Kalter Winter bei Pollenallergie ideal

Fabian Peters

Kalter Winter bei Pollenallergie ideal

21.02.2011

Pollenallergiker profitieren derzeit vom knackigen Winter. Der relativ lange und kalte Winter hat für Heuschnupfen-Patienten eben auch seine gute Seiten. Die Pollenblüte ließ bisher auf sich warten. „Der knackige Winter war für Heuschnupfen-Patienten ideal“, erklärte der Allergologe Claus Kroegel vom Universitätsklinikum Jena gegenüber der „Märkischen Allgemeinen“. Der Pollenflugkalender liege dieses Jahr bisher rund zwei bis drei Wochen hinter dem Zeitplan, „jetzt aber fliegen die Pollen schon wieder“ und es gehe Schlag auf Schlag, betonte Kroegel. Deutschlandweit leiden nach Aussage des Experten zwischen 15 und 20 Prozent der Bundesbürger an Heuschnupfen.

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Segen für Allergiker – Pollenflugkalender hat Verspätung
Normalerweise rufe bei vielen Heuschnupfen- und Asthma-Patienten zu dieser Jahreszeit die Erlen- und Haselstrauchblüte bereits die ersten allergischen Symptome der Saison hervor. Dies habe „sich wegen der relativ langen Kälteperiode alles ein bisschen nach hinten verschoben, aber jetzt geht es bald Schlag auf Schlag“, erklärt Claus Kroegel. Die Haselblüte beginne eigentlich schon um Weihnachten, doch dieses Jahr hat der kalte lange Winter zu einer Verschiebung um zwei bis drei Wochen geführt, so der Leiter des Fachbereichs Pneumologie, Allergologie und Immunologie am Universitätsklinikum Jena. Auch die Erlenblüte habe dieses Jahr mit deutlicher Verspätung begonnen, was für die Heuschnupfen-Patienten eine äußerst angenehme Nebenwirkung der Kälte und des Schneefalls sein dürfte. Doch steht den Pollenallergikern in den kommenden Wochen die geballte Ladung bevor. Neben Hasel- und Erlenblüte sind dem Pollenflugkalender zufolge bis Mitte März noch Ulmen-, Weiden-, Pappel-, Eschen- und Birkenblüte fällig. Dem Allergologen Kroegel nach ist dabei für Pollenallergiker insbesondere die Birkenblüte problematisch und auch diese „steht uns noch bevor“.

Lebensstil bedingt Zunahme allergischer Erkrankungen
Den zu beobachtenden Anstieg der allergischer Erkrankungen seit den 1980er und 1990er Jahren führt der Fachmann des Universitätsklinikums Jena im wesentlichen auf den Lebensstil in den modernen Industriegesellschaften zurück. „Wir schulen unser Immunsystem nicht mehr, schirmen unsere Kinder von Krankheitskeimen ab und essen Nahrungsmittel voller Konservierungsstoffe, die die natürliche Darmflora verändern“, bemängelte Kroegel. Darüber hinaus bringe auch die immer bessere Wärmedämmung in den Wohnungen und Häusern eine höhere Konzentration von allergieauslösenden Substanzen in den Räumen mit sich – denn „früher herrschte Luftzug in den Häusern, heute ist alles abgedichtet“, so die Erläuterung des Mediziners. Generell werden Allergien durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems ausgelöst, welches auf eigentlich harmlose Stoffe mit einer Abwehrreaktion reagiert. Der Grundstein für die meisten Allergien wird dabei nach Aussage des Experten vermutlich schon in einer sehr frühen Lebensphase (im ersten Lebensjahr) gelegt.

Heuschnupfen-Symptome
Betroffene erkennen eine Pollenallergie an den typischen Symptomen wie tränenden Augen, Schnupfen, Niesen, Juckreiz oder Bindehautentzündungen. Teilweise sind aufgrund der vermehrten Sekretbildung auch die Nasennebenhöhlen von Verstopfungen und Entzündungen betroffen. Der Leiter des Fachbereichs Pneumologie, Allergologie und Immunologie am Universitätsklinikum Jena warnte davor, den allergischen Heuschnupfen leichtfertig zu unterschätzen, denn dieser könne auf die unteren Atemwege übergreifen und in allergisches Asthma übergehen. Daher sollten Personen mit Heuschnupfen im Rahmen einer medizinische Beratung, das Risiko und die Therapiemöglichkeiten ihrer Pollenallergie mit einem Fachmann besprechen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Heuschnupfen
In der Schulmedizin kommen zur Behandlung einer Pollenallergie häufig symptomlindernde Medikamente zum Einsatz, die den Patienten kurzfristig Erleichterung verschaffen, die Allergie jedoch nicht beheben. Zur Behandlung der Ursachen einer Pollenallergie bieten inzwischen viele Ärzte eine Hyposensibilisierung an, bei der den Betroffenen über einen längeren Zeitraum immer höhere Dosen der Allergene verabreicht werden, um eine immunologische Gewöhnung – eine Anpassung des Immunsystems – herbeizuführen. Bei der Behandlung treten jedoch teilweise erhebliche Nebenwirkungen auf. Aus naturheilkundlicher Sicht bieten sich verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten wie Homöopathie, traditionelle chinesische Medizin (TCM), Akupunktur, die Eigenbluttherapie, Hypnose, Bachblütenbehandlung und Darmsanierung an, um die Überreaktionen des Immunsystems auf einen ungefährlichen Stoff wieder in eine gesunde immunologische Reaktion zurückzuführen. (fp)