Hessische Hygieneverordnung noch dieses Jahr?

Fabian Peters

Hessische Hygieneverordnung für Kliniken soll noch dieses Jahr kommen

06.02.2011

Nach den Funden von verunreinigtem OP-Besteck im Klinikum Fulda und Kassel, hat der hessische Sozialminister die Einführung einer Hygieneverordnung für alle hessischen Krankenhäuser angekündigt. Zuletzt hatten sich die Hygiene-Mängel in den hessischen Kliniken gehäuft und zu weitreichenden Einschränkungen des Operations-Betriebes geführt. Ein Zustand der nach Ansicht des hessischen Sozialministers, Stefan Grüttner (CDU), so nicht hinnehmbar ist. Daher soll noch in diesem Jahr eine einheitliche Hygieneverordnung verabschiedet werden.

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Hygieneverordnung regelt Hygiene-Struktur und deren Überwachung
Die neue Hessische Hygieneverordnung werde Regelungen zur Hygiene-Struktur in den Kliniken und deren Überwachung durch die Behörden umfassen, erklärte der hessische Sozialminister am Samstag in Gießen. Die Basis der neuen Hygieneverordnung bilde dabei das seit Anfang des Jahres geltende Krankenhausgesetz, so Grüttner weiter. Am Ende seien jedoch die Kliniken vor Ort verantwortlich für die Einhaltung der Hygienestandards, wobei auch das Personal eine entsprechend bessere Ausbildung benötige, um dieser Verantwortung gerecht zu werden. Daher müssen Hygienefachkräfte intensiver in Pflege und Technik ausgebildet werden und auch Ärzte sollten sich auf diesen Bereich spezialisieren, erläuterte Grüttner. Um den veränderten Anforderungen an die Qualifikation des Fachpersonals gerecht zu werden, erarbeite die Landesregierung in Zusammenarbeit mit der Landesärztekammer derzeit bereits neue Angebote für die entsprechende Aus- und Weiterbildung.

Hygieneverordnung soll Gesundheitsämter stärker einbinden
Die geplante Hygieneverordnung soll nach Aussage des Sozialministers nicht nur die Kliniken in die Verantwortung nehmen, sondern auch die Gesundheitsämter zur intensiveren Überwachung der Hygiene in den Krankenhäusern verpflichten. Das Sozialministerium werde die Gesundheitsämter dazu auffordern, „die Überwachung der Hygiene in Krankenhäusern vermehrt in den Fokus ihrer Arbeit zu rücken“, erklärte Grüttner weiter. Der Sozialminister kündigte außerdem an bezüglich der Umsetzung der geplanten Maßnahmen bald mit der Hessischen Krankenhausgesellschaft und den kommunalen Spitzenverbänden Gespräche aufnehmen zu wollen. Wobei das Ziel sein werde, „gemeinsame Strategien zur Verbesserung der Hygiene in Krankenhäusern zu entwickeln.“ So sollen ähnliche Vorkommnisse wie mit dem verunreinigten OP-Besteck in Fulda und Kassel zukünftig vermieden werden. Allerdings hätten die Funde des verunreinigten Operationsbesteckes auch belegt, dass die staatlichen Prüfmechanismen funktionieren, betonte Grüttner. Was zu den Verunreinigungen geführt hat, wird nach Aussage des Sozialministers weiterhin untersucht, bleibt jedoch bisher unklar.

Experten warnen vor Hygiene-Mängeln
Hygiene-Experten bemängeln bereits seit längerem die mangelhafte Hygiene-Situation in vielen deutschen Kliniken. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), kritisierte bereits mehrfach, dass Hygiene-Mängel in den Krankenhäusern zum Beispiel eine stetig zunehmenden Zahl der Infektionen mit MRSA – multiresistente Bakterienstämme der Gattung Staphylococcus aureus (Staphylokokken), welche gegen die Behandlung mit gängigen Antibiotika resistent sind – bedingen. Klaus-Dieter Zastrow, Sprecher der DGKH unterstrich, wie wichtig einheitliche Vorschriften in ganz Deutschland wären, da „Bakterien (…) überall gleich (sind), für sie gibt es keine Unterschiede zwischen den Bundesländern.“ Vor allem auf den Intensivstationen bestehe in Bezug auf die Hygiene oftmals noch erheblicher Handlungsbedarf, erläuterte Zastrow im vergangen Jahr. (fp)