Kurzer Antibiotika-Einsatz bei Kindern mit Mittelohrentzündung nicht vorteilhaft

Alexander Stindt
Kürzerer Einsatz von Antibiotika bei Mittelohrentzündung führt nicht zur geringeren Resistenz
Eine akute Mittelohrentzündung ist eine äußerst schmerzhafte und unangenehme Erkrankung. Häufig sind Kinder von dieser Krankheit betroffen. Meist werden Antibiotika nötig, um mögliche Komplikationen und auftretenden Folgeschäden zu vermeiden. Doch dies führt zu einer erhöhten Antibiotika-Resistenz. Aus diesem Grund versuchen Mediziner die Dauer der Behandlung möglichst kurz zu halten. Forscher fanden jetzt aber heraus, dass ein kürzerer Einsatz von Antibiotika zwar weniger effektiv, ist aber nicht zu einer geringeren Resistenz führt.

Die Wissenschaftler des Children’s Hospital of Pittsburgh stellten bei einer Untersuchung fest, dass ein kürzerer Antibiotika-Einsatz bei Kindern die Behandlung einer akuten Mittelohrentzündung weniger effektiv macht, aber nicht zu einer verringerten Antibiotika-Resistenz oder geringeren Nebenwirkungen führt. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“.

Besonders kleine Kinder erkranken häufig an einer akuten Mittelohrentzündung. Zur Behandlung wird dann meist Antibiotika eingesetzt. Doch die Einnahme kann zu einer erhöhten Resistenz von Bakterienstämmen führen. Aus diesem Grund untersuchten Mediziner jetzt die Auswirkungen einer kürzeren Behandlung mit Antibiotika. (Foto: topshots/fotolia.com)

Experten suchen nach Wegen die Behandlungsdauer mit Antibiotika zu reduzieren
Forscher weltweit sind schon seit langer Zeit auf der Suche nach Möglichkeiten, um die unnötige Verwendung von Antibiotika zu vermeiden. Aus diesem Grund versuchen Experten die Behandlungsdauer mit Antibiotika bei einigen häufigen Infektionen zu reduzieren. Ziel dabei ist es, die Entstehung einer Resistenz gegen Antibiotika zu verhindern.

Mediziner untersuchen 520 Kinder mit einer Mittelohrentzündung
Die aktuelle Studie umfasste 520 Kinder im Alter zwischen 6 und 23 Monaten. Bei allen Kindern wurde eine akute Mittelohrentzündung diagnostiziert, sagen die Autoren. Diese Art der Erkrankung tritt gerade bei kleinen Kindern besonders häufig auf.

Probanden wurden in zwei Gruppen unterteilt
Die Hälfte der untersuchten Kinder erhielt zehn Tage lang das Antibiotikum Amoxicillin-Clavulanat. Die andere Hälfte der Probanden erhielt fünft Tage lang das Arzneimittel und weitere fünf Tage ein Placebo, erläutern die Wissenschaftler. Die Eltern wussten dabei nicht, welche Art der Behandlung einzelne Kinder erhielten.

Mediziner untersuchen Probanden immer wieder auf resistente Bakterien
Bei den teilnehmenden Kindern wurde die Schwere der Symptome überwacht. Die Probanden mussten regelmäßig Arztbesuche durchführen, um sich auf ihre Gesundheit untersuchen zu lassen, sagen die Mediziner. Bei auftretenden Krankheiten wurden zusätzliche Arztbesuche nötig. Die Forscher überprüften in diesem Rahmen auch, ob bei den Kindern resistente Bakterien gefunden werden konnten.

Kürze Einnahme von Antibiotika führt zu mehr erfolglosen Behandlungen
Die Mediziner konnten feststellen, dass die Behandlung bei 34 Prozent der Kinder mit einer kürzeren Antibiotika-Einnahme erfolglos verlief. Bei Kindern mit einer längeren Behandlungsdauer mit Antibiotika lag der Wert bei nur 16 Prozent. Die Symptome der Erkrankung waren außerdem stärker bei der Gruppe mit dem kürzeren Behandlungsschema, fügen die Experten hinzu. Es konnte außerdem kein Unterschied zwischen beiden Gruppen festgestellt werden, wenn es um die Rate der Besiedlung mit antibiotikaresistenten Bakterien ging.

Nebenwirkungen sind bei kürzerer Einnahme von Antibiotika nicht geringer
Die ermittelten Ergebnisse waren eine Überraschung, sagt der Autor Dr. Alejandro Hoberman vom Children’s Hospital in Pittsburgh. „Ich hatte erwartet, dass die kürzere Verwendung von Antibiotika zu weniger Nebenwirkungen führt. Doch die Raten von Diarrhöe und Windelausschlag (typische Nebenwirkungen von Antibiotika) waren in beiden Gruppen ähnlich“, fügt der Experte hinzu.

Weitere Forschung ist nötig
Die Ergebnisse der Untersuchung sollten allerdings nicht verallgemeinert werden, wenn es sich bei den Betroffenen um Kinder im Alter über zwei Jahren oder Erwachsene handelt, erläutern die Autoren der Studie. Die Idee, die optimale Dosis der Einnahme von Antibiotika in einigen Kontexten zu verkürzen, sei sehr sinnvoll. Dafür bleibe allerdings weitere Forschung unerlässlich. Nur so könne die optimale Dauer einer Therapie genau festgestellt werden, sagen die Experten.

Antibiotika-Einsatz sollte auf bakterielle Infektionen begrenzt werden
Ein weiterer Grundsatz der Strategie ist es, die Verwendung von Antibiotika auf bakterielle Infektionen zu begrenzen. Eltern kommen häufig zum Arzt, wenn ihre Kinder unter Infektionen der oberen Atemwege leiden. Aber die meisten dieser Erkrankungen werden durch einen Virus verursacht. Bei dieser Form der Erkrankung ist die Einnahme von Antibiotika nicht hilfreich, erklären die Wissenschaftler.

Antibiotika muss richtig verwendet werden
Antibiotika kann lebensrettend sein, wenn das Medikament richtig verwendet wird. Aber jede Verwendung von Antibiotika birgt ein zusätzliches Risiko für die Entstehung einer Antibiotika-Resistenz, so das Fazit der Forscher. (as)