfehlen die „Leitlinien für das Management der arteriellen Hypertonie“ zunächst mit einer relativ einfach Basisuntersuchung zu beginnen und gegebenenfalls – sofern indiziert – zu komplexeren Untersuchungen überzugehen. Zur Basisuntersuchung zählt den Behandlungsleitlinien zufolge die Ermittlung der Werte von „Hämoglobin und/oder Hämatokrit, Nüchternglukose, Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Nüchterntriglyceride, Kalium und Natrium im Serum und Harnsäure im Serum.“ Auch eine sogenannte GFR-Bestimmung des Serumkreatinins, eine Urinanalyse und ein 12-Kanal-EKG sind vorgesehen. Ergeben sich Verdachtsmomente für ursächliche Erkrankungen, sind als weitere Untersuchungen zum Beispiel ein Echokardiogramm, ein Langzeit- oder Belastungs-EKG, Ultraschalluntersuchungen der Halsgefäße, der peripheren Gefäße und des Brustkorbes sowie eine Augenhintergrundspiegelung vorgesehen. Grundsätzlich erfolgt im Rahmen der körperlichen Untersuchung auch eine Ermittlung des Body-Mass-Index und des Taillenumfangs.

Diagnosemöglichkeiten in der Naturheilpraxis

In der Naturheilpraxis werden, je nach Ausrichtung, auch Möglichkeiten zur Diagnose genutzt, die ursächliche Hinweise geben, bereits bevor klinisch eine krankhafte Veränderung festgestellt werden kann. Bei der Anlitzdiagnose gelten gerötete Bindehäute, sichtbar geschlängelte Schläfenarterien und eine rote Gesichtsfarbe zum Beispiel als Hinweise auf eine Hypertonie, wobei letzteres Zeichen auch konstitutionell bedingt sein kann. Eine zugrundeliegende Herz- oder Nierenschwäche zeichnet sich manchmal frühzeitig durch Flüssigkeitsansammlung an den Augenlidern ab. Bei der Augendiagnose werden Herz- und Nierensektor auf Schwächezeichen mit dem Irismikroskop untersucht. Außerdem kann der sogenannte Arcus lipoides oder „Fettring“ Hinweis auf hohe Cholesterinwerte und Fettstoffwechselstörungen sein. Vor allem bei plötzlichem Auftreten hoher Blutdruckwerte und bei jungen Hypertonie-Patienten wird Ausschau nach Störfeldern gehalten, insbesondere in Form von wurzelbehandelten Zähnen, Mandeln, Nasennebenhöhlen und Narben, die durch Verletzungen oder Operationen entstanden sind. Die Lebensweise, vor allem im Bereich des Ernährungsverhaltens, wird ausführlich erfragt und analysiert, um für den Betroffenen eine geeignete Diät konzipieren zu können.

Im Gespräch werden außerdem mögliche Konflikt- und Stressfaktoren – zum Beispiel am Arbeitsplatz, in Beziehungen oder in der persönlichen Geschichte des Betroffenen – ausgemacht, die die Symptomatik verstärken oder bedingen könnten. Aus den gesammelten Hinweisen und Daten kann darauffolgend ein individuell angepasster Behandlungsplan erstellt und umgesetzt werden.

Therapie

Die erforderlichen therapeutischen Maßnahmen richten sich bei den sekundären Hypertonien vor allem nach den möglichen Grunderkrankungen, sie müssen jedoch generell die Ausprägung der Hypertonie und das gesundheitliche Gesamtrisiko berücksichtigen.

Moderate Formen des primären Bluthochdrucks werden heute auch in der Schulmedizin meist ohne den Einsatz von Arzneien, sondern lediglich auf Basis von Umstellungen des Lebensstils (gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, Abbau von Übergewicht, Verzicht auf Tabak und Alkohol) therapiert. Treten neben dem Bluthochdruck weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren, wie zum Beispiel Übergewicht oder Diabetes auf, ist diesen in der Regel jedoch nicht mehr alleine mit einer Änderung des Lebensstils beizukommen. Hier sind blutdrucksenkende Medikamente ein wichtiges Mittel, um das Risiko lebensbedrohlicher kardiovaskulärer Schäden zu minimieren. Erreicht der Blutdruck Werte von mehr als 180/110 mmHg wird der sofortige Einsatz von Blutdruck-Medikamenten erforderlich, auch wenn keine weitere Risikofaktoren hinzukommen.

