LifeTime-Konzept – Die Medizin der Zukunft in Europa?

Volker Blasek

Medizinisches Flagschiff soll Diagnose und Therapien revolutionieren

Zuverlässige Prognosen und Diagnosen über Krankheiten zu treffen, den genauen Zeitpunkt des Ausbruchs zu kennen und Krankheitsverläufe vorherzusehen – dieser Traum der Menschheit könnte bald Wirklichkeit werden, wenn man den Wissenschaftler glaubt, die jetzt ein visionäres Konzept für ein „medizinisches Flagschiff“ veröffentlichten. Im Wesentlichen sollen dadurch folgende Aspekte realisiert werden:

  • Die Diagnose zahlreicher Krankheiten soll verbessert werden.
  • Neue Talente und Technologien sollen etabliert und gefördert werden.
  • Mechanismen des Alterns und Vorgänge bei Krankheiten sollen besser verstanden werden.
  • Individuell gestaltbare Therapien sollen entwickelt werden.
  • Neue Ziele für die Medikamentenentwicklung sollen aufgezeigt werden.

Der Antrag wurde bereits durch führende Forscherinnen und Forscher gestellt, heißt es in einer Pressemitteilung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin. Das Projekt mit dem Namen LifeTime wartet auf den Startschuss. Ein europäisches Konsortium plant die Realisierung des ambitionierten Projekts, das durch eine Milliarde Euro gefördert werden soll. Dabei soll ein medizinisches Flagschiff entstehen, dass vor allem die neusten Technologien der Einzelzellbiologie nutzen soll.

Mit Hilfe neuster Technologien sollen im LifeTime-Projekt einzelne Zellen zeitlich und räumlich beobachtet werden, um Einflüsse von Krankheiten und Alterungsprozesse besser zu verstehen. (Bild: psdesign1/fotolia.com)

Das Buch des Lebens

Wissenschaftler und Medien bezeichnen das Genom gerne als „Buch des Lebens“. Diejenigen, die darin „lesen“ können, wisse auch, wie genetische Veranlagung und Krankheiten zusammenhängen. Weltweit versuchen Wissenschaftler zu verstehen, wie unsere Körperzellen dieses „Buch“ entschlüsseln.

Einzell-Technologie der nächsten Generation

Die sogenannten Omics-Technologien verzeichnen eine rasante Entwicklung. Mit ihrer Hilfe lassen sich beispielsweise Tausende von Genprodukten anhand einer einzigen Gewebeprobe messen, wo früher Zehntausende von Zellen vonnöten waren. Die Auflösungen in den molekularen Darstellungen reicht nun bis hin zu einzelnen Zellen innerhalb von Geweben und Organen.

Ziel von LifeTime

Die Wissenschaftler wollen mit dem neuen Flagschiff-Projekt die molekulare Zusammensetzung menschlicher Zellen zeitlich und räumlich verfolgen. So sollen die Mechanismen des Alterns und Vorgänge bei Krankheiten besser verstanden werden. Um eine effektive Zusammenarbeit zu gewährleisten und die neuen Technologien besser nutzen und etablieren zu können, haben die Wissenschaftler das LifeTime-Konsortium ins Leben gerufen.

Einsatz von künstlicher Intelligenz

Bei den Einzelzell-Technologien kommen häufig experimentelle Modellsysteme zum Einsatz. Dabei wird in Modellen erforscht, wie Zellen gesund bleiben oder krank werden und wie sie auf Arzneimittel reagieren. Da solche Experimente riesige Datenmengen erzeugen, sollen in der LifeTime-Forschung rechnergestützte Strategien eingesetzt werden, bei denen auch maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz genutzt werden soll. Mit diesem kombinierten Ansatz wollen die Forscher frühe Diagnosemöglichkeiten verbessern, Wegweiser für die Medikamentenentwicklung setzen und individuelle Therapien ermöglichen.

Medizintechnologie aus allen Wissenschaften

Im LifeTime-Konzept vereinen sich Technologien aus verschiedenen Bereichen wie beispielsweise Biologie, Informatik, Mathematik, Pathologie, Bildgebung und Physik. Das LifeTime-Projekt soll neue Talente anlocken und alle europäischen Wissenschaftler integrieren, die einen wichtigen Beitrag leisten können. Mit diesem Netzwerk sollen institutionelle Grenzen überwunden, Nachwuchskräfte gefördert sowie Verbesserungen der gesamten Infrastruktur für die europäischen Lebenswissenschaften vorgenommen werden. (vb)