Kopfschmerzen und Sehstörung ein Warnsignal

Heilpraxisnet

Sehstörungen und Kopfschmerzen können auf eine Riesenzellarteriitis hinweisen

16.10.2014

Treten Kopfschmerzen im Alter über 50 Jahren plötzlich neu auf und werden sie dabei von Sehstörungen begleitet, ist dies als mögliches Warnsignal für eine sogenannte Riesenzellarteriitis zu bewerten. Bei dieser speziellen Form der Gefäßentzündung „ist rasches Eingreifen wichtig, denn unbehandelt kann die Gefäßentzündung zur Erblindung und zu lebensbedrohlichen Durchblutungsstörungen führen“, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh).

Die Riesenzellenarteriitis befällt laut Angaben der Fachgesellschaft meist einen oder mehrere Zweige der Halsschlagader und hier vor allem die Schläfenarterie (Arteria temporalis), doch betrifft die Erkrankung allgemein den gesamten Körper. In allen Gliedmaßen und Körperregionen können Arterien von der Arteriitis erfasst werden. Im Zuge der Entzündung schwellen die Wände der Blutgefäße deutlich an, wodurch die „Leitungsrohre“ für das Blut verengt werden und sich im ungünstigsten Fall komplett verschließen, berichtet die DGRh.

Riesenzellarteriitis kann lebensbedrohliche Ausmaße annehmen
Zwar sind die Ursachen der Riesenzellarteriitis bis heute nicht abschließend geklärt, doch wird davon ausgegangen, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der eine Fehlsteuerung des Immunsystems zu Entzündungsreaktionen auf körpereigene Strukturen führt, berichtet die Nachrichtenagentur „dpa“ unter Berufung auf Professor Wolfgang Schmidt von der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie. „Es bilden sich größere Zellansammlungen, so dass die Adern dick und geschwollen werden, im Extremfall kann es zu Verschlüssen kommen“, zitiert die Nachrichtenagentur den Experten. Als typische Merkmale der Erkrankung nennt die DGRh einen Erkrankungsbeginn jenseits dem Alter von 50 Jahren, plötzlich neuauftretende Kopfschmerzen, einen lokalen Druckschmerz oder eine abgeschwächte Pulsation der Schläfenarterien und Sehstörungen. Als weitere Beschwerden können zum Beispiel Schmerzen beim Kauen und unspezifische Allgemeinsymptome wie Fieber oder Leistungsschwäche auftreten. Abhängig von den betroffenen Arterien sind weitere schwerwiegende Folgen der Minderdurchblutung möglich, die bis hin zu Aortenaneurysmen, Aortenrupturen oder einem Herzinfarkt reichen.

Zeitnahe Behandlung erforderlich
Vermehrt festzustellen ist bei der Riesenzellarteriitis ein Verschluss der Zentralarterie der Augen, der seinerseits zu einer irreversiblen Beeinträchtigung der Sehkraft führen kann. Wird die Blutversorgung „abgeschnitten, kann die Sehkraft unwiederbringlich verloren gehen“, berichtet die DGRh. Daher ist hier schnelles Handeln geboten. Eine frühzeitig eingeleitete Kortison-Therapie zeigt bei einem Großteil der Patienten umfängliche Erfolge und hilft, die Sehkraft zu erhalten. Ergibt sich aus den Symptomen wie plötzlich auftretenden Kopfschmerzen, Sehstörungen, Fieber, Blutarmut und einer hohen Blutsenkungsgeschwindigkeit der Verdacht auf eine Riesenzellarteriitis, wird daher unmittelbar mit der Behandlung begonnen – noch bevor die Diagnose durch die Entnahme einer Gewebeprobe gesichert ist. (fp)

Bild: Martin Müller / pixelio.de