Kinderlähmung in Indien offiziell besiegt

Fabian Peters

Ausbreitung der Polio-Infektionen gilt offiziell als gestoppt

13.01.2014

Indien galt lange als weltweites Epizentrum für Kinderlähmung (Polio), doch haben die Bemühungen im Kampf gegen die virale Infektionskrankheit vielversprechende Früchte getragen. Seit drei Jahren sind laut aktueller Mitteilung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) keine neuen Fälle einer Polio-Infektion in Indien aufgetreten. Damit gelte die „Polio-Wildvirus-Übertragung“ offiziell als gestoppt.

Die letzte Polio-Infektion in Indien wurde am 13. Januar 2011 bei einem zweijährigen Mädchen im Bundesstaat West Bengal registriert, berichtet die Weltgesundheitsorganisation. „Wenn alle ausstehenden Laboruntersuchungen negativ ausfallen, gilt die Übertragung des Polio-Wildvirus in Indien offiziell als gestoppt“, so die aktuelle WHO-Mitteilung. Die Anzahl der Länder, in denen weiter eine vermehrte Übertragung des Polio-Wildvirus droht, habe sich damit auf ein historisches Tief von drei reduziert: Afghanistan , Nigeria und Pakistan.

Ungünstige Ausgangsbedingungen zur Bekämpfung der Kinderlähmung
Obwohl die Voraussetzungen in Indien zur Bekämpfung der Kinderlähmung mit der hohen Bevölkerungsdichte und den bestehenden sanitären Problemen denkbar ungünstig waren, hat das massive staatliche und private Engagement der vergangenen Jahre den gewünschten Erfolgen gebracht. „Indiens Erfolg ist wohl seine größte Errungenschaft im Sinne der öffentlichen Gesundheit“, betonte die WHO-Generaldirektorin Margaret Chan. Die nationale Impfkampagne konnte eine vollständige Eindämmung der Kinderlähmung erreichen. Jedes Jahr werden laut WHO mehr als 170 Millionen Kinder im Alter von fünf Jahren in zwei nationalen Impfkampagnen geimpft und in den Risikogebieten erhalten zusätzlich 70 Millionen Kinder Polio-Impfungen im Rahmen von Sonderaktionen. „Dies erfordert fast eine Milliarde Dosen des oralen Polio-Impfstoffs jährlich“, so die WHO weiter.

Effektiver Schutz vor Polio möglich
UNICEF-Direktor Anthony Lake wertet die Leistung Indiens als „Beweis dafür, dass wir die Kinderlähmung auch in der anspruchsvollsten Umgebungen beseitigen können.“ Die Medizin verfüge über „die Fähigkeit, jede Person, insbesondere Kinder, vor dieser völlig vermeidbaren Krankheit zu schützen – und weil wir es können , müssen wir die Arbeit der Ausrottung der Kinderlähmung weltweit beenden – ein für alle Mal“, so Lake weiter. Allerdings bleibe trotz der Erfolge kein Raum für Selbstzufriedenheit. Auch in Indien müsse die Krankheit weiterhin genau überwacht werden, nicht zuletzt um sich gegen eine Einfuhr der Erreger aus den Nachbarländern zu schützen.

Kinderlähmung weiterhin in Pakistan, Afghanistan und Nigeria verbreitet
Neue Fälle von Polio-Infektionen sind laut Angaben der WHO vor allem in Afghanistan, Pakistan und in Nigeria zu verzeichnen. Aber auch im Tschad und der Demokratischen Republik Kongo konnten zuletzt Infektionen mit dem Poliovirus festgestellt werden. Wenn die Länder die richtigen Elemente kombinieren – politischen Willen, hochwertige Impfkampagnen und die Entschlossenheit eines ganzen Volkes, könne die Kinderlähmung jedoch auch hier besiegt werden, betonte Bill Gates als Co-Vorsitzender der Bill & Melinda Gates Foundation, die ihrerseits entsprechenden Projekte mit Millionensummen unterstützt. (fp)

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Bild: Blickreflex.de / pixelio.de