Können gelähmte Menschen mit Rückenmarksverletzung bald geheilt werden?

Alexander Stindt

Ist es möglich eine Lähmung durch eine Rückenmarksverletzung zu heilen?

Es könnte eine gute Nachricht für Menschen mit einer Rückenmarksverletzung geben. Forschern ist es jetzt gelungen gelähmte Ratten mit der Hilfe einer Gentherapie zu heilen. Die Tiere, welche ihre Gliedmaßen nicht mehr richtig bewegen konnten, gewannen ihre Fähigkeit zurück, nach Nahrung zu greifen und sich selber zu ernähren.


Die Wissenschaftler des King’s College London stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass eine Gentherapie gelähmte Ratten heilen kann, welche sich normalerweise nicht mehr richtig bewegen konnten. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Brain“.

Eine neue Gentherapie könnte in Zukunft dazu führen, dass gelähmte Menschen mit einer Rückenmarksverletzung wieder in der Lage sind, ihre Gliedmaßen zu bewegen. (Bild: VRD/fotolia.com)

Ratten erlangten durch die Behandlung die Kontrolle über Gliedmaßen zurück

Die Forscher testeten eine Gentherapie an Ratten mit Rückenmarksverletzungen, um die typischen Verletzungen zu simulieren, die Menschen bei Autounfällen oder Stürzen erleiden. Es konnte beobachtet werden, dass die Raten durch die Gentherapie schnell die grundlegende Kontrolle über ihre Gliedmaßen wiedererlangten, erklärt Studienautorin Prof. Elizabeth Bradbury vom King’s College London. Präzisere Bewegungen brauchten allerdings ein wenig länger.

Nach einigen Wochen konnte eine Besserung festgestellt werden

Bei einigen der Tests, wie zum Beispiel beim Ergreifen der Sprossen einer Leiter, hat die Behandlung innerhalb von ein bis zwei Wochen funktioniert. Andere Tests, wie das Aufnehmen von Objekten, erforderten eine sehr gute Muskelfunktion, so die Expertin weiter. Eine solche Tätigkeit erfordere es, das Objekt mit der Hand zu erreichen, zu greifen, das Handgelenk zu drehen und das Objekt anzuheben und zu sich zu bewegen. Solch eine Durchführung neu zu erlernen, benötige eine längere Zeit. Eine Besserung konnte hier nach fünf bis sechs Wochen beobachtet werden, erklärt die Medizinerin.

Spezielles Enzym baut das Narbengewebe ab

Die Wissenschaftler injizierten in das geschädigte Rückenmark ein Gen, das ein Enzym namens Chondroitinase bildet, sagen die Forscher. Das Enzym baut das Narbengewebe ab, welches die Enden beschädigter Nervenfasern versiegelt. Dadurch können die Nerven wachsen, das Rückenmark wieder verbinden und die Muskelbewegung wiederherstellen, erläutern die Wissenschaftler in einer Pressemitteilung.

Weitere Forschung ist nötig

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass diese Art der Behandlung bei Ratten mit kürzlich erlittenen Verletzungen funktioniert. Die Experten wiederholen das Experiment jetzt an Tieren mit Verletzungen, welche bis zu einem Monat alt waren und mehr Narbengewebe aufwiesen. Weitere Untersuchungen sind jetzt nötig, um sicherzustellen, dass die Behandlung keine unerwünschten Nebenwirkungen hat. Die Wissenschaftler haben zum Schutz eine Art Schalter eingebaut, so dass das Enzym nur aktiv ist, wenn die Ratten ein Antibiotikum in ihrem Trinkwasser zu sich nehmen. Wird das Antibiotikum aus dem Trinkwasser entfernt, schaltet sich das Gen ab.

Behandlung könnte die Lebensqualität erheblich verbessern

Es werden jetzt Untersuchungen an Hunden durchgeführt, die bei Unfällen verletzt wurden. Wenn diese Forschungsarbeit erfolgreich ist, werden schließlich Studien an Menschen folgen, erläutern die Autoren. Wenn gelähmte Menschen durch eine solche Behandlung wieder ihre Hände bewegen könnten, würde dies ihre Unabhängigkeit teilweise wiederherstellen. Betroffen könnten sich wieder selber essen kochen und alleine essen, was natürlich für die meisten Menschen völlig normal ist, für Betroffene mit einer Lähmung allerdings eine enorm erhöhte Lebensqualität bedeuten würde. (as)