Immer mehr Jungen rufen Sorgentelefon an

Sebastian

Immer mehr Jungen nutzen das bundesweite Sorgentelefon "Nummer gegen den Kummer". In den Spitzenpositionen der Themenspektren bestehen allerdings zwischen Jungen und Mädchen deutliche Unterschiede.

03.12.2010

Laut einer Studie des Berliner Sozialwissenschaftlers Klaus Hurrelmann nutzen immer mehr Jungen das Sorgentelefon „Nummer gegen den Kummer“. Laut Studienergebnisse ist der Anteil der männlichen Kinder und Jugendlichen in den letzten zehn Jahren um 15 Prozent gestiegen.

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Bundesweit wird eine Seelsorge-Rufnummer „Nummer gegen den Kummer“ für Kinder, Jugendliche und Erwachsene angeboten. Laut einer sozialwissenschaftlichen Studie des Experten Klaus Hurrelmann ist der Anteil der Jungen von knapp 25 Prozent im Jahr 2000 auf fast 40 Prozent im Jahre 2009 angestiegen. "Dass Jungen und junge Männer auf eigene Initiative Hilfe suchen, hat es bisher kaum gegeben", sagte der Wissenschaftler Hurrelmann bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Angesichts dieser Zahlen sei ein verändertes Rollenverhalten sowie eine steigende Bereitschaft der Jungen und Männer zu erkennen, sich nach außen zu öffnen und über ihre Probleme zu sprechen.

Unterschiede der Themenspektren bei Jungen und Mädchen
Jungen reden vordergründig über Sexualität, Mädchen und junge Frauen sprechen eher über ihre Sorgen und Probleme in Sachen Liebe und Partnerschaften. Beide genannten Themen nehmen Spitzenpositionen in den jeweiligen unterschiedlichen Geschlechtern ein. "Hier zeigen sich die unterschiedlichen Empfindungen und Erwartungen, mit denen beide Geschlechter Erotik und Beziehungen für sich entdecken", resümierte Prof. Hurrelmann, Lehrstuhlinhaber für „Public Health and Education“ an der Berliner „Hertie School of Governance“. Überschneidungen auf den Rängen Zwei, Vier und Fünf gibt es in den Themenspektren „Probleme persönlicher Art“, „Freunde und Freundeskreis“ und „Probleme in der Familie“. Auf dem dritten Platz rangiert bei Jungen das Thema „Partnerschaft und Liebe“ und bei den Mädchen „Sexualität“.

Unterschiede zwischen Mädchen- und Jungenthemen zeigen sich vor allem in den zehn ersten Rängen. Sexuelle Praktiken, Langeweile, Körper/Aussehen und Homosexualität stehen bei den Jungen ganz oben, Gestaltung von Partnerschaft und Liebe ganz hinten. Ganz anders sehen die Ergebnisse bei den Mädchen aus. Hier sind die Topthemen Liebeskummer, Verliebt sein, Kontaktwunsch und Gestaltung von Partnerschaft. Themen wie „Langeweile“ (Rang 9) und „Schwärmerei“ (Rang 10) kommen bei den Mädchen weniger vor, als bei den Jungen.

80 Prozent der Anrufer sind Kinder zwischen 11 und 16 Jahren
Die Studie ist die dritte ihrer Art. Bereits in den Jahren 2005 und 2007 wurden Auswertungen angestellt, die auf Gesprächsprotokollen von anonymen Anrufern der "Nummer gegen Kummer" basieren. Insgesamt wurden zwei Millionen Anrufe ausgewertet. 80 Prozent der Anrufer waren zwischen 11 und 16 Jahre alt. Die anonymen Daten des Sorgentelefons der letzten zehn Jahre sind für Forscher laut Hurrelmann ein „unglaublicher Datenschatz“. Durch die Daten könne man eine Art "Seismograph" für sich verändernde Lebensauffassungen und Lebensstile junger Menschen schaffen. So können frühzeitig gesellschaftliche Entwicklungen und Trends erkannt und erforscht werden.

20 Jahre „Nummer gegen den Kummer“
Die „Nummer gegen den Kummer“ ist schon über 20 Jahre alt und wurde erstmals im Jahr 1980 in Betrieb genommen. Das Jugendtelefon ist in ganz Deutschland unter der kostenlosen Rufnummer 0800-1110333 erreichbar. Das Projekt wird von insgesamt 4000 ehrenamtlichen Mitarbeitern betrieben. Über drei Millionen Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben das beratende Telefongespräch bereits in Anspruch genommen. Allein im Jahre 2009 riefen rund 233.000 Menschen an. Während vieler tausend Gespräche konnten bereits konstruktive Lösungsansätze und Hilfen vermittelt werden.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Hermann Kues (CDU) bezeichnete daher die Ergebnisse als ein positives Zeichen. Es würden sich immer mehr Jungen trauen, über ihre Probleme auch mit anderen Menschen zu sprechen. Dies sei ein Signal, zukünftig Jungen intensiver zu fördern und zu unterstützten. Die Aufgabe sollte die Gesamtgesellschaftlich übernommen werden. (sb)