Kinder sind heute gesünder als vor zehn Jahren

Sebastian
Entwicklung betrifft jedoch vor allem Kinder aus sozial besser gestellten Familien
Die Gesundheit der Hamburger Kinder im Einschulungsalter hat sich in den letzten zehn Jahren verbessert. Dies geht aus einem aktuellen Bericht der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) hervor. Demnach sind Übergewicht und Allergien zurückgegangen, ebenso hat sich die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen und die Anzahl an Masernimpfungen deutlich gesteigert. Trotz allem sind die Chancen auf eine gute Gesundheit und Prävention offenbar nach wie vor ungleich verteilt. Denn sozial schlechter gestellte Kinder und Kinder mit Migrationshintergrund würden häufiger Anzeichen für gesundheitliche Einschränkungen zeigen.
Bericht basiert auf mehr als 26.000 Schuleingangsuntersuchungen
Hamburgs Kinder sind bei der Einschulung deutlich gesünder als noch vor zehn Jahren. Das zeigt der Bericht zur „Gesundheit Hamburger Kinder im Einschulungsalter“, den die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) veröffentlicht hat. Dieser basiert auf knapp 26.300 Schuleingangsuntersuchungen in den Jahren 2013 und 2014 und beschreibt zahlreiche gesundheitliche Aspekte bei Kindern im Alter von fünfeinhalb bis sechs Jahren wie z.B. Körpergewicht, Impfschutz und die Teilnahme an den Kindervorsorgeuntersuchungen. Damit wurde bereits die zweite Studie dieser Art in Hamburg vorgelegt, 2007 war die erste erschienen und beruhte auf den Jahrgängen 2004 und 2005.

Kinder sind heute wesentlich gesünder. Bild: Kurhan - fotolia
Kinder sind heute wesentlich gesünder. Bild: Kurhan – fotolia

Weniger Fälle von Übergewicht und chronischen Krankheiten
Es zeigte sich, dass sowohl der Anteil an übergewichtigen als auch an chronisch kranken Kindern zurückgegangen ist. Ebenso haben sich die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen und die Impfquote erhöht. „Die Ergebnisse sind einerseits erfreulich und das Ergebnis unserer Aktivitäten zur Förderung der Kindergesundheit. Andererseits profitieren leider nicht alle Familien und Kinder in Hamburg im gleichen Maß von den guten Entwicklungen“, so die Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) laut einer Mitteilung der BGV. Demnach würden sozial schlechter gestellte Kinder, Kinder von Alleinerziehenden und Kinder mit Migrationshintergrund häufiger Anzeichen für einen schlechteren Gesundheitszustand zeigen und seien zudem häufiger gesundheitlichen Risiken ausgesetzt.

„Hier müssen wir den Hebel ansetzen und gerade sie noch mehr in den Mittelpunkt unserer Anstrengungen stellen. Die Ergebnisse bestärken uns in unserer Politik, in den Stadtteilen Präventionsketten für Kinder und Familien anzubieten und mit „Frühen Hilfen“ die Gesundheit von Anfang an zu fördern“, betonte Cornelia Prüfer-Storcks. Diese Zusammenhänge seien der Gesundheitssenatorin nach allerdings nicht nur in Hamburg erkennbar, sondern hätten sich auch schon in bundesweiten Studien gezeigt.

Kinder von Alleinerziehenden haben häufiger Kopfschmerzen
Im Detail zeigt der Bericht z.B., dass das Allgemeinbefinden der Kinder in den Jahren 2013 und 2014 insgesamt deutlich besser war als zehn Jahre zuvor. Demnach gingen die Zahlen für Bauchschmerzen von 4,8 % auf 3,7 %, für Kopfschmerzen von 2,7 auf 1,9 Prozent sowie für Schlafstörungen von 2,2 auf 1,4 Prozent. Kinder von Alleinerziehenden waren jedoch häufiger von diesen Beschwerden betroffen, im Falle von Kopfschmerzen kamen sie beispielsweise auf knapp 5 Prozent.

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Auch an den Früherkennungsuntersuchungen (U1 bis U9) haben im Vergleich zu 2004 und 2005 mehr Kinder teilgenommen. Erkennbar ist der Unterschied vor allem bei der U7, die bei 93 statt 88 Prozent durchgeführt wurde. Hier würden die Dokumentationen dem Bericht zufolge jedoch zeigen, dass Kinder aus sozial schlechter gestellten Familien sowie Kinder mit Migrationshintergrund seltener das Angebot der Vorsorge in Anspruch nehmen.

Impfquote in den „Walddörfern“ deutlich niedriger
Beim Thema „Impfen“ wurden ebenfalls deutliche Unterschiede erkennbar. Vor allem beim Impfschutz gegen Masern zeigte sich, dass die Zahlen je nach Stadtteil teilweise sehr auseinander gehen. Während in Ottensen, Rotherbaum und in den sogenannten „Walddörfern“ wie z.B. Duvenstedt zuletzt nur 82 bis 88 Prozent der fünf bis sechsjährigen Kinder gegen Masern geimpft waren, erreichten Rothenburgsort und Billstedt 93 bis 95 Prozent sowie Wilhelmsburg 95 bis 100 Prozent.

Der geringere Impfschutz in einigen Stadtteilen stelle laut Cornelia Prüfer-Storcks ein „Mittelschichtsphänomen“ dar. „Einige Eltern überschätzen völlig die Risiken und Nebenwirkung einer Impfung und unterschätzen stark, was es bedeuten würde, wenn ihr Kind die Krankheit durchmachen würde“, sagte die Senatorin laut dem Hamburger Abendblatt. „Wir dürfen nicht nachlassen, darauf hinzuweisen, dass Impfen die beste Möglichkeit ist, Kinder vor Krankheiten zu schützen.“

Insgesamt betrachtet waren laut dem Bericht mehr Kinder gegen Erkrankungen wie Diphtherie, Hepatitis B, Polio, Masern, Mumps und Röteln geschützt als vor zehn Jahren. Kinder mit Migrationshintergrund zeigten hier insgesamt einen eher besseren Schutz als Kinder ohne Migrationshintergrund – allerdings war der Impfschutz wiederum geringer bei denjenigen, die nicht in Deutschland geboren wurden.

Jedes zehnte Kind ist nach wie vor zu dick
Während zehn Jahre zuvor noch etwa zwölf Prozent der Kinder als übergewichtig bzw. adipös eingestuft wurden, sank dieser Wert 2013/2014 auf rund zehn Prozent. Besonders betroffen von Übergewicht und Adipositas seien dem Bericht nach einzuschulende Kinder mit Migrationshintergrund. Zudem wurde erkennbar, dass Kinder von Eltern mit niedrigem Berufsstatus mit rund 16 Prozent deutlich häufiger zu dick waren als Gleichaltrige aus sozial eher besser gestellten Familien (4,6 Prozent).

Ein Rückgang konnte auch bei den chronischen Erkrankungen verzeichnet werden. Hier war jedes zehnte der einzuschulenden Kinder in Hamburg betroffen – deutlich weniger als 2004/2005. Die häufigste chronische Erkrankung im Einschulungsalter ist Neurodermitis, doch auch hier sank der Anteil innerhalb von zehn Jahren von 9,1 auf 6 Prozent. (nr)