Kleiner Junge nach Kratzer von Fledermaus an Tollwut gestorben

Alfred Domke

Tollwut: 6-jähriger Junge stirbt nach Fledermaus-Kratzer

In Florida ist ein 6-jähriger junge gestorben nachdem er sich durch einen Kratzer einer Fledermaus mit Tollwut infiziert hatte. Auch hierzulande war in der Vergangenheit davor gewarnt worden, solche Tiere mit bloßen Händen anzufassen.

Sechsjähriger stirbt nach Tollwut-Infektion

Vor wenigen Tagen ist im Krankenhaus von Orlando (US-Bundesstaat Florida) der sechsjährige Ryker R. nach einer Tollwut-Infektion gestorben. Medienberichten zufolge hatte sich der Junge durch den Kratzer einer Fledermaus infiziert. Sein Vater hatte ihn jedoch erst Tage später in die Klinik gebracht, weil er die Gefahr offenbar nicht erkannt hatte. Schnelles medizinisches Eingreifen hätte dem 6-Jährigen womöglich das Leben retten können.

In den USA ist ein kleiner Junge an einer Tollwut-Infektion gestorben. Der Sechsjährige wurde offenbar durch den Kratzer einer Fledermaus infiziert. (Bild: Geza Farkas/fotolia.com)

Jedes Jahr Zehntausende Tote

Die Tollwut gilt noch immer als eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten weltweit.

Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sterben jährlich zwischen 50.000 und 60.000 Menschen an der vermeidbaren Krankheit. In Deutschland ist sie seit einigen Jahren weitgehend ausgerottet.

Lediglich bei Fledermäusen konnte das Virus hierzulande in den vergangenen Jahren nachgewiesen werden, weshalb Fachleute mahnen, die Tiere niemals mit bloßen Händen anzufassen.

In vielen Ländern Afrikas und Asiens ist die Krankheit allerdings noch weit verbreitet.

Gesundheitsexperten zufolge werden die Viren fast immer über Kratzer oder Bisse durch Hunde oder anderer infizierter Säugetiere übertragen.

Bei Ryker R. sorgte der Kratzer einer Fledermaus für die Infektion.

Kratzer einer Fledermaus

Der Vater des Jungen, Henry R., erklärte gegenüber „NBC News“, dass er eine verletzte Fledermaus gefunden habe, diese in einen Eimer gelegt und seinem Sohn gesagt habe, diese nicht anzufassen.

Doch der Kleine hielt sich offenbar nicht daran: „Also, offensichtlich hat er seine Hand dort hineingelegt und sie berührt und er sagte, dass es ihn gekratzt hat“, so der Vater.

Er erzählte weiter: „Also habe ich schnell gegoogelt und herausgefunden, dass ich seine Hände fünf Minuten lang mit Seife und heißem Wasser waschen musste.“

Doch diese „Behandlung“ reichte nicht aus. Laut einem Bericht der Zeitung „Orlando Sentinel“ brachten die Eltern ihren Sohn zunächst jedoch nicht zum Arzt, weil er sich vor einer möglichen Spritze fürchtete.

Spezielle Behandlung brachte keinen Erfolg

Eine Woche später klagte der Junge aber über taube Finger und Kopfschmerzen. Sein Vater dachte zunächst, er hätte sich beim Spielen den Kopf gestoßen und brachte ihn ins Krankenhaus von Orlando.

Dort fiel Henry R. die Fledermaus wieder ein und er erzählte es den Ärzten. „Diese suchten panisch nach den anderen Medizinern, um ihnen zu sagen, dass es eine Fledermaus war und wie ernst die Lage war. Und dann kamen alle rein“, erklärte der Vater laut dem Portal „Today“.

„Wir hatten eine Konferenz und sie erklärten mir, dass die Infektion fast immer tödlich ist.“

Zwar bekam Ryker R. im Krankenhaus von Orlando noch eine spezielle Behandlung, die bislang zwei Kindern in den USA und insgesamt 18 Menschen weltweit das Leben gerettet hat, doch bei dem 6-Jährigen half sie nicht.

Der Junge starb an der Tollwut-Infektion.

Gegen Tollwut gibt es kein Heilmittel

Kommt es zu einem Biss oder Kratzer, muss die Stelle gründlich gereinigt und ein Arzt aufgesucht werden. Wenn erst abgewartet wird, ob Tollwut-Symptome auftreten, dann ist es in der Regel bereits zu spät für eine Therapie.

Eine Infektion mit dem Tollwut-Erreger wird normalerweise mit einer sofortigen aktiven Impfung und mit speziellen Antikörpern (Immunglobulin) behandelt. Auch eine vorbeugende Impfung steht zur Verfügung.

Ein Heilmittel gegen Tollwut gibt es nicht. Die Krankheit bricht zwar nicht bei jedem aus, der sich infiziert hat, doch bei denen sie ausbricht, endet sie zu fast 100 Prozent tödlich.

Nach einer Infektion kommt es zunächst zu uncharakteristischen Beschwerden wie Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit. Fieber tritt nicht bei allen auf.

Auch Brennen, Jucken und vermehrte Schmerzempfindlichkeit im Bereich der Bisswunde sind möglich. In diesem Stadium kann es für eine Behandlung bereits zu spät sein.

Später kommt es dann unter anderem zu Krämpfen in der Schlundmuskulatur und erheblicher Angst vor dem Trinken. Der Gemütszustand der Patienten wechselt zwischen aggressiver und depressiver Verstimmung.

„Der Tod tritt in der Regel im Koma und unter den Zeichen der Atemlähmung ein. Zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und dem Tod liegen bei unbehandelten Patienten maximal 7 Tage“, schreibt das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Webseite.

Bis zum Ausbruch der Krankheit können Jahre vergehen

„In der Regel beträgt die Inkubationszeit drei bis acht Wochen.

In Einzelfällen kann es sogar mehrere Jahre dauern, bis die Krankheit ausbricht“, erklärte Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin in einer Mitteilung.

Der Experte mahnt, bei Fernreisen immer das Tollwut-Risiko zu bedenken und sich gegebenenfalls vorher impfen zu lassen. (ad)