KI kann Alzheimer zehn Jahre vor Krankheitsausbruch erkennen

Alexander Stindt
Neue Entwicklung könnte die frühzeitige Vorhersage von Alzheimer ermöglichen
Alzheimer-Erkrankungen betreffen in der heutigen Zeit immer mehr ältere Menschen. Mediziner suchen schon länger nach Mitteln und Wegen, um das Risiko für die Entstehung der Erkrankung frühzeitig zu bestimmen. Forscher aus Italien entwickelten jetzt eine Künstliche Intelligenz, welche Alzheimer bereits zehn Jahre vor der Entstehung der ersten Symptome erkennen kann.

Die Wissenschaftler der Universität Bari in Italien entwickelten eine Software, welche kleine strukturelle Veränderungen im Gehirn feststellen kann, die Jahre später zu leichten kognitiven Störungen und der Entstehung von Alzheimer führen können. Die Mediziner veröffentlichten jetzt die Ergebnisse ihrer Studie.

Eine neu entwickelte Software könnte die Diagnose und Behandlung von Alzheimer revolutionieren. Die künstliche Intelligenz kann Alzheimer bereits zehn Jahre vor dem Auftreten den ersten Symptome diagnostizieren. (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)

Vorhersage der Alzheimer-Erkrankung war zu 86 Prozent genau
Die neu entwickelte künstliche Intelligenz zur Früherkennung von Alzheimer, analysierte die Bilder von einem Magnetresonanztomographen und war dabei in der Lage, mit einer Wahrscheinlichkeit von 86 Prozent Alzheimer zu diagnostizieren, noch zehn Jahre bevor die ersten Symptome auftauchen, berichten die Forscher.

Künstliche Intelligenz erkennt Veränderungen im Gehirn
Kleine strukturelle Veränderungen im Gehirn können auf kognitive Störungen und Alzheimer hinweisen. Der Algorithmus der neuen Software kann solche Veränderungen erkennen und so die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Alzheimer innerhalb der nächsten zehn Jahren feststellen, erläutern die Autoren. Die Künstliche Intelligenz suchte nach Unterschieden in der Konnektivität der Gehirne von späteren Alzheimer-Patienten und der Kontrollgruppe.

Frühzeitige Diagnose erleichtert Patienten den Umgang mit der Erkrankung
Wenn Alzheimer frühzeitig diagnostiziert wird, ist dies sicherlich kein Grund zur Freude bei den Betroffenen. Allerdings ermöglicht diese frühzeitige Diagnose den Patienten, sich besser auf die in Zukunft entstehende Erkrankung vorzubereiten. So können die Betroffenen die familiären und finanziellen Angelegenheiten bereits frühzeitig regeln. Außerdem wird es den Medizinern möglich, den in Zukunft auftretenden Effekten entgegenzuwirken und so die Entwicklung der Alzheimer-Erkrankung deutlich zu verlangsamen.

Software erkennt mit hoher Genauigkeit Alzheimer und kognitive Störungen
Bei der Untersuchung wurden insgesamt 67 Scans von Magnetresonaztomographen analysiert. 38 der Scans stammten dabei von Alzheimer-Patienten, die anderen 29 Scans gehörten zu Personen aus einer Kontrollgruppe. Bei Untersuchungen der Daten erkannte die künstliche Intelligenz Alzheimer-Erkrankungen mit einer Genauigkeit von 86 Prozent, erklären die Forscher. Leichte kognitive Störungen erkannte die Software mit einer Genauigkeit von 84 Prozent, so das Ergebnis der Auswertung eines weiteren Datensatzes von 148 MRT-Scans.

Analyse von größeren Datensätzen könnte die Genauigkeit weiter verbessen
Die bei der Untersuchung verwendeten Scans stammten von der Universität von Südkalifornien in Los Angeles. Größere Mengen von Daten könnten das Training der Künstlichen Intelligenz noch weiter verbessern, erklärem die Forscher. Dies würde zu einer erhöhten Genauigkeit bei der Diagnose führen. So könnte die Künstliche Intelligenz eine noch verlässlichere Früherkennung von Alzheimer ermöglichen, betonen die Wissenschaftler.

Zukünftige Behandlungsmethoden gegen die Alzheimer-Erkrankung
Bei der Alzheimer-Erkrankung entwickeln sich unauflösliche Plaques des Eiweiß-Fragments Beta-Amyloid im Gehirn. Forscher versuchen zur Zeit eine Impfung und Medikamente zur frühzeitigen Behandlung von Alzheimer zu entwickeln, welche die Erkrankung entweder verlangsamen oder im besten Fall sogar komplett stoppen kann, noch Jahre bevor die Alzheimer-Symptome ausbrechen. Eine Impfung könnte beispielsweise dazu führen, dass Antikörper gegen Beta-Amyloid entwickelt deren Ablagerung verhindern. Das Medikament soll die Enzyme blockieren, welche an der Entstehung von Alzheimer beteiligt sind. (as)