Krebs: Viele befürworten Nutzung personalisierter Patientendaten

Alfred Domke

Vor Krebs fürchten sich die Deutschen am meisten

Einer aktuellen Umfrage zufolge stellen Krebserkrankungen für etwa zwei Drittel der Deutschen die größte Gesundheitsbedrohung dar. Acht von zehn Bundesbürgern befürwortet demnach die Nutzung personalisierter Patientendaten, wenn dadurch Krebsmedikamente schneller entwickelt werden können.


Individuelle Therapie verspricht die besten Heilungschancen

Laut Gesundheitsexperten verspricht eine Krebstherapie, die individuell auf den einzelnen Patienten zugeschnitten ist, die besten Heilungschancen. Die personalisierte Krebsmedizin bedarf jedoch zunächst großer Datenmengen. Laut Fachleuten steht hier jedoch der Datenschutz im Weg; dieser hemme den medizinischen Fortschritt. Allerdings wäre ein Großteil der Deutschen bereit, ihre Daten im Dienste der Forschung zu teilen. Dies zeigte die repräsentativen Umfrage „Personalisierte Krebsmedizin“ der Beratungsgesellschaft PwC Strategy& unter 1.000 Bürgern.

Laut einer aktuellen Umfrage befürworten acht von zehn Bundesbürgern die Nutzung personalisierter Patientendaten, wenn dadurch Krebsmedikamente schneller entwickelt werden können. (Bild: DOC RABE Media/fotolia.com)

Deutsche haben am meisten vor Krebs Angst

In der Bevölkerungsbefragung zeigte sich, dass die Deutschen am meisten Angst vor der Diagnose Krebs haben.

Demnach stellen Tumorerkrankungen für etwa zwei Drittel (67 Prozent) die größte Gesundheitsbedrohung dar. Entsprechend hoch ist der Stellenwert der Krebsforschung: 86 Prozent halten sie für „sehr wichtig“.

Wie die Gesellschaft berichtet, befürworten acht von zehn Bürgern die Weitergabe personalisierter Daten, wenn dadurch die Entwicklungszeiten von Krebsmedikamenten verkürzt werden können.

„Die Bürger wollen aber sichergehen, dass der Datenschutz gewährleistet ist. Ihre Daten würden sie nur mit einer vertrauenswürdigen Institution teilen, am liebsten mit akademischen Forschungseinrichtungen wie Universitäten“, erklärte Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswesen & Pharma bei PwC Deutschland in einem Interview.

Finanzielle Gegenleistung erwartet

Zu der Frage ob er das Ergebnis überraschend fand, sagte Burkhart: „Das Ausmaß hat mich schon erstaunt. Denn das Thema „Datenschutz“ wird in der deutschen Öffentlichkeit besonders kritisch diskutiert.“

Er erklärte weiter: „Aber wir sehen auch: Die Angst vor Krebs ist ausgeprägt. Die Deutschen fürchten die Tumorerkrankung mehr als Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt, obwohl daran tatsächlich die meisten Menschen in Deutschland sterben.“

Das Interesse an der Krebsforschung sei entsprechend groß, „ebenso wie die Bereitschaft, einen eigenen Beitrag zur Wissenschaft zu leisten, vor allem durch die Preisgabe von persönlichen Daten“, so Burkhart.

Doch dieser Beitrag soll nicht unbedingt uneigennützig erfolgen. Denn in der Befragung zeigte sich, dass knapp jeder Fünfte für das Bereitstellen persönlicher Daten eine finanzielle Gegenleistung erwartet, beispielsweise in Form von geringeren Krankenkassenbeiträgen oder einer Bezahlung.

Ein Drittel würde seine Daten jedoch gratis zur Verfügung stellen. Und über ein Viertel der Deutschen würde es sogar begrüßen, wenn Daten verpflichtend anonymisiert bereitgestellt werden müssten.

Krebsforschung durch Teilnahme an Studien unterstützen

Neben dem Teilen persönlicher Daten wären zwei Drittel der Deutschen zudem bereit, die Krebsforschung durch Teilnahme an Studien zu unterstützen. Doch welche Fortschritte macht die Krebsmedizin derzeit überhaupt?

„Enorme“, sagte Dr. Thomas Solbach. „Krebsdiagnostik und -therapie werden sich nach unserer Einschätzung in den nächsten drei bis fünf Jahren grundlegend verändern“, so der Pharma- und Gesundheitsexperte bei Strategy& Deutschland.

„Künftig wird es noch stärker als bisher darum gehen, mittels gezielter Diagnoseverfahren wie molekulargenetischen Untersuchungen von Tumorgewebe und Blut sowie aussagekräftigen Datenanalysen die Therapie individuell an den Patienten anzupassen“, sagte Solbach.

„Das Stichwort ist dabei die personalisierte oder maßgeschneiderte Krebsmedizin, die das Wissen über die Krankheit mit neuen technologischen Möglichkeiten und individuellen Patientendaten verbindet.“

Nicht jeder Patient spricht gleich auf eine Therapie an

Michael Burkhart erläuterte, warum die personalisierte Krebsmedizin so ein großes Potenzial hat: „Die Krebsforschung weiß seit langem, dass die Krankheit unterschiedlich verläuft, und nicht jeder Patient gleich auf eine Therapie anspricht.“

Und: „Die Chancen auf Heilung steigen enorm, die Risiken von unerwünschten Nebenwirkungen sinken, wenn die Therapie individuell an den Patienten angepasst ist – und dies nicht nur zu Beginn der Therapie, sondern über den Gesamtverlauf“, so der Experte.

„Außerdem lässt sich so vermeiden, dass Erkrankte sich einer belastenden Therapie unterziehen müssen, auf die sie gar nicht ansprechen.“

Jeder Vierte hält Krebsmedikamente für überteuert

Das hat jedoch seinen Preis. Den Angaben zufolge liegen die Kosten für eine moderne Krebstherapie mit 50.000 Euro und mehr pro Jahr und Patient um das Zwölffache über den Durchschnittskosten je Versichertem.

Dennoch halten sechs von zehn Bundesbürgern diese Ausgaben für gerechtfertigt, vor allem bei nachgewiesenem Nutzen der innovativen Mittel.

„Etwa ein Viertel hält die Preise für Krebsmedikamente dagegen für überteuert, auch unabhängig von deren Nutzen“, erklärte Dr. Solbach.

„Das Kostenbewusstsein ist gestiegen, auch in der Gesundheitsbranche. Wir wissen aber, dass die personalisierte Medizin die Medikamente nicht zwingend teurer macht, sondern dazu beitragen kann, die Kosten im Gesundheitswesen zu senken“, so der Pharma- und Gesundheitsexperte. (ad)