Bei moderaten Formen der primären Hypertonie empfehlen die Behandlungsleitlinien zunächst über mehrere Monate mit Hilfe einer Umstellung des Lebensstils gegen den Bluthochdruck vorzugehen. „Lebensstiländerungen sind entscheidend in der Prävention der Hypertonie, sind aber ebenso bedeutsam in deren Behandlung“, schreiben die Experten in den „Leitlinien für das Management der arteriellen Hypertonie“. Als wesentliche Maßnahmen nennen die Behandlungsleitlinie die „Einschränkung der Kochsalzzufuhr auf 5 bis 6 Gramm pro Tag“, die „Beschränkung des Alkoholkonsums auf nicht mehr als 20 bis 30 Gramm Alkohol pro Tag bei Männern und nicht mehr als 10 bis 20 Gram pro Tag bei Frauen.“ Zudem wird ein „erhöhter Konsum von Gemüse, Früchten und Milchprodukten mit niedrigem Fettgehalt empfohlen.“ Des Weiteren ist regelmäßige Bewegung wie zum Beispiel „moderates dynamisches Training, für mindestens 30 Minuten an 5 bis 7 Tagen pro Woche“ angeraten und die Leitlinien sehen die Gewichtsreduktion auf einen BMI von 25 vor. Der Taillenumfang sollte weniger als 102 Zentimeter bei Männern und 88 Zentimeter bei Frauen betragen, solange hier keine Kontraindikationen vorliegen, empfehlen die Behandlungsleitlinien weiter. Rauchenden Bluthochdruckpatienten wird geraten, den Tabakkonsum unbedingt einzustellen und sich hierfür im Zweifelsfall therapeutische Unterstützung zu suchen.

Zu den verfügbaren Blutdruck-Medikamenten erläutern die Behandlungsleitlinien, dass hier fünf große Substanzklassen verfügbar sind, zwischen denen in einer Vielzahl randomisierter kontrollierter Studien keinen klinisch relevanten Unterschiede festzustellen gewesen seien. Den „Leitlinien für das Management der arteriellen Hypertonie“ zufolge sind Diuretika, Betablocker, Calciumantagonisten, ACE-Hemmer und Angiotensinrezeptorblocker „alle gleichermaßen für die Initial- und Dauerbehandlung geeignet, sei es als Mono- oder Kombinationstherapie.“ Allerdings müssen dabei selbstverständlich die absoluten und relativen Kontraindikationen berücksichtigt werden und der Einsatz sollte nach spezifischen Indikationen erfolgen. Beispielsweise ist Gichteine absolute Kontraindikation für den Einsatz von Diuretika und Asthmaeine Kontraindikation für Betablocker.

Naturheilkunde bei Bluthochdruck

Viele Aspekte der Naturheilkundefinden sich bereits in den oben genannten Lebensstiländerungen wieder, wobei allerdings die ganzheitliche Herangehensweise bei der naturheilkundlichen Therapie deutlich stärker im Vordergrund steht. Das Zusammenspiel von Ernährungstherapie, Bewegungstherapie, Entspannungstechniken, Heilkräutern, homöopathischen Mitteln und weiteren naturheilkundlichen Verfahren ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Die Behandlung sollte dabei individuell auf die Patienten abgestimmt werden.






Bei der Ernährung bieten sich als Alternative zum Salz bestimmte Kräuter (zum Beispiel Basilikum und Liebstöckel), Zwiebeln und Knoblauch an. Sie verleihen den Speisen einen würzigen Geschmack und können gleichzeitig zur Senkung des Blutdrucks beitragen. Obst und Gemüse sollten aufgrund der enthaltenen Mineralstoffe ohnehin einen hohen Anteil der täglichen Nahrungsaufnahme bilden.

Verschiedene Heilpflanzen können ebenfalls gegen den Bluthochdruck eingesetzt werden, wobei insbesondere Kräuterteemischungen aus Weißdornblüten, Melisse, Misteln und Baldrian sich vielfach bewährt haben. Auch können den Teemischungen – abhängig von dem individuellen Beschwerdebild – zusätzliche Heilpflanzen beigefügt werden. Beispielsweise tragen harntreibende Pflanzen wie Goldrutenkraut, Schachtelhalm oder Brennnesseln zu einem Absinken des Blutdrucks bei. Allerdings ist hier Vorsicht angebracht, da diese bei verschiedenen Beschwerdebildern wie beispielsweise einer Nierenerkrankung kontraindiziert sein können.

