Herz aus dem Takt: Elektroschocks können bei Herzrhythmusstörungen Leben retten

Cardiogram heart - 3D Rendering
Fabian Peters
Wenn das Herz aus dem Takt gerät: Lebensrettender Elektroschock
Gerät das Herz aus dem Takt, spüren Betroffene dies unter anderem durch Schwindel, Atemnot, Herzrasen und Druck auf der Brust. Manche merken aber auch nichts davon, bis sie plötzlich in Ohnmacht fallen. In manchen Fällen können nur noch Stromschläge den normalen Herzschlag wiederherstellen und so Leben retten.

Manche merken nichts von ihren Herzrhythmusstörungen
Das Herz vollbringt wahrhaft extreme Leistungen. Tag für Tag pumpt der faustgroße Muskel rund 7.000 Liter Blut durch unseren Körper. In Ruhe liegt die normale Herzfrequenz zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute Kommt es zu Abweichungen davon, spricht man von Herzrhythmusstörungen. Die Folge können Schwindel, Atemnot und Druckgefühle in der Brust oder auch plötzliche Ohnmacht sein. Manche Betroffene spüren die Veränderungen ihres Pulses jedoch gar nicht. Zwar können Herzrhythmusstörungen mitunter auch lebensbedrohlich sein, doch längst nicht alle sind gefährlich.

Kurze Elektroschocks können den Herzrhythmus wieder stabilisieren. (Bild: fotoliaxrender/fotolia.com)
Kurze Elektroschocks können den Herzrhythmus wieder stabilisieren. (Bild: fotoliaxrender/fotolia.com)

Was das Herz aus dem Takt bringt
Ein schlagartiges Umspringen des Pulses auf eine sehr hohe oder sehr niedrige Herzfrequenz ist typisch für krankhafte Herzrhythmusstörungen. Es gibt einiges, was das Herz aus dem Takt bringt: Meist sind die Störungen Folge von Herzkrankheiten wie einer Herzmuskelentzündung oder Einengung der Herzkranzgefäße. Wie Prof. Thomas Meinertz, Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung in Frankfurt am Main in einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa erläuterte, gehören besondere psychische und körperliche Belastungen, Übergewicht, Magnesiummangel und Kaliummnngel, zu wenig Schlaf sowie zu viel Kaffee-, Alkohol- und Nikotinkonsum zu den weiteren Risikofaktoren.

Vorhofflimmern erhöht Schlaganfall-Risiko
Die häufigste Herzrhythmusstörung ist das Vorhofflimmern, das neuen wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge vor allem für Frauen sehr gefährlich ist. Es kommt dabei zu unkoordinierten Erregungen der Vorhofmuskulatur, so dass die Vorhöfe das Blut nicht mehr aktiv in die Herzkammern befördern, erläuterte Felix Gramley von der Heidelberger Privatklinik für Kardiologie in der dpa-Meldung. Dann droht das Blut in manchen Nischen des Vorhofs zu stagnieren und Gerinnsel zu bilden. Das hat ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko zur Folge. Betroffene bekommen daher in der Regel blutverdünnende Medikamente und sogenannte Antiarrhythmika wie Betablocker.

Herz durch Strom in den Takt zurückholen
Sind die Beschwerden ausgeprägter, wird zusätzlich oft auch die sogenannte elektrische Kardioversion angewandt, um das Herz in den Takt zurück zu holen. „Dabei geben zwei Elektroden auf den Brustkorb unter kurzer Narkose einen gezielten Stromschlag Richtung Herz ab, wodurch das Vorhofflimmern zurückgesetzt wird und der normale Herzrhythmus wieder einsetzt“, erklärte Gramley. Zeigt diese Behandlung auf Dauer keinen Erfolg, kann eine Katheter-Ablation weiterhelfen, heißt es in der Agenturmeldung. „Dünne Sonden werden über die Leiste bis zum Herz vorgeschoben und veröden durch Hochfrequenzstrom oder Kälte bestimmte Stellen im Herzgewebe, die für das Vorhofflimmern verantwortlich sind“, sagte Gramley.

Herzdruckmassage kann Leben retten
Das Kammerflimmern ist eine weitere gefährliche Herzrhythmusstörung. „ Mit über 300 Schlägen pro Minute pocht der Herzmuskel so schnell, dass er kaum Blut und Sauerstoff durch den Körper pumpen kann“, erläuterte Philipp Sommer vom Herzzentrum Leipzig. „Herz und Kreislauf stehen faktisch still in dem Moment.“ Betroffene werden schlagartig ohnmächtig und haben keinen Puls mehr. Passanten müssen deshalb auch sofort reagieren, indem sie die Atmung prüfen und eine Herzdruckmassage beginnen. So besteht die Chance den Blutfluss aufrecht zu erhalten, bis Rettungskräfte eingetroffen sind. Letztlich kann ein Kammerflimmern nur durch einen Defibrillator unterbrochen werden. „Dieser bringt das Herz durch einen Stromstoß kurz zum Stillstand, damit es anschließend wieder seinen normalen Rhythmus findet“, erklärte Sommer.

Defibrillatoren an verschiedenen Orten zu finden
Defibrillatoren sind auch für Ersthelfer einfach zu bedienen. Zu finden sind sie unter anderem an Bahnhöfen, Flughäfen, in Banken, Hotels, Arztpraxen oder Sportstätten. Um öffentlich zugängliche Geräte zu finden, eignen sich Apps wie „Defi Now!“ für ganz Deutschland oder „Hamburg schockt“, „Frankfurt schockt“ oder „defikoeln“ für die jeweiligen Städte. Haben Betroffene das plötzliche Kammerflimmern überlebt, wird ihnen normalerweise ein kleiner Defibrillator implantiert. Laut dpa gibt dieser bei erneutem Kammerflimmern innerhalb weniger Sekunden Elektroschocks ab. „Wenn die Patenten wach sind, empfinden sie das zwar als schmerzhaft, es rettet aber ihr Leben“, so Sommer. (ad)

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