Lebensende naht: Geruchsverlust im mittleren Alter ein Hinweis auf zeitnahen Tod

Alexander Stindt
Mediziner untersuchen die Auswirkungen von Geruchsverlust auf die Lebenserwartung
Wirkt sich der Verlust unseres Geruchssinns auf unsere Lebenserwartung aus? Forscher fanden nun heraus, dass wenn Menschen ihren Geruchssinn im mittleren oder gehobenen Alter verlieren, dies auf einen frühzeitigen Zeitpunkt des Todes hinweist.

Die Wissenschaftler der Stockholm University stellten bei einer Untersuchung fest, dass der Verlust des Geruchssinns auf eine frühzeitigen Tod deuten kann. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Journal of the American Geriatrics Society“.

Wenn Menschen im mittleren oder gehobenen Alter ihren Geruchssinn verlieren, kann dies auf einen verfrühten Tod hinweisen. Bisher wurde der Verlust des Geruchssinns immer nur mit einem erhöhten Risiko für Alzheimer in Verbindung gebracht. (Foto: Halfpoint/fotolia.com)

Verminderter Geruchssinn kann auf frühzeitigen Tod hindeuten
Obwohl die bisherige Forschung bereits eine Verbindung zwischen der Alzheimer-Krankheit und einem verminderten Geruchssinn aufgezeigt hat, wurde jetzt zum ersten Mal bewiesen, dass dieser Effekt auch die Wahrscheinlichkeit, frühzeitig zu versterben, beeinflusst, erläutern die Autoren

Wissenschaftler untersuchen für ihre Studie 1.774 Probanden
Für ihre Untersuchung überwachten die Wissenschaftler von der Stockholm University 1.774 schwedische Probanden im Alter zwischen 40 und 90 Jahren für einen Zeitraum von zehn Jahren. Zu Beginn der Studie wurden die Teilnehmer gebeten an einem Test teilzunehmen, bei welchem sie 13 verschiedene Gerüche identifizieren mussten. Die Forscher stellten bei ihrer Studie fest, dass die Wahrscheinlichkeit für einen frühzeitigen Tod damit verbunden waren, wie gut sie in dem Test abschnitten. Jede falsche Antwort führte dazu, dass sich das Risiko, während der Zeit der Studie zu versterben, um acht Prozent erhöhte, sagen die Experten. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigten, dass der Geruchssinn ein wichtiger Indikator für die Gesundheit des alternden menschlichen Gehirns ist. Während der Untersuchung starben insgesamt 411 der Teilnehmer.

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Der Verlust der Geruchsfunktionen ist mit 19 Prozent erhöhtem Risiko für den Tod verbunden
Unsere Ergebnisse wurden nicht durch Demenz erklärt, sagen die Wissenschaftler. Diese Erkrankung wurde zuvor oft schon mit dem Geruchsverlust in Verbindung gebracht. Stattdessen wurde Risiko der Sterblichkeit durch auftretenden Geruchsverlust eindeutig vorhergesagt, erläutert der Autor Dr. Jonas Olofsson. Nach der Berücksichtigung des demographischen, gesundheitlichen Hintergrunds und der Hirnfunktion fanden die Mediziner heraus, dass der Verlust des Geruchssinns bei Betroffenen zu einem 19 Prozent höheren Risiko für einen frühen Tod führt, verglichen mit normal riechenden Menschen.

Geruchssinn und Zusammenhänge mit Alzheimer
Eine vorherige Studie von der University of Florida stellte bereits fest, dass die Diagnose von Alzheimer ermöglicht wird, indem Mediziner testen wie nahe ein Proband von einer Erdnuss entfernt sein muss, um diese zu riechen. Wenn solche Menschen die Nuss mindestens sechs cm oder näher an das linke Nasenloch halten mussten, als es beim rechten Nasenloch nötig war, wurde dies mit einer Diagnose für Alzheimer in Verbindung gebracht. Eine Studie der Harvard University ergab zuvor, dass Menschen mit Alzheimer Probleme dabei haben, zehn völlig normale Gerüche zu identifizieren. Zu diesen Gerüchen gehörten beispielsweise Zitrone, Minze und Erdbeere.

Vorübergehender Verlust des Geruchssinns sollte nicht zu Panik führen
In unserer zukünftigen Forschung werden wir versuchen die biologischen Prozesse zu ermitteln, welche dieses Phänomen erklären könnten, erläutern die Experten. Die festgestellten Ergebnisse tragen dazu bei, dass die Beurteilung der Geruchsfunktion Einblicke über die Alterungsprozesse des Gehirns liefern könnten. Wenn Menschen vorübergehend ihren Geruchssinn verlieren, sollten sie allerdings nicht sofort in Panik geraten. Der Zustand kann auch das Resultat von anderen Bedingungen sein wie beispielsweise einer Sinusitis, fügen die Wissenschaftler hinzu. (as)

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