Lernen aus der EHEC-Krise

Fabian Peters

Fazit der EHEC-Epidemie: Verbessertes Krisenmanagement erforderlich

04.04.2012

Die EHEC-Krise im vergangenen Jahr hat deutlich gemacht, dass eine koordinierte Zusammenarbeit alle Akteure auf Bundes- und Landesebene zwingend erforderlich ist, um derartige Bedrohungen für die Gesundheit der Bevölkerung schnell in den Griff zu bekommen. Auch die Kommunikation spielt dabei eine entscheidende Rolle, nicht nur beim Schutz der Bevölkerung, sondern auch um wirtschaftliche Schäden durch ungerechtfertigte Anschuldigungen zu vermeiden.

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Zwar konnte die im Zuge der EHEC-Krise zusammengestellte „Task Force“ aus Experten von Bund, Ländern und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit relativ schnell mit Ergebnissen überzeugen, doch bis die Expertengruppe ihre Arbeit aufgenommen hatte, war die EHEC-Krise bereits in vollem Gange. Daher plant die Bundesregierung die Aufstellung eines Notfallplans, der im Falle vergleichbarer Krisen klare Vorgaben zur Einberufung einer „Task Force Lebensmittelsicherheit“ mit Experten aus Bund und Ländern vorsieht, erklärte Bernhard Kühnle vom Bundeslandwirtschaftsministerium am Dienstag in Berlin.

Task Force half die Quelle der EHEC-Erreger zu identifizieren
Nachdem immer mehr Menschen im Frühsommer vergangenen Jahres die typischen EHEC-Symptome zeigten, begann die fieberhafte Suche nach den Ursachen. Die von EU, Bund und Ländern eingerichtete Task Force leistete hier einen wesentlichen Beitrag dazu, dass letztendlich Bockshornkleesamen aus Ägypten als Quelle der EHEC-Infektionen identifiziert werden konnten. Mit den Samen wurde offenbar der bis dato unbekannte EHEC-Erreger O104:H4 importiert. Dieser spezielle Stamm der Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) ist besonders aggressiv und führt verhältnismäßig häufig zu schweren Komplikationen im Krankheitsverlauf – dem sogenannten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS). Insgesamt 53 Menschen waren vergangenes Jahr an den Folgen der EHEC-Infektion verstorben, rund 4.000 waren erkrankt, davon mehr als 850 an HUS.

Notfallplan zum Management von Lebensmittelkrisen
Um derartige Krisen besser handhaben zu können, plant die Bundesregierung nun die Einrichtung eines Notfallplans für das Management bei Lebensmittelkrisen. So wird bei der Verbraucherschutzministerkonferenz im Herbst auch über das zukünftige Krisenmanagement entschieden, wobei die „Task Force Lebensmittelsicherheit“ fortan nach klaren Regeln zusammenarbeiten soll, erklärte der Abteilungsleiter Lebensmittelsicherheit des Bundesverbraucherministeriums, Bernhard Kühnle. Bund und Länder planen laut Kühnle derzeit die Unterzeichnung einer entsprechenden Vereinbarung. Der Notfallplan soll nicht nur klare Vorgaben für die Einrichtung der Task Force machen, sondern auch festlegen, wer in Bund und Ländern zu welchem Zeitpunkt mit Informationen an die Öffentlichkeit geht. Denn hier lag eine der wesentlichen Schwächen des Krisenmanagements bei der EHEC-Krise im vergangenen Jahr. Zwar müssen die Informationen zeitnah an die Bevölkerung weitergegeben werden, doch dies sollte in jedem Fall einheitlich geschehen.

Verzehr-Warnungen immer eine Gratwanderung
Verschiedene Verzehr-Warnungen in den einzelnen Bundesländern – wie bei der EHEC-Epidemie 2011 – seien nicht zielführend und sorgen nur für Verunsicherung in der Bevölkerung, erklärte Kühnle. Zwar halte das Verbraucherschutzministerium auch heute noch die damals ausgesprochenen Warnungen vor dem Verzehr von Gurken, Tomaten und Salat für richtig, doch die Art der Kommunikation stieß auf erhebliche Kritik. Der Absatz für die unter Verdacht stehenden Produkte war massiv eingebrochen und hatte die Hersteller in eine schwere finanzielle Krise gestürzt. Zwar habe sich im weiteren Verlauf herausgestellt, dass nicht Tomaten, Gurken oder Salat sondern Bockshornklee-Sprossen hinter der EHEC-Epidemie steckten, doch „die Verzehrempfehlungen sind immer eine Gratwanderung, wenn man noch in der Ermittlung ist“, betonte Kühnle. Den Betroffenen Erzeugern sei außerdem eine Entschädigung zugestanden worden, wobei die hierfür auf EU-Ebene bereitgestellten Mittel bisher nicht einmal ganz abgerufen wurden, erläuterte Kühnle. (fp)