Hohes Hautkrebsrisiko bei jedem fünften Kind

Astrid Goldmayer

Bei jedem fünften Kindergartenkind erhöhtes Hautkrebsrisiko wegen Sonnenbrand

14.09.2012

Laut einer aktuellen Umfrage der europäischen Hautkrebsstiftung „European Skin Cancer Foundation“ (ESCF) hat jedes fünfte Kindergartenkind bereits einmal einen Sonnenbrand gehabt. Dadurch steigt das Risiko, im späteren Leben an Hautkrebs zu erkranken. Die ESCF unterstützt deshalb im Rahmen der bundesweite Aufklärungskampagne „Lass Dich nicht rösten“ das Kindergartenprojekt „SunPass – gesunder Sonnenspaß für Kinder“ gemeinsam mit der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und den Landeskrebsgesellschaften, um gezielt über den frühen Schutz vor Hautkrebs aufzuklären. Gehen Eltern zu sorglos mit dem Thema „Erhöhtes Hautkrebsrisiko durch Sonnenbrand“ um?

Mehr zum Thema:

Den Umfrageergebnissen zufolge scheinen viele Eltern die Gefahr der aggressiven UV-Strahlung zu unterschätzen. Denn jeder Sonnenbrand erhöht das Risiko, später an Hautkrebs zu erkranken. Für die Umfrage der Hautkrebsstiftung wurden 3.400 Eltern befragt. Das erschreckende Ergebnis: Jedes fünfte Kindergartenkind hatte mindestens einmal einen Sonnenbrand. Für Professor Eggert Stockfleth, Vorsitzender der ESCF, besteht dringender Handlungsbedarf, da Hautkrebs „fast zu einer Epidemie" werde. Jährlich würden Hautärzte rund 220.000 Neuerkrankungen diagnostizieren.

Kinder die häufig Sonnenbrand hätten, würden deshalb ein deutlich erhöhtes Risiko für Hautkrebs haben. „Kinderhaut ist besonders gefährdet. Diese Haut ist noch sehr sensibel und verfügt nicht über natürliche Mechanismen, sich vor UV-Strahlung zu schützen“, erklärt Stockfleth. „Richtiger Sonnenschutz muss deshalb bereits im frühsten Kindesalter beginnen.“ Doch glaubt man der Umfrage, scheinen Eltern viel zu sorglos im Umgang mit dem Thema Hautkrebsprävention umzugehen. Demnach setzen nur 14 Prozent der befragten Eltern ihren Kindern Mützen beim Spielen im Freien auf. Lediglich acht Prozent der Umfrageteilnehmer gab an, bewusst auf sonnenschützende Kleidung bei ihrem Kind zu achten.

Zu dickes „Sonnenkonto“ kann zu Hautkrebs führen
Stockfleth berichtet, dass jeder Mensch ein lebenslanges „Sonnenkonto“ führe: „Auf ihr Sonnenkonto zahlen sie ein, können aber nie wieder etwas abheben." So würde sich über Jahre der in der Bevölkerung noch relativ unbekannte helle Hautkrebs entwickeln. Sogar einigen Ärzten sei diese Krebsart trotz etwa 220.000 Neuerkrankungen pro Jahr – im Gegensatz zum gefährlicheren schwarzen Hautkrebs – unbekannt. Um über hellen Hautkrebs aufzuklären, startete am vergangenen Donnerstag die bundesweite Aktionskampagne „Lass dich nicht rösten". Damit wollen die ESCF und die DKG zum einen auf das kostenlose Hautkrebs-Screening ab dem 35. Lebensjahr im Zweijahresrhythmus hinweisen, das bislang rund 22 Millionen Deutsche in Anspruch nahmen. Zum anderen soll die Bevölkerung für das Risiko, an hellem Hautkrebs zu erkranken, sensibilisiert werden. In 100 Städten soll in Hautarztpraxen und an Infoständen Material rund um das Thema ausgelegt werden.

Zudem wurde das Projekt „SunPass – gesunder Sonnenspaß für Kinder“ von der ESCF in Kooperation mit der DKG und den Landeskrebsgesellschaften ins Leben gerufen, das über den Schutz vor Hautkrebs in der Kindheit aufklären soll. Kindergärten, die erfolgreich an einer Sonnenschutz-Ausbildung teilgenommen haben, erhalten die Auszeichnung „Sonnenschutzkindergarten“. Bisher wurden 70 Auszeichnungen vergeben. 60 weitere sollen in den kommenden Monaten folgen, wie die ESCF auf ihrer Internetseite informiert.

Steigende Zahlen der Neuerkrankungen bei Hautkrebs
Experten erwarten weiterhin steigende Zahlen bei den jährlichen Neuerkrankungen für Hautkrebs. Stockfleth erklärt, dass pro Jahr etwa sieben bis acht Prozent mehr Neuerkrankungen hinzukommen. „Das wird die nächsten 20 Jahre noch so anhalten", sagt der Experte. Seiner Ansicht nach, liegt die Ursache vor allem in den Reisegewohnheiten der Bundesbürger. Heute sei besonders die Generation der 50-Jährigen betroffen, die aufgrund preisgünstiger Flüge erstmals häufige Reisen in den Süden unternehmen würden.

„Sonnenschutz ist nicht mehr nur ein Sommerthema“, betont Stockfleth. „Familien fahren immer häufiger auch im Winter in südliche Länder oder reisen zum Skifahren in die Berge. Das Wissen über Sonnenschutz gehört darum zu jeder Reise in die Sonne, egal zu welcher Jahreszeit.“ (ag)