Weitere Hausmittel gegen Bluthochdruck aus dem Bereich der Nahrungsmittel sind zum Beispiel Apfelessig, Honig, rote Beeren oder Granatäpfel. Als Nahrungsergänzung wird in der Naturheilkunde zudem mitunter Schwarzkümmelöl angewandt. Des Weiteren können verschiedenen ätherische Öle, die zum Beispiel über eine sogenannte Armomalampe in die Raumluft abgegeben werden, zu einer Absenkung des Blutdrucks beitragen. Hier sind unter anderem ätherische Öle von Lavendel, Majoran oder Melisse gut geeignet.






Als naturheilkundliche Methode hat sich auch die sogenannte Hydrotherapie bei der Behandlung der Hypertonie bewährt. Bekannt wurden die Wasseranwendungen durch den Pfarrer Sebastian Kneipp, der diese bereits im 19. Jahrhundert zu Behandlung unterschiedlichster Beschwerden nutzte. Die äußeren Anwendungen in Form von Waschungen, Bädern, Güssen und Wickeln wirkt dabei laut Angaben der Deutschen Hochdruckliga „wie eine Reiztherapie, die den Organismus umstimmen kann.“ Allerdings ist bei Bluthochdruck-Patienten zunächst eine Gewöhnung an die hydrotherapeutischen Reize erforderlich. Anschließend werden sie an einem Körperteil durchgeführt und dabei wird das Wasser immer von der Herzferne in die Herznähe geführt. Zum Einstieg seien wechselwarme Güsse angebracht, später werde auf kalte Güsse umgestiegen, berichtet die Hochdruckliga weiter. Extreme Kälteanwendungen sind jedoch unbedingt zu vermeiden, da diese den Blutdruck mitunter drastisch erhöhen. „Großflächige Kältereize wie Schwimmen im kalten Wasser, kalte Güsse oder eine kalte Dusche nach körperlicher Anstrengung oder einem Saunabesuch können den Blutdruck in die Höhe treiben“, warnt die Deutsche Hochdruckliga. Hingegen würden sich regelmäßige morgendliche Wechselduschen, ansteigende Armbäder oder ansteigende Fußbäder am Abend positiv auf mäßig erhöhten Blutdruck auswirken. Die sogenannte Kneippkur mit ihrer Kombination aus Hydrotherapie, Ernährungstherapie, Bewegungstherapie, Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) und Ordnungstherapie (zur Entspannung und zum Stressabbau) zählt insgesamt zu den besonders vielversprechenden naturheilkundlichen Ansätzen gegen die arterielle Hypertonie.

Aufgrund der negativen Auswirkungen von Stress und psychischen Belastungen bei arterieller Hypertonie, sind psychotherapeutische Elemente, wie beispielsweise der Einsatz von Entspannungstechniken, in der Naturheilkunde ein wesentliches Element der Blutdruckhochdruck-Therapie. Autogenes Training, Yoga, Tai Chi oder Qi Gong sind gute Möglichkeiten den Stressabbau zu unterstützten beziehungsweise das Aufkommen von Stress zu vermeiden. So dienen sie oftmals auch der Normalisierung des Blutdrucks.

Weitere naturheilkundliche Ansatzpunkte bieten zum Beispiel die Homöopathie und die Schüssler-Salz-Therapie. Als homöopathisches Mittel hat sich zum Beispiel Glonoinum bei akutem Bluthochdruck bewährt und Rauwolfia kann gegen mildere Formen der Hypertonie eingesetzt werden. Aus dem Bereich der Schüssler-Salz-Therapiekommen unter anderem die Schüssler Salze Nr. 7 (Magnesium phosphoricum) und Nr. 8 (Natrium chloratum) zur Behandlung der Hypertonie in Betracht. Der Einsatz sollte jedoch nur in Rücksprache mit erfahrenen Therapeuten beziehungsweise einem Arzt erfolgen.

Insgesamt bietet die Naturheilkunde ein enorm breites Spektrum verschiedener Verfahren zur Linderung des Bluthochdrucks, wobei hier nur ein Auszug der Möglichkeiten zusammengestellt wurde. Welche Methoden letztlich Anwendung finden, sollte individuell zwischen Therapeuten und Patienten abgestimmt werden. Ein Gang zum Arzt ist bei Hinweisen auf Bluthochdruck allerdings in jedem Fall erforderlich, um schwerwiegender Ursachen der Beschwerden auszuschließen und zu einer gesicherten Diagnose zu gelangen. (jvs/fp)


Bild: Philipp Flury  / pixelio